Juden und Judentum in Fontanes Briefen

Ein Erklärungsversuch aus literaturhistorisch-biographischer Perspektive


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung und Erläuterung zum methodologischen Vorgehen

II Die literaturhistorisch-biographische Perspektive

III Überblick zur Epoche des Realismus (1850-1890)

IV Zur Bedeutung des Briefes in der Fontane‘schen Familie

V Erkenntnisse aus der Forschungsliteratur

VI Fazit

I. Einleitung und Erläuterung zum methodologischen Vorgehen

Mit Texten und denen zur Entschlüsselung ihrer Bedeutung vorausgesetzten Bedingungen befassen sich viele Wissenschaften wie die theologische und juristische Hermeneutik, die Philologien und die Literaturwissenschaft. Die Textsorte die im Fokus dieser Hausarbeit steht ist der Brief. „Ein Brief ist eine auf Papier festgehaltene Nachricht. Seine medialen Eigenschaften umfassen das durch Schriftlichkeit, körperliche Distanz der beteiligten Kommunikationspartner, durch Raumdifferenz und Zeitverzug gekennzeichnete Spiel der Reziprovität von Brief und Gegenbrief“[1], hingegen ein wirklicher, alltäglicher Brief kein literarischer Brief folgende: „psychologisch-anthropologische, soziologische, sprachlich-ästhetische und historische Aspekte“[2] umfasst. Mit der Aufstellung dieser Kriterien und der Tatsache, dass sich der Brief aufgrund seiner Eigenschaften als Textsorte und als Medium vor allem dort, wo es um Literatur geht, bewährt, sind die Privatbriefe Fontanes bestens für die nachfolgenden, vorzustellenden Untersuchungen geeignet, deren Ziel es im Weiteren sein wird, die in vielen Briefen an Familie und Freunde enthaltenen Meinungsäußerungen zu Juden und Judentum, aus der Sicht der literaturhistorischen und biographischen Perspektive zu erläutern und der Frage nach einer möglichen Begrenztheit ebensolcher Perspektive nachzugehen. Im Rahmen dieses Versuches wird hauptsächlich nach der Methode der Datenauswertung gearbeitet. Die Arbeit stützt sich dabei vornehmlich auf die Erkenntnisse von Charlotte Jolles, die nach der klassischen positivistischen Methode arbeitete.

1.1 Zur Problematik des Theorie- und Methodenbegriffes

Die Form der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit jeder Art von Literatur wird durch Theorien und Methoden bestimmt. Dies gilt sowohl in der Textkritik/Edition und Literaturgeschichtsschreibung als auch bei der Analyse und Interpretation von Texten.

Unter einer „Theorie (grch. theorein – betrachten, untersuchen; theoría = Betrachtung Untersuchung, Forschung) versteht man zunächst die stringente, schlüssige und übertragbare Verknüpfung bestimmter Grundannahmen und Thesen.“[3] Bei der Sichtung von unterschiedlichen literaturwissenschaftlichen Werken fällt jedoch zunehmend auf, dass der Begriff der Theorie häufig eine unpräzise Verwendung findet und oft auch Methoden oder interpretatorische Ansätze als Theorien bezeichnet werden[4], welches der eigentlichen Regelung einer Theorie widerspricht, da diese immer belegbar und regelhaft sein muss. Eine Methode „grch. méthodos = Weg auf ein Ziel hin“[5] meint lediglich den Verfahrensweg zu einer (literatur)wissenschaftlichen Erkenntnis. „In der Literaturwissenschaft werden als Methoden einerseits die Untersuchungsverfahren bezeichnet, welche auf Literaturtheorien mit expliziten Erkenntniszielen und klar definierter Terminologie gründen, anderseits aber auch schon im weiteren Sinne regelgeleitete und nachvollziehbare Vorgehensweisen.“[6] Problematisch erweist sich auch diese Begriffsbestimmung insoweit, als in der Regel Bezeichnungen der einzelnen Theorien, Ansätze oder Richtungen der Literaturwissenschaft jeweils sowohl auf eine theoretische als auch auf eine methodisch-praktische Seite verweisen. Es lässt sich aber feststellen, dass „grundsätzlich jede Aussage über literarische Texte auf bestimmten Vorannahmen über Literatur beruht und damit wissenschaftlichen Untersuchungen literarischer Texte stets Literaturbegriffe bzw. Konzepte/Theorien der Literatur zugrunde liegen.“[7] Sie beinhalten zudem auch „Überlegungen darüber, was man unter Literatur verstehen kann, wie Literatur wirkt oder in welchem Verhältnis sie zu außerliterarischen Kontexten steht.“[8] Wie bereits erwähnt, gibt es unterschiedliche Erarbeitungsmöglichkeiten einer Textbedeutung. Somit ist es immer auch eine Frage des zugrundeliegenden Konzepts, welche die Sinnhaftigkeit des literarischen Textes mit definiert. Das Zentrum der Untersuchung kann dabei unterschiedlich gelagert sein. „Entsprechend den bereits benannten Vorannahmen können Texte, Kontexte, Autoren/-innen oder Leser/innen im Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung stehen.“[9]

[...]


[1] Strobel, Jochen: Vom Verkehr mit Dichtern und Gespenstern. 2006, Heidelberg, S. 8.

[2] Nickisch, Reinhard M.G.: Realien zur Literatur ; Brief. 1991, Stuttgart, S.8.

[3] Überblick zu literaturwissenschaftlichen Theorien/Modellen und Methoden (Auswahl) unter http://www.uni-bamberg.de[...]Online-Materialien_Literaturtheorie.pdf, Seite 1, letzter Zugriff im Juli 2012.

[4] Vgl. ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Juden und Judentum in Fontanes Briefen
Untertitel
Ein Erklärungsversuch aus literaturhistorisch-biographischer Perspektive
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V214458
ISBN (eBook)
9783656427162
ISBN (Buch)
9783656437369
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
juden, judentum, fontanes, briefen, erklärungsversuch, perspektive
Arbeit zitieren
Seda Markhoff (Autor), 2010, Juden und Judentum in Fontanes Briefen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214458

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