Die Erziehungskonzepte der Montessori- und Waldorf-Pädagogik

Das Zusammenspiel zwischen Religion und Erziehung


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

1. Einleitung

Maria Montessori und Rudolf Steiner entwickelten jeweils ein eigenes Erziehungskonzept. Dabei setzen beide verschiedene Schwerpunkte und sind bei der Entwicklung ihrer Konzepte von ihrer eigenen Kindheit und ihren Erfahrungen geprägt. Auch philosophische Ansätze findet man in beiden Konzepten wieder. So stützt sich Maria Montessori auf die Schriften von Itard und Séguins, während Rudolf Steiner selbst ein philosophisches Gedankenkonstrukt entwickelt.

In meiner Arbeit geht es um die Rolle der Religion in beiden Erziehungskonzepten. Welchen Stellenwert hat die Religion und wie sind beide Konzepte auf sie ausgelegt? Dabei soll der Kindergarten als Untersuchungseinheit dienen. Wie sieht überhaupt ein Alltag im Montessori – bzw. im Waldorfkindergarten aus? Zu diesem Zweck wird die Anwendung beider Erziehungskonzepte im Kindergarten erläutert. Zum besseren Verständnis sollen zusätzlich noch die Aufgaben der Erzieher nach den zwei Konzepten erklärt werden.

2. Maria Montessori und die Grundlagen ihrer Pädagogik

Maria Montessori war die erste promovierte Ärztin Italiens, machte ihre Assistenzarztausbildung in einer psychiatrischen Abteilung und arbeitete dort mit behinderten Kindern. Dies könnte man als Grundstein ihres Interesses an der Kindererziehung betrachten, da sie sich ab diesem Zeitpunkt mit Pädagogik auseinandersetzte. Dazu besuchte sie zahlreiche Veranstaltungen und entdeckte die Schriften Itards und Séguins. Daraus leitete sie ihr eigenes Konzept ab und erprobte dies in ihrem eigens gegründeten Kinderhaus auch an nicht behinderten Kindern.

Aber wie sieht dieses, anscheinend auch weltweit erfolgreiche, Konzept aus? Und wie genau werden die Aufgaben der Montessori – Pädagogik definiert?

Zunächst möchte ich einen einleitenden Blick auf die Aufgaben werfen und diese kurz erläutern.

Die Aufgaben beginnen unmittelbar nach der Geburt und orientieren sich an der Natur des Kindes.

Dabei soll das Wesen des Kindes erforscht und Erkenntnisse über sensible Perioden, kindliche Bedürfnisse und den inneren Bauplan des Kindes gewonnen werden. Eine besondere Rolle spielt für Maria Montessori dabei die körperliche und psychische Hygiene, wobei die Gründe dessen keine weitere Ausführung fanden.

Nach der kurzen Erläuterung möchte ich nun mein Augenmerk auf das Konzept der Pädagogik nach Maria Montessori legen und dieses ausführen.

Maria Montessori setzt als zentrale Kategorie die Persönlichkeit fest. Dies wird auch als Ziel der Montessori – Pädagogik betrachtet, die den Aufbau einer unabhängigen Persönlichkeit bestimmt. Nur das Kind allein ist Bildner seiner Persönlichkeit, da die ganze Persönlichkeit in ihm ruht. Die Kindheit wird als ein Stadium der Menschheit gesehen, das sich von dem des Erwachsenen unterscheidet. Denn im Kind wächst sein eigenes Leben, das seinen Sinn in sich selbst hat. Dabei versucht man etwas aus dem Kind zum Vorschein zu bringen, das bereits in ihm vorhanden ist.

Nach Maria Montessori wird der Mensch als eine Einheit von Körper und Geist betrachtet, weshalb sie großen Wert auf die Schulung der Sinne und Bewegung des Körpers legt. Dazu dienen ihre selbst entwickelten Spielmaterialien.

Erziehung in Maria Montessoris Sinne wird als eine Art Lebenshilfe betrachtet. Ab der Geburt soll die psychische Entwicklung des Kindes hilfreich unterstützt werden. Die Entwicklung des Kindes ist ein Akt der aktiven Selbstgestaltung, dessen Motor die angeborene Aktivität des Kindes selbst ist. Durch diese Selbstständigkeit wird wiederum die Entwicklung der freien Persönlichkeit des Kindes gewährleistet.

Ein Grundpfeiler der Montessori – Pädagogik besagt, dass die Erziehung auf der Kenntnis des Menschen beruht. Es wird nach einer wissenschaftlichen Grundlage der Erziehung verlangt, deren Methode im Beobachten liegt. Nach Maria Montessori kann schließlich nur das Kind das psychische Wachstum des menschlichen Individuums offen legen. Die Gesetzmäßigkeiten der kindlichen Entwicklung können somit kennengelernt werden. Dazu soll die Psychologie - insbesondere eine pädagogische Psychologie – auf die Erziehung ausgerichtet werden. Nur wenn die gewonnen Erkenntnisse in die Erziehungsmethoden einfließen, kann man den kindlichen Bedürfnissen besser gerecht werden.

Der Mensch entwickelt sich nach einem inneren Bauplan. Er existiert um die seelische Entwicklung mitzubestimmen und vorzuzeichnen. Dies ist das zweite Prinzip der Montessori – Pädagogik.

Dabei ist zu beachten, dass die Umgebung den seelischen Bedürfnissen des Kindes gerecht wird, damit sich die kindliche Psyche gesund entwickeln kann. Die Schaffung einer entsprechenden Umwelt ist Aufgabe des Erwachsenen.

Ferner besitzt das Kind einen absorbierenden Geist. Er ist eine geistige Fähigkeit, die es ihm ermöglicht Umwelteindrücke aufzunehmen und sie unbewusst zu speichern.

Umwelteindrücke werden im Unbewussten gespeichert, da der absorbierende Geist nur in den ersten Lebensjahren gegenwärtig und das Gedächtnis des Kindes zu dieser Zeit noch nicht vollkommen entwickelt ist. Jedoch kann das Kind durch den absorbierenden Geist nur das aufnehmen, was ihm seine Umwelt an Reizen bietet. Deswegen ist Sorge um eine anregende und interessante Umgebung zutragen. Die Tätigkeiten des absorbierenden Geistes werden von bestimmten inneren Empfänglichkeiten, den sensiblen Phasen, gelenkt.

Laut Maria Montessori kennzeichnen sensible Phasen die Entwicklung des Kindes. Sensible Phasen sind Perioden, in denen das Kind für bestimmte Lernvorgänge besonders empfänglich ist. Eine durch diese Perioden bestimmte Sensibilität entwickelt nicht nur das Kind, sondern auch das Wachstum der Persönlichkeit des Kindes. Das Kind bildet Handlungsstrukturen aus und bestimmt aus der inneren Empfänglichkeit heraus, welche Reize es aus der Umwelt aufnimmt und welche Eindrücke für das momentane Entwicklungsstadium vorteilhaft sind. Auch hier wird der Fokus wieder auf die Umgebung gelenkt, die den Aktivitäten des Kindes zum Zweck einer fehlerfreien Entwicklung angepasst sein sollte. Die sensiblen Phasen sind jedoch zeitlich begrenzt und daher von vorübergehender Dauer. Wichtig ist, dass jede Periode auf der Vorangegangenen aufbaut. Nur eine gute Entwicklung in der momentanen Periode lässt eine ungestörte Entwicklung in der Folgeperiode zu. Es gibt drei Entwicklungsperioden, die in jeweils drei sensible Phasen untergliedert sind.

Die erste Entwicklungsperiode beginnt mit der Geburt und endet mit dem Alter von sechs Jahren. In ihr finden die sensiblen Phasen für die Entwicklung der Bewegung, der Absorption von Sprache und der Ausbildung eines inneren Ordnungssystems statt. Den Zeitraum von Geburt bis zum dritten Lebensjahr nennt man die psychische – oder geistige Embryonalphase. Der absorbierende Geist bestimmt die psychische Phase und fokussiert die Entwicklung des physischen Bereichs. In der sozialen Embryonalphase, die vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr andauert, setzt sich das Kind bewusst mit der Umwelt auseinander und erlebt eine große Veränderung auf psychischer Ebene. Von sechs bis zwölf Jahren vollzieht sich die zweite Entwicklungsperiode.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Erziehungskonzepte der Montessori- und Waldorf-Pädagogik
Untertitel
Das Zusammenspiel zwischen Religion und Erziehung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Pädagogik)
Veranstaltung
Einführung in pädagogisches Sehen und Denken
Note
bestanden
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V214715
ISBN (eBook)
9783656429333
ISBN (Buch)
9783656433057
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montessori, Waldort, Religion, Erziehung, Erziehungskonzept, Erzieher, Kindergarten, Pädagogik, Maria Montessori, Rudolf Steiner
Arbeit zitieren
Sarah Christ (Autor), 2012, Die Erziehungskonzepte der Montessori- und Waldorf-Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214715

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