„Volverás a Región“ gilt als einer der bedeutendsten Romane der spanischen Nachkriegsliteratur und zusammen mit „Tiempo de silencio“ von Luis Martín-Santos als Aufbruch in eine neue Art des Erzählens. Obwohl im eigentlichen Sinne kaum Handlung vorliegt, ist das den Hauptteil des Buches bestimmende Gespräch zwischen Dr. Sebastián und Marré, die sich in gegenseitigen und, bestimmte Ereignisse betreffend, gemeinsamen Erinnerungen verlieren, derart facettenreich, dass das Vorgebrachte den Leser und sein Erinnerungsvermögen auf vielschichtige Weise fordert.
Der Bürgerkrieg und die Nachkriegsatmosphäre in Región geben Anlass zu vielfältigen Betrachtungen der Geschichte im Allgemeinen und sowohl expliziter wie impliziter Überlegungen zur Geschichtsschreibung.
Unter dem Leitspruch „Narration for Benet creates not just tales of time […] but also tales about time“ ist dies Gegenstand vorliegender Arbeit: Wie schreibt Benet in seinem Roman inhaltlich und formal Geschichte und welche Implikationen liefert er für die Geschichtsschreibung? Wie berichtet Benet von „Geschichte“ als Vergangenem, das nicht wiederzuerlangen ist, und welche Mittel setzt er ein, um dem Leser seine Vorstellungen von Geschichte und Historiografie zu vermitteln?
Die in diesem Zeitraum (1960er) entstandenen Romane stellten eine Möglichkeit dar, der franquistischen Historiographie zu widersprechen (und dadurch Dissens auszudrücken) und gleichzeitig Erzählstrategien zu erweitern. Dabei hat die Romanliteratur nicht die Geschichte zum Referenten, sondern den historiographischen Diskurs. Auch wenn unbestreitbare Unterschiede zwischen Geschichtswissen¬schaft und Fiktion vorliegen, teilen beide doch bestimmte Merkmale (z. B. die gleichen historischen Bezugspunkte). So gibt es, nach Herzberger, keine Unterscheidung zwischen Fiktion und Sachtext, sondern nur ein Narrativ.
Diese Gedanken werden in einem ersten Teil ausgeführt, der sich mit der Frage nach der Geschichte in „Volverás a Región“ beschäftigt. Einzelne Aspekte von Benets Geschichtsverständnis und der Bedeutung von Geschichte werden anhand des Primärtextes deutlich gemacht. In einem zweiten Teil wird untersucht, wie Benet seine Vorstellungen vermittelt. Die Sprache, die Stilmerkmale (z. B. eine gewollte Verwirrung des Lesers) und weitere Besonderheiten des Buches werden aufgezeigt und erläutert.
Inhalt
1. Einleitung
2. Geschichte und Geschichtsschreibung in „Volverás a Región“
2.1. Vorüberlegungen
2.2. Zeitkonzepte
2.3. Die Bedeutung der Geschichte und ihrer Folgen
2.4. Erinnern und Vergessen
3. Literarisches Instrumentarium – Erzähltechnik und Darstellung
3.1. Lineares und zyklisches Lesen
3.2. Verwirrung und Geschichtsschreibung
3.3. Sprache und Zeiten
4. Resümee
5. Bibliografie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Juan Benets Roman "Volverás a Región"?
Der Roman thematisiert den Spanischen Bürgerkrieg und die Nachkriegsatmosphäre durch ein vielschichtiges Gespräch zwischen Dr. Sebastián und Marré.
Wie behandelt Benet das Thema Geschichtsschreibung?
Benet nutzt fiktionale Strategien, um der franquistischen Historiographie zu widersprechen und den historiographischen Diskurs selbst zum Gegenstand der Erzählung zu machen.
Welche literarischen Mittel setzt Benet ein?
Er verwendet eine komplexe Sprache und Stilmerkmale, die eine bewusste Verwirrung des Lesers erzeugen, um die Unwiederbringlichkeit der Geschichte zu verdeutlichen.
Was bedeutet "lineares und zyklisches Lesen" in diesem Kontext?
Es bezieht sich auf Benets Erzähltechnik, die klassische zeitliche Abläufe aufbricht und den Leser zwingt, sich in den Erinnerungsschleifen der Figuren zu bewegen.
Wie hängen Fiktion und Sachtext laut Herzberger zusammen?
Herzberger argumentiert, dass es keine strikte Unterscheidung gibt, sondern nur ein gemeinsames Narrativ, das historische Bezugspunkte teilt.
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- Florian Kuhne (Author), 2012, Flucht aus der Zeit. Geschichte und Geschichtsschreibung in Juan Benets "Volverás a Región", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214414