Sigmund Freuds Einfluss auf die westliche Kultur des Träumens

Inwiefern veränderte Sigmund Freud die Art wie wir träumen?


Hausarbeit, 2012
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Traumdeutung nach Sigmund Freud

3.) Sigmund Freuds Einfluss
3.1 Eine genauere Betrachtung
3.2 Freuds Ideen von uns internalisiert?

4.) Interkulturelle Sicht auf Träume und Träumende
4.1 Die frühe Ethnologie über den Traum
4.2 Transformationen des Traums und mögliche Beeinflussung des westlichen Traumkonzepts

5.) Maria L. Tricolis neurophysiologischer Ansatz der Selbstreflexion

6.) Schlussbemerkung

Bibliographie

1.) Einleitung

Als Freud sein Erstlingswerk „Die Traumdeutung“ im Jahre 1900 veröffentlichte und somit das barocke Denken Wiens, wie auch nur einen kurzen Moment später das der anderen Teile des Westens der damaligen Zeit in ihren Grundfesten erschütterte, wusste wohl nicht einmal er selbst, der mit einer unerbittlichen Sturheit an seinen Ideen festhielt, dass er mit dieser Schrift eine ganze Bewegung (Sand 1999:726 & Messer 2003:74) starten würde.

Auf Grundlage seiner Gedanken möchte im Weiteren seine bis heute andauernde streitbare Gegenwart sowohl in der Wissenschaft als auch der Gesellschaft im Allgemeinen untersuchen und daraus mithilfe von neueren Erkenntnissen aus der Neuropsychologie als auch bereits bekannten aus der Anthropologie auf eine neue Perspektive der Traumdeutung hinweisen.

Im Anfangsteil gebe ich dafür eine kurze Zusammenfassung Freuds Traumdeutung, die nicht in ihren Einzelheiten den Inhalt meiner Arbeit stellen sollte, sondern eher ein aus seiner Schrift weiterführender Gedanke, der sowohl für die gegenwärtige Ethnologie als auch die Psychologie durchaus hilfreich sein könnte. Eben deshalb gehe ich im weiterführenden Schritt auch primär auf sein Wirken ein. Denn wichtig war es mir einen Einfluss Freuds innerhalb unserer westlichen Traumkultur zu erforschen und mithilfe einer selbstreflexiven interkulturellen Ansicht von dem Ideal wegzuführen „unsere“ Träume in ihrem Inhalt als völlig unabhängig zu bezeichnen. Dazu beziehe ich mich unter anderem auf Roy D'Andrade, Stanley Messer, Zvi Lothane und einige andere.

Im letzten Teil bietet dann eine aktuelle Schrift von Maria L. Tricoli einen hochinteressanten neurophysiologischen Ansatz, der die Selbstreflexion als zentralen Standpunkt in der Debatte einführt und so wie ich finde einen neuen Weg für die Betrachtung soziokulturellen Einflusses auf unseren Traum bereitet.

Insgesamt war es mir wichtig einen interdisziplinären Einblick in die Erforschung des Traumes zu geben, ohne einerseits den Einfluss und die bis in die Gegenwart geltende Bedeutung Freuds auf diesem Gebiet zu leugnen und anderseits gleichbedeutend und mindestens genauso gewichtend aktuelle weiterentwickelte Konzepte des Traums hinzu zunehmen. So wollte ich eine weniger starre Konstruktion in den Fokus rücken, die eben nicht die rein neurologische Ansicht offenbarte.

Natürlich bleibt alles in allem die Traumforschung recht vage, doch eine fächerübergreifende Betrachtung, bringt, wie ich finde, neue Ideen zusammen und schafft neue Ansatzpunkte für zukünftige Forschung auf diesem Gebiet.

2.) Traumdeutung nach Sigmund Freud

So stellte Freud bereits früh erstmals die Behauptung auf, dass Träume den Versuch täten, präemptive also bestimmte Wünsche zu erfüllen. Im Schlaf aufkommend treten sie aufgrund von Grundbedürfnissen auf, meist libidaler Natur, die gestillt werden müssen (Freud 1915: 343).

Er basiert seine Behauptung auf eine rein subjektive Methode, indem er Assoziationen von Träumenden sammelte und diese anschließend nach individuellen Elementen ihrer Träume ordnete. Daraus wiederum leitete er implizit die vorliegenden Inhalte der Verbindung von semantisch-affektiven Funden ab. Die auf diese Weise entdeckten latenten Gedanken waren ausschließlich Wunschträume - abgesehen davon, dass manifeste Träume ein großes Spektrum verschiedener Formen beinhalteten, gab es auch Träume, die alles andere als gewünscht waren, so wie etwa Albträume (Freud 1915: 204).

Der Hauptunterschied nun zwischen den „manifesten“ und „latenten“ Inhalten von Träumen ließ Freud auf einen Prozess der Zensur zurückschließen, bei dem die unbewussten Wünsche ins Bewusstsein gerufen werden können (Freud 1915: 150). Diesen Schritt bezeichnete er als sogenannte Traumarbeit (Freud 1915: 178-189), in der Mechanismen nach drei Schritten folgten: die „Verschiebung“ (Wechsel von repräsentierenden Elementen untereinander z.B. die Vaterfigur wird durch einen Polizeimann repräsentiert); Verdichtung (Kombinieren verschiedener Elemente in zusammengefasste Mischtypen z.B. Ehrgeiz, Aufregung und Angst sind Repräsentationen ein und desselben Bildes); und „sekundäre Bearbeitung“ (Wechsel von Gedanken in Wahrnehmung z.B. die Wichtigkeit einer Person ist durch ihre Größe repräsentiert).

Interessant war nun die Frage, weshalb Freud dachte, dass unser Gehirn während des Schlafens ausgerechnet so funktionierte und nicht anderes?

Er lieferte eine Reihe von Hypothesen dazu. Der schlafende Verstand ist von der externen Realität entkoppelt, aber eben nicht von ihren (trieb-gesteuerten) Anordnungen. Jene Anordnungen sind während des Schlafens nicht modelliert durch die Beschränkung der äußeren Realität. Zielgerichtete motorische Fähigkeiten sind, so Freud weiter, während des Traumes eher unüblich. Die motivationalen Programme, die während der Schlafphase aktiv sind, im Besonderen die präemptiven, die von trieb-gesteuerten Quellen aktiviert werden, können nicht rechtzeitig während des Schlafens durch motorische Aktivitäten entlastet werden. Anstatt auf eigene Wünsche im Traum einzugehen, stellt man sich vermeintlich vor auf diese fälschlicherweise einzugehen. Diese imaginäre Wunscherfüllung verzögert den Druck zu handeln (Freud 1915: 498). Daher auch Freuds berühmter Ausspruch, dass „Träume die Wächter des Schlafes“ wären. Allerdings sind die zwanglosen beziehungsweise freien Vorstellungen des schlafenden Verstandes gleichzeitig ihre eigene Gefahr den Schlaf selbst zu stören (ihre Angst geweckt zu werden und so aus dem Traum zu erwachen). Der Prozess der Traumarbeit ist zudem tendenziell voreingenommen gegenüber mehr akzeptierten und repräsentierten Elementen und Erzählungen. Durch die Tendenz, dass die Zensur daran scheitert, verstörenden Traumgedanken anständig zu verschleiern, scheitert auch der Prozess an sich und der Träumende erwacht - meistens aus einem Angsttraum (Freud 1915: 226).

Weiterhin möchte ich, nachdem ich nun kurz die Grundlage der freudschen Traumtheorie zusammen getragen habe, Freuds Einfluss anhand von verschiedenen Quellen belegen. Denn heute scheint Freud an Signifikanz verloren zu haben, sowohl auf wissenschaftlicher Seite als auch gesellschaftlicher.

3.) Freuds Einfluss

3.1 Eine genauere Betrachtung

Nicht umsonst wurde zu Beginn seines Wirkens der Vergleich zwischen Freud und anderen fundamentalen Denkern der Moderne wie Marx, Einstein und Gandhi gezogen, denn der Maßstab der vorgestellten Ideen war ein ganz besonderer. Es war eine eigene Denkrichtung, die sich dort formierte, durch einen Mann, der mehr als nur überzeugt von seinen eigenen Ideen war (Messer 2003:75). Soziokulturell gesehen bildete sich auch etwas Revolutionäres gegen den vorherrschenden Evolutionismus:

„Freudian revolution, (…) radically altered the general conception of dreams, and also (…) the shift in interest away from cultural evolution.“

(D'Andrade 1961:296)

Überdies war Freud dafür bekannt überall mit seiner kämpferischen Art gegen den common sense anzuecken (Messer 2003:75). Gleichzeitig war es eine gewisse Weise zum Leser zu sprechen und Ideen herüber zubringen. Eine Bildsprache, die bis dahin für wissenschaftliche Literatur so nie für möglich gedacht wurde. Die Popularität beruhte nicht nur auf seinem Konzept der Traumdeutung an sich, sondern größtenteils auch aufgrund der Art, wie er eben diese vermeintlich komplexen Bilder mit klarster und lebendiger Sprache vermittelte:

„His persuasiveness came (…) from emotional attunement, (…) the clarity of his reasoning and the appealing inner consistency of his theory. He could make difficult concepts understandable through prose of extraordinary beauty and lucidity.“

(Messer 2003:76)

Natürlich übernahm er hierfür auch einige fremde Ideen aus seinem Umfeld Wiens (Messer 2003:77), doch alles in allem ist sein Verdienst zur Erforschung des Begriffs des Unbewussten unbestreitbar, welchen er selbst ausarbeitete, weiterentwickelte und schließlich in für uns heute selbstverständliche Begriffe notierte:

„Freud was not the first to discover the unconscious and repression, and he admitted as much himself, but he gave these concepts a new meaning and developed a new method for their investigation: he put the ideas on the map for the learned and the lay alike; he made them into house hold words.“ ( Lothane 2006:286)

Er war aber auch durchaus in der Lage andere von seinen Ideen zu überzeugen, was zusätzlich einen großen Punkt seines riesigen Einflusses ausmachte (Messer 2003:78). Gleichzeitig verband er genau diesen Punkt mit seiner Fähigkeit zur Selbstreflexion und eben auch der vorhin bereits genannten Sturheit und Selbstzentriertheit (Messer 2003:78).

Egal ob er sich nun Hohn oder Skepsis anhören musste („when others questioned his theories“), hielt er beständig daran fest, was man in seinen Schriften zu lesen bekam.

Natürlich gab es immer schon und gibt es heute noch jene Verfechter, die seine Ideen als fiktiv und völlig subjektiv bezeichnen. So stellte man nicht selten seine Traumdeutung als Roman oder biographische Schrift dar:

„We should read Freud's great book on dream interpretation not only as his contribution to the 'science' of psychoanalysis but as a contribution with a distinctively literary interest“

(Thomas 1993:17)

Denn seine Traumdeutung machte er tatsächlich überwiegend an seinen eigenen Träumen fest und führte auch die meisten Untersuchungen primär an seinen eigenen Träumen durch.

Interessant ist jedoch, dass Freud ebenfalls jemand war, der seine Kritikern zuhörte und auch bereit war Konzepte zu diskutieren, was maßgeblichen Anteil daran trug, wie er als aufgeschlossener und scharfsinniger Wissenschaftler rezipiert wurde.

Er war auch derjenige, der sein eigener „harshest critic“ gewesen ist (Messer 2003:78). Es war ein intellektuelles Ideal zu aufgeschlossenem Denken, was er propagierte und was auch seine Unterstützer bis heute mit ihm und seinen Ideen verbinden.

„Freud's willingness to change his ideas when the data failed to support them certainly enhanced his reputation as a clear-eyed, open-minded scientist, a man who put knowledge above his narcisstic investment in prior belief.“ (Messer 2003:78-79)

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Sigmund Freuds Einfluss auf die westliche Kultur des Träumens
Untertitel
Inwiefern veränderte Sigmund Freud die Art wie wir träumen?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Ethnologie des Träumens
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V214544
ISBN (eBook)
9783656430056
ISBN (Buch)
9783656432692
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund Freud, Traum, interkulturell, Traumforschung, Die Traumdeutung, Anthropologie, Ethnologie, Roy D'Andrade, Stanley Messer, Zvi Lothane, interdisziplinär, Maria L. Tricoli, Psychologie
Arbeit zitieren
Konstantin Dyck (Autor), 2012, Sigmund Freuds Einfluss auf die westliche Kultur des Träumens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214544

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