Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Ethnology / Cultural Anthropology

Das georgische 'supra' als Tradition im Kontext des Nationalismus

Title: Das  georgische 'supra' als Tradition im Kontext des Nationalismus

Term Paper , 2012 , 14 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nils Marvin Schulz (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der (Sozial)Anthropologe Florian Mühlfried beschäftigte sich in seiner Dissertation im Jahr 2005 mit dem georgischen supra - dem georgischen Festbankett. Das supra als rituelle Form des Essens, Trinkens sowie des Feierns gilt sowohl in Georgien selbst als auch im Ausland als Inbegriff der georgischen Gastfreundschaft. Meist finden supras zu Ehren besonders einschneidender Ereignisse statt, wie beispielsweise einer Hochzeit oder eines Todesfalls. Doch ebenso wie in ländlichen Regionen kann es auch besonders im urbanen Raum zu informellen supras kommen, die aus nur zwei Personen bestehen können - so beschreibt es zum Beispiel der in Montreal lebende Kevin Tuite bei seinem ersten Besuch Tbilisis.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2) Einleitung

3.) Der Stellenwert des supra für die georgische Bevölkerung

4) Der traditionalistische Ansatz im Zuge der Nationalismusforschung: Anthony D. Smith und das Element der Tradition

5) Der modernistische Ansatz im Zuge der Nationalismusforschung: Traditionen im Kontext des Nationalismus zwischen Partizipation und Aggression

5.1 Der radikale Bruch der Moderne

5.1.1 Ernest Gellner

5.1.2 Benedict Anderson

5.2 Inkludierende Elemente des Nationalismus in Verbindung mit Traditionen

5.2.1 Eric Hobsbawm

5.2.2 Dekonstruktion des georgischen supra

5.2.2.1 Weintradition

5.2.2.2 Der königliche Hof und das „Goldene Zeitalter“

5.2.2.3 Das 19. Jahrhundert

5.3 Exkludierende Elemente des Nationalismus in Verbindung mit Traditionen

6.) Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das georgische Festbankett (supra) als eine konstruierte Tradition im Spannungsfeld des Nationalismus. Ziel ist es, mithilfe traditionalistischer und modernistischer Ansätze der Nationalismusforschung zu ergründen, wie das supra als identitätsstiftendes Instrument dient, das sowohl zur sozialen Integration als auch zur Exklusion und gesellschaftlichen Abgrenzung eingesetzt werden kann.

  • Die soziokulturelle Bedeutung des georgischen supra
  • Traditionalistische Perspektiven auf Traditionen (Anthony D. Smith)
  • Modernistische Ansätze und das Konzept der „erfundenen Tradition“ (Hobsbawm, Gellner, Anderson)
  • Die Dekonstruktion der historischen Herleitung des supra
  • Die politische Instrumentalisierung von Traditionen im modernen Georgien

Auszug aus dem Buch

5.2.1 Eric Hobsbawm

Theodor Schieder charakterisiert Nationalismus als „Integrationsideologie“. Dies beinhalte in den Augen Langewiesches, dass der Nationalismus das Bindemittel einer modernen industrialisierten Gesellschaft darstelle, da dieser in Form von Traditionen ein Gemeinschaftsbewusstsein konstituiere, indem dieser an die scheinbar gemeinsame Vergangenheit erinnere und gleichzeitig gemeinschaftliche Zukunftspläne propagiere. Wie funktioniert dieser Vorgang? Herausragend in diesem Zusammenhang ist das 1983 erschienene Werk „The Invention of Tradition“ Eric Hobsbawms und Terence Rangers, auf das sich im Kontext von identitätsstiftenden Traditionen sowohl Anderson und Gellner als auch Langewiesche und Mühlfried beziehen. Für Hobsbawm bilden Sprache, Ethnizität, Religion und das Bewusstsein, einer bestimmten politischen Gemeinschaft anzugehören Anknüpfungspunkte für den Nationalismus. Doch der Nationalismus übernehme zwar die Form vorgefundener historischer Versatzstücke, verändere aber gleichzeitig deren Inhalt und reagiere damit auf neue Gegebenheiten.

Zusammenfassung der Kapitel

2) Einleitung: Die Einleitung führt in das georgische Festbankett supra ein, definiert den Begriff des Nationalismus und legt die Zielsetzung der Arbeit dar, das supra als eine im 19. Jahrhundert konstruierte Tradition zu entlarven.

3.) Der Stellenwert des supra für die georgische Bevölkerung: Dieses Kapitel erläutert, wie das supra durch Trinksprüche und den Konsum von Wein soziale Netzwerke festigt, Identität stiftet und als ritualisierte Form georgische Wertvorstellungen vermittelt.

4) Der traditionalistische Ansatz im Zuge der Nationalismusforschung: Anthony D. Smith und das Element der Tradition: Hier wird der Ansatz von Anthony D. Smith vorgestellt, der Nationen als Ergebnis historischer Kontinuität betrachtet und Traditionen als tief in ethnischen Mythen verwurzelte Bestandteile moderner Nationalismen versteht.

5) Der modernistische Ansatz im Zuge der Nationalismusforschung: Traditionen im Kontext des Nationalismus zwischen Partizipation und Aggression: Dieses Hauptkapitel analysiert den Nationalismus als modernes Konstrukt, dekonstruiert die Tradition des supra und untersucht deren ambivalente Rolle bei der gesellschaftlichen Inklusion und Exklusion.

6.) Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Argumente der Arbeit und bestätigt, dass das supra sowohl inkludierende als auch exkludierende Funktionen erfüllt, was die These einer instrumentellen Nutzung von Traditionen untermauert.

Schlüsselwörter

supra, georgisches Festbankett, Nationalismus, Tradition, Konstruktivismus, Identität, Anthony D. Smith, Eric Hobsbawm, tamada, Integration, Exklusion, Moderne, Sozialanthropologie, Nationalbewusstsein, Weinkultur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das georgische Festbankett, das sogenannte supra, als eine kulturelle Tradition und untersucht dessen enge Verknüpfung mit nationalistischen Prozessen und Identitätsstiftung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen sind die Rolle von Traditionen in modernen Gesellschaften, die Nationalismusforschung – unterteilt in traditionalistische und modernistische Ansätze – sowie die politische Instrumentalisierung kultureller Praktiken in Georgien.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass das supra keine antike, sondern eine im 19. Jahrhundert konstruierte Tradition ist, die zur Stärkung eines nationalen Bewusstseins gezielt eingesetzt und umgedeutet wurde.

Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine ethnologische und geschichtswissenschaftliche Literaturanalyse, wobei insbesondere konstruktivistische und modernistische Theorien der Nationalismusforschung (wie die von Hobsbawm, Gellner und Anderson) zur Anwendung kommen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Auseinandersetzung mit traditionalistischen (Smith) und modernistischen (Gellner, Anderson, Hobsbawm) Ansätzen sowie die konkrete Dekonstruktion des supra durch die Analyse seiner Entstehungsgeschichte, der Rolle des tamada und der politischen Bedeutung von Trinksprüchen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die wichtigsten Schlagworte sind: supra, Nationalismus, erfundene Tradition, Identitätsstiftung, Georgien, tamada, modernistische Nationalismusforschung und soziale Integration.

Inwiefern hat sich die Wahrnehmung des supra politisch verändert?

Nach der Rosenrevolution wurde das supra von einigen politischen Gruppen als Symbol für Korruption und die "alte Ordnung" diskreditiert, was die hohe politische Brisanz dieser vermeintlich alten Tradition verdeutlicht.

Warum spielt die Person des tamada eine so zentrale Rolle für die Argumentation?

Der tamada fungiert als Strukturgeber des Banketts; seine Rolle wird im Text als eine gezielte kulturelle Praxis identifiziert, die sich erst im 19. Jahrhundert etablierte, um durch didaktische Trinksprüche ein nationales Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.

Excerpt out of 14 pages  - scroll top

Details

Title
Das georgische 'supra' als Tradition im Kontext des Nationalismus
College
University of Tubingen  (AOI Abteilung für Ethnologie)
Course
PS: „Regionale Ethnographien I“
Grade
1,3
Author
Nils Marvin Schulz (Author)
Publication Year
2012
Pages
14
Catalog Number
V214445
ISBN (eBook)
9783656427186
ISBN (Book)
9783656432791
Language
German
Tags
Nationalismus Erfundene Traditionen georgisches supra / Festmahl Georgien Ernest Gellner Benedict Anderson imagined community Moderne Eric Hobsbawm Goldenes Zeitalter Anthony D. Smith Die Erfindung der Nation Inventing Traditions Florian Mühlfried Dieter Langewiesche Kevin Tuite Partizipation Aggression Georgische Geschichte Weintradition Königshof Nation Nationalstaat Modernismus Identität Identitätsmuster Kaukasus ehemalige Sowjetunion Regionale Ethnographien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nils Marvin Schulz (Author), 2012, Das georgische 'supra' als Tradition im Kontext des Nationalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214445
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  14  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint