Umwandlung einer GmbH in eine KG mit Übertragung des Betriebsvermögens sowie weiteres Grundvermögen im Wege der vorweggenommenen Erbfolge


Projektarbeit, 2013
48 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Problemstellung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Vorgehensweise der Arbeit
1.3 Überblick über die Vermögensverhältnisse der Familie Mustermann

Teil 1 – Umwandlung der Mustermann Werbeartikel GmbH in die Heinz Mustermann KG
2 Vorstellung der Unternehmen
2.1 Die Mustermann Werbeartikel GmbH
2.2 Die Telefonwerbung Heinz Mustermann KG
2.3 Gründe für die Umwandlung der GmbH in die KG
2.3.1 Persönliche Prämissen der Gesellschafter bei der Rechtsformwahl
2.3.2 Eignung des Unternehmensnachfolgers
3 Begriff und zivilrechtliche Möglichkeiten der Umwandlung
3.1 Die Verschmelzung
3.2 Ablauf der Verschmelzung nach dem Umwandlungsgesetz
3.2.1 Die Vorbereitungsphase
3.2.1.1 Der Verschmelzungsvertrag
3.2.1.2 Der Verschmelzungsbericht
3.2.1.3 Die Verschmelzungsprüfung
3.2.2 Die Beschlussphase
3.2.3 Die Vollzugsphase
4 Steuerliche Behandlung der Verschmelzung
4.1 Auswirkungen bei der Mustermann Werbeartikel GmbH
4.2 Auswirkungen bei der Telefonwerbung Heinz Mustermann KG
4.3 Besteuerung auf der Ebene der Gesellschafter
4.4 Ermittlung des Übernahmeergebnisses
5 Steuerlicher Rückwirkungszeitraum
6 Weitere steuerliche Auswirkungen
6.1 Grunderwerbsteuer
6.2 Umsatzsteuer

Teil 2 – Übertragung des Vermögens der Eheleute Erika und Ernst Mustermann auf Tim Mustermann
7 Allgemeine Einführung in die Erbschaft- und Schenkungsteuer
7.1 Begriffsabgrenzung zwischen Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer
7.2 Bestimmung der Steuerpflicht
7.2.1 Sachliche Steuerpflicht
7.2.2 Unbeschränkte Steuerpflicht
7.2.3 Beschränkte Steuerpflicht
7.2.4 Entstehung der Steuer
8 Schenkungsmodelle
8.1 Nießbrauch
8.2 Rente
8.3 Entscheidung
9 Bewertungsverfahren auf Ebene der Heinz Mustermann KG
9.1 Substanzwertverfahren
9.2 Vereinfachtes Ertragswertverfahren
9.3 Steuerverschonung
10 Bewertungsverfahren auf Ebene der Mustermann V+V GbR
10.1 Das Ertragswertverfahren
10.2 Steuerverschonung
11 Durchführung der Besteuerung
11.1 Steuerklassen und Freibeträge
11.2 Berücksichtigung früherer Erwerbe
11.3 Steuersätze
11.4 Steuerschuldner
12 Ermittlung des steuerpflichtigen Erwerbs als Anwendung auf den Sachverhalt

Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Beteiligungsverhältnisse Telefonwerbung Heinz Mustermann KG

Abb. 2: Beteiligungsverhältnisse Mustermann Werbeartikel GmbH

Abb. 3: Beteiligungsverhältnisse Mustermann Vermietungs-GbR

Abb. 4: Bilanz der Mustermann Werbeartikel GmbH 31.12.2011

Abb. 5: Bilanz der Telefonwerbung Heinz Mustermann KG 31.12.2011

Abb. 6: Ermittlung der Bezüge nach § 7 UmwStG

Abb. 7: Aufteilung der Bezüge aus § 7 UmwStG

Abb. 8: Ermittlung des Wertes nach § 4 Abs. 1 UmwStG

Abb. 9: Aufteilung der Bezüge nach § 4 Abs. 1 UmwStG

Abb. 10: Bilanz der Telefonwerbung Heinz Mustermann KG

Abb. 11: Erbschaftsteuerpflichtige Vorgänge

Abb. 12: Ermittlung des Substanzwertes

Abb. 13: Ermittlung des Kapitalisierungsfaktors

Abb. 14: Ermittlung des gemeinen Wertes der Heinz Mustermann KG

Abb. 15: Aufteilung des gemeinen Wertes des Unternehmens auf die Gesellschafter

Abb. 16: Schema zur Ermittlung des Grundbesitzwertes anhand des Ertragswertverfahrens

Abb. 17: Ermittlung des Grundbesitzwertes anhand des Ertragswertverfahrens

Abb. 18: Steuerklassen in der Erbschaftsteuer

Abb. 19: Steuersätze Erbschaftsteuer

Abb. 20: Kapitalverhältnisse vor Schenkung

Abb. 21: Kapitalverhältnisse nach Schenkung

Abb. 22: Höhe des Schenkungsanteils

Abb. 23: Berechnung des steuerpflichtigen Erwerbs und der Erbschaftsteuerlast

1 Problemstellung

Die Gestaltung der Unternehmensnachfolge ist ein ebenso unausweichliches wie auch brisantes und allzeit aktuelles Ereignis in der Entwicklung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Wer seine eigene Firma mühsam aufgebaut hat, hängt mit Herzblut an seinem Lebenswerk. Dennoch muss man loslassen können, dabei gilt: je früher desto besser.

Seit nunmehr über 47 Jahren besteht die „Telefonwerbung Heinz Mustermann KG“ in der zweiten Generation unter der Leitung des Komplementärs Ernst Mustermann und des vor 12 Jahren als Kommanditisten eingetretenen Sohnes Tim Mustermann. Allerdings ist das nicht das einzige Vermögen, welches sich die Familie Mustermann im Laufe der Zeit erarbeitet hat. Diverse Immobilien, welche sich in einer Vermietungs-GbR befinden gehören genauso dazu, wie auch eine weitere, seit 1992, betriebene Werbeartikel-Firma, welche in der Rechtsform einer GmbH ebenfalls unter der Leitung des Ernst Mustermann als Gesellschafter-Geschäftsführer und des Sohnes Tim Mustermann als weiterer Gesellschafter-Geschäftsführer geführt wird.

Um die Unternehmensnachfolge weiter voran zu bringen, entschloss man sich im Juni diesen Jahres, die Werbeartikel Mustermann GmbH auf die Telefonwerbung Heinz Mustermann KG rückwirkend auf den 01. Januar 2012 miteinander zu verschmelzen und anschließend das Vermögen wie auch das übrige Vermögen der Familie wohlüberlegt im Wege der vorweggenommenen Erbfolge auf den Sohn zu übertragen.

1.1 Zielsetzung der Arbeit

Ziel dieses Praxisphasenberichtes ist es, die zivilrechtlichen und steuerrechtlichen Lösungsmöglichkeiten der Umwandlung darzustellen. Des Weiteren sollen die Bewertungsmöglichkeiten des Betriebs- sowie Grundvermögens dargestellt werden, bis hin zur Übertragung des Vermögens der Familie Mustermann im Wege der vorweggenommenen Erbfolge auf ihren einzigen Sohn. Ziel dieser Arbeit kann es auf Grund ihres Umfangs nicht sein, alle Varianten, Sonderfälle und die verschiedenen Lösungswege zur Darstellung einer steueroptimalen Berechnung bis ins Detail darzustellen.

1.2 Vorgehensweise der Arbeit

Neben der Darstellung der Vermögensverhältnisse (Kapitel 1.3) lässt sich die Arbeit in zwei wesentliche Teile gliedern. Im ersten Teil (Kapitel 2 bis 6) geht es um die Umwandlung der bereits im ersten Kapitel genannten Firmen. Zu Beginn werden die betreffenden Unternehmen näher vorgestellt. Anschließend werden der Begriff und die vom Umwandlungsgesetz vorgesehenen Umwandlungsarten dargestellt, wobei hier der Schwerpunkt auf die für den Sachverhalt relevante „Verschmelzung durch Aufnahme“ gelegt wird. In Grundzügen wird anschließend der Ablauf der Verschmelzung bis hin zur steuerlichen Behandlung der Umwandlung aufgezeigt. Der Untersuchung folgen die Ausführungen zu den Problemen im steuerlichen Rückwirkungszeitraum sowie die weiteren steuerlichen Auswirkungen.

Im zweiten Teil der Arbeit (Kapitel 7 bis 12) geht es um die Bewertung und Übertragung des Firmen- und Grundbesitzvermögens im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge der Eheleute auf ihren Sohn. Ausgehend von einer allgemeinen Einführung in die Erbschaft- und Schenkungsteuer, beinhaltend die Begriffsabgrenzung zwischen Erbschaft- und Schenkungsteuer und der Bestimmung der Steuerpflicht, geht es weiter zu den Schenkungsmodellen und den verschiedenen Bewertungsverfahren auf jeweiliger Ebene des Firmen- und Grundbesitzvermögens. Im Anschluss daran werden die Grundlagen zur Durchführung der Besteuerung erläutert.

Der Praxisphasenbericht schließt mit einer Berechnung des steuerpflichtigen Erwerbs sowie der festzusetzenden Erbschaftsteuer ab.

1.3 Überblick über die Vermögensverhältnisse der Familie Mustermann

Die Familie Mustermann verfügt über zwei Firmen – die „Telefonwerbung Heinz Mustermann KG“ sowie die „Mustermann Werbeartikel GmbH“. Ein im Besitz des Vaters, Ernst Mustermann, befindliches Gebäude wird zudem an die Telefonwerbung Heinz Mustermann KG vermietet.

Die Beteiligungsverhältnisse an den jeweiligen Firmen stellen sich wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Beteiligungsverhältnisse Mustermann Vermietungs-GbR[3]

Teil 1 – Umwandlung der Mustermann Werbeartikel GmbH in die Heinz Mustermann KG

2 Vorstellung der Unternehmen

2.1 Die Mustermann Werbeartikel GmbH

An der im Jahre 1992 gegründeten Mustermann Werbeartikel GmbH sind der unbeschränkt steuerpflichtige Gesellschafter Ernst Mustermann zu 70 Prozent und der ebenfalls unbeschränkt steuerpflichtige Tim Mustermann zu 30 Prozent beteiligt. Die 30-prozentige Beteiligung des Tim Mustermann stammt aus einer Vorschenkung des Vaters Ernst Mustermann aus dem Jahre 2000. Die Beteiligungen werden jeweils im Privatvermögen gehalten.

Ernst Mustermann ist als Geschäftsführer mit einem monatlichen Gehalt in Höhe von 5.000,00 € angestellt. Ebenfalls vermietet er ein Bürogebäude an die GmbH, die Mieteinnahmen belaufen sich auf monatlich 5.600,00 €.

Sein Sohn Tim Mustermann ist ebenfalls Geschäftsführer und erhält ein Gehalt in Höhe von monatlich 4.000,00 €.

Die Bilanz des Unternehmens weist zum 31.12.2011 folgendes Bild auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Bilanz der Mustermann Werbeartikel GmbH 31.12.2011[4]

Der gemeine Wert der Sachanlagen wird auf 50.000,00 € geschätzt. Der Firmenwert ist auf 200.000,00 € zu beziffern. Weitere stille Reserven existieren nicht.

2.2 Die Telefonwerbung Heinz Mustermann KG

An der Telefonwerbung Heinz Mustermann KG sind die Gesellschafter Ernst Mustermann zu 70 % und Tim Mustermann zu 30 % beteiligt. Die Gesellschaft wurde im Jahr 1975 durch Heinz Mustermann gegründet. Tim Mustermann erhielt seinen 30-prozentigen Anteil durch eine Schenkung der Mutter im Jahre 2000. Die Beteiligungen befinden sich ebenfalls im Privatvermögen.

Die Bilanz der Telefonwerbung Heinz Mustermann KG weist zum 31.12.2011 folgendes Bild auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Bilanz der Telefonwerbung Heinz Mustermann KG 31.12.2011[5]

Der gemeine Wert der Sachanlagen wird auf 220.000,00 € geschätzt. Der Firmenwert wird auf 500.000,00 € geschätzt. Weitere stille Reserven existieren nicht.

2.3 Gründe für die Umwandlung der GmbH in die KG

2.3.1 Persönliche Prämissen der Gesellschafter bei der Rechtsformwahl

Vor dem Hintergrund, dass der Sohn das Unternehmen mittelfristig alleine leiten soll, stellt sich hierbei die Frage, warum die Kommanditgesellschaft nicht sofort auf die GmbH verschmolzen wird. Sieht man dabei doch in erster Linie große Vorteile, wie die Haftungsbeschränkung[6] oder die Möglichkeit zur Leitung durch nur einen Gesellschafter-Geschäftsführer.[7]

Dies liegt einerseits daran, dass der jetzige Unternehmensleiter Ernst Mustermann mit seinen 62 Jahren noch viele Jahre mitarbeiten kann und andererseits daran, dass die Ernst Mustermann KG auf Grund ihres Namens und des langen Bestehens weitergeführt werden soll – so der ausdrückliche Wunsch der Mandantschaft.

Darüber hinaus wird eine Haftungsbeschränkung zum jetzigen Zeitpunkt als nicht notwendig betrachtet, da die Firmen über ein hohes Eigenkapital verfügen und somit für die Zukunft sehr gut aufgestellt sind.

Ferner wurde die Mandantschaft darüber aufgeklärt, dass die übernehmende Personengesellschaft auf Grund des Wechsels von einer intransparenten zur transparenten Besteuerung nicht berechtigt ist, die hohen Gewinnrücklagen der übertragenden GmbH fortzuführen. Diese müssten beim Vermögensübergang versteuert werden.[8]

Das im Sonderbetriebsvermögen der Telefonwerbung Heinz Mustermann KG befindliche Gebäude soll nicht auf den Sohn übertragen werden.

Die übrigen Anteile der Vermietungsobjekte, jeweils 10 Prozent bei Erika und Ernst Mustermann, sollen ebenfalls an den Sohn verschenkt werden.

2.3.2 Eignung des Unternehmensnachfolgers

Im Idealfall bedeutet Generationswechsel in einem Familienunternehmen das Vorhandensein eines fähigen und willigen Erben.[9] Der als Nachfolger bestimmte Sohn Tim Mustermann verfügt nicht nur darüber, sondern er bringt außerdem Branchenkenntnisse, Fachkompetenz, betriebswirtschaftliches Know-how und die richtige Unternehmerpersönlichkeit mit – nicht zuletzt durch seine 15-jährige Betriebszugehörigkeit in den jeweiligen betreffenden Unternehmen.

Neben diesen typischen Unternehmerkompetenzen bringt der Unternehmensnachfolger auch genau die Fähigkeit mit, die die strategische Ausrichtung des Unternehmens für die Zukunft erfordert.

3 Begriff und zivilrechtliche Möglichkeiten der Umwandlung

Gesetzlich ist der Begriff der Umwandlung nicht definiert, im Wesentlichen jedoch lässt sich unter Umwandlung das Fortführen einer wirtschaftlichen Einheit in einer anderen Rechtsform beschreiben.[10]

Grundsätzlich kommen nach geltendem Umwandlungsrecht als Arten der Umwandlung von einer GmbH in eine KG die Verschmelzung, die Spaltung oder der Formwechsel in Betracht.[11]

Zu beachten ist, dass sich bei den genannten Umwandlungsarten unterschiedliche Zielkonstellationen ergeben. Nach geltendem Umwandlungsrecht erfolgt die Umwandlung einer Kapitalgesellschaft auf eine Personengesellschaft nach den Vorschriften der Verschmelzung.

3.1 Die Verschmelzung

Das Gesetz stellt zwei Arten der Verschmelzung bereit: die Verschmelzung durch Aufnahme gem. § 2 Nr. 1 UmwG sowie die Verschmelzung durch Neugründung nach § 2 Nr. 2 UmwG. Damit ein Rechtsträger verschmelzungsfähig ist, muss er gem. § 1 Abs. 1 UmwG seinen Sitz im Inland haben.

Bei der Verschmelzung durch Aufnahme geht das Vermögen des übertragenden Rechtsträgers im Wege der Gesamtrechtsnachfolge gegen Gewährung von Anteilen an diesem Rechtsträger über.[12] Im Rahmen der Verschmelzung durch Neugründung übertragen mindestens zwei bereits bestehende Rechtsträger ihr Vermögen gegen Gewährung von Anteilen oder Mitgliedschaften auf einen zugleich neu gegründeten übernehmenden Rechtsträger.[13]

Da die Ernst Mustermann KG weiterbestehen soll, kommt im vorliegenden Fall nur die Verschmelzung durch Aufnahme in Betracht.

An einer Verschmelzung können nach § 3 UmwG sowohl die Mustermann Werbeartikel GmbH als übertragender Rechtsträger als auch die Ernst Mustermann KG als übernehmender Rechtsträger beteiligt sein.[14]

3.2 Ablauf der Verschmelzung nach dem Umwandlungsgesetz

Der Ablauf der Verschmelzung lässt sich in drei Phasen unterteilen:[15] die Vorbereitungsphase, in welcher die zur Verschmelzung notwendigen Maßnahmen vorbereitet werden. Im Anschluss daran folgt die Beschlussphase, in welcher die Verschmelzung durch die Beteiligten Anteilseignern genehmigt werden muss und zuletzt folgt die Vollzugsphase; hier wird die Verschmelzung wirksam.

In den Kapiteln 3.2.1 bis 3.2.3 werden die zum Ablauf der Verschmelzung durch Aufnahme notwendigen Schritte näher erläutert.

3.2.1 Die Vorbereitungsphase

In der Vorbereitungsphase werden die für die eigentliche Verschmelzung grundlegenden Vorarbeiten geleistet. Zu beachten ist hier das zeitliche Kriterium; der Umwandlungsstichtag darf maximal acht Monate vor dem Tag der Anmeldung der Umwandlung zum Handelsregister liegen.[16] Außerdem ist eine Schlussbilanz des übertragenden Rechtsträgers zu erstellen und eine Unternehmensbewertung vorzunehmen.[17]

3.2.1.1 Der Verschmelzungsvertrag

Für jede Verschmelzung ist ein notariell beurkundeter Verschmelzungsvertrag notwendig. Der Verschmelzungsvertrag wird zwischen allen an der Verschmelzung beteiligten Rechtsträgern abgeschlossen.[18] Der Inhalt ergibt sich im Einzelnen aus § 5 UmwG.

Des Weiteren bestimmt das UmwG im besonderen Teil notwendige Inhalte des Verschmelzungsvertrags rechtsformspezifischer Art. So ist nach § 40 UmwG bei der Verschmelzung einer GmbH auf eine Personenhandelsgesellschaft (hier: KG) grundsätzlich jedem Gesellschafter der GmbH die Stellung eines Kommanditisten einzuräumen, es sei denn, alle Gesellschafter stimmen dem Verschmelzungsbeschluss der GmbH zu.[19]

3.2.1.2 Der Verschmelzungsbericht

Grundsätzlich müssen die Vertretungsorgane jeder der an der Verschmelzung beteiligten Rechtsträger einen ausführlichen Bericht erstatten. In diesem Bericht sind die Verschmelzung und der Inhalt des Verschmelzungsvertrages im Einzelnen und insbesondere das Umtauschverhältnis der Anteile zu erläutern. Ein solcher Bericht ist entbehrlich, wenn alle Anteilseigner der beteiligten Rechtsträger hierauf in notariell beurkundeter Form verzichten.[20]

3.2.1.3 Die Verschmelzungsprüfung

Gem. § 9 UmwG ist grundsätzlich eine Prüfung des Verschmelzungsvertrages durch einen Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer vorzunehmen. Über das Ergebnis haben die Verschmelzungsprüfer einen schriftlichen Bericht zu erstatten.[21]

Bei einer Verschmelzung unter Beteiligung von Personengesellschaften nach § 44 UmwG und einer GmbH ist eine Verschmelzungsprüfung nur auf Antrag eines der Gesellschafter erforderlich.[22]

3.2.2 Die Beschlussphase

Die Anteilsinhaber aller beteiligten Gesellschaften müssen der Verschmelzung in einer Versammlung zustimmen, § 13 Abs. 1 UmwG. Bei Personenhandelsgesellschaften ist gem. § 43 UmwG ein einstimmiger Beschluss erforderlich, sofern der Gesellschaftsvertrag keine niedrigere Mehrheit bestimmt. Bei der GmbH bedarf der Verschmelzungsbeschluss nach § 50 UmwG einer Mehrheit von mindestens drei Vierteln der abgegebenen Stimmen.[23] Sämtliche Beschlüsse bedürfen der notariellen Beurkundung.[24]

3.2.3 Die Vollzugsphase

Im Anschluss an die Beschlussphase folgt die Anmeldung der Verschmelzung zur Eintragung in den jeweiligen Handelsregistern. Die Anmeldung ist nach den §§ 16 Abs. 1 S. 1, 38 UmwG durch die Vertretungsorgane der beteiligten Rechtsträger durchzuführen. Der Handelsregisteranmeldung sind gem. § 17 UmwG insbesondere der Verschmelzungsvertrag, die Zustimmungsbeschlüsse und eine Schlussbilanz des übertragenden Rechtsträgers beizufügen.[25]

Mit der Eintragung der Verschmelzung treten gem. § 20 Abs. 1 UmwG folgende Wirkungen ein:

- Das Vermögen des übertragenden Rechtsträgers geht einschließlich der Verbindlichkeiten auf den übernehmenden Rechtsträger im Wege der Gesamtrechtsnachfolge über.
- Der übertragende Rechtsträger erlischt ohne Liquidation.
- Die Anteilseigner des übertragenden Rechtsträgers werden Gesellschafter der übernehmenden Kommanditgesellschaft.
- Eine evtl. unterlassene notarielle Beurkundung des Verschmelzungsvertrages oder erforderlicher Zustimmungs- oder Verzichtserklärungen wird geheilt.[26]

4 Steuerliche Behandlung der Verschmelzung

Wie im Handelsrechtlichen, müssen bei der Verschmelzung einer GmbH auf eine KG auch die steuerlichen Folgen behandelt werden. Dabei handelt es sich um die Folgen:

- bei der übertragenden Gesellschaft,
- bei der aufnehmenden Gesellschaft,
- auf der Ebene der Gesellschafter.

Die Umwandlung einer Kapitalgesellschaft im Wege der Verschmelzung auf eine bestehende Personenhandelsgesellschaft erfolgt nach den Vorschriften der §§ 3 bis 10 sowie § 18 UmwStG.[27] Umwandlungen und Einbringungen stellen auf der Ebene des übertragenden Rechtsträgers sowie des übernehmenden Rechtsträgers Veräußerungs- und Anschaffungsvorgänge hinsichtlich des übertragenen Vermögens dar.[28]

[...]


[1] Quelle: eigene Darstellung

[2] Quelle: eigene Darstellung

[3] Quelle: eigene Darstellung

[4] Quelle: eigene Darstellung

[5] Quelle: eigene Darstellung

[6] Vgl. Hottmann, J., u.a.: Die GmbH im Steuerrecht, 3. Aufl., Ludwigsburg 2012, S. 52

[7] Vgl. Hottmann, J., u.a.: Die GmbH im Steuerrecht, 3. Aufl., Ludwigsburg 2012, S. 36

[8] Vgl. Brähler, G.: Umwandlungssteuerrecht, 7. Aufl., Wiesbaden 2012, S. 121

[9] Vgl. Baumgartner, B.: Familienunternehmen und Zukunftsgestaltung, Wiesbaden 2009, S. 34

[10] Vgl. Madl, R.: Umwandlungssteuerrecht, 3. Aufl., Stuttgart 2004, S. 1

[11] Vgl. Pöhlmann, P., Fandrich, A., Bloehs, J.: GenG, 4. Aufl., München 2012, § 1, Rn. 11

[12] Vgl. Stratz, R.-C. in Schmitt, J., Hörtnagl, R, Stratz, R.-C.: UmwG, 5. Aufl., München 2009, A § 2 Rn. 10

[13] Vgl. Stratz, R.-C. in Schmitt, J., Hörtnagl, R, Stratz, R.-C.: UmwG, 5. Aufl., München 2009, A § 2 Rn. 13

[14] Vgl. Brähler, G.: Umwandlungssteuerrecht, 7. Aufl., Wiesbaden 2012, S. 21

[15] Vgl. Sagasser, B./Luke, A. in Sagasser, B., Bula, T., Brünger, T., Umwandlungen, 4. Aufl., München 2012, S. 154, Rn. 38

[16] Vgl. Stengel, A. in Semler, J., Stengel, A., Umwandlungsgesetz, 3. Aufl., München 2012, S. 83, Rn. 55

[17] Vgl. Sagasser, B./Ködderitzsch, L. in Sagasser, B., Bula, T., Brünger, T., Umwandlungen, 4. Aufl., München 2012, S. 155, Rn. 41

[18] Marsch-Barner, R. in Dirksen, D., u.a., Umwandlungsgesetz, 4. Aufl., Köln 2010, S. 36 Rn. 2

[19] Vgl. Schmidt, H. in Lutter, M., Winter, M.: UmwG, 4. Aufl., Köln 2009, § 40 Rn. 1

[20] Vgl. Ballreich, H.: Fallkommentar Umwandlungsrecht, 4. Aufl., Köln 2008, S. 10 ff.

[21] Vgl. Ballreich, H.: Fallkommentar Umwandlungsrecht, 4. Aufl., Köln 2008, S. 13

[22] Vgl. Sagasser, B./Luke, A. in Sagasser, B., Bula, T., Brünger, T., Umwandlungen, 4. Aufl., München 2012, S. 157, Rn. 47

[23] Vgl. Sagasser, B./Luke, A. in Sagasser, B., Bula, T., Brünger, T., Umwandlungen, 4. Aufl., München 2012, S. 158 ff., Rn. 50

[24] Vgl. Ballreich, H.: Fallkommentar Umwandlungsrecht, 4. Aufl., Köln 2008, S. 15

[25] Vgl. Kuhlmann, J., Ahnis, E.: Konzern- und Umwandlungsrecht, 3. Aufl., Heidelberg u.a. 2010, S. 400 ff.

[26] Brähler, G.: Umwandlungssteuerrecht, 7. Aufl., Wiesbaden 2012, S. 48

[27] Vgl. Birkemeier, K. in Rödder, T., Herlinghaus, A., van Lishaut, I. Umwandlungssteuergesetz, Köln 2008, S. 218, Rn. 1

[28] UmwSt-Erlass des BMF vom 11.11.2011, Rn. 00.02

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Umwandlung einer GmbH in eine KG mit Übertragung des Betriebsvermögens sowie weiteres Grundvermögen im Wege der vorweggenommenen Erbfolge
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
48
Katalognummer
V214122
ISBN (eBook)
9783656425090
ISBN (Buch)
9783656439066
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Praxisphasenbericht.
Schlagworte
umwandlung, gmbh, übertragung, betriebsvermögens, grundvermögen, wege, erbfolge
Arbeit zitieren
Pascal Stückemann (Autor), 2013, Umwandlung einer GmbH in eine KG mit Übertragung des Betriebsvermögens sowie weiteres Grundvermögen im Wege der vorweggenommenen Erbfolge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214122

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