Alles beginnt mit dem Nomen? Spracherwerb bei Kleinkindern


Seminararbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil
2.1 Der Spracherwerb
2.2 Signifikant vs. Signifikat
2.3 Objekte - Entitäten
2.4 Referentielle Wörter
2.5 Wortartenpräferenz

3. Empirische Studie
3.1 Erhebung der Sozialdaten
3.2 Fragen zum Spracherwerb

4. Zusammenfassung

5. Bibliographie

Abstract

Folgende Seminararbeit befasst sich mit dem Thema Spracherwerb bei Kleinkindern. Jeder Anfang beginnt mit einem Wort. Meine Aufgabe während dieses Semesters war es, mich mit diesem einen Wort auseinanderzusetzen.

Im Zentrum dieser Thematik steht die Frage, ob Kleinkinder tatsächlich zuerst lernen, Nomen auszusprechen und wenn ja, warum sie die Hauptwörter anderen Wortarten vorzeihen. Diverse Forschungsreihen brachten das Ergebnis, dass es Kleinkindern tatsächlich leichter fällt, Gegenstände anstelle von Aktionen zu beschreiben. Den Grund dafür sieht die Wissenschaft in der Tatsache, dass Kinder bereits sehr früh lernen, Objekte als Entitäten zu erkennen und ihnen diese Fähigkeit als visuelle Unterstützung im Spracherwerb dient. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Signifikant und Signifikat detaillierter erläutert und ebenso spezifiziert, wann ein Wort auch als „richtiges Wort“ gilt. Denn oft kommt es vor, dass Kleinkinder nur unverständliche Laute von sich geben, die noch nicht als Wort im eigentlichen Sinn gelten. Es lautet also zu klären, welche Kriterien ein Wort erfüllen muss, um als richtiges - sogenanntes referentielles Wort - gehandhabt zu werden.

Diese Fragen gilt es in folgender Seminararbeit zu beantworten.

1. Einleitung

Die nachfolgende Seminararbeit wurde im Zuge der Lehrveranstaltung Sprachwissenschaft an der Universität Wien abgelegt und beschäftigt sich mit dem Spracherwerb bei Kleinkindern. Im Detail wird die Frage untersucht, ob Kleinkinder tatsächlich zuerst lernen, Nomen auszusprechen und wenn ja, welche Erklärung es für dieses Phänomen gibt.

Zunächst wird im theoretischen Teil dieser Arbeit ein kurzer Überblick gegeben, wann der Spracherwerb bei Kleinkindern beginnt und welche Faktoren diesen beeinflussen. In diesem Zusammenhang werden theoretische Begriffe wie Signifikant, Signifikat, Objekt-Entität und referentielle Wörter geklärt und deren Bedeutung für diese Arbeit erläutert, bevor weiterführend bestehende Forschungsergebnisse diverser Sprachwissenschaftler vorgestellt und kritisch hinterfragt werden.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit der empirischen Studie, die im Zusammenhang mit dieser Seminararbeit durchgeführt wurde. Zu diesem Zweck wurden Mütter nach dem ersten Wort ihrer Kinder befragt. Im speziellen wurde geklärt, was das erste Wort der Kinder war, welcher Wortgruppe es angehörte, was die Kinder damit ausdrücken wollten, wie alt die Kinder waren, als das Wort das erste Mal gebraucht wurde und ob es einmalig oder anschließend mehrmals gebraucht wurde. Interessant war in diesem Zusammenhang auch, ob das Wort dem Kind geläufig war, oder ob es sich um ein Wort handelte, das das Kind nicht aus dem direkten Umfeld aufschnappen konnte. Ebenso wurde auch das soziale Umfeld der Kinder hinsichtlich Gesundheit und familiären Strukturen untersucht. Wichtig für die Studienergebnisse war, ob das Kind ein- oder mehrsprachig erzogen wurde und ob Deutsch die Muttersprache ist.

Eine Auswertung der Ergebnisse, die anschließend in einer Zusammenfassung präsentiert werden, rundet die Arbeit thematisch ab.

2. Theoretischer Teil

2.1 Der Spracherwerb

Die Entwicklung des Spracherwerbs beginnt bereits im Mutterleib. Bereits dort erkennt das Kind unterschiedliche Sprachmelodien und kann so die Stimme seiner Mutter unter anderen heraushören. Auch kann bereits der Fötus zwischen Muttersprache und Fremdsprache unterscheiden. Diese versucht es im ersten Lebensjahr zunächst mit „Schreilauten“, anschließend mit „Lall-Lauten“ nachzuahmen. Laut FENSON gelingt es erst im Alter von einem Jahr, typische Sprachnormen der Muttersprache nachzuahmen. (vgl. Szagun 2006:66).

Wenn das Kind eine Sprache erlernt, beginnt es laut CLARK (1973:816f) zunächst, Wörter nach semantischen Merkmalen zu gruppieren. Um ein Wort korrekt erzeugen zu können, benötigt das Kind also vorerst das Verständnis für das passende Verhältnis zwischen Bezeichnung und Gegenstand. Die Summe aller semantischen Merkmale bildet die Bedeutung eines Wortes.

Werden zunächst nur allgemeine Merkmale gesammelt, sammeln sich im Laufe des Spracherwerbs immer mehr dieser semantischen Merkmale an und werden immer spezifischer. Haben zwei Wörter dieselben semantischen Merkmale, verwechselt das Kind diese oft. Wie es zum Beispiel bei Hund und Katze vorkommen kann (siehe genaueres dazu in Kapitel 2.2). Während CLARK davon ausgeht, dass die von den Kindern wahrgenommenen Merkmale perzeptuell sind, ist SZAGUN (2006:138) davon überzeugt, dass Kinder die einzelnen Merkmale auch funktional, emotional und lokativ unterscheiden können.

2.2 Signifikant vs. Signifikat

Wenn wir kommunizieren, gebrauchen wir dabei Wörter, die wir grammatikalisch korrekt zu einem Satz formen. Jedes Wort besteht aus einer Inhaltsseite (Signifikat) und einer Ausdrucksseite (Signifikant), die streng miteinander verbunden sind. Wenn wir ein Wort gebrauchen, wissen wir um dessen Bedeutung. Wenn wir das Wort „Katze“ gebrauchen, wissen wir, wie eine Katze aussieht. Sie hat Fell, vier Pfoten, Schnurrhaare und miaut. Aber weiß auch ein Kleinkind, was eine Katze ist?

Denn laut dieser Beschreibung könnte man ebenso von einem Hund sprechen. Und wenn Kinder „miau“ hören, wissen sie dann, dass eine Katze „miau“ macht, oder denken sie nicht vielmehr, dass „miau“ der Name für das Tier ist (vgl. Szagun 1996:107)?

2.3 Objekte - Entitäten

Die Voraussetzung dafür, eine Sprache zu erlernen, ist die Fähigkeit, Objekte als Entitäten zu erkennen. Untersuchungen ergaben, dass Kinder diese Fähigkeit bereits im Alter von 3 Monaten beherrschen, indem sie bewegende Objekte mit ihrem Blick verfolgen, weiß BAILLERGEON (vgl. Rohde 2005:8).

Um zu entscheiden, was für Kinder als Objekt gilt, und was nicht, definiert SPELKE diverse Kriterien, die erfüllt werden müssen: (vgl. Bloom 2000:94f.).

- Kohäsionsprinzip

All das, was sich zusammen mit einem Objekt bewegt, zählt ebenfalls als Objekt

- Kontinuitätsprinzip

Objekte können nicht einfach verschwinden, und anschließend an einer anderen Stelle wieder auftauchen

- Soliditätsprinzip

Objekte können nicht durch etwas anderes hindurchgehen

- Kontaktprinzip

Objekte bewegen sich nur dann, wenn sie durch etwas anderes angetrieben werden

Die Tatsache, dass Kinder Objekte bereits sehr genau definieren, auf diese Weise viel Wissen ansammeln und die Benennung des Objekts visuell unterstützt wird, indem beispielsweise die Eltern darauf zeigen und es benennen, lässt GENTNER (1982:301-324) davon ausgehen, dass Kleinkinder Gegenständer schneller erlernen als Aktionen (Verben). Um diese Phase des Spracherwerbs zu unterstützen, bedienen sich Kleinkinder während dieser Zeit an Mimik, Gestik oder „Hinweißlauten“ (vgl. Bruner 1987:62) wie beispielsweise äh, und versuchen, die Aufmerksamkeit der Erwachsenen auf den Gegenstand zu lenken.

Die ersten Wörter der Kinder sind also stets jene, mit denen sie in ihrer unmittelbaren Umwelt konfrontiert werden. Laut CLARK (1993:28) gehören zu den ersten Wörtern der Kleinkinder Begriffe aus den Kategorien Nahrungsmittel, Personen, Tiere, Körperteile, Kleidung, Spielzeuge, Fortbewegungsmittel, Haushaltsgegenstände, soziale Ausdrucksformen (Hallo, Danke), räumliche Veränderungen (auf, zu), als auch Ausdrücke wie wau-wau oder miau.

2.4 Referentielle Wörter

Schwierig dabei ist allerdings zu entscheiden, was als „richtiges“ Wort definiert werden kann. Bezeichnet das Kind beispielsweise eine Katze als miau, kann es noch nicht als referentielles Wort bezeichnet werden. Um also definieren zu können, was als referentielles Wort gewertet wird, spricht KAMHI (1986:156) von drei entscheidenden Merkmalen:

- Die phonetische Konsistenz
- Die semantische Kohärenz
- Das symbolische Autonom.

Dies bedeutet, dass Wörter eine konstante, phonetische Realisierung haben, sich auf eine Gruppe von Objekten beziehen müssen und flexibel angewendet werden können, ohne von einem Kontext abhängig zu sein. (Kauschke 2000:11). Laut KAUSCHKE (2000:104) spricht man dann von einem referentiellen Wort, „[...] wenn das Kind eine konventionell festgelegte lexikalische Form als unabhängiges und flexibles Zeichen in unterschiedlichen Kontexten und mit einem festen inhaltlichen Bezug verwendet“, beziehungsweise „[...] grundsätzlich die phonetische Konsistenz und die Bedeutungshaltigkeit bzw. die Verwendung in einem plausiblen Kontext gegeben ist.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Alles beginnt mit dem Nomen? Spracherwerb bei Kleinkindern
Hochschule
Universität Wien  (Germanistik)
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V214105
ISBN (eBook)
9783668318823
ISBN (Buch)
9783668318830
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spracherwerb, Kleinkinder, Entität, empirische Studie, Nomen, referentielle Wörter, Signifikant Signifikat, Wortartenpräferenz
Arbeit zitieren
Christina Stöger (Autor), 2013, Alles beginnt mit dem Nomen? Spracherwerb bei Kleinkindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214105

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