Frauen in Führungspositionen: eine Seltenheit in Deutschland

Ein Überlick über mögliche Gründe und die aktuelle Diskussion


Hausarbeit, 2008
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Rechtlicher Rahmen und einige Zahlen zur aktuellen Situation

Stereotypisierung und „Gender Status Beliefs“

Ökonomische Vorbehalte

Informelle Strukturen

Bewertung von Frauenaktivitäten

Veränderungswiderstand und Ängste der Männer

Eigenverschulden der Frau

Fazit

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

Einleitung

Zu wenige Frauen in den Chefetagen, Chancenungleichheit und weit auseinanderklaffende Gehälter bei Männern und Frauen sind derzeit in der Öffentlichkeit viel diskutierte Themen. So titelte beispielsweise der Hochschulanzeiger der FAZ im April 2008 „Unterbezahlt, übervorteilt, ausgenutzt? Frauen tut was“. Ob auf dem Onlineportal der ZEIT, der Süddeutschen, der FAZ, dem Focus oder SPIEGEL online – überall wird man mit Beiträgen über die skandalösen Gehaltsunterschiede überhäuft „Frauen verdienen schlecht“[1], „Die Hausfrau im Kopf“[2]

Rechtlicher Rahmen und einige Zahlen zur aktuellen Situation

Trotz der im Grundgesetz Art.3 Abs. 2 verankerten Gleichberechtigung von Männern und Frauen[3] sowie dem im EGV primärrechtlich verankerten Grundsatzes gleichen Entgelts für Männer und Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit und einer oftmals höheren Qualifikation, verdienen Frauen nach wie vor bis zu 25 % weniger für exakt die gleiche Arbeit. Mit Schrecken muss man feststellen, dass Deutschland sich damit im EU-Vergleich auf dem viertletzten Platz[4] befindet (Abb. 1 und Abb. 2).

Nicht nur im Bezug auf das Gehalt schneiden Frauen in Deutschland schlecht ab: Laut der „Bilanz Chancengleichheit“ der Bundesregierung von 2006 besetzten in den

100 größten Unternehmen im Jahre 2004 neben 685 Männern nur 4 Frauen Vorstandspositionen [5] (Abb. 3).

Im Folgenden sollen nun einige Erklärungsansätze für diesen nicht nur ärgerlichen, sondern auch wirtschaftlich gefährlichen Zustand aufgezeigt werden.

Für die Ungerechtigkeiten in der Bezahlung und den (vermeintlichen) Aufstiegsbarrieren gibt es eine schier nicht zu überblickende Masse von oftmals absolut kontroversen Erklärungsversuchen. Die folgenden Punkte stellen somit lediglich eine kleine Auswahl dar.

Es sollen nun zunächst die zwei grundsätzlichen Positionen in der Diskussion um das vorliegende Thema umrissen werden: Auf der einen Seite der Standpunkt, die Ungerechtigkeit entstehe durch äußere Faktoren, welche nicht unter dem Einfluss der Frauen stehen, wie z.B. Erziehung, tief verwurzelte Rollenbilder, Stereotypisierung etc. und auf der anderen Seite die Auffassung, dass den Frauen alle Chancen gegeben sind, sie diese jedoch nicht ausreichend nutzen, bzw. nicht nutzen wollen, also an ihrer desolaten Gehalts- und Berufsstatistik selbst die Schuld tragen.

Im weiteren Verlauf soll dann diskutiert werden, inwiefern evolutionäre Entwicklungen und biologische Dispositionen, bzw. die Sozialisation durch Familie und Gesellschaft das Verhalten von Frauen beeinflussen und welche Unterschiede sich dadurch zum männlichen Verhalten ergeben. Direkt bezogen auf die Organisation wird daraufhin die Frage behandelt ob sich aus den etwaigen geschlechtsspezifischen Verhaltensformen ein spezifisch weiblicher (bzw. männlicher) Führungsstil herausbildet. Zum Schluss werden mit Konzepten wie Mentoring und speziellen Frauennetzwerken Möglichkeiten der Verbesserung vorgestellt.

Stereotypisierung und „Gender Status Beliefs“

Ein grundlegendes Problem stellen Stereotypisierungen bzw. die sog. „gender status beliefs“ dar. Stereotypen sind „Vorstellungen über Charaktereigenschaften, Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster von Frauen und Männern, die historisch gewachsen und geprägt sind“[6]. Diese Annahmen und Erwartungsmuster prägen nicht nur das Bild anderer, sondern sind zugleich auch im kognitiven Selbstbild verankert. Das hat zur Folge, dass Frauen das Klischeebild oftmals durch ihr eigenes Verhalten mit stützen.

Allerdings muss man sich bewusst machen, dass Stereotype nicht grundlegend negativ sind – im Gegenteil sind sie für Kommunikation und soziale Interaktionen absolut unabdingbar: Mit ihrer komplexitätsreduzierenden Funktion verhindern sie eine permanente Reizüberflutung. Problematisch wird es erst, wenn Stereotype soziale Zuschreibungen erfahren und in ein Wertesystem eingeordnet werden. Durch die (im Zusammenhang mit Frauen in Führungspositionen negative) Bewertung entstehen dann so genannte „gender status beliefs“[7], welche im Gegensatz zu Stereotypen eine soziale Wertigkeit besitzen und somit diskriminierendes Verhalten begünstigen können.

Zwar sind Stereotype Vorstellungen prinzipiell wandelbar, aber meist so tief verankert, dass eine Umkodierung nur sehr schwierig möglich ist. Von den 60ern bis zu den 90ern haben sich die männlichen und weiblichen Stereotype laut entsprechender Studien kaum verändert und unterscheiden sich auch im interkulturellen Vergleich nur wenig[8]. Als Konsens lassen sich folgende „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Eigenschaften aufzählen:

- männlich: Unabhängigkeit, Dominanz, Selbstsicherheit, Zielstrebigkeit, Rationalität, Willensstärke à instrumentelle Fähigkeiten
- weiblich: abhängig, verständnisvoll, emotional, sanft à expressive Fähigkeiten[9]

Frauen geraten im Berufsleben nun in eine Zwickmühle: Einerseits wird ein Verhalten gemäß des Stereotypen erwartet und ein gegensätzliches Verhalten negativ bewertet, jedoch steht ein stereotypenkonformes Verhalten im Kontrast zu einem für die Berufswelt erforderlichen Verhalten. Hinzu kommt der durch den Minderheitenstatus der Frau wachsenden Druck: Begeht ein Mann einen Fehler, wird dieser ihm persönlich zugeschrieben, wohingegen das Versagen einer Frau oft auf Frauen im Allgemeinen projiziert wird.

[...]


[1] http://www.zeit.de/online/2008/24/frauen-gehalt Zeit Online 9.6.08

[2] ZEIT Nr. 11, 6.3.08

[3] „Männer und Frauen sind gleichberechtigt (…)“

[4] Bilanz Chancengleichheit 2008

[5] Bilanz Chancengleichheit 2006, S. 12

[6] Hördt S.40

[7] Hördt

[8] Hördt, S. 41

[9] ebd.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Frauen in Führungspositionen: eine Seltenheit in Deutschland
Untertitel
Ein Überlick über mögliche Gründe und die aktuelle Diskussion
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V214478
ISBN (eBook)
9783656427681
ISBN (Buch)
9783656438175
Dateigröße
817 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen, führungspositionen, seltenheit, deutschland, überlick, gründe, diskussion
Arbeit zitieren
Anja Schneck (Autor), 2008, Frauen in Führungspositionen: eine Seltenheit in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214478

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