Die vorliegende Arbeit ist die Verschriftlichung eines zum Parteiprogramm der türkischen „Partei der Gerechtigkeit und des Fortschritts“ (Adalet ve Kalkınma Partisi, Abk. AKP) gehaltenen Vortrags. In dieser Arbeit möchte ich anhand einiger Passagen aus dem Parteiprogramm der AKP und aus einigen anderen originalsprachlichen Quellen zwei Punkte besonders näher betrachten: 1. Die Position der AKP innerhalb des Säkularismus-Diskurses; und 2. Das von der AKP selbst zur Selbstbezeichnung verwendete politische Label „konservative Demokratie“. Diese beiden Konzepte sind deswegen gewählt worden, weil sich die Partei aktiv an der Bedeutungsbestimmung dieser Konzepte beteiligt und weil die Parteien in der Türkei sich anhand ihrer Stellung zum Säkularismusgebot typologisieren lassen. Ich werde versuchen, anhand der Zuhilfenahme der wissenschaftlichen Literatur über die AKP aufzuzeigen, dass die AKP durch ihre Auffassung von Säkularismus zwar darauf abzielt, der Religion – und folglich dem Islam – mehr Präsenz in der Öffentlichkeit und in der Politik einzuräumen, dies jedoch nur unter Berufung auf eine Umdeutung des Säkularismusbegriffs und auf die Selbstwahrnehmung der Partei als „konservativ-demokratisch“ geschieht. Diese beiden Konzepte werden in den nächsten zwei Kapiteln erörtert. Im Anhang finden sich ausgewählte Passagen aus dem Parteiprogramm der AKP in deutscher Übersetzung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung:
AKP und Säkularismus:
"Muhafazakar Demokrasi":
Fazit:
Anhang:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Selbstverständnis der türkischen "Partei der Gerechtigkeit und des Fortschritts" (AKP) anhand ihres Parteiprogramms. Das primäre Ziel ist es, die spezifische Positionierung der AKP im Säkularismus-Diskurs zu analysieren sowie das Konzept der "konservativen Demokratie" als zentrales politisches Label der Partei kritisch zu hinterfragen und im Kontext ihrer politischen Identität zu verorten.
- Analyse der AKP-Auffassung zum Säkularismusbegriff
- Gegenüberstellung von kemalistischem Establishment und AKP-Position
- Untersuchung des Konzepts "Muhafazakar Demokrasi" (konservative Demokratie)
- Reflektion über die Rolle der Religion im öffentlichen und politischen Raum
- Einordnung der AKP im nationalen und internationalen Konservatismus-Diskurs
Auszug aus dem Buch
AKP und Säkularismus:
Die Debatte um den Säkularismus in der Türkei dreht sich um Begriff „laiklik“. Dieser ist ein Lehnwort aus dem Französischen und bezeichnet die strikte Trennung der Religion und Staat. Joppien betont, dass es im Kontext der der Debatte um „laiklik“ in der Türkei nicht vom Laizismus, sondern vom Säkularismus gesprochen werden soll, da der Letztere „die Nicht Beeinflussung der Politik durch die Religion, nicht jedoch die kategorische Trennung der beiden Bereiche“ beinhaltet. Als Beleg für das Fehlen einer solchen „kategorischen Trennung“ sieht sie die Existenz einer Institution namens „Präsidium für Religionsangelegenheiten“ (Diyanet İşleri Başkanlığı) an. Diese Institution ist 1924 gegründet worden und vertritt eine staatlich kontrollierte Sicht des sunnitischen Islams. Im Parteiprogramm der AKP findet man folgende Aussagen zum Säkularismus:
„Unsere Partei sieht die Religion als eine der wichtigsten Institutionen der Menschheit, den Säkularismus hingegen als unverzichtbare Voraussetzung der Demokratie und als Garantie für Religions- und Gewissensfreiheit an. Sie ist gegen die Auslegung des Säkularismus als Feindseligkeit gegenüber der Religion und gegen dessen Verkennung.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung ein, das Säkularismusverständnis und die "konservative Demokratie" der AKP auf Basis des Parteiprogramms kritisch zu analysieren.
AKP und Säkularismus: Dieses Kapitel untersucht die Neudefinition des Säkularismus durch die AKP und kontrastiert diese mit der Auffassung des kemalistischen Establishments, wobei unterschiedliche theoretische Interpretationsansätze herangezogen werden.
"Muhafazakar Demokrasi": Das Kapitel erläutert das von der AKP verwendete Label der "konservativen Demokratie" und dessen drei Kernkomponenten sowie die Einordnung der Partei im breiteren Konservatismus-Diskurs.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die AKP den Säkularismusbegriff volksnah umdeuten möchte, um der Religion mehr Präsenz einzuräumen, während sie sich gleichzeitig als pro-freiheitliche Massenpartei zu etablieren versucht.
Schlüsselwörter
AKP, Säkularismus, Laizismus, konservative Demokratie, Muhafazakar Demokrasi, Parteiprogramm, Türkei, Diyanet, kemalistisches Establishment, politische Ideologie, Religion, Staat, Demokratisierung, Konservatismus, Identitätspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das politische Selbstverständnis der AKP basierend auf ihrem Parteiprogramm, insbesondere in Bezug auf die Themen Säkularismus und "konservative Demokratie".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Staat und Religion in der Türkei, die Neuinterpretation des Säkularismus durch die Partei sowie die strategische Selbstbezeichnung als konservativ-demokratisch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die AKP den Säkularismusbegriff umdeutet, um Religion mehr politischen Raum zu geben, und wie sie sich dadurch von anderen politischen Lagern abgrenzt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von Passagen des AKP-Parteiprogramms sowie auf der Auswertung wissenschaftlicher Literatur zum AKP-Säkularismus-Diskurs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Abschnitte: Die Positionierung der AKP im Säkularismus-Diskurs unter Einbeziehung wissenschaftlicher Debatten (Kuru, Joppien) und die detaillierte Erläuterung des Konzepts "Muhafazakar Demokrasi".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind AKP, Säkularismus, konservative Demokratie, Türkei, politische Ideologie, Laizismus und Identität.
Wie unterscheidet sich die Auffassung der AKP zum Säkularismus von der des kemalistischen Establishments?
Während das kemalistische Establishment Säkularismus oft als strikte Trennung und staatliche Kontrolle über Religion definiert, plädiert die AKP für eine "passive" Säkularismus-Variante, die religiöse Sichtbarkeit im öffentlichen Raum zulässt.
Welche Rolle spielt der "Diyanet" in der Argumentation der Arbeit?
Der Diyanet dient als Beispiel für das Festhalten der AKP an bestehenden staatlichen Strukturen, was laut Experten der angestrebten totalen Neutralität des Staates gegenüber der Religion widerspricht.
- Citation du texte
- Enur Imeri (Auteur), 2013, Die Säkularismus-Frage aus der Sicht der AKP in ihrem Parteiprogramm und das Konzept „konservative Demokratie“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214294