Familienorientierte Pflege nach Lorraine M. Wright und Maureen Leahey


Hausarbeit, 2012

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einführung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Familie – eine Begriffsdefinition
2.2 Funktion von Familie
2.3 Systemtheoretische Grundlagen
2.4 Familienbezogene Pflege

3 Familienorientierte Pflege nach WRIGHT und LEAHEY
3.1 Calgary Familien-Assessment-Modell
3.1.1 Strukturelles Assessment der Familie
3.1.2 Instrumente des strukturellen Assessment
3.1.3 Assessment der Entwicklung der Familie
3.1.4 Funktionales Assessment der Familie
3.2 Calgary Familien-Interventions-Modell

4 Kritische Würdigung des Ansatzes

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Sonstige Verzeichnisse:

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1: Genogramm der Familie des Herrn W. (Quelle: eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis:

Tab.1: Familien-Assessment mit zugeordneten Haupt- und Subkategorien, eigene Darstellung (Quelle: WRIGHT/ LEAHEY 2009a, 70)

Tab.2: Darstellung der Subkategorie Kontext, eigene Darstellung

(Quelle: WRIGHT/ LEAHEY 2009a, 82ff)

Tab.3: Subkategorie der expressiven Funktion, eigene Darstellung

(Quelle: WRIGHT/ LEAHEY 2009a, 131ff)

Tab.4: Typen zirkulärer Fragen, eigene Darstellung

(Quelle: WRIGHT/ LEAHEY 2009a, 160/161)

Anlage 1: Legende für das Genogramm

(Quelle: WRIGHT/ LEAHEY 2009, 90 - Die Symbole in einem Genogramm)

Familienorientierte Pflege nach Lorraine M. WRIGHT und Maureen LEAHEY

1 Einführung

In den Fokus von Pflegewissenschaft und pflegerischer Praxis rückt zunehmend die Erkenntnis, dass sich professionelle Pflege nicht nur an einzelne Individuen richtet. Vielmehr ist der Mensch „…im Kontext seiner Umwelt…“ (BÜSCHER u.a. 2001, 11) und in seiner engen Verbindung zu anderen „…Personen als Familie oder soziale Gruppe…“ (BÜSCHER u.a. 2001, 11) zu betrachten. Aufgrund zahlreicher struktureller Veränderungen der Gesundheitsversorgung „…erfüllen Systeme, mit denen Krankenhäuser viele Jahre lang gut zurecht kamen, nicht mehr die Bedürfnisse…“ (KANTZ u.a. 2002, 18) von Patienten und Familien. Diese Problematik wird auch zunehmend von Anbietern von Gesundheitsleistungen in Deutschland erkannt. So bietet beispielsweise die Barmer GEK in einer Rahmenvereinbarung mit dem DBfK „…pflegenden Angehörigen oder anderen pflegenden Personen bei der Versorgung ihres Pflegebedürftigen Unterstützung durch Familiengesundheitspflegende an“ (DBfK 2012, 680). Diese Fachkräfte sollen „…aufgrund ihrer spezifischen, familiensystemischen, salutogenetischen Beratungskompetenz Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen im Rahmen von individuellen häuslichen Schulungen Hilfestellungen geben und diese Familien unterstützen“ (DBfK 2012, 680). Im Rahmen einer Qualifikationsmaßnahme werden hierbei seit 2005 vom DBfK Pflegende und Hebammen geschult, um im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung gezielt zu beraten (vgl. DBfK 2012, 680). Family nursing beinhaltet jedoch mehr als nur Beratungskompetenz. „Family nursing comprises a philosophy and a way of interacting with clients that affects how nurses collect information, intervene with patients, advocate for patients, and approach spiritual care with Families. This philosophy and practice incorporates the assumption that health affects all members of families, that health and illness are family events, and that families influence the process and outcome of health care” (HANSON 2005, 4).

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Familie – eine Begriffsdefinition

„Familien sind seit Jahrhunderten die zentrale Instanz der Sozialisation. Als sensible soziale Systeme sind sie geeignet, auf persönliche Bedürfnisse einzugehen und die Einflüsse der äußeren Realität zu filtern…“ (HURRELMANN 2002, 127). Der Familie werden hierbei wichtige Rollen im Bereich „…Verhütung, Entstehung, Entwicklung und Bewältigung von Krankheiten…“ (KOLIP 2003, 497) zugeschrieben.

In der traditionellen Vorstellung wird unter Familie „…eine biologisch-soziale Einheit mit abgesicherter Rechtsstruktur verstanden, in der ein gegengeschlechtliches Paar mit einem oder mehreren Kindern zusammenlebt“ (KOLIP 2003, 498). Auch in der Gesetzgebung in Deutschland spielen Ehe und Familie eine wichtige Rolle und stehen unter besonderem Schutz. Hier bezieht sich der Gesetzgeber „…auf ein normatives und institutionell verankertes Leitbild der Familie“ (GEHRING 2001, 16). Hier wird Familie als Lebensgemeinschaft zweier Generationen, der Kern-Familie gesehen, die sich in den Aspekten Partnerschaft, Elternschaft und hauswirtschaftlicher Gemeinschaft von anderen Lebensgemeinschaften abgrenzt (vgl. GEHRING 2001, 16).

Das Phänomen „Familie“ ist jedoch wesentlich komplexer. Veränderungen im wirtschaftlichen und kulturellen Umfeld beeinflussen auch zunehmend die Lebensverhältnisse sowie private Lebensformen innerhalb der Gesellschaft (vgl. HURRELMANN 2002, 127). Es findet sich heute eine zunehmende Individualisierung der Familie. Dies geht oftmals auf Kosten der Kern-Familie und äußert sich in einer Zunahme von Ein-Eltern-Familien, Single-Haushalten, kinderlosen Ehepaaren und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften (vgl. GEHRING 2001, 18). Diese Pluralisierung von Lebensformen macht die Bestimmung des Begriffs Familie schwieriger (vgl. KOLIP 2003, 498). Familie muss heutzutage nicht mehr unter einem Dach wohnen oder den gleichen Namen tragen. Leibliche und nicht-leibliche Kinder leben oftmals in Fortsetzungsfamilien mit neuen Elternteilen zusammen. Schnelllebigkeit und Wandlungs-bereitschaft reichen bis in die intimsten Lebensbereiche hinein (vgl. GEHRING 2001, 25). Die gesamtgesellschaftlichen Faktoren, die auf Familien einwirken können sind vielseitig. Dazu zählen beispielsweise erhöhte Mobilitätsanforderungen durch den Arbeitsmarkt, steuerliche Vor- bzw. Nachteile oder veränderter Akzeptanz neuer Lebensgemeinschaften (vgl. GEHRING 2001, 23). „Diese neuen Lebensformen sind [..] durch ihre Beweglichkeit und ihr fluides Wesen gefordert, emotionale Bindungen verstärkt zu pflegen“ (GEHRING 2001, 25).

2.2 Funktion der Familie

Das Netzwerk Familie ist „… in der Regel ein enges, kleines, dichtes und emotionales System, dass sich [..] durch seine Verlässlichkeit und Strapazierbarkeit auszeichnet, aber auch kontrollierend und regulierend wirken kann“ (HURRELMANN 2002, 154). Auch das familiäre Umfeld im Sinne eines externen Netzwerks ist für den einzelnen von teils herausragender Bedeutung. Dieses Netzwerk ist offener und wird aktiviert, wenn das Netzwerk Familie überlastet ist. Jede Familie ist somit zugleich in außerfamiliäre Beziehungen eingebunden wie z.B. Freunde, Mitschüler, Verwandte oder Kollegen. Diese Kontakte reichen oftmals weit in die Familie hinein und beeinflussen deren Beziehung. Beziehungsstörungen in der Kern-Familie können durch ein vielschichtiges familiäres Netzwerk ausgeglichen werden. Zudem werden Effekte ökonomischer und psychischer Belastungen gemindert (vgl. HURRELMANN 2002, 155).

Um die Vielzahl von unterschiedlichsten Belastungen im Alltagsleben, auch in Bezug auf die Bewältigung von Erkrankungen bewältigen zu können, sind soziale Bindungen und Netzwerke von zentraler Bedeutung. Jeder verfügt über ein Netzwerk enger Beziehungen, die durch die Häufigkeit der Interaktion und gemeinsamen Werte und Interessen bestimmt werden. Diese sind geprägt durch die Intensität positiver gegenseitiger Gefühle und sozialer Wertschätzung (vgl. WALLER 2001, 21). Diese positiven Effekte zeigen sich in emotionaler (Akzeptanz), instrumenteller (finanzielle, andere Hilfen), informationeller (Informationen u.a.) sowie Einschätzungsunterstützung (Bewertungs- und Lösungshilfen) (vgl. WALLER 2001, 23). Die Unterstützung ist zum einen krankheitsabschirmend und „…hilfreich bei der Bewältigung von Belastungen. Zum anderen wirken soziale Netze aber auch direkt auf das Wohlbefinden…“ (WALLER 2001, 23) und damit gesundheitsfördernd. Die Familie ist zudem für eine Vielzahl an Sozialisationserfahrungen verantwortlich. In ihr „… werden Stile des Umgangs mit dem Körper, mit Gesundheit und gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie gesundheitsrelevantes Verhalten vermittelt und erlernt“ (KOLIP 2003, 502). Zusammenfassend zeigen sich als Wirkmerkmale sozialer Unterstützung:

- „Die Familie schirmt das Individuum vor bedrohlichen Umweltbelastungen ab
- Sie gibt emotionale und praktische Hilfen bei der Bewältigung von Problemen
- Sie erbringt gesundheitsfördernde „Dienstleistungen“
- Sie übt gesundheitsrelevante soziale Kontrolle aus
- Sie gibt den Familienmitgliedern das Gefühl von Zugehörigkeit und Wertschätzung“ (WALLER 2001, 23).

2.3 Systemtheoretische Grundlagen

In der Aussage der Handlungs- und Systemtheorie sind die Ziele des Handelns, die in einer Gesellschaft von der Mehrheit getragen werden, durch eine übergreifende normative Ordnung geprägt. Die Mitglieder dieser Gesellschaft leben hierbei „…nicht nur auf Grund individueller Interessen und äußeren Zwangs, sondern vor allem auf Grund eines freiwillig geschlossenen normativen Bezugsrahmens…“ (SCHROETER 2000, 13) zusammen. Dieser allgemein akzeptierte Wertekonsens wird im Rahmen der Sozialisation verinnerlicht und ist im sozialen System institutionell verankert (vgl. SCHROETER 2000, 13). Soziale Systeme werden hierbei definiert als „…komplexe, anpassungsfähige und zielgerichtete Gesamtheiten, die gegenüber einfacheren Systemen […] dadurch ausgezeichnet sind, dass sie bei veränderten Umweltbedingungen ihre Struktur verändern oder ausbauen können…“ (WILLKE 2000, 5), um die Leistungs- oder Überlebensfähigkeit zu erhalten. Diese Systeme grenzen sich dabei von ihren Umwelten ab „…wirken aber auch in diese hinein und unterliegen auch den ständigen Einwirkungen der Umwelt“ (SCHROETER 2000, 13). Betrachtet man die Funktionen von Systemen, so interessiert vor allem deren gegenseitige Beziehung und Abgrenzung. Hierbei definieren sich Systeme vor allem in der Differenz zu ihrer Umwelt. Diese Umwelt ist „…für jedes System etwas anderes, nämlich jeweils das außerhalb des Systems Bestehende aus Sicht des Systems selbst“ (BERGHAUS 2011, 41). Dieser Systembegriff bezieht sich nicht mehr nur auf ein „…Netz von Beziehungen, die Teile zu einem Ganzen zusammenordnen; sondern er zielt auf eine sinnhaft strukturierte Transformation von Komplexitäten, auf die Auseinandersetzung des Systems mit seiner Umwelt“ (WILLKE 2000, 7) ab. Diese Reduktion von Komplexitäten ist eine der wichtigsten Funktionen sozialer Systeme. „Sie vermitteln zwischen der unbestimmten Komplexität der Welt und der begrenzten Erlebnisverarbeitung der Menschen und gewähren den Menschen damit Orientierungshilfen bei der Bewältigung ihres Alltags“ (SCHROETER 2000, 19).

[...]

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Details

Titel
Familienorientierte Pflege nach Lorraine M. Wright und Maureen Leahey
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Veranstaltung
Familienorientierte Pflege
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V214116
ISBN (eBook)
9783656425656
ISBN (Buch)
9783656438410
Dateigröße
1005 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
familienorientierte, pflege, lorraine, wright, maureen, leahey
Arbeit zitieren
Diplom-Pflegewirt FH Katharina Kemmether (Autor), 2012, Familienorientierte Pflege nach Lorraine M. Wright und Maureen Leahey, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214116

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