Der Wandel von Identitäten durch Kultur und Medien in zwei Jahrzehnten. Erzähltextanalyse der Romane von Vuk Drašković, Nedjeljko Fabrio und Tomislav Zajec


Magisterarbeit, 2009

92 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung - Postmoderne in der kroatischen und serbischen Literatur 1983 - 2001 3 Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.1. Identität und Postmoderne in Serbien und Kroatien
1.2. Realität - Mythos - Virtualität

2. Erzähltextanalyse
2.1. Vuk Draškoviü „ Nož “ (1983 - 2. Auflage)
2.1.1. Der Erzähler und die Perspektivik im Roman
2.1.2 Figurenäquivalenzen
2.1.3. Doppelgängermotivik
2.1.4. Der Leser - Das neue Modell der Kommunikationsebenen
2.2 Nedjeljko Fabrio „ Smrt Vronskog “ (1994)
2.2.1 Der Erzähler und die Perspektivik im Roman
2.2.2. Figurenäquivalenzen
2.2.3. Doppelgängermotivik
2.2.4. Der Leser - Dokumentarismus und Fiktion
2.3. Tomislav Zajec „ Ulaz u Crnu Kutiju
2.3.1. Der Erzähler und die Perspektivik im Roman
2.3.2. Figurenäquivalenzen
2.3.3. Doppelgängermotivik
2.3.4. Der Leser - Die virtuelle Kultur und die Kommunikationsebenen

3. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung - Postmoderne in der kroatischen und serbischen Literatur 1983 - 2001 Gegenstand und Ziel der Arbeit

1.1. Identität und Postmoderne in Serbien und Kroatien

Die doppelte Identität eines jeden Bürgers der ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawienshatte für die gesamte Dauer der Konstruktion des Vielvölkerstaats große Bedeutung.Nicht ein einziger Bürger hätte seine nationale bzw. seine staatsbezogene Identität -zumindest nicht öffentlich - als vorrangig bezeichnet. Folgen derartigen Verhaltenswären nicht nur die politisch gesellschaftliche Isolation, sondern der Vorwurffeindlichen Gedankenguts, dass per Strafverfolgung geahndet worden ist.

Viele junge Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawiens haben noch Anfangder Neunziger Jahre an den Kundgebung der Jungpioniere teilgenommen, auf denennicht nur die jugoslawische Hymne gesungen wurde sondern auch Filme wie „DieBrücke über die Neretva“ gezeigt wurden. Die darin spielenden Partisanen verkörpertenden Typ des Helden im Kampf gegen Nationalismus und Völkermord und sollten jedemPionier als Beispiel dienen. Tito sei zwar Kroate gewesen, aber das spiele keine Rolle,denn Ustaša und ýetniks gäbe es nicht mehr, nur noch Gemeinsamkeit, Jugoslawien;zudem solle man seine Eltern ehren, nicht lügen und gut in der Schule sein, einRundumschlag für eine pubertierende Person, die sich damit identifizieren solle.Ergänzend dazu wurden den Kindern/Jugendlichen Geschichten über Alija Ĉerzelez,Kraljeviü Marko und zahlreiche Märchen über die Hajduken auf dem Balkan erzählt,Rollen, in welche sich jeder Junge, aber auch Mann, gern hineinversetzt.

Die Identität des Jugoslawen war ein Gerüst auf zwei äußerst wackeligenBeinen, einem politischen und einem intellektuellen. Aber dieses durchaus nichteigenartige Konstrukt, das mit der Aufklärung auch in Mitteleuropa Spuren hinterließund die Bildung des Begriffes der Nation und eben solcher begünstigte, wandelte sichauf dem Balkan zu einem Symptom von Doppelgängern. Denn durch die Repressionenwährend des Zweiten Weltkrieges durch die nationalistischen Truppen und später durchdie kommunistische Rechtssprechung wandelten sich die Bürger äußerlich zuBrüderlichkeit und Einheit, während „ungesühnte Rache“ die Menschen innerlich zuhasserfüllten Individuen heranreifen ließ. Der Doppelgänger teilt nicht etwa wie ein eineiiger Zwilling auch das Genmaterial, sondern nur die Hülle eines weiteren Menschen.

Die Identität in dieser Hülle weicht in jedem Fall von dem Spiegelbild ab, dieKonstruktionen innerhalb der Hüllen lieferten den Bürgern des ehemaligenJugoslawiens zum einen Alibis und zum anderen den Grundstein ihrer eigenenWirklichkeit. Ein offenes Bekenntnis zu multiplen nationalen Identitäten lieferten imehemaligen Jugoslawien die Mischehen zwischen den verschiedenen Ethnien.

Kroatiens Weg in den 1990er Jahren in eine selbständige kulturelle/nationaleIdentität führte weit in die Antike, jedoch nicht in italienische oder illyrischeForschungen - die bereits den Albanern dienten - sondern weit ab vom Balkan, in denNahen Osten, genauer: in den Iran. Ethnologen aus der wissenschaftlichen kroatischenVereinigung für ethno-genetische Studien fanden heraus, dass die meisten Ethnonymezu „Hrvat“ im Nahen Osten - Israel, Kurdistan, Iran, Afghanistan - zu finden seien. DieNamen der dortigen Dörfer lauten z. B. Horbata, Horvot in Israel oder Harw, Arbât,Hirwât in Kurdistan, im Iran lauten die Namen Harauw, Harauwnabad, in Afghanistanauch ähnlich Harwatya. Der Ursprung des Volkes, das seit ca. 2340 v. Christus mit demBan Hurru-Bâni Arwatâl aus dem Ban Hurrwùrtu in Kurdistan, sei dort zu suchen, da „Tako stari i organizirani narodi donose svoje ime na vlastitu jeziku, rjeÿe se u primitivnih plemena svoje ime preuzima iz tuÿeg jezika kulturnih susjeda. Zato naše podrijetlo treba tražiti tragom našeg imena Hrvat, a ne stranog Croata. (…) Narodi s više imena su u pravilu stariji od jednoimenih naroda a takoÿer i ranije politiþkogospodarski utjecajni (Englezi-Britanci, Nijemci-Germans-Allemands itd.), pa i dvojnost Hrvati-Croatae upuüuje na starost i raniju važnost.“1

„Derart alte und organisierte Völker nehmen die Namen aus der eigenen Sprace, seltener werden von primitiven Stämmen die Namen aus der fremden Sprache benachbarter Kulturen übernommen. Daher sollte man unsere Wurzeln auf der Spur des Namens `Hrvat´ suchen, und nicht auf der des fremden `Kroate´ (…) Völker mit mehreren Namen sind in der Regel älter und politisch einflussreicher als Völker mit einem Namen (Engländer-Briten, Deutsche-Germans-Allemands usw.) und so weist auch die Dualität Hrvat-Kroate auf Alter und früheren Einfluss.“

Mit dieser Stellungnahme grenzte man sich zudem auch von der Allmachtstellung derSerben ab, mit älterer und einflussreicherer Geschichte und zudem mit demVerständnis, die jugoslawische Idee der Einheit sei tot2 (MoĪejko, 443). Die kroatischePostmoderne war geprägt von dieser wechselnden Stimmung, der Suche nach Neuem in alten Konzepten der Geschichte und Kunst, was sich in der intertextuellen und intermedialen Ästhetik äußerte3. In den 1990er Jahren ist das Prinizp nach Nemec folgendermaßen zu verstehen:

„(…): sve je u igri, svi su oblici, postupci, graÿe, i tradicije slobodno raspoloživi.“4 „(…): alles ist im Spiel, alle Abbildungen, Versuche, Gebilde und Traditionen sind freiverteilbar“

Die serbische Perspektive festigte sich mit dem Memorandum der serbischen Akademieder Wissenschaften und Künste zwischen 1982 - 1986, in welchem die Nachbarstaatenfür die desolate wirtschaftliche Lage verantwortlich gemacht wurden und dieUnterdrückung serbischer Nationalitäten in den weiteren Teilrepubliken beklagt wurde.Die Rückbesinnung auf mythologische Konzepte von Helden, die durch die weitenLandschaften des Balkans zogen und gegen die osmanische Unterdrückung kämpftenwurde bemüht, ebenso wie die serbische Rolle in der Schlacht auf dem Amselfeld; dieseArgumentation führten dazu, dass die territorialen Ansprüche Serbiens auf das gesamteGebiet des ehemaligen Jugoslawiens ausgeweitet werden konnten. Die Begründung füreinen Schritt in die Sphären „alter Geschichte“ - Mythos - ist die, dass dieHerausbildung einer serbisch-nationalen Identität der Literatur dieser Thematik zuverdanken sei:

„Šematski gledano, idealiter, književnost, umetnost uopšte, mogla bi igrati veomaznaþajnu ulogu u konstituisanju nacionalnog identiteta, stoga što predstavlja jedinstvenovrednosti posebno-nacionalnog (duh naroda) identiteta i univerzalno-ljudskoga(estetskog i umetniþko).“5 „Schematisch gesehen, kann die Literatur, die Kunst imAllgemeinen, eine tragende Rolle in der Herausbildung der nationalen Identität spielen,da sie einzigartig die Wertigkeit nationaler und menschlicher Identität darstellt.“

Auch hier richtet sich die Frage der 1990er Jahre in die Sphäre der Konstruktionen, doch bleibt dieser Literatur einzig auf der Ebene der jugoslawischen Frage:

„U najnovijim radovima, istoriþari i teoretiþari srpske književnosti, pored priznavanja njenog narodnosnog usredsreÿenja, dele uvjerenje da je sudbina Jugoslavije bila primarno književno a tek potom politiþki artikulisana, tj. da je Jugoslavija zaþeta u književnosti. No, oni ili nisu skloni da odgovornost za raspad pripišu književnosti, ili smatraju da je (srpska) komunistiþka politika svesno radila na razbijanju srpskoga književnog i time srpskoga nacionalnog biüa“6

„In allerneusten Werken teilen Historiker und Theoretiker serbischer Literatur, nebender Anerkennung ihrer zusammenfassenden Vokszugehörigkeit, die Überzeugung, dass das Schicksal Jugoslawiens primär literarisch und dann politisch artikuliert wurde, d.h. dass Jugoslawien aus der Literatur entstand. Aber sie sind entweder nicht geneigt den Zerfall der Literatur zuzuschreiben oder sie meinen dass die (serbische) kommunistische Politik wissend die Zerstörung der serbischen Literatur und damit des serbischen nationalen Wesens gebilligt hätte.“

Der einzig logische Schritt scheint demnach die Besinnung an den Mythos, um in derserbischen Postmoderne die Identität des Serbens zu erhalten. Die Diskussion umTheorie und Wesen der Postmoderne wurde in Serbien nicht wie in anderen Länderngeführt, die dominanten Themen waren ideologisch und national orientiert (MoĪejko,445).

Die Frage nach nationaler Zugehörigkeit fand jedoch auch eine offene Tür in das private Leben, noch bevor Repression und Krieg dies taten. Die Identitäten innerhalb einer Familie wandelten sich vom ruhenden, destruktiven Double und seinem familiären, die „mythologisierte“ Vergangenheit verzeihenden Pendant zum persönlichnationalen Konflikt, Freunschaftsverhältnisse und Mischehen belastete unmittelbar die nationale Zugehörigkeit des Freundes bzw. Partners.

Die postmoderne Kultur, die scheinbar zur neuen Identitätsfindung führte, dennalte Erklärungsmodelle wie das Subjekt als Ganzes oder Gott als Beispiel für dasPartiarchat galten nicht mehr, führte mit den o. g. Bestreben der Nationen zu einem„schweren“ post-Postmodernismus7. Diese Theorie ist auf die Vorkommnisse imehemaligen Jugoslawien angewandt, in einer erstaunlichen Form wiederzufinden. Alssich Jugoslawien aufspaltete, trennten sich nicht nur die Nationen, sondern auch dergemeinschaftliche Geist und die Idee der Helden, die nun über einstige Brüder mitgleicher Waffe schlugen wie zuvor über die Feinde. Die desillusionierten jungenMänner, die zusammen dem Pioniergeist verschworen waren, zürnten über ihre Lageund mordeten im Namen der gefallenen Idole brutaler und gewalttätiger, als diese es inden düstersten Märchen getan hatten.

Denn während sich die einzelne Identitätsfindung im Progress befinden sollte,war die Vergangenheit darauf abzustimmen. Daraus folgte die Rückbesinnung aufEreignisse, die historisch gesehen korrekt sind, aber aus dem Kontext genommenwurden und in die eigene nationale Konstruktion eingesetzt wurden und vondemagogischen, populistischen und nicht zuletzt nationalistischen „Realitäten“strotzten. Das Problem der Identität war dadurch jedoch weiterhin nicht gelöst. Die „Doppelgänger“ kämpften gegen sich und gegen den ehemaligen Freund und schafftenes letztendlich nur, die letzte Idee von Menschlichkeit, den Grundstein jeder Identität,zu erschlagen.

In der Literatur ist diese Identitätsfindung in den drei behandelten RomanenThema. Vuk Draškoviü lässt in seinem 1982 erschienem Roman „Nož“ einen serbischenjungen Mann erfahren, dass er als kleines Kind von muslimischen Bosniern entführtwurde und ein Leben bzw.eine Identität lebe, die ihm gar nicht gehöre; Dieser Romanbeinhaltet eine Facette der serbischen Identitätsfindung, die in territorialem Anspruchendete, der Annahme, muslimische Bosnier seien islamisierte Serben. Alija Osmanoviü,der Ilija Osmanoviü sein könnte (selbst Draškoviü erlaubt es sich nicht, sich völligfestzulegen), muss mit seiner doppelten Identität solange Leben, bis er nicht eine dervorgegebenen Wahrheiten akzeptiert und sich einer nationalen Identität anschließt.

Der Roman spielt in den 1960er Jahren in der Herzegowina und Sarajevo, also lange vor dem letzten Balkankrieg.

Nedjeljko Fabrios Roman „Smrt Vronskog“, der 1994 erschien, ist bereitsinmitten der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenenNationalitäten; der russische Graf Wronskij, bekannt aus Lev Tolstois „Anna Karenina“steht hier Pate für die Darstellungen Fabrios, wie die Illusion potenzialisiert worden istund allein durch die Entkräftigung der Fiktion Menschenleben hätten erhalten werdenkönnen. Die Heranführung einer Figur, die nicht an Jugoslawien gebunden ist, verweistauf die Identitätsfindungen in ganz Europa und Asien, die alle Staaten in dieser Zeitbemühten, um das eigene Bestehen möglichst weiter in der Weltgeschichte anzusiedeln.

Tomislav Zajec lässt im „Ulaz u Crnu Kutiju“ die politischen Fragen völligverblassen, der Mensch auf dem Balkan hat seine Identität nicht gefunden, scheint sieaber auch nicht weiter zu suchen, denn sie ist bar jeglichen Nutzens für ihn. Diefortgeschrittene Internationalisierung - das „global village“ - erfordert mehr multi-tasking und interdisziplinäre Verhaltensmuster in jeder Situation, dass eine Fixierungauf ein derartig veraltetes Spektrum nicht überlebensfähig ist. Eine virtuelle Kultur istnun dominierend, in welcher die Identitätsfindung zusätzlich erschwert wird durch eineÜberreizung und Überflutung des menschlichen Bedürfnisses nach Identifikation.

Der Protagonist Filip wird vierundzwanzig Stunden von Kameras begleitet und beginnt sein virtuelles Spiegelbild zu verinnerlichen. Rechtzeitig (?) erkennt er diesen Fehler und versucht zu entkommen.

Das Motiv des „Doppelgängers“ in der Literatur ist dem psychologischen aus der Realität nicht fern; aus den Krankheitssymptomen werden jedoch Kunstwerke bzw. Parodien, so wie bei Miloš Crnjanski:

Nemamo niþeg. Ni Boga ni gospodara. Naš Bog je krv.

Zavejaše gore meüave snega,

Nestaše šume, brda i stene.

Ni majke, ni doma ne imadosmo, selismo našu krv.

Nemamo niþeg.

Ni Boga ni gospodara. Naš Bog je krv.

Rascvetaše se groblja i planine,rasuše vetri zore po urvinama;ni majke, ni doma, za nas nema,ni stanka, ni dece.

Osta nam jedino krv.

Oj.

Ona je naš strašan ponos.8

oder Miroslav Krleža, der in seinem Gedicht humoristisch-kritisch abhandelte:

Sind wir jetzt gotisch oder charuchwatisch, arisch, ungarisch oder sarmatisch?

Kaisertreu, Grenzer, walchisch, chrabatisch, in jeder Hinsicht - un poco dramatisch!

Wir waren pemisch, dann italienisch,a pisserl panslawisch, slawonisch, pannonisch,a Momet’erl tragisch, dann wieder komisch…

Sind wir illyrisch oder delyrisch?Oder Stato Independente - irisch?

Am Habsburger Hof hoch aristokratisch… Provinzadel: ober- und vizegespanisch, japanisch, spanisch und muslimanisch.

Banal-croatisch oder gar nirwanisch?

Mit Trompetenklang - pro rege nostro Aimone, wieder ein Bobby am chroatischen Throne… Kennst du das Land der sauren Zitrone?

Mit Waffengeklirr, im silbernen Harnisch,kroatische Geigen die weinen iranisch:ein großes Nichts, ein trauriges Garnisch…9

Wäre es dabei nur „un poco dramatisch!“ gewesen! Der Mensch, insbesondere auf dem Balkan, handelt, gerade nach dem Zusammenbruch des Vielvölkerstaates alles andere als rational. Die schwere wirtschaftliche Situation Jugoslawiens, verursacht durch die sozialistische Industrialisierung und eine Strukturkrise in den achtziger Jahren10 hätten rationale Überlegungen dominieren müssen, um eine dringend notwendige (ökonomische) Integrität vorauszusetzen. Aber nach der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens trat genau das Gegenteil ein; Irrationalität und das Aufleben der gespaltenen Identitäten trat erneut zum Vorschein und die Schuldigen in der „Schizophrenie“ des Nachbarstaates gesucht. Jan Free schrieb hierzu:

„Der Mensch erwies sich nicht als rationales, sondern als nationales Wesen“11

In Serbien manifestierte sich diese Theorie zum einen durch die nationale Politik Slobodan Miloševiüs, der nun alle Serben dazu aufrief, die eigene nationale Identität zu beschwören und die jugoslawische Idee der Einheit zu vergessen:

Keine Bevölkerung in der Welt würde die Zugeständnisse akzeptiert haben, die dieserbische Führung auf Kosten der Bevölkerung gemacht hat. Um so mehr als währendder gesamten Geschichte die Serben niemals andere erobert oder ausgebeutet haben. Ihrnationaler und historischer Geist während der gesamten Geschichte und während der 2Weltkriege, wie auch heute, war befreiend. Sie haben sich konstant selbst befreit undwenn sie die Gelegenheit hatten, haben sie anderen geholfen sich zu befreien. Und dieTatsache, dass sie in dieser Region eine große Nation sind, ist keine Sünde, derer sichdie Serben schämen müssten. Es ist ein Vorzug den sie gegen andere nicht nutzten.Aber ich muss hier auf dem Feld der großen Legende sagen, dass die Serben niemalsdiesen Vorteil einer großen Nation gegenüber anderen für sich selbst genutzt haben.(Slobodan Miloševiü, 28. Juni 1989 in Gazimestan Kosovo)

Worauf diese Identitätsfindung zielte ist etwas, dass der Kulturwissenschaftler Diedrich Diederichsen als Bewaffnung bezeichnete, die offensiv als Waffe und defensiv als Panzer verwendet werden könne12. Diederichsen ist der Meinung, es gäbe Kollektive, denen eine solche Bewaffnung verwehrt sein müsse, bspw. den Deutschen. Die neue Geschichte dokumentiere den Grund seiner Argumentation. Dasselbe Argument ist auf die Nationen des ehemaligen Jugoslawiens anzuwenden.

Durch die Wirren der Konstruktionen der Postmoderne machten sich auch die Künstler auf die Suche nach der Identität.

Wie sich diese verlorenen nationalen Identitäten auf die Suche machten undetwas fanden, das sie scheinbar erst ablehnten, dann jedoch doch annahmen und in dieTat umsetzten (Draškoviü), sich jedoch verloren in der neuen Rolle und strauchelten(Fabrio) und nun letztendlich behaupten, diese Phasen nie durchlebt zu haben und sichder kollektiven Identität westlicher Kulturen zuwenden (Zajec) - wie z. B. der Identitätdes „Slackers13 “ - soll hier anhand einer Erzähltextanalyse deutlich gemacht werden.

Zudem sollen die Doppelgänger dieser Figuren, die zum Teil als Ursprung dieserIdentität dienten, oder nur einen fiktiven, metaphysischen Charakter besitzen oder garwie mit einer Fernbedienung die Identität steuern, untersucht werden. Ziel der Arbeit isteine Ausarbeitung des Wandels von Identitäten in Serbien und Kroatien anhand derUntersuchung der Äquivalenzen literaturwissenschaftlicher Figuren und derErzählperspektive, die Einfluss auf den Verlauf der Strukturen der einzelnen Individuenausüben und die Sichtweise der Protagonisten beschränken. Die Idee der Identität, die inden drei Romanen thematisiert wird, thematisiert die Konstruktion von Persönlichkeit indrei Phasen südslavischen Lebens, die wandelnden kulturellen Phasen fordern denhöchsten Tribut und allem Anschein nach ist ein „westlicher Standard“ in derPersönlichkeitsbildung erreicht. Durch alle Phasen dieser Identitätsfindung folgt denFiguren die ungelöste Seite ihrer Persönlichkeit, der Doppelgänger. Diese teilsmythologischen, teils fiktiven und teils medialen Schatten bedrängen die Figuren inihrer Selbstfindung und verschwinden erst, wenn Gewalt ausbricht bzw. dieIdentitätsbildung durch Aggression beendet wird. Durch eine Untersuchung derDoppelgänger soll die Problematik der Identitätsbildung spezifiziert werden undeingehender analysiert werden. Inwieweit diese Etappen progressiv sind und ob dieserWandel nicht im gleichen Kreislauf endet wie seine Vorgänger soll zusammenfassenddiskutiert werden.

Zur Erzähltextanalyse, der Analyse des Erzählers und der Perspektivierung, istdas Werk Wolf Schmids - Narratologie - genutzt worden, ebenso wie zurÄquivalenzanalyse der Figuren. Die intertextuellen Verweise auf Mythos sind aus Ernst Cassirer - Vom Mythus des Staates - sowie der (mündlichen und literarischen) Überlieferung serbischer Volksmärchen und Mythen.

Verweise auf Faktozitate und Dokumentarismus sind von Dubravka Oraiü-Toliü, dieteilweise aus den Unterlagen der Vorlesung „Männliche Moderne und WeiblichePostmoderne“ stammen und zum anderen Teil aus ihrem aktuellen gleichnamigenBuch. Zur Definition von Virtualität ist Michael Heims Werk „The Metaphysics ofVirtual Reality“ sowie Jean Baudrillards „Der Symbolische Tausch und der Tod“.

1.2. Realität - Mythos - Virtualität

Erik Erikson beschrieb die Entstehung einer Identität als Schnittstelle zwischenpersönlichen Entwürfen und sozialen Zuschreibungen14. Die sozialen Faktoren in derEntwicklung einer persönlichen Identität gleichen denen der nationalen Identität, bzw.beide Arten von Identität gehen fließend ineinander über. Die Realität, die sich einemHeranwachsenden bietet, kann eine subjektive Erfahrung sein, dennoch bleibt sieorientiert an der objektiven Wahrnehmung des gesellschaftlichen Umfelds, an denvorgegebenen Werten und Normen menschlichen Zusammenlebens. Die mythologischeOrdnung in Gut und Böse in einer Gesellschaft bietet einer sich entwickelnden Identitätdie Wahl zwischen der Rolle des Täters oder des Opfers. Für die serbische Kulturbedeutete es, entweder als heroischer Mann bzw. arbeitsame Frau eine Identitätanzunehmen.

Die Helden wie Kraljeviü Marko oder Miloš Obiliü galten als Vorbilder fürGenerationen von Serben. In Kroatien begann die Besinnung auf die ebenfalls stolzeHerkunft und intellektuelle „Opfer“ wie Stjepan Radiü oder Ante Paveliü der groß-serbischen bzw. kommunistischen Strömungen des Balkans als Gegensatz zu denserbischen Helden. Ivo Andriü, einziger Nobelpreisträger des ehemaligen Jugoslawiens,schrieb in seinen Memoiren:

„Wenn wir `Krieg mit den Türken´ spielten, wollte niemand von uns `Türke´ sein, sondern alle wollten Obiliüe sein“15

An Figuren wie Kraljeviü Marko zeigte sich auch die Schattenseite einer Heldenidentität, die ohne Gnade gegen Verrat und/oder unloyalem Verhalten vorgehen müsse; wer als Held gefeiert und wer als Mörder geächtet würde, entscheide sich vorerst schließlich nur national. Der Einfluss des Helden-Mythos auf dem Balkan manifestiert sich im Bürgerkrieg der Neunziger Jahre mit enormer Brutalität in die Realität, denn das Vorgehen der verschiedenen Truppen war nahezu ein Spiegelbild dessen, was aus den Erzählungen entnommen werden konnte, sowohl an Brutalität als auch an der Heroisierung dieser Taten (bis heute gilt Ratko Mladiü als Held!).

Ernst Cassirers Kritik, „nationale Mythen durch eine Analyse der metaphysischen Symbolik zu entkräften und somit Millionen von Menschen davon zu befreien sei nicht möglich. Denn um die mythologischen Aspekte zu untersuchen, müsste die Wissenschaft die Riten als praktische Übernahme des Mythos in die Realität zählen, was jedoch auch Religionen entkräften würde16.

Der kulturelle Wandel der postmodernen Neuzeit - von Dubravka Oraiü-Toliü mit Genderstudies verbunden - verlor seine hierarchische, patriarchale Struktur und bot somit einen neuen Ausgangspunkt für die Frage nach Identitätsbildung. Ihrer Kritik am Phallogozentrismus, der Herrschaft des männlichen Geschlechts, folgte ein Ausgangspunkt für die Neuordnung der Identität, die sich von der Totalität (männlich) zur Pluralität (weiblich) wandelte.

Die neue Prämisse der Gesellschaft bezüglich der Identität lautet nicht mehr Freiheit, Nation, Klasse, wie es die Französische Revolution vormachte, sondern Globalisierung, Medien und Cyberspace.

Nun gibt es die Möglichkeit, einen eigenen Mythos - Erfinder von Google, YouTube u. ä. - zu erschaffen und nicht mehr in den vorgefertigten Rollen eines Helden oder eines Verlierers hineingeschoben zu werden.

„A virtual world needs to be not-quiet-real or it will lessen the pull on imagination. Something-less-than-real evokes our power of imaging and visualization.“17

Vom Mythos und der Kreation von Prototypen in Identitäten zur Realität und derbrutalen Umsetzung von den geschaffenen Konstruktionen bis zur Virtualität und demVerlust der vorhergehenden Modelle galt diese Prämisse und schuf die Grundlage für die heutige virtuelle Kultur, in der eine Flut der Bilder die Identitätsbildung wie einProdukt mit kürzester Haltbarkeit angepreist, dass gierig konsumiert und verbrauchtwird.

Diese gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die im ehemaligen Jugoslawienvon 1983 - 2001 gegeben waren sollen in der Erzähltextanalyse neben der Frage nachder Identität in diesen Phasen Beachtung finden, besonders in den Formulierungen zuden einzelnen Romanen in den abschließenden Kapiteln zum jeweiligen Roman.

2. Erzähltextanalyse

2.1. Vuk Draškoviü „Nož“ (1983 - 2. Auflage)

2.1.1. Der Erzähler und die Perspektivik im Roman

Der Politiker und Schriftsteller schuf mit seinem 1982 erschienenen Roman ein Werk,das gerade in serbisch-nationalistischen Kreisen hohe Wellen schlug. Der Roman überdie Familien Jugoviü und Osmanoviü - bereits die Namen sind in einemÄquivalenzverhältnis zu interpretieren - die stellvertretend für einen historischenKonflikt zwischen Serben und muslimischen Bosniern stehen sollen. Das Kleinkind derJugoviüi wird von den Osmanoviüi entführt und islamisiert. Der junge Mann leidet -ebenfalls stellvertretend für alle Bosnier, die dem muslimischen Glauben angehören -an seiner ungelösten Vergangenheit - und erst als er erfährt, dass er von den serbischenJugoviüi abstammt ist seine Identitätssuche beendet. Dieser Roman ist deshalbinteressant, da die darin erwähnten Gräueltaten18 lange vor dem Balkankrieg (1979 -1983) der Neunziger Jahre detailliert beschrieben worden sind und die Identitätssuchedes jungen Mannes zwingend mit der (balkantypischen) nationalen Identitätsfrageverbinden.

In Vuk Draškoviüs Roman ist es der Er-Erzähler, der die Geschichte beginnt.Nach einem Schwenker über das Herzegovinische Gebiet, über Dörfer und den FlussNeretva pendelt sich das Medium der Erzählung auf das Dorf Jugoviüi ein und bestimmtmit dem Ort auch das Datum, auf den Tag genau der 7. Januar 1942. Die räumliche undzeitliche Bestimmung des Geschehens setzen bereits einen wichtigen Akzent in derErzählweise, was insbesondere bei der Untersuchung der ideologischen Perspektivedeutlich wird. Die Wahl der Raum-Zeit-Konstellation ist stilprägend, da sich dieGrundstimmung dieser Zeit und Region, Gewalt und Faschismus, als roter Faden durchden Roman ziehen.

2.1. Vuk Draškoviü „Nož“ (1983 - 2. Auflage)

Mit einer deutlich personalen Wertung durchtränkt gibt der Erzähler diewahrgenommene Welt wieder; „kijamet“, das Wüten der Natur und die Auferstehungeines neuen Tages, „Polako sviüe, pomalja se rumenilo“ (Draškoviü, 7) „Es dämmert, rötet“.Die proleptische, ideologische Perspektive ist auch durch das Zitieren des Mottos zuBeginn des ersten Absatzes über „faschistische Schlächter“ und deren stoische Opfermehr als angedeutet.

„Starcu Vukašinu, iz sela Klepaca, u Hercegovini. Kad mu ustaški koljaþ, u Jasenovcu,osjeþe uvo, Vukašin, sa mirom sveca, odgovori: `Samo ti, dijete, radi svoj posao!´ Kadmus ustaša otkide i drugo uvo, pa nos, i kad mu izvadi oþi, dobijaše isti odgovor: `Samoti, dijete, radi svoj posao!´ “ (Draškoviü, 7) „Dem Alten Vukašin, aus dem Dorf Klepac,in der Herzegowina. Als ihm der faschistische Schlächter, in Jasenovac, das Ohrabschnitt, sagte ihm Vukašin, mit stoischer Ruhe: `Mach Du nur, Kindchen, was deineArbeit ist.´ Als der Ustaša ihm auch das zweite Ohr abschnitt, und dann die Nase undihm schleißlich die Augen ausstach, bekam er dasselbe zu hören: `Mach Du nur,Kindchen, was deine Arbeit ist.´“

Der Beginn des Romans und der Übergang auf die herzegowinische Natur sowie auf diedortige Bevölkerung gibt die Denkweise des Erzählers deutlich wieder.Bevor sich der Fokus auf die Familie Jugoviüi legt, ist die Beschreibung der friedlichenund idyllischen Natur rezeptionsstiftend. Der Erzähler fixiert den Blick des Lesers aufdas Sippenoberhaupt Niüifor Jugoviü, dessen Vergangenheit er kurz darlegt - nicht ohnemanche spezielle Eigenschaft des Mannes hervorzuheben (Draškoviü, 8-11) - um dannauf die bestehenden Familienverhältnisse der Jugoviüi einzugehen. Der auktorialeErzähler beschreibt eine intakte Großfamilie, in der niemand ein böses Wort gegen denanderen erheben würde und in der jeder seine Rolle innehat und diese auchgewissenhaft ausfüllt.

„- Jesu li sva þeljad na okupu - pita ÿed Stanoje.“ (Draškoviü, 11) „Sind alle Kinder beisammen? - fragte Großvater Stanoje.“

Der Erzähler gibt aus seiner Perspektive zu verstehen, diese Familie habe bereits den Ursprung aller Dörfer und aller Familien der Umgebung erlebt und könne den eigenen Stammbaum gar bis zur Kosovo-Schlacht zurück angeben. Wenn das Familienoberhaupt davon erzähle, blieben die „Münder offen stehen“ und alle „atmen leise und flach“(Draškoviü, 8), da seine Erzählung so bildhaft und lebendig sei - eine erneute personale Wertung es Erzählers. Die Großfamilie wird auch als äußerst gottesfürchtig bzw. abergläubisch und traditionell beschrieben

„- Daüe Bog, pa üe na dobro da obrne - reþe, kao za sebe, prota Niüifor. - Kad god mije ÿed Vuk došao na san, bila je to javka nekih finih i prijatnih dogaÿaja“ (Draškoviü,16), „- Gott wird’s geben, und es wird sich zum Guten wenden - sagte, wie zu sich selbst, Vater Niüifor. - Immer wenn mir Großvater Vuk im Traum erschien, war dies eine Ankündigung schöner und angenehmer Ereignisse“ deren einfaches Leben und Arbeiten niemandem verschuldet ist, noch dass sich die Jugoviüi jemandem unterwerfen oder gar fliehen würden.

„`Velika fala na pažnji i brizi, gospodine vojvodo! Može biti da je sve tako kako kažeš, ali mi ne bježimo, mi nikud odavde ne idemo.“ (Draškoviü, 17) „Einen großen Dank für deine Fürsorge, Herr Wojewode! Es kann sein, dass es so ist wie du sagst, aber wir fliehen nicht, wir weichen nirgends von hier.“

Der nichtdiegetische Erzähler erwähnt gar ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Jugoviü und den Osmanoviü, der akuten Bedrohung aus der Nachbarschaft

„Ne umije da dokuþi sve niti toga nemira, koji se pretaþe u strah, u malaksalost, ustrepnju da je, lasno može biti, istina baš ono što mu je o komšijama i roÿacimaOsmanoviüima pisao […]“(Draškoviü, 17) „Er konnte nichts begreifen, auch dieseUnruhe nicht, die sich langsam in Angst wandelte, in Erschöpfung, in ein Zittern dass esmöglicherweise wahr war, was er ihm über die Nachbarn und Verwandten Osmanoviüschrieb […]“

Daraufhin lässt der Erzähler Niüifor national-mythologische Theorien wiedergeben. Seine Erinnerungen, vom Erzähler wiedergegeben, an den Wojewoden sind von Adjektiven wie „unscheinbar, aber stark“ oder „leidgeprüft und müde“ gespickt; dies klingt nach jemandem, der sich unabsichtlich in einer Lage befindet, aus welcher er sich herauskämpfen muss. Dies deutet auf einen Befreiungskämpfer des besetzten Jugoslawiens hin, einen Partisanen.

Dieser Wojewode Mitar Žeravica gehört jedoch den ýetnik-Truppen an, der antikommunistischen Bewegung auf dem Balkan während des Zweiten Weltkriegs.

„Pala taka karta, možda i mimo moje želje, pa mi zapade ovo drugo znamenje, ovajþetniþki (Vojvoda pokaza rukom na kokardu, na svojoj šubari) znak i biljeg našepodjele“ (Draškoviü, 21) „So ist die Karte gefallen, vielleicht auch vorbei an meinemWunsch und so in dieses zweite Zeichen, diese der ýetniks (Der Wojewode zeigt mitder Hand auf die Kokarde, auf seiner Pelzmütze) das Zeichen und dass Mal unsererTrennung“

Vielleicht ungewollt verweist der Erzähler hier noch auf ein biblisches Motiv, auf dieBrüder Kain und Abel; das Kainsmal, das sich bei beiden auf der Stirn befindet deuteteine gemeinsame Schuld an und stellt einen schwachen kritischen Versuch durch dieseMetapher dar. Mit einer Veränderung in der Natur um das Haus der Jugoviüi leitet derErzähler die zweite Familie des Romans in das Geschehen ein, die Angehörigen derOsmanoviüi, des „bösen Samens der Jugoviüi“, wie der Erzähler anmerkt (Draškoviü,18). Der Erzähler verweist hier bereits mit der Namensgebung der beiden Familien aufserbisch-nationalistische Theorien der Bildung bosnischer Nationalität, was sich in der späteren Untersuchung zu der Figur des Ilija Jugoviü bzw. Alija Osmanoviü und der dazugehörigen Grafik noch deutlicher zeigt (siehe: Ursprung Alijas aus der Entführung und Islamisierung Ilijas Jugoviüs).

Die Osmanoviüi erscheinen mit starkem Wind, mit lauten Schüssen undschließlich ohne den Anstand der Jugoviüi zu beherzigen ausgerechnet an Heiligabendbei ihren Nachbarn. Auch sprechen sie nicht, sondern schreien und rufen - dabei auchnoch spuckend - im Haus der Jugoviü-Familie. Die Eindringlinge sprechen eineneinfachen, bäuerlichen Dialekt, während der Erzähler die Opfer die Standardsprachesprechen lässt, sogar inklusive Turzismen. Das Vergehen der Osmanoviüi an denJugoviü wird vom Erzähler äußerst brutal und detailliert beschrieben. So werden nachdem Enthaupten einer der Frauen ihre Augen mit einem Messer ausgestochen und damithantiert. Der Erzähler gibt die Gewalt in ihrer vollen Form wieder, ebenso wie dieKommentare der Osmanoviü zu den Getöteten und Gefolterten.

„Držeüi je za kosu i zategnuvši joj glavu prema leÿima, Zulfikar, izvježbanimpokretom, cimnu sjeþivom: glava Anÿina, osta mu u ruci, oþi širom otvorene, ustazijevaju, kao da üe da progovore […] Kemal natoþi u þašu vina, poturi je pred Niüifora.

- Evo, kumašine moj, da ti ispunim želju, da se kucnemo i da popijemo“ (Draškoviü,34) „Sie am Kopf haltend und ihr den Kopf nach hinten zum Rücken ziehend, zuckteZulfikar in einer geübten Bewegung die Klinge; Anÿas Kopf blieb in siener Hand, mitweit geöffneten Augen, der Mund gähnte, als ob er sprechen wolle […] Kemal schüttetein ein Weinglas [das Blut, Anmerkung des Übersetzers] und schob sie vor Niüifor. - Nalos, Gevatter, lass mich dir deinen Wunsch erfüllen, lass uns anstoßen und trinken“

Zuvor hat der Erzähler in der Wiedergabe von Niüifors Gedanken noch eine Diskussionwiedergegeben, es gäbe doch auch muslimische Bewohner, die sich gegen faschistischeÜbergriffe an Serben aussprächen (Draškoviü, 19). Der Wojewode bestätigt dies undnennt fünf muslimische Namen. Die ideologische Perspektivierung wird durch dieseErinnerung und den Übergriff der Osmanoviü bereits auf den ersten vierzig Seiten völligausgereizt. Die Erscheinung der Familie wird von deutlicher personaler Wertungbegleitet; die Osmanoviü haben „vom schlechten Tabak verfaulte Zähne“ und sehen aus„wie Verrückte“ (Draškoviü, 26).

Diese Vereinfachung, zwei verschieden Typen nach dem Gut-Böse oderSchwarz-Weiß Schema zu beschreiben ist auch im nationalistischen Deutschlandgelungen, als Juden mit Hakennasen gezeichnet wurden und als geldgierig bezeichnetwurden. Auf dem Balkan gilt das Bild des bärtigen und wilden Türken noch heute. Nachdem Weltkrieg und seinen Verbrechen gibt es jedoch ein erneutes Aufeinandertreffenbeider Seiten, nicht in Form zweier Familienclans, jedoch in Gestalt der verschiedenenEthnien; Die Hauptfigur der Erzählung, Alija Osmanoviü, gerät dabei bereits in Kontakt mit der Vergangenheit; der Erzähler lässt offen, was der offensichtlich muslimischerzogene Junge bei einer Öffnung eines serbischen Massengrabes sucht. Der Erzählermerkt hier nur die Wurzeln des jungen Mannes an, welche dieser bisher nicht gefundenhabe.

„Ko je on? Odakle je? Gdje su njegovi krvnici? Gdje su mu korjeni?“ (Draškoviü, 45) „Wer ist er? Woher? Wo sind seine Schlächter? Seine Wurzeln?“

Der Erzähler beweist nicht zum ersten Mal merkwürdigen Humor, indem er, als eineFrau bei der Öffnung des Massengrabes in Ohnmacht fällt, schreit die Menge u. a. „-Trþite po Doktora Miloševiüa“ (Draškoviü, 45) „ - Laufen sie und holen sie Doktor Miloševiü“

Bei der Beschreibung Alijas weicht der Erzähler von oben genannten Eigenschaften ab;er ist wie eine junge Kiefer inmitten der Osmanoviü, mit großen, freundlichen Augen(Draškoviü, 44). Man erkennt bei Alija das Rauchen nur an den Nikotinspuren an denFingern. Nach der Einführung des Protagonisten fällt die Betrachtung des Erzählers ineiner sekundären Erzählung auf die Kindheit des Jungen, in der er von der Hetze dermuslimischen Bevölkerung gegen die serbischen Bosnier berichtet, die Alija erfahrenhatte und so erfolgt während seiner Jugendzeit ein stetiger verbaler Schlagabtausch mitder serbischen Nachbarjugend

„On, i ostali þobani iz Osmanoviüa, susretali su se na Brnjcu sa slivskim, srpskim,þobanima, koji su ih, uvijek, doþekivali sa porugama i halakanjem.“ (Draškoviü, 48f)„Er und die anderen Bauern aus den Osmanoviü, trafen sich auf dem Brnjac mit denserbischen Bauern aus Slivno, die immer mit Bösartigkeiten und Provokationenaufwarteten“

Nach einem Kampf mit der Nachbarjugend, in dem Alija leicht verletzt worden ist, überlegt er, wie er sich an ihnen rächen kann und ersinnt für jeden Einzelnen eine Strafe. Einen will er verprügeln, den anderen demütigen und den, der ihn verletzt hat gar pfählen. Wie das geht, weiß der „unschuldige“ Junge nicht, aber er nimmt sich vor seinen Großvater zu fragen (Draškoviü, 49). Eine erneute Aussage, die äußerst eindeutig die ideologische Perspektivik des Erzählers widerspiegelt. Daraufhin äußert sich der Erzähler noch über die Bildung der muslimischen Bevölkerung.

Alija fragt nach den Ursprüngen der muslimischen Bevölkerung und ihrer Stärke und Präsenz, wird jedoch nur abgewiesen mit dem Hinweis, dass derjenige, der es ihm hätte beibringen können, von den Serben getötet worden ist.

„- Znao je rahmetli hodža Velija, on bi te nauþio, ali ga ubiše Vlasi, sjeme him seiskopalo! (…) Još mnogo puta, kasnije, tražio je da mu to objasni. Pitao je i nenuHikmetu, i Bajra, i Dedagu. Slijegali su ramenima i nutkali mu kolaþ, kakvu voüku ilikocku šeüera.“ (Draškoviü, 50) „Der verstorbene Hodža Velija, Gott habe ihn selig,hätte es dir beigebracht, aber die Christen haben ihn ermordet, möge ihr Samen ausrotten. Noch viele Male fragte er nach einer Erklärung. Er fragte seine Großmutter Hikmeta, Bajra und Großvater. Sie zuckten mit den Schultern und boten ihm Süßigkeiten, eine Frucht oder ein Stück Zucker.“

Der Erzähler erlaubt dem jungen Mann aber in seinem weiteren Werdegang eine immerkritischere Einstellung gegenüber der muslimisch-nationalen Indoktrinierung derOsmanoviü, die ihren Höhepunkt darin findet, dass er sich sogar in eine Serbin verliebt.Nach einer Diskussion mit einem serbischen Mädchen, dass über das Schicksal derJugoviüi spricht, möchte er ihr auch von seiner Geschichte erzählen, von der eines„muslimischen Jugoviü“(Draškoviü, 51). Der Erzähler verbindet Alija mit derserbischen Opferseite durch weitere Augenblicke, die das Aufeinanderprallen derverfeindeten Entitäten dokumentieren. In einer Schlüsselszene, in der Alija erneut einerÖffnung eines Massengrabes beiwohnt, wechselt der Erzähler in fließendem Übergangvon Alija zu dem betenden serbisch-orthodoxen Popen, sodass es scheint, als ob Alijadie Namen der Verstorbenen ausruft, u. a. die Vornamen seiner getöteten (eigentlichen)Verwandten und Eltern (Draškoviü, 52). Die Darstellung Sarajevos - der bosnischenHauptstadt - durch den Erzähler, eine von umtriebigen Menschen bevölkerte Stadt, dieFremde nicht akzeptieren und diese schnell vertreiben möchten

„`Izvinite, ali mi se ne poznajemo…ovaj, i kakvo je to pitanje?´ - zbunio se Alija. `Bi liti ili ne bi opalio moju materu ?´ - unosio mu se u lice krezubi. `Ne bih, zaštobih…ovaj, vrlo je nepristojno…´ Tog trenutka, hitro je krenula ruka krezubog, ocrtali suse prsti na Alijinom obrazu.“ (Draškoviü, 57ff.) „Entschuldigen sie, aber wir kennenuns nicht…und, was ist das für eine Frage? - fragte Alija verwirrt. `Würdest du oderwürdest du nicht mit meiner Mutter schlafen´ - schob sich ihm der Zahnlose weiter indas Gesicht. `Würde ich nicht, warum sollte ich…ähm, das ist sehr taktlos…´ In diesemAugenblick schlug ihn die Hand des Zahnlosen mit voller Wucht, auf Alijas Gesichtzeichnete sich der Handabdruck ab.“

was ebenfalls Alijas Ansicht ist, der meint, er fühle sich dort nicht sehr wohl; „Alija se teško privikava na Sarajevo“ (Draškoviü, 57) „Alija fiel es schwer, sich an Sarajevo zu gewöhnen“. Mitten in diese Umwelt sind Alija und seine serbische Freundin Milica gebettet, in einer Trambahn auf dem Weg zum Studentenwohnheim. Nachdem dort die verschiedenen Nationalitäten präsentiert worden sind, findet das Mädchen einen Brief der Mutter Alijas, in welchem diese gegen die serbische Freundin wütet und droht (Draškoviü, 62). Erneut schlägt der Erzähler einen Bogen auf die Ereignisse der Vergangenheit, in denen Alijas Vorfahren getötet werden.

Nachdem sich der Blick des Erzähler dann von diesem Paar entfernt und über Sarajevo und seine Bewohner schwenkt, pendelt sich der Fokus auf dem Sarajevoer Kaufmann Atif Tanoviü wieder ein, einem Exil-Bosnier (Draškoviü, 82).

Seine komplette Vergangenheit seit dem Zweiten Weltkrieg wird vom Erzähler initiiert und so erfährt der Leser von der brutalen SS-Vergangenheit des Kaufmanns, sowie dass dieser von dem Vertauschen der Kinder wusste

„ - Daüe Bog, da to nije istina i da su samo Aljiu zaklali! Ako nije, valjalo bi javiti nekako, po nekome, da se mali otruje ili zadavi“(Draškoviü, 89) „- Möge Gott es geben das dies nicht die Wahrheit sei und sie Alija getötet haben! Wenn nicht, müsste man es jemandem melden, damit der Kleine vergiftet oder erstickt wird.“

und viele Morde an der serbischen Bevölkerung verübt hat

“Kakav je drugo mogao i biti bogati i ugledni ustaša, od ugledne begovske kuüe Tanoviüa“(Draškoviü, 84) „Wie hätte er auch anders sein können als ein wohlhabender und angesehener Ustaša, aus dem angesehenen Haus der Beis Tanoviü“.

Seine Falschheit symbolisiert der Erzähler durch eine Tabakdose, die auf dem Deckeleine Schlange mit gespaltener Zunge zeigt (Draškoviü, 83); Erneut findet sich hier auchder Tabak als Motiv, da es sich dabei um eine türkische Innovation in Europa handeltund in Bosnien der Konsum von Kaffee und Zigaretten als genüsslicher „merak“ (dtsch.Freude, Wunsch) gelten.

Erneut ist auch die Bildung und Tradition Bestand in der Erzählerrede über denKaufmann; dieser war bereits in Mekka, um dort seine Sünden zu büßen und Reinheitzu erlangen, doch konnte er nicht einmal die erste Sure des Koran zitieren noch dasGebet auf arabisch - wie für Muslime üblich - sondern auf serbisch durchführen.

„Nije umio, zaboravio je da ponovi ni Sure Fatihu, prvo poglavlje Kur`ana.“ (Draškoviü, 84) „Er schaffte es nicht, er hatte vergessen die erste Sure der Fatiha zu wiederholen, das erste Kapitel des Korans.“

Der Erzähler schildert Atif Tanoviü durchgehend als einen Mann, der unter diesen Tatenleide und diese bereue, doch scheint er der Figur nicht die Möglichkeit geben zu wollen,für diese Taten - aus eigenem Antrieb - zu büßen. Zwar könnte der ältere Mann AlijaOsmanoviü bei dessen Identitätssuche helfen und auch die eigene Schuld durch dieSelbstanklage bekannt machen, doch beides ist ihm, den nichts mehr erfreut, wohlvergönnt. Er hätte doch alles Gold um sich seiner Schuld freizukaufen, meint jemand zudem Kaufmann, doch der winkt nur ab und sagt, er könne es nicht (Draškoviü, 90). DieErzählerrede stellt auch den Diener des älteren Mannes vor, Hamdija Nogoviü.

Atif ist in seiner Personenrede ein überzeugter Einzelgänger, außerhalb derGrenzen Jugoslawiens gäbe es kein uns sagt er zu seinem Diener (Draškoviü, 97) undignoriert jeglichen Bezug zu seiner Heimat. Der Erzähler berichtet auch von demTraditionsverlust des Kaufmannes, der wie oben erwähnt auch zu Hause sowohl nachorthodoxem als auch muslimischen Glauben schon gebetet habe (Draškoviü, 100). Hier legt der Erzähler deutlich eine Parallele zu den Jugoviü, welche selbst in ihrer schlimmsten Stunde nicht vergaßen, den Eindringlingen ihre Gastfreundschaft anzubieten. Atif ist auch in seiner Personenrede alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse, gerade sein Diener erfährt wenig Bekenntnisse seines Herren; Der Erzähler deutet immer wieder auf ein herzliches Verhältnis zwischen beiden hin sowie auf Atifs Verlangen nach seiner alten Heimat.

Durch die Unterhaltungen zwischen dem Kaufmann und seinem DienerHamdija scheint sich der alte Mann auch dem jungen Bosnier zu öffnen, jedesmal bevordieser seine Schuld jedoch eingestehen könnte schickt er ihn arbeiten und dieErzählrede setzt ein (Draškoviü, 101-103). Der Erzähler beschreibt die Tätigkeiten desDieners jedoch noch genauer, was sich im Nachhinein auch als deutlich ideologischePerspektivierung äußert, da dieser ja den Rachemord an dem Kaufmann plant; dies wirdim Text nicht thematisiert, doch kurz vor dem Tod Atifs gesteht ihm Hamdija bzw.Milan dies. Hamdija ist ein fleißiger und pflichtbewusster Angestellter, der mit seinemHerrn auch betet und - wie der Erzähler bemerkt - die Suren auch kennt. Er kümmertsich aufopferungsvoll um Atif und ist um ihn besorgt (Draškoviü, 100).

Der nicht raumgebundene Erzähler wechselt erneut zu Alija nach Sarajevo hinüber undin den darauf folgenden Dialogen zwischen Alija und Kommilitonen bricht dann derHass der verschiedenen jugoslawischen Ethnien aus, jedoch nur davon verursacht, dassAlijas schwieriges Kindheitsverhältnis von den übrigen nicht mit Mitleid geahndet wird(Draškoviü, 118-20)

„- Nije, jadan, þojeku do Trsta, jesu li ti oþi iskapale! - Rvite se oÿe, u sobi, ako nemate pametnijeg posla - reþe Saša Nevesinjac, naslonio se na vrata leÿima“ (Draškoviü, 114). „Dem armen Mann ist nicht nach Triest zumute, sind dir die Augen ausgetropft! - Haut ab von hier, aus dem Zimmer, wenn ihr nichts Besseres zu tun habt.“

Diese Herausforderungen, die der Erzähler als Späßchen unter den Studenten darzustellen versucht, sollen nur von Alija als bare Münze gelten.

Eine weitere sekundäre Erzählebene erscheint, als Atif beginnt, seinem Diener von einer Liebe in Sarajevo zu berichten. Der Erzähler imitiert in dieser Passage die bosnische Sevdalinka, eine typische Liebeserzählung. Es war die schönste Frau, deren Eltern den jungen Verliebten nicht die Chance zur Liebe boten. Der Keim einer Möglichkeit wird durch eine Heirat der jungen Frau ins Ausland vereitelt

„U ljeto 1925. nekud su nestali, kao da su u zemlju propali, i Kristivoje i Vukosava. Nestade i pisama i dopisnica“(Draškoviü, 136) „Im Sommer 1925 verschwanden sie, wie vom Erdboden verschluckt, sowohl Kristivoje als auch Vukosava. Auch die Briefe und Mitteilungen verschwanden.“

[...]


1 “Tko su i odakle Hrvati” lautet der Titel der Aufsatzsammlung der wissenschaftlichen Vereinigung für Ethnogenese (Znanstveno društvo za prouþavanje podrijetla Hrvata), die 1993 die These aufstellten, kroatische Wurzeln lägen im Nahen Osten.

2 Edward MoĪejko: Postmodernism in the literatures of former Yugoslavia, in: International Postmodernism; Amsterdam/Philadelphia, 1991.

3 Krešimir Nemec: Povijest Hrvatskoga romana od 1945. do 2000. Godine; Zagreb, 2003. Nemec gibt an,das “Neue” in der Literatur äußerte sich in “Intertextualiät, Intermedialität, Remakes, Kompilationen”. S. 258f.

4 Ebd. S. 260.

5 Dragan Žuniü: Nacionalizam i književnost; Niš, 2002, S. 42.

6 Ebd. S. 66.

7 Vgl. Dubravka Oraiü-Toliü: Muška moderna i ženska postmoderna; Vorlesung in Göttingen, WS 2006- 07.

8 Miloš Crnjanski: Poezija. Lirika Itake; Belgrad, 1966. S. 15. die kroatische Identitätsfindung

9 Miroslav Krleža: Djetinstvo 1902-03 i drugi zapisi, In: M. Krleža: Sabrana djela Miroslava Krleže; Zagreb, 1972, Bd. 25, S. 510.

10 Magarditsch Hatschikjan, Stefan Troebst: Südosteuropa. Ein Handbuch; München, 1999, S. 325-331.

11 Jan Free: Zur Theorie des nationalen Mythos; Oldenburg, 2007, S. 11.

12 Diederich Diederichsen, Jacob Günther: Differenz und Reaktion, In: Konkret 1994, Heft 2, S. 54.

13 Ein Bewegung aus der Mitte der 1990er Jahre; Eloquente Jugendliche, die jedoch wenig zu vermitteln hatten ausser dem Bewusstsein, dass sie nicht den Lebensstandard der Eltern aufrechterhalten können. Die jungen Männer gründen unter dem Vorwand, keine Zukunft zu haben, Rockbands und lungern häufig herum. Thematisiert u. a. in sog. „New-Jersey-Filmen“ von Kevin Smith („Dogma“). Slacker: http://www.sueddeutsche.de/kultur/576/405354/text

14 Erik Erikson: Ich-Entwicklung und geschichtlicher Wandel, in: Identität und Lebenszyklus; FFM, 1973, S. 22.

15 Ivo Andriü: Sveske; Belgrad, 1982, S. 42.

16 Ernst Cassirer: Vom Mythus des Staates; Nachdruck: Hamburg, 2002, S. 35f.

17 Michael Heim: The Metaphysics of Virtual Reality; New York, 1993, S. 133.

18 „Jednim zamahom, kao da sijeþe braveüi but, otkide joj lijevu dojku, ona vrisnu, krv ga postrþa po þelu i obrazima. Otkide joj nos, izvuþe jezik iz usta, i njega prereza. Zabode vrh noža u oko, podvuþe nekoliko puta u krug, podvuþe þelik oko krvave kuglice koja mu je migoljila meÿu prstima. Kad isþupa oko, zavrljaþi ga na siniju, pred protu Niüifora. Tada, zakla Ljubicu!“ (Draškoviü, 34) “Mit einem Schwung, als ob er den Oberschenkel eines Viehs schneide, riss er ihr die linke Brust ab, sie schrie, das Blut spritzte ihm auf die Stirn und die Wangen. Er schnitt ihr die Nase ab, zog ihre Zunge aus dem Mund und schnitt diese ebenfalls ab. Er stach mit der Spitze des Messers in ihr Auge, kreiste ein paar Mal damit und zog die Klinge mit der blutigen Kugel, die zwischen seinen Fingern baumelte, heraus. Als er das Auge herausriss, wickelte er er auf, vor Pope Niüifor. Dann, schlachtete er Ljubica!” Diese (gekürzte) detaillierte Darstellung von Gewaltakten wird laut Erzähler von den „heroischen“ Jugoviüi ertragen, aber nicht vergessen werden; eine Annahme, die sich dann in den Taten der serbischen Freischärler während des Bosnienkriegs bestätigte.

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Der Wandel von Identitäten durch Kultur und Medien in zwei Jahrzehnten. Erzähltextanalyse der Romane von Vuk Drašković, Nedjeljko Fabrio und Tomislav Zajec
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Slavisches Seminar)
Veranstaltung
Literaturwissenschaft Bosnisch/Kroatisch/Serbisch III
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
92
Katalognummer
V214513
ISBN (eBook)
9783668679269
ISBN (Buch)
9783668679276
Dateigröße
1019 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugoslawien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Zajec, Draskovic, Fabrio, Identität, Balkankrieg, Tito, Propaganda, Medien, Kultur, Slavistik
Arbeit zitieren
Nedzad Cudic (Autor), 2009, Der Wandel von Identitäten durch Kultur und Medien in zwei Jahrzehnten. Erzähltextanalyse der Romane von Vuk Drašković, Nedjeljko Fabrio und Tomislav Zajec, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214513

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