Referatshandout zum aktuellen Forschungsstand des Zweitspracherwerbs von Kindern mit Migrationshintergrund auch unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Definitionen des Migrationshintergrundes und der Rolle der Muttersprache im gesamten Spracherwerb.
Besondere Berücksichtigung erfahren auch die Kinder der dritten Generation der Einwanderer, die heute im Schulalter sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsbestimmungen
1.a. Juristische Grundlage
1.b. Pädagogische Grundlage
1.c. Kinder mit Migrationshintergrund – wer ist damit gemeint?
2. Rolle der Erstsprache
2.a. Interdependenztheorie
2.b. Sprachbarrierendiskussion
2.c. (Doppelseitige) Halbsprachigkeit (Semilingualismus)
3. „Es ist schwer nicht rassistisch zu sein“ - Interkulturelle Umgebung schaffen
4. Konsequenzen für die Praxis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Zweisprachigkeit, Spracherwerb und der schulischen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, mit dem Ziel, pädagogische Ansätze für eine gelingende Sprachförderung und interkulturelle Schulumgebung aufzuzeigen.
- Definition und Problematik des Begriffs Migrationshintergrund.
- Die Bedeutung der Erstsprache für den Erwerb der Zweitsprache (Interdependenztheorie).
- Herausforderungen durch Sprachbarrieren und Halbsprachigkeit.
- Strategien zur Gestaltung einer wertschätzenden, interkulturellen Lernumgebung.
- Praktische Konsequenzen für die pädagogische Arbeit und Sprachdiagnostik.
Auszug aus dem Buch
a Interdependenztheorie
Die Erstsprache spielt beim Erwerb der Umgebungs- und Schulsprache eine zentrale Rolle. Beim Eintritt in die Schule ist der Erstspracherwerb noch nicht abgeschlossen, sondern wird normalerweise kontinuierlich weiter entwickelt. Dies umfasst u.a. die Bereiche der Grammatik, des Wortschatzes und natürlich den Schriftspracherwerb.
Bei Kindern mit einer nicht deutschen Erstsprache findet diese Weiterentwicklung allerdings nicht statt, sondern oftmals wird er Erwerb der Sprache der Primärsozialisation abrupt beendet und findet auch zum Teil im häuslichen Umfeld verringert statt. Dies kann bei Kindern zu einem „Sprachschock“ führen, der durch eine frühe Begleitung der Eltern möglichst zu vermeiden ist. Stattdessen findet der Erwerb eines elaborierten Sprachcodes auf der Zweitsprache, der Schulsprache statt.
Die Kinder fallen oft in der Alltagskommunikation nicht oder kaum auf, dass Defizit zeigt sich allerdings in der Schule häufig später, wenn die „kognitiv-akademischen sprachlichen Fähigkeiten“ in der Schule an Gewicht gewinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel erläutert die juristischen und pädagogischen Definitionen des Migrationshintergrundes und beleuchtet die Heterogenität der betroffenen Schülergruppe.
2. Rolle der Erstsprache: Hier wird die Bedeutung der Erstsprache für den Zweitspracherwerb durch Theorien wie die Interdependenztheorie und das Konzept der Semilingualismus wissenschaftlich untermauert.
3. „Es ist schwer nicht rassistisch zu sein“ - Interkulturelle Umgebung schaffen: Das Kapitel reflektiert die Rolle der Lehrkräfte in einem interkulturellen Klassenzimmer und gibt Anregungen, wie eine wertschätzende Atmosphäre für alle Kinder geschaffen werden kann.
4. Konsequenzen für die Praxis: Abschließend werden konkrete Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte zur Gestaltung der Sprachförderung und zur Zusammenarbeit mit Eltern gegeben.
Schlüsselwörter
Zweisprachigkeit, Migration, Erstsprache, Zweitsprache, Migrationshintergrund, Interdependenztheorie, Sprachförderung, Interkulturalität, Halbsprachigkeit, Sprachdiagnostik, Schulerfolg, Bildungssprache, Sprachbarrieren, Identität, Inklusion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den sprachlichen und sozialen Herausforderungen von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themen sind der Zusammenhang zwischen Erst- und Zweitspracherwerb, die Definition von Migrationshintergrund sowie die Rolle der pädagogischen Gestaltung interkultureller Umgebungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine wertschätzende Haltung und eine fundierte Sprachförderung die Bildungsbiografien von Kindern mit Migrationshintergrund positiv unterstützt werden können.
Welcher wissenschaftliche Ansatz wird verwendet?
Es werden linguistische und pädagogische Modelle, wie das Eisberg-Modell von Cummins, sowie Erkenntnisse der neueren Sprachforschung und Schulpraxis diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bedeutung der Erstsprache, die Problematik der Sprachbarrieren sowie praktische Methoden der Unterrichtsgestaltung und Elternarbeit.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Spracherwerb, Interdependenztheorie, Interkulturalität, Sprachdiagnostik und Mehrsprachigkeit.
Warum ist eine gute Erstsprachenbeherrschung laut der Arbeit so wichtig?
Eine stabile Erstsprache bildet die kognitive Grundlage für den Erwerb weiterer Sprachen und akademische Fähigkeiten, wie das Eisberg-Modell verdeutlicht.
Welche Rolle spielen Lehrkräfte bei der Vermeidung von Diskriminierung?
Lehrkräfte sollten eine offene Atmosphäre schaffen, kulturelle Vielfalt in den Unterricht einbeziehen und Kinder individuell wahrnehmen, statt sie auf stereotype Rollen zu reduzieren.
- Quote paper
- Stefan Graus (Author), 2013, Zweisprachigkeit und Migration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214072