Die Außenpolitik Italiens in der Regierung Orlando- Sonnino


Seminararbeit, 2012
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Vorbemerkung

1. Italien in der unmittelbaren Nachkriegszeit
1.1. Vom Dreibund zur Entente
1.2. Der Londoner Vertrag

2. Die italienische Außenpolitik in der Regierung Orlando- Sonnino
2.1. Die Regierung Orlando und die innen- Situation Italiens
2.2. Sonnino und die Außenpolitik Italiens
2.3. Die Interessenlagen Italiens und der Alliierten
2.4. Der Bissolati Vorschlag

3. Die Umsetzung der italienischen Außenpolitik: die Verhandlungen während der Pariser Friedenskonferenz (November 1918- Juni 1919)
3.1. Die Fiume- Frage und das Manifest Wilsons
3.2. Die italienische Abwesenheit und das Alliierten Verhalt
3.3. Der Tardieu- Plan

Zusammenfassung der Ereignisse

Vorbemerkung

Die vorliegende Arbeit zielt daran ab, das Verhalten der ersten italienischen Delegation an der Pariser Friedenkonferenz (18. Januar 1919- 19. Juni 1919) zu erforschen. Um die Gebietsansprüche der italienischen Regierung zu verstehen, ist es notwendig, nicht nur die innenpolitische und gesellschaftliche Situation dieser Nation, sondern auch die Interessenanlage und das daraus folgende Benehmen der Alliierten und der Vereinigten Staaten zu erklären. Um diesen Zweck zu erreichen, habe ich nicht nur die bestehende Literatur über die Teilnahme Italiens an der Konferenz benutzt, sondern auch die italienische diplomatische Dokumente[1] gelesen und angewendet.

Im Jahr 1914 und seit 1882 war Italien ein Mitglied des Dreibundes. Jedoch hatte Italien schon vor dem Jahr 1914 angefangen, eine Annährung zur Entente zu realisieren, da die Beziehungen mit der Doppelmonarchie nie einfach gewesen waren. Schließlich wurde im April 1915 der Londoner Geheimvertrag zwischen Italien und den Entente- Mächten untergezeichnet. Er kündigte das italienische Ergreifungsprogramm nach dem ersten Weltkrieg an, falls die Entente den Krieg gewonnen hätte. Italien zielte durch den Vertrag daran ab, seine Position gegenüber der Doppelmonarchie zu halten. Da der Krieg die europäische Ordnung veränderte, waren jedoch Großbritannien und Frankreich nicht mehr bereit alle die Versprechungen des Vertrags zu halten.

Die Teilnahme Italiens an den ersten Weltkrieg hat die Krise des liberalen Staates beschleunigte. Die italienischen delegierten an die Friedenkonferenz sollten darum eine Nation vertreten, das knapp stabil war. Die Regierung versuchte darum, die Außenpolitik zu anwenden, um internationale Ereignisse zu erzielen, die die liberale Führungsschicht gegenüber der Bevölkerung und der Öffentlichkeit rechtfertigen könnten. Jedoch führte die tapfere Verteidigung der nationalen Interessen Italiens an die Friedenskonferenz das Land allmählich zu einer diplomatischen Isolierung. Die Außenpolitik Sonninos war nämlich gegen die von Wilson bestimmte New Diplomacy..

Außerdem hatte der Zusammenbruch der Doppelmonarchie eine Machtleere in Zentraleuropa gelassen, die die anderen Siegermächte in den von Italien beanspruchten Gebieten verlockte. Konfliktsfelder zwischen Italien, Frankreich und Großbritannien waren überhaupt die Adria- Frage bzw. die Fiume- Frage, Äthiopien und die Dodekanese Inseln.

Aus den italienischen diplomatischen Dokumenten geht es hervor, dass die zwei Alliiertenstaaten vor dem Anfang der Friedenskonferenz dafür waren, die Versprechungen des Londoner Vertrags gegenüber Italien zu erfüllen. Jedoch haben sowohl der Mangel an eine einstimmige italienische Außenpolitik, als auch die hartnäckigen Gebietsansprüche S onninos bei der Konferenz beigetragen, die italienische internationale Handlungsfähigkeit zu schwächen. Großbritannien und Frankreich nutzen die diplomatische Schwäche Italiens aus, um ihre eigene Ziele zu verfolgen und häufig ihre wirtschaftliche Vormacht in einigen Kolonien zu Nachteil Italiens zu verstärken. Das wurde überhaupt deutlich, als die italienische Delegation die Konferenz nach dem beleidigenden Manifest Willsons verließ: die Alliierten ergriffen die Möglichkeit, um die Verhandlungen über Anatolien und die Mandate- Frage zu vollenden.

1. Italien in der unmittelbaren Nachkriegszeit

1.1 Vom Dreibund zur Entente

Im Jahr 1914 und seit 1882 war Italien ein Mitglied des Dreibundes. Die Beziehung mit der „Doppelmonarchie“ war jedoch überhaupt nicht einfach: die italienische Einheit ist nämlich durch eine lange Bekämpfung gegen Österreich im Jahr 1886 erreicht worden, die jedenfalls das Gefühl des Irrendentismo[2] in der italienischen Öffentlichkeit gelassen hat.

Trento and Trieste remained the rallying cry of Italian nationalism, not incomparable to the cry for Alsace- Lorraine in France. There was this important difference, however, that whereas nationalistic agitation in France was – broadly speaking- mainly kept alive by the conservative elements, Italian nationalism, associated with the Mazzinian tradition, caused the liberal elements to have little enthusiasm for the Austrian association whose main support –again broadly speaking- was conservative and clerical. It must also be said that the cry for Nice and Savoy was not unknown in Italy ( Albrecht- Carrié 1938: 5 ).

Die gegenseitigen Einhalte begründen in Verbindung mit dem kaum verlässlichen Verhalten der Doppelmonarchie gegenüber Italien in der heutigen Geschichtsschreibung den Übergang Italiens vom Dreibund zur Entente[3]. Außerdem soll es bemerkt werden, dass der Dreibund eine Defensivbündnis war und der erste Weltkrieg nur nach dem Attentat vom Sarajevo begann. Aus diesem Grund fühlte sich Italien nicht zum Beistand verpflichtet und erklärte am Anfang seine Neutralität.

Schon vor dem Jahr 1914 hatte Italien angefangen, eine Annährung zur Entente zu realisieren: die Beziehungen mit Großbritannien waren immer herzlich gewesen, während die Versöhnung mit Frankreich durch den wirtschaftlichen Abkommen des Jahr 1899 begonnen wurde (Albrecht- Carrié 1938: 6 Fußnote 8).

1.2 Der Londoner Vertrag

Der Londoner Geheimvertrag wurde im April 1915 zwischen Italien und den Entente- Mächten unterzeichnet. Inhaltlich kündigte er das italienische Ergreifungsprogramm nach dem ersten Weltkrieg an, falls die Entente den Krieg gewonnen hätte. Italien strebte daran, einigen Gebieten (insbesondere Südtirol/ Trentino- Alto Adige, Julisch Venetien, Norddalmatien, Valona) zu bekommen, die nicht nur eine vollkommene Verteidigung Norditaliens, sondern auch die Zusammenführung der noch in Österreich italienischen Bürger ermöglicht hätten. Laut Afflerbach (2001: 160 und 161), sollten 220.000 in Südtirol und 700.000 in Kroatien und Slowenien die Deutschsprachigen sein, die dadurch in der italienischen Regierung eingeschlossen worden wären.

Die italienische Regierung zielte durch die Bedienungen des Vertrags daran ab, seine Position der Stärke gegenüber der österreichisch- ungarischen Monarchie zu halten: die Klauseln des Abkommens wurden jedoch anhand der Überlebung der Doppelmonarchie nach dem ersten Weltkrieg verfassen, auch für den Fall, dass der Dreibund den Krieg verloren hätte.

Der erste Weltkrieg änderte tief die Ordnung Europas und damit auch die Bedienungen, auf die den Londoner Vertrag verfassen worden war. Aus diesem Grund waren auch Großbritannien und Frankreich kaum bereit den am 26. April 1915 unterzeichneten Vertrag zu umsetzen. Besonderns gestritten wurden zwei Artikeln des Abkommens (bzw. Punkt IX und Punkt XIII), in denen wichtige Gebietsgenehmigung zu Italien vorgesehen wurden.

Im Artikel IX ging es um die Frage der italienischen Anwesenheit in der Türkei, falls Großbritannien und Frankreich neue Gebiete in diesem Land besetzt hätten, wie der letzte Abschnitt des Artikels deutlich erklärt:

If France, Great Britain and Russia occupy any territories in Turkey in Asia during the course of the war, the Mediterranean region bordering on the Province of Adalia […] shall be reserved to Italy, who shall be entitled to occupy it.”[4]

Aber wenn auch dieser Absatz deutlich die Vorteile Italiens in der Türkei bestimmt, sieht die erste vorgesehene Konzession völlig ungenau aus.

„Generally speaking, France, Great Britain and Russia recognise that Italy is interested in the maintenance of the balance of power in the Mediterranean […] “[5]

Sonnino bemerkte am 30. Oktober 1918 in Bezug auf den 13. Artikel des Londoner Vertrags, dass:

Le Gouvernment italien estime que le readjustement dont il est question dans l’art. IX, n ’implique pas une simple rectification des frontières; mais qu’il s’agit pour l’ Italie d’obtenir la libération des provinces de nationalité italienne, et en même temps d’établir une frontière entre l’Italie et l’Autriche- Hongrie […] [6]

Nicht nur die englischen und französischen Ergreifen während des ersten Weltkrieges und nach demselben in Afrika und Asien, sondern auch die Geheimnisverträge über die Verteilung der Türkei zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland regten die italienischen kolonialen Ansprüche an.

Die italienische Regierung fing schon im November 1916 an, seine Gebietsansprüche den Alliierten zu fordern. Sie strebte einfach daran, die generellen in Punkt IX des Londoner Vertrags vorgesehenen Bedingungen genau zu bestimmen. Die italienischen Rechte über die Mittelmeerhafen von Smyrna, Haifa, Akka, Alexandretta und die arabische Halbinsel wurden bei den San Giovanni di Moriana und Londoner Abmachungen am April beziehungsweise am August 1917 anerkannt.

[...]


[1] I documenti Diplomatici italiani Sesta Serie 1918- 1922, Volume I, Istituto Poligrafico dello Stato, Libreria dello Stato, Roma MCMLVI

[2] Das Wort Irredentismus kommt vom italienischen Begriff „ terre irredente“ („unerlöste Gebiete“), womit vor allem jene "Volksteile" gemeint sind, die Anschluss an ihr Mutterland suchen oder eben jene Nationen, die ihr Gebiet überall dorthin ausdehnen wollen, wo Volksangehörige von ihnen leben. Die panitalienische Bewegung zielte darauf ab, alle Gebiete, die teilweise mit einer italienischsprachigen Bevölkerung bewohnt waren, in den neuen italienischen Staat einzugliedern. Am Anfang waren die gestrittenen Länder, Trentino, Dalmatien und Istrien. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die meisten dieser Gebiete beim Londoner Vertrag Italien zugesprochen.

[3] Eine genau geprüfte Behandlung des Übergangs Italiens vom Dreibund zur Entente kann man in Albrecht- Carrié (1938: 3 und ff.) finden.

[4] Treaty of London and Declarations. April 26, 1915 in Albrecht- Carrié, René. Italy at the Paris Peace Conference. Columbia University Press: New York, 1938, S. 334.

[5] ibidem

[6] „Die italienische Regierung behauptet, dass für Italien die neue Gebietsordnung, die im 13. Artikel des Londoner Vertrags vorgesehen wird, nicht nur als eine Rektifikation der Grenzen, sondern auch als eine Freimachung italienischer Regionen gilt. Es geht außerdem darum, die Grenzen zwischen Italien und Österreich- Ungarn zu bestimmen“. Il Ministro degli esteri, Sonnino, all’ambasciatore a Washington, Macchi di Cellere, Dok. 10, T. Gab. 1610- bis/ 315, Modane, 5 Novembre 1918. Italien. Istituto Poligrafico dello Stato, Libreria dello Stato. I documenti Diplomatici italiani Sesta Serie 1918- 1922, Volume I. Roma: MCMLVI

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Außenpolitik Italiens in der Regierung Orlando- Sonnino
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Veranstaltung
Seminar : Der Versailler Vertrag
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V214060
ISBN (eBook)
9783656423898
ISBN (Buch)
9783656424260
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Italien;, Sonnino;, Versailler Vertrag';, Erster Weltkrieg
Arbeit zitieren
Veronica Tomassino (Autor), 2012, Die Außenpolitik Italiens in der Regierung Orlando- Sonnino, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214060

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