Das Thema Drogen wird immer wieder diskutiert. Die Thematik ist aufgeladen mit Stigmatisierungen und moralischen Bewertungen, hat Befürworter und Gegner und trifft in unserer heutigen Gesellschaft generell auf reges Interesse.
Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht der Zusammenhang von Drogenhilfe und Drogenpolitik sowie daran geknüpfte grundlegende Aspekte wie Sucht im Allgemeinen. Andere Themenbereiche wie beispielsweise der Zusammenhang zwischen Jugend und Drogen oder Drogen und Geschlecht werden aus Kapazitätsgründen in dieser Arbeit nicht dargestellt oder diskutiert.
Im ersten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird auf die Themen Sucht und Drogenberatung eingegangen. Dabei wird zunächst auf Sucht im Allgemeinen eingegangen, indem Sucht definiert, Sucht als Konstrukt hinterfragt sowie der Zusammenhang zwischen Sucht und Gesellschaft dargestellt wird.
Die weitere Basis für diese Arbeit bildet die Darstellung der Drogenhilfe im zweiten Kapitel. Dabei wird zunächst auf die Entwicklung der Drogenhilfe eingegangen und anschließend werden die Aspekte Medizinisierung und Ökonomisierung betrachtet.
Der dritte Teil der Arbeit besteht aus der Darstellung der Drogenpolitik im Allgemeinen und in Deutschland. Außerdem wird auf Drogenmythen eingegangen, welche einen wichtigen Aspekt in Politik und Öffentlichkeit darstellen.
In dem letzten Kapitel dieser Arbeit erfolgt eine Verknüpfung der vorangegangenen Themen. Es geht um das Spannungsfeld von Drogenpolitik und Drogenhilfe. Hier wird vor allem Bezug auf einen Aufsatz von Schmidt-Semisch und Wehrheim genommen. Sie betrachten darin die akzeptierende Drogenarbeit und ihr Verhältnis zur Politik.
Das Fazit bildet den Abschluss dieser Arbeit und greift die bearbeiteten Themen noch einmal auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sucht und Drogenberatung
2.1 Erläuterung zu dem Begriff „Sucht“
2.1.1 Definition „Sucht“
2.1.2 Das Konstrukt „Sucht“
2.1.3 Zusammenhang zwischen Sucht und Gesellschaft
2.2 Drogenhilfe
2.2.1 Entwicklung
2.2.2 Medizinisierung
2.2.3 Ökonomisierung
3. Drogenpolitik und Drogenmythen
3.1 Skizzierung der Drogenpolitik in Deutschland
3.1.1 Formen der Drogenpolitik
3.1.2 Drogenpolitik in Deutschland
3.2 Hegemoniale Drogenmythen
4. Spannungsfeld Drogenhilfe und Drogenpolitik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen der praktischen Drogenhilfe und der staatlichen Drogenpolitik in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit die akzeptierende Drogenarbeit in ihren Handlungsmöglichkeiten durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie durch tradierte Sucht- und Drogenmythen geprägt und eingeschränkt wird.
- Grundlagen des Suchtbegriffs und dessen gesellschaftliche Konstruktion
- Historische und aktuelle Entwicklung der Drogenhilfe (Abstinenz- vs. Akzeptanzansatz)
- Analyse der deutschen Drogenpolitik und deren repressive sowie kontrollorientierte Züge
- Die Rolle von Drogenmythen bei der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Ausgrenzung
- Kritische Betrachtung der Verknüpfung von akzeptierender Drogenarbeit und Kontrolllogik
Auszug aus dem Buch
3.2 Hegemoniale Drogenmythen
Die Forschung belegt, dass Drogengebrauch kein statischer Zustand ist, der lediglich über abstinenzorientierte, therapeutische Maßnahmen zu regulieren ist. Die Entwicklung einer Drogenkarriere kann nicht an Diagnosekriterien vorausgesagt werden. Solche Diagnosekriterien sind im DSM-IV beispielsweise die zwangsläufige Toleranzentwicklung, der Wiederholungszwang, der Verlust der Selbstkontrolle, die generelle Tendenz der Dosierungserhöhung, der körperliche und soziale Verfall und Weitere. Es gibt nicht eine konkrete Verlaufsform von „Drogenabhängigkeit“, sie ist eher als ein langfristiger, jedoch auch jeder Zeit reversibler Prozess zu betrachten (Schneider 1998, S. 1).
„Kompulsiver Gebrauch ist nur ein mögliches Stadium (Phase) eines unter Umständen längerfristigen, aber auch jederzeit reversiblen Prozeßverlaufs (sic): Er impliziert zwar natürlicherweise Konsum, dies muß (sic) jedoch nicht vice versa gelten. Es gibt nicht ‚die‘ Verlaufsform hin zu einer sog. Drogenabhängigkeit […], ‚den‘ Drogenabhängigen oder gar ‚die‘ Suchtpersönlichkeit, noch ‚die‘ Ursache für deren Entstehung“ (ebd.).
Ein gleichförmiges, stufenbezogenes Modell, das ein Persönlichkeitsdefizit, Problemmassierung, die Abhängigkeit, die darauf folgende Therapie und die absolute Abstinenz beinhalten, ist stark vereinfacht und kaum haltbar. Es existieren auch die Möglichkeiten eines Gebrauchs illegalisierter Drogen, der kontrolliert ist und soziale Integration nicht ausschließt sowie der Ausstieg aus der Abhängigkeit ohne professionelle Hilfe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, benennt die zentralen Themenbereiche Sucht, Drogenhilfe und Drogenpolitik und erläutert die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen.
2. Sucht und Drogenberatung: Dieses Kapitel definiert den Suchtbegriff als gesellschaftliches Konstrukt und skizziert die historische Entwicklung der Drogenhilfe von einem abstinenzorientierten hin zu einem akzeptierenden Ansatz unter Berücksichtigung von Medizinisierung und Ökonomisierung.
3. Drogenpolitik und Drogenmythen: Hier wird die deutsche Drogenpolitik als vorwiegend pönalisierend charakterisiert und aufgezeigt, wie hegemoniale Drogenmythen dazu dienen, soziale Probleme zu dramatisieren und stigmatisierende Stigmata zu reproduzieren.
4. Spannungsfeld Drogenhilfe und Drogenpolitik: Das Kapitel verknüpft die vorangegangenen Analysen und verdeutlicht, dass die akzeptierende Drogenarbeit trotz ihrer Hilfsangebote faktisch oft in bestehende Kontrolllogiken der Politik eingebettet bleibt.
5. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und stellt kritisch fest, dass eine wirkliche Entkriminalisierung unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen und dem dominierenden Sicherheitsdiskurs kaum zu realisieren ist.
Schlüsselwörter
Sucht, Drogenhilfe, Drogenpolitik, Akzeptierende Drogenarbeit, Drogenmythen, Kontrolllogik, Kriminalisierung, Pathologisierung, Substanzabhängigkeit, Prävention, Schadensbegrenzung, Soziale Konstruktion, Repressive Toleranz, Medizinische Suchtmodelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen der Drogenhilfe und der Drogenpolitik in Deutschland unter Einbeziehung soziologischer und kritisch-kriminologischer Perspektiven.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition und Konstruktion von Sucht, die historische Entwicklung professioneller Drogenhilfe, die Analyse politischer Steuerungsmechanismen sowie die Macht von Drogenmythen in der öffentlichen Debatte.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Drogenpolitik durch exkludierende Kontrollmechanismen die Arbeit der Drogenhilfe beeinflusst und warum ein rein akzeptierender Ansatz oft Schwierigkeiten hat, sich von diesen Einflüssen zu befreien.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung bestehender theoretischer Diskurse und Aufsätze (insb. von Schmidt-Semisch, Wehrheim und Scheerer) zur kritischen Suchtforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Sucht-Konstrukts, die Transformation der Drogenhilfe, die Darstellung der deutschen Drogenpolitik sowie die kritische Analyse der Mythenbildung und der Kontrolllogik.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?
Schlüsselbegriffe wie "akzeptierende Drogenarbeit", "Kontrolllogik", "Drogenmythen" und "Spannungsfeld" prägen die Untersuchung maßgeblich.
Warum wird die Sucht als "Konstrukt" bezeichnet?
Die Arbeit argumentiert, dass Sucht kein rein biologischer Fakt ist, sondern historisch und sozial ausgehandelt wird, um abweichendes Verhalten zu klassifizieren und bestimmten gesellschaftlichen Normen anzupassen.
Inwiefern sind Fixerräume laut der Autorin ein Teil der Kontrollpolitik?
Obwohl Fixerräume Überlebenshilfen bieten, werden sie in der Arbeit auch als Instrumente der räumlichen Exklusion gesehen, da sie den Drogenkonsum in abgegrenzte Bereiche verweisen und somit das Problem aus dem öffentlichen Raum "managen", ohne die strukturellen Ursachen oder die Illegalität aufzuheben.
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- Bachelor of Arts Natascha Diekmann (Autor), 2013, Spannungsfeld zwischen Drogenhilfe und Drogenpolitik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214269