Funktionsprinzipien und Ausgestaltung der relativen Einzelkostenrechnung


Seminararbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehung und Ziel

3 Einordnung in die Kosten- und Leistungsrechnung

4 Konzeption
4.1 Grundprinzipien
4.1.1 Identitätsprinzip und Kostenbegriff
4.1.2 Bezugsgrößenhierarchien
4.1.3 Schlüsselungsverzicht
4.2 Grundrechnung
4.2.1 Merkmale und Aufgabe
4.2.2 Aufbau
4.3 Auswertungsrechnung
4.3.1 Merkmale und Aufbau
4.3.2 Deckungsbeitragsrechnung

5 Anwendbarkeit in der Praxis

6 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Teilkostenrechnungssysteme

Abbildung 2: Beispiel einer Bezugsgrößenhierarchie

Abbildung 3: Beispielhafter Aufbau einer Deckungsbeitragsrechnung

1 Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit den Funktionsprinzipien und der Ausgestaltung der relativen Einzelkostenrechnung.

Es handelt sich hierbei um ein noch relativ junges System der Kosten- und Erlösrechnung, welches im Bereich der Teilkostenrechnung einen völlig neuen Weg beschreitet. Aufgrund seiner innovativen Systematik ist es daher zweckmäßig, sich näher mit der relativen Einzelkostenrechnung zu befassen.

Zunächst wird in dieser Arbeit auf die Entstehung und die Zielsetzung des Systems mit relativen Einzelkosten eingegangen. Hier werden die Gründe erläutert, die zur Entwicklung des Systems geführt haben und welchen Zweck dieses erfüllen soll.

Nach einer kurzen Einordnung in das System der Kosten- und Leistungsrechnung, wird im Folgenden die Konzeption der relativen Einzelkostenrechnung dargestellt. Es werden zu- nächst die Grundprinzipien angeführt, die verdeutlichen sollen, auf welchen Annahmen das System beruht und wie es aufgebaut ist. Hierbei spielen der angewandte Kostenbegriff, das Identitätsprinzip sowie die Bezugsgrößenhierarchien eine große Rolle. Diese drei Punkte bilden das Grundgerüst der relativen Einzelkostenrechnung und werden daher umfassend erläutert.

Nach den Grundprinzipien wird auf die Grundrechnung und die Auswertungsrechnungen eingegangen. Hier soll zunächst gezeigt werden, wie die Grundprinzipien in der Grundrechnung angewandt werden und aus welchen Bestandteilen diese aufgebaut ist. Die Auswertungsrechnungen werden ebenfalls dargestellt, wobei explizit auf die Form der Deckungsbeitragsrechnung eingegangen wird.

Im darauf folgenden Kapitel wird schließlich der Praxisbezug des Systems mit relativen Einzelkosten betrachtet. Neben einer Abwägung von Vor- und Nachteilen soll insbesonde- re geklärt werden, inwiefern das System überhaupt praxistauglich ist. Die Arbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung, in der die gewonnenen Ergebnisse der Arbeit noch einmal zusammengefasst dargestellt werden. Darüber hinaus soll ein Ausblick in die Zukunft der relativen Einzelkostenrechnung im Bereich des betrieblichen Rech- nungswesens gewagt werden.

2 Entstehung und Ziel

Die relative Einzelkostenrechnung wurde von Paul Riebel entwickelt und in seinem Ge- samtkonzept erstmals im Jahre 1959 in der „Zeitschrift für handelswissenschaftliche For- schung“ in dem Aufsatz „Das Rechnen mit Einzelkosten und Deckungsbeiträgen“ vorge- stellt.1

Das System findet seinen Ursprung in der Unzulänglichkeit der anderen Kostenrechnungs- systeme, den Aufgaben der Kostenrechnung gerecht zu werden. Diese können allgemein als Lenkungsfunktion, Dokumentationsfunktion und Kontrollfunktion beschrieben wer- den.2 Die Kostenrechnung bildet demnach die Basis für die unternehmerischen Entschei- dungen und Planungen und soll das tatsächliche Geschehen im Unternehmen darstellen, was speziell durch eine Gegenüberstellung von Soll- und Istkosten erreicht wird.3 Diesen Aufgaben kann aber die Vollkostenrechnung nicht gerecht werden. Diese ist durch eine Verrechnung aller Kosten, zum Teil mit Schlüsselung und Proportionalisierung, gekenn- zeichnet und gibt aus diesem Grund nur ein verfälschtes Bild der Wirklichkeit wieder. Vor allem die Aufgabe der Kostenkontrolle wird damit nur unzureichend gelöst.4

Diese Mängel sind nach Riebel auch in der Teilkostenrechnung noch nicht vollständig be- seitigt. Zwar werden hier nicht mehr alle Kosten auf die Kostenträger verrechnet, dennoch findet weiterhin eine Schlüsselung der variablen echten Gemeinkosten statt.5 Dies hat laut Riebel die Konsequenz, dass sowohl Vollkosten-, als auch Teilkostenrechnungen für die Aufgaben der internen Rechnungslegung ungeeignet sind und zwangsläufig zu falschen Aussagen führen.6 Riebel geht sogar soweit, dass er sagt, alle auf der Grundlage voller Kosten getroffenen Entscheidungen seien mit größter Wahrscheinlichkeit falsch. Diese Ansicht bewog ihn schließlich dazu, ein völlig neues Kostenrechnungssystem auf Basis relativer Einzelkosten mit dem Ziel zu entwickeln, sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft eine unverzerrte Abbildung der Wirklichkeit zu erhalten.7 Dieses Ziel soll durch den Verzicht auf jegliche Schlüsselung von verbundenen Kosten und Proportionalisierung von Fixkosten erreicht werden. Darüber hinaus soll das System durch seinen einfachen Aufbau und den Verzicht auf umständliche Sonderrechnungen vielfältig verwendbar sein.8

3 Einordnung in die Kosten- und Leistungsrechnung

Bei der Kosten- und Leistungsrechnung handelt es sich um ein Teilgebiet des Controllings, dessen Grundlage durch eine Einteilung in Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträger- rechnung gekennzeichnet ist.9 Daraus resultieren verschiedene Systeme, die sich auf der einen Seite durch den Zeitbezug der Kosten und auf der anderen Seite durch den Sachum- fang unterscheiden.10 Betrachtet man den Zeitbezug der Kosten, so lassen sich die Ist- Kostenrechnung, die Normalkostenrechnung sowie die Plankostenrechnung unterscheiden. Betrachtet man dagegen den Sachumfang, so ergeben sich die Bereiche Voll- und Teilkos- tenrechnung.

Wie schon in Kapitel 2 kurz angeführt, ist die Vollkostenrechnung durch eine Erfassung aller Kosten gekennzeichnet, während in der Teilkostenrechnung nur bestimmte Teile der Gesamtkosten auf die Kostenträger verrechnet werden.11 Dabei handelt es sich um die va- riablen Kosten, wobei die fixen Kosten zwar erfasst, aber nicht verrechnet werden.12 Darü- ber hinaus wird nicht nur zwischen fixen und variablen Kosten, sondern auch zwischen Einzel- und Gemeinkosten unterschieden, wobei nur die Einzelkosten auf die Kostenträger verrechnet werden.

Aufgrund dieser Eigenschaften lässt sich die relative Einzelkostenrechnung in den Bereich der Teilkostenrechnung einordnen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Systemen der Teilkostenrechnung, der Grenzplankostenrechnung (Direct Costing) und der stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung, werden hier die Gemeinkosten jedoch differenzierter betrach- tet, so dass die relative Einzelkostenrechnung eine eigene Gruppe bildet (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Teilkostenrechnungssysteme

(Quelle: Götzinger, M.K./Michael, H. (1990), S. 206)

4 Konzeption

4.1 Grundprinzipien

4.1.1 Identitätsprinzip und Kostenbegriff

Die relative Einzelkostenrechnung ist durch mehrere Grundprinzipien gekennzeichnet, die im Folgenden näher erläutert werden.

Als wichtigstes Prinzip lässt sich das Identitätsprinzip charakterisieren.13 Hierbei handelt es sich quasi um ein von Riebel modifiziertes Verursachungsprinzip, welches noch stärker auf dem Verursachungsgedanken beruht.14 Das Verursachungsprinzip in seiner ursprüngli- chen Form wird von Riebel abgelehnt. Dies begründet er damit, „daß zwischen den ver- zehrten Kostengütern und den entstandenen Leistungsgütern weder kausale noch finale Beziehungen bestehen können“ und damit „auch die Zurechnung von Kosten und Leistun- gen nicht mit dem Verursachungsprinzip […] begründet werden [kann].“15 Statt des Verur- sachungsprinzips entwickelte Riebel das bereits angesprochene Identitätsprinzip, welches seiner Meinung nach die einzige optimale Lösung des Zuordnungsproblems darstellt.16 Das Identitätsprinzip verfolgt den Grundsatz, dass die betrieblichen Entscheidungen die eigent- lichen Quellen der Kosten und Erlöse sowie letztendlich auch des Erfolgs sind. Es werden somit die Kosten und Erlöse auf ihre jeweiligen Entscheidungen zurückgeführt von denen sie ausgelöst wurden und dann denjenigen gegenübergestellt, die durch eine identische Entscheidung verursacht wurden.17 Nach Riebel ist die „ Zurückführbarkeit auf dieselbe, identische Entscheidung ( ‘ Identit ä tsprinzip ’) […] das allein maß gebliche Kriterium […]“.18 Konkret bedeutet dies, dass sich Kosten nur dann einem Bezugsobjekt zuordnen lassen, wenn beide objektbezogen, also auf dieselbe Entscheidung zurückzuführen sind.19 Das Identitätsprinzip führt demnach auch zu einem entscheidungsorientierten Kostenbe- griff, dessen Grundlage die durch eine Entscheidung über das betrachtete Objekt entstan- denen Kosten bilden.20 Da eine Entscheidung immer unterschiedliche Kosten direkt beein- flusst, hängt die Einteilung in Einzel- und Gemeinkosten von der jeweiligen Entschei- dungssituation ab, sie ist also entscheidungssituationsbedingt.21 Die Relativität des Kos- tenbegriffs ergibt sich schließlich aus der Zuordnung der Kosten zu Bezugsgrößen, d.h. die jeweiligen Kosten sind immer relativ einer Bezugsgröße zugeordnet.22 Das dafür notwen- dige System der Bezugsgrößenhierarchien wird im folgenden Kapitel näher erläutert.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sich die relative Einzelkostenrechnung aufgrund des Identitätsprinzips als sehr entscheidungsorientiert beschreiben lässt und somit der Hauptaufgabe des Rechnungswesens, der Vorbereitung von unternehmerischen Entscheidungen zu dienen, in besonderem Maße nachkommt.23

4.1.2 Bezugsgrößenhierarchien

Wie bereits im vorherigen Kapitel kurz angesprochen, ergeben sich die relativierten Kosten durch die Zuordnung zu einer Bezugsgröße. Im Gegensatz zu anderen Systemen der Kos- ten- und Erlösrechnung gibt es in der relativen Einzelkostenrechnung keine einfache Ein- teilung in Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger, sondern es findet eine Einteilung in Bezugsgrößen statt.24 Grundsätzlich kommen für solche Bezugsgrößen alle denkbaren Objekte in Betracht, wobei sich diese in zeitliche und sachliche Bezugsgrößen einteilen lassen.25 Bei einer Differenzierung in zeitliche Bezugsgrößen kann eine Einteilung z.B. in Tage, Wochen, Monate, Quartale und Jahre erfolgen, bei einer Differenzierung in sachli-che Bezugsgrößen ist z.B.

[...]


1 Vgl. Riebel, P. (1984), S. 173.

2 Vgl. Scherrer, G. (1983), S. 5-10.

3 Vgl. Eisele, W. (2002), S. 635f.

4 Vgl. Eisele, W. (2002), S. 740f.

5 Vgl. Eisele, W. (2002), S. 759.

6 Vgl. Riebel, P. (1959), S. 213.

7 Vgl. Scherrer, G. (1983), S. 64.

8 Vgl. Riebel, P. (1959), S. 214.

9 Vgl. Coenenberg, A.G./Fischer, T.M./Günther, T. (2007), S. 37ff.

10 Vgl. Coenenberg, A.G./Fischer, T.M./Günther, T. (2007), S. 40ff.

11 Vgl. Kloock, J./Sieben, G./Schildbach, T./Homburg, C. (2005), S. 74.

12 Vgl. Eisele, W. (2002), S. 748.

13 Vgl. Riebel, P. (1994), S. 75-79.

14 Vgl. Ossadnik, W. (2003), S. 140.

15 Riebel, P. (1994), S. 75.

16 Vgl. Chmielewicz, K. (1983), S. 31f.

17 Vgl. Riebel, P. (1994), S. 75-79.

18 Vgl. Riebel, P. (1994), S. 32.

19 Vgl. Riebel, P. (1994), S. 762.

20 Vgl. Chmielewicz, K. (1983), S. 22.

21 Vgl. Eisele, W. (2002), S. 760.

22 Vgl. Ossadnik (2003), S. 140.

23 Vgl. Eisele (2002), S. 759.

24 Vgl. Ebert, G. (1997), S. 210f.

25 Vgl. Eisele, W. (2002), S. 760.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Funktionsprinzipien und Ausgestaltung der relativen Einzelkostenrechnung
Hochschule
Universität Osnabrück  (BWL/Rechnungswesen und Controlling (Managerial Accounting))
Veranstaltung
Proseminar zum wissenschaftlichen Arbeiten
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V214159
ISBN (eBook)
9783656425588
ISBN (Buch)
9783656435297
Dateigröße
738 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktionsprinzipien, ausgestaltung, einzelkostenrechnung
Arbeit zitieren
M.Sc. André Stockmann (Autor), 2009, Funktionsprinzipien und Ausgestaltung der relativen Einzelkostenrechnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214159

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