Vulnerabilität des Tourismus

Aufgrund von Natur- oder politischen Katastrophen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff Vulnerabilität
2.1. Erklärung und Definition
2.2. Vulnerabilität in Bezug auf Tourismus

3. Naturkatastrophen
3.1. Intensität und Auswirkungen innerhalb der letzten Jahrzehnte
3.2. Erforschung und Erkenntnisse
3.2.1. Allgemeine Forschungsentwicklung
3.2.2. Weltrisikobericht 2011
3.3. Zusammenhang von Naturkatastrophen und der Tourismusentwicklung
3.3.1. Mögliche Folgen
3.3.2. Beispiel Thailand Tsunami 2004

4. Politische Unruhen
4.1. Begriffsverständnis und Erklärung
4.2. Beispiel Ägypten 2011

5. Ergebnis und Zusammenfassung

6. Maßnahmen zur Wiederbelegung des Tourismus

7. Fazit

8. Abbildungsverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Welt ist immer häufiger vom Klimawandel die Rede. Sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft beeinflusst er Entscheidungen und stellt die Menschen vor neue Herausforderungen. Denn, versucht man den fortschreitenden Klimawandel nicht aufzuhalten, drohen immer mehr Naturkatastrophen, die zusätzlich in ihrer Intensität zunehmen. Davon ist auch der Tourismus maßgeblich betroffen, denn Naturkatastrophen machen auch vor Touristenzielen nicht halt. Dabei drängt sich die Frage auf, wie anfällig der Tourismus auf solche fatalen Naturereignisse reagiert.

Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass neben Naturkatastrophen auch politische Katastrophen1 bzw. politische Unruhen sich ebenfalls verstärkt auf den Tourismus auswirken.

In der folgenden Hausarbeit wird unter anderem anhand von zwei ausgewählten Praxisbeispielen untersucht, inwiefern Naturkatastrophen bzw. politische Unruhen einen Einfluss auf den Tourismus in einem Land haben. Dabei steht die Vulnerabilität, die Vorausbetrachtung im Fokus. Besonders für Länder die sehr stark vom Tourismus abhängen, ist es sinnvoll bereits präventiv entsprechende Vorkehrungen zu treffen, um den drohenden Rückgang an Touristen so gering wie möglich zu halten.

Ziel der Hausarbeit ist es, zu verdeutlichen im welchem Zusammenhang Vulnerabilitätsbegriff zum Tourismus steht. Jedoch besteht das Hauptziel darin, Erkenntnisse über die Vulnerabilität des Tourismus im Kontext von Naturkatastrophen bzw. politischen Unruhen zu gewinnen.

2. Begriff Vulnerabilität

2.1. Erklärung und Definition

Schaut man im Duden nach dem Begriff „Vulnerabilität“, so wird dieser mit den Bedeutungen „Verwundbarkeit“ und „Verletzbarkeit“ angegeben. Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen Wort „vulnus“ (Wunde) ab und ist ein Fremdwort, was vor allem in vielen Bereichen der Wissenschaft Anwendung findet. An dieser Stelle sind vor allem die Fachrichtungen der Ökonomie, Psychologie, Soziologie und der Geographie zu nennen. Durch die Verwendung in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen, wird der Begriff teils fachspezifisch abgewandelt und unterschiedlich verstanden.

Eine allgemein anerkannte und übergreifende Definition von „Vulnerabilität“ ist daher nicht zu finden, weswegen dem Begriff Anfang der 1980er eine Art Allround-Verwendung vorgeworfen wurde.2 Allerdings setzte sich der Begriff, trotz der Bedenken über seinen wissenschaftlichen Mehrwert, zunehmend durch. Er fand häufig Verwendung bei der Beschreibung von Zielsetzungen oder diente als Maß für die Intensität negativer Auswirkungen. Dabei wurde der Begriff stets weiterhin für den entsprechenden Fachbereich modifiziert, was zu seiner vielfältigen Verwendung führte.

Auf allgemeiner Ebene ist in der Literatur bezüglich „Vulnerabilität“ oft von der Beschreibung der Anfälligkeit und Verwundbarkeit eines Systems die Rede. Diese oberflächige Darstellung lässt jedoch keine konkreten Aussagen über den Begriff zu. Ebenso wenig herrscht Einigkeit darüber, welche Faktoren die Vulnerabilität beeinflussen oder wie man sie messen bzw. schätzen kann.

Das Pendant zur Vulnerabilität ist die „Resilienz“, was so viel wie Widerstandsfähigkeit bedeutet.3 Je geringer die Resilienz eines Systems ist, desto größer ist dessen Vulnerabilität. Um ein System also optimal zu schützen, ist es erforderlich dessen Resilienz zu erhöhen, um damit die Vulnerabilität so gering wie möglich zu halten.

Im Bereich der Geographie wird der Begriff häufig im Zusammenhang mit Klimaforschung oder Katastrophenforschung verwendet. Vulnerabilität steht hier für den „möglichen Schaden im akuten Katastrophenfall, der sich bemessen lässt in Form von Verlusten an Menschenleben oder Infrastrukturschäden“.4 Dieses geographische Verständnis grenzt den Sachverhalt fachspezifisch ein und stellt sogar ein Maß dar, das bei Analysen über das Risiko bzw. die Gefahrenlage einer Region, Stadt oder Bevölkerung zum Einsatz kommen kann.

2.2. Vulnerabilität in Bezug auf Tourismus

Für den Tourismus ist keine abgewandelte Definition oder Erklärung von Vulnerabilität in der Literatur zu finden. Jedoch lässt sich aus der oben beschriebenen Bedeutung von Vulnerabilität auch für den Tourismus eine Definition ableiten.

Folglich lässt sich die „Vulnerabilität des Tourismus“ mit der Anfälligkeit bzw. der Verwundbarkeit des Tourismus erklären. Also der mögliche Schaden des Tourismus bei Eintritt eines Negativereignisses, der sich am veränderten Reiseverhalten der Touristen messen lässt.

Das Reiseverhalten nach einem Negativereignis unterliegt verschiedenen Einflussfaktoren. Eine große Rolle spielt hierbei die Medienberichterstattung. Diese Darstellungen der Ereignisse, sowie die Intensität der Berichte in den Medien sind in der Regel die erste und die am häufigsten konsumierte Information potenzieller Touristen. Des Weiteren ist eine funktionierende touristische Infrastruktur erforderlich, um rückläufige Touristenzahlen zu verhindern. Die subjektive Einschätzung der bestehenden Gefahr ist ebenfalls ausschlaggebend dafür, ob man sich als Tourist für ein bestimmtes Ziel entscheidet oder nicht. Hierbei ist sicherlich die Veröffentlichung einer Reisewarnung durch das Auswärtige Amt ein wichtiger Faktor. Obendrein kommt die Reaktion der Reisebranche hinzu, die sich eventuell entscheidet, die touristischen Investitionen in diese Destination (vorübergehend) zu reduzieren. Ein Beispiel hierfür ist die Streichung von Flügen der Fluggesellschaften. Sicherlich gibt es noch weit mehr Einflussgrößen, hierbei handelt es sich lediglich um eine Aufzählung einiger Hauptfaktoren.

Durch die Messung spezifischer Tourismusindikatoren vor und nach einem Negativereignis, kann man konkrete Aussagen über deren Auswirkungen auf den Tourismus der Destination treffen. Als Indikatoren hierfür können beispielsweise die Ankünfte der Touristen innerhalb eines bestimmten Zeitraums, die Hotelneueröffnungen oder die Dauer des durchschnittlichen Aufenthalts dienen.

Zwar lassen sich auf diese Weise die Auswirkungen relativ genau festhalten, wer jedoch glaubt man könnte so die Vulnerabilität messen, der irrt. Bei der Vulnerabilität des Tourismus geht es darum, möglichst genaue Aussagen über den Schaden bzw. die Auswirkungen vor einem Negativereignis zu treffen. Dabei gibt es auch eine Komponente, die die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Negativereignisses festhalten soll. Folglich spielt unter anderem die politische Sicherheit des Landes eine Rolle, sowie die Frage, wie stark die Destination Naturkatastrophen ausgesetzt ist. Es wird versucht die Resilienz der Destination möglichst exakt zu erfassen, um so Aussagen über die Vulnerabilität treffen zu können.

3. Naturkatastrophen

3.1. Intensität und Auswirkungen innerhalb der letzten Jahrzehnte

Die Weltbank, das Bundesinnenministerium und die Münchner Rückversicherungs- Gesellschaft sind sich einig, die Häufigkeit und die Intensität der Naturkatastrophen haben in den letzten Jahren bedeutend zugenommen (siehe Abbildung 1 im Anhang). Eine maßgebliche Ursache der Zunahme der Katastrophen ist sicherlich der Klimawandel. Das zerstörerische Ausmaß einer Naturkatastrophe wird meist an zwei Hauptkriterien festgemacht. Einerseits ist es der Verlust von Menschenleben und die Anzahl an Verletzten und das zweite Kriterium ist der wirtschaftliche Schaden, den die Katastrophe ausgelöst hat. Zum ersten Kriterium lässt sich sagen, dass die Zunahme der Naturkatastrophen keineswegs gleichbedeutend mit einem Anstieg an Todesopfern ist. Hier ist keine eindeutige Entwicklung auszumachen.5 Wogegen beim wirtschaftliche Schaden, ausgelöst durch Naturkatastrophen, ein Steigender Trend in den vergangenen Jahrzehnten zu beobachten ist.6 Die zunehmende Konzentration an Werten und Industrie in Ballungszentren, die Besiedelung und der infrastrukturelle Ausbau gefährlicher Regionen und die Anfälligkeit moderner Technik für Störungen sind die möglichen Ursachen, die die Katastrophen folgenschwerer ausfallen lassen.

Generell lässt sich jedoch sagen, dass es vor allem Menschen in Entwicklungsländern sind, die von Naturkatastrophen am stärksten betroffen sind.7

3.2. Erforschung und Erkenntnisse

3.2.1. Allgemeine Forschungsentwicklung

Zunächst ist eine Naturkatastrophe ein (plötzliches) Naturereignis, welches erst durch die Anwesenheit und das Verhalten des Menschen zu einer Katastrophe wird. Eine genauere Definition des Begriffs „Katastrophe“ ist bei Plate et al. 20018 zu finden und trifft auch für Naturkatastrophen zu. Ein Naturereignis, das so stark ist, dass Menschen und Sachwerte signifikant geschädigt werden. Ob ein Naturereignis zur Naturkatastrophe wird, hängt nicht nur von der absoluten Stärke des Ereignisses, sondern vielmehr von der Anfälligkeit und damit der Vulnerabilität der betroffenen Region ab. E. Kulke betont hierzu die Entwicklung und Anwendung ausreichender Strategien zur Risikohandhabung, die das Risiko einer Katastrophe entscheidend verringern.9

In der Tat wird im Verlauf der letzten Jahre in Bezug auf Naturkatastrophen vermehrtes Augenmerk auf die Bereiche Risikoforschung, Risikomanagements, Risikokommunikation und der Katastrophenvorsorge gelegt. Bestätigt wird das unter anderem die „Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge“ veröffentlicht durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).10 Der Schutz, die Vorbeugung und die Risikominimierung, beispielsweise durch Frühwarnsysteme, sind eminente Bausteine zur Steigerung der Resilienz einer Destination. Dies ist maßgeblich abhängig vom Einsatz finanzieller Mittel, was wiederum einen großen Nachteil für die Entwicklungsländer darstellt, welche diesen Schutz am dringendsten benötigen würden. Kuhlmann meint hierzu; es ist das zugemutete Risiko nach der Verhältnismäßigkeit von Mittel und Zweck festzulegen, d.h. die bestmögliche Option bzw. das geringstmögliche Übel ist auszuwählen.11 Die Gewalten der Natur lassen sich keinesfalls komplett eliminieren, es bleibt stets ein gewisses Restrisiko, trotz Beachtung und Umsetzung jeglicher Vorbeugemaßnahmen.

[...]


1 Im Titel dieser Arbeit ist von der Vulnerabilität aufgrund „politischen Katastrophen“ die Rede. Allerdings wird dieser Begriff in der Literatur entweder gar nicht oder in anderem Zusammenhang verwendet. Daher spricht der Verfasser stellvertretend dafür im folgenden von dem Medien und Literatur gebräuchlichen Begriff „politischen Unruhen“.

2 Timmermann, P., 1981, Vulnerability, Resilience and Collapse of Society. In:Environmental Monograph.

3 http://lexikon.stangl.eu/593/resilienz/ am 21.03.12

4 Van Dillen, S., Zum Stand der Diskussion, http://www.dkkv.org/forum2001/Datei19.pdf am 17.03.12

5 Statista Studie, Weltweite Naturkatastrophen mit meisten Todesopfern, 02.2010

6 Statista Studie, Die 10 größten Naturkatastrophen nach volkswirtschaftlichem Schaden, 02.2010

7 http://www.welthungerhilfe.de/naturkatastrophen-grafiken.html, am 25.03.12

8 „Eine Katastrophe ist ein Ereignis, in Raum und Zeit konzentriert, bei dem eine Gesellschaft einer schweren Gefährdung unterzogen wird und derartige Verluste an Menschenleben oder materielle Schäden erleidet, dass die lokale gesellschaftliche Struktur versagt und alle oder einige wesentlichen Funktionen der Gesellschaft nicht mehr erfüllt werden können“ (UNDRO 1987, zitiert in Plate et al. 2001)

9 Kulke, E., 2008, S.69

10 http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/umwelt/naturkatastrophen/katastrophenvorsorge/index. html, am 21.03.12

11 Kuhlmann, A., 1995,

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Vulnerabilität des Tourismus
Untertitel
Aufgrund von Natur- oder politischen Katastrophen
Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V214500
ISBN (eBook)
9783656427421
ISBN (Buch)
9783656437277
Dateigröße
888 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vulnerabilität, tourismus, aufgrund, natur-, katastrophen
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Andreas Noack (Autor), 2012, Vulnerabilität des Tourismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214500

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