Die Publizistik in der Mainzer Republik


Seminararbeit, 2002
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Überblick über den Wandel der Presselandschaft
2.1 Im Vorfeld der Revolution
2.2 Der Wandel der Rahmenbedingungen im Zuge der französischen Besetzung
2.3 Überblick über die Zeitungen und Zeitschriften während der französischen Besetzung

3 Die Zeitungen
3.1 ‚Mainzer National-Zeitung’
3.2 ‚Neue Mainzer Zeitung’
3.3 ‚Mainzer Intelligenzblatt’

4 Die Zeitschriften
4.1 ‚Der Bürgerfreund’
4.2 ‚Der Patriot’
4.3 ‚Der Fränkische Republikaner’
4.4 ‚Der kosmopolitische Beobachter’

5 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 „Mainzer Zeitung“

Abbildung 2 „Die neue Mainzer Zeitung“

Abbildung 3 „Mainzer Intelligenzblatt“

Abbildung 4 „Der Patriot“

Abbildung 5 „Der fränkische Republikaner“

Abbildung 6 „Der kosmopolitische Beobachter“

1 Einleitung

Die Mainzer Republik war das erste auf Grundlage der Volkssouveränität aufgebaute Staatswesen auf deutschem Boden. Im Zuge der französischen Revolutionskriege von Frankreich besetzt, trat am 17. März 1793 der Rheinisch- deutsche Nationalkonvent mit ca. 130 Abgeordneten zusammen und rief die Republik für das Mainzer Gebiet aus. Rein staatsrechtlich hatte die Mainzer Republik nur vier Tage lang bestand, da am selben Tag noch der Anschluss an Frankreich beschlossen wurde, der drei Tage später stattfinden sollte1. De facto kann man jedoch von einem längeren Bestehen sprechen, nämlich solange, wie die französische Besatzung stattfand: am 21. Oktober 1792 marschierten die französischen Revolutionstruppen in Mainz ein und am 23. Juli 1793 fiel die Stadt wieder in die Hände der rückerobernden preussischen Truppen.

Bereits unmittelbar nach der kampflosen Übergabe der Stadt wurde die ‚Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit’ gegründet. Ein Klub nach französischem Vorbild und hauptsächlich vom Bildungsbürgertum bestimmt, der schon bald ca. 450 Mitglieder zählte und deren führender Kopf der Völker- und Naturkundler und Mainzer Professor Georg Forster war. Obwohl der Klub zunächst nicht als exekutive Gewalt im Sinne einer heutigen Regierung anzusehen war, verfolgte er zwei wesentliche Ziele: zum einen die Verbreitung aufklärerischer Prinzipien unter den eigenen Mitgliedern und zum anderen die Aufklärung der Bevölkerung, die den teilweise gewaltsamen Veränderungen misstrauisch gegenüber stand.

Gemäß diesen Zielen hatte der Klub neben der Schulung der eigenen Mitglieder auch eine rege Propagandatätigkeit entfaltet, aus der verschiedene Agitationsformen entstanden sind. Es entwickelten sich sowohl populäre Literatur, Theater und Musik, aber auch verschiedene, auf die unterschiedlichen Schichten der Bevölkerung zugeschnittene Typen revolutionärer Publizistik2. Von Dumont (2) als das „eigentliche Instrumentarium der Revolutionierung“3 bezeichnet sollte die Publizistik einer umfassenden rational und emotional angelegten Meinungs- und politischen Willensbildung dienen. In diesem Fall als Instrument der Revolution benutzt, war die Publizistik gleichzeitig aber auch ein Ausdruck der Veränderung, da sich unter der neuen ‚Freiheit’ publizistische Formen entwickeln konnten, die vorher undenkbar gewesen waren. Die sechsmonatige Besetzung der Stadt Mainz durch die Franzosen bewirkte, dass eine vorher nie gekannte Flut an politischen Zeitschriften, Broschüren, Flugblättern und Plakaten entstehen konnte, die als eine demokratische Publizistik sogar Bedeutung für die deutsche Literaturgeschichte gewann4.

Im Folgenden möchte ich diese Fragen/Bereiche näher erörtern:

- Wie veränderte sich das Mainzer Presswesen beim Übergang zur Republik und nach dem Ende der republikanischen Phase?
- Welche Publikationen existierten, bzw. entwickelten sich während der Zeit der französischen Besatzung. Welche Ziele, Adressaten und welchen Inhalt hatten die jeweiligen Publikationen?

Zum Abschluss meiner Ausführungen möchte ich kurz diskutieren, ob das Ziel der Mainzer Jakobiner, die Presse als ein Instrument der Veränderung einzusetzen, als gelungen angesehen werden kann.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich mich im Rahmen dieser Seminararbeit mit den regelmäßig erscheinenden, politischen Zeitungen, dem Intelligenzblatt und den verschiedenen Zeitschriften auseinandersetzten werde. Auf die Darstellung von Flugblättern und Flugschriften, die im Allgemeinen auch zur Publizistik gerechnet werden, werde ich verzichten, da sie den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen würden.

Texte Franz Dumont ; Axel Kuhn. Red.: Friedrich Schütz. Gestaltung: Valy Schmidt-Heinicke]. - Koblenz : Bundesarchiv; Mainz : Stadt Mainz; (dt.).), S. 138

2 Überblick über den Wandel der Presselandschaft

2.1 Im Vorfeld der Revolution

Im Zuge eines Anwachsens von Zeitungsproduktionen im 18. Jahrhundert5 in Deutschland erschien auf Geheiß des damaligen Kurfürsten Johann Friedrich Karl von Ostein am 4. Januar 1744 die erste Ausgabe der ‚ Churmainzischen Frage- und Anzeigennachrichten ’ in Mainz. Dieses zur Förderung der Wirtschaft bestimmte so genannte ‚ Intelligenzblatt ’ war ein Pressetyp, der wie auch in vielen anderen deutschen Städten vor allem öffentliche und private Anzeigen und amtliche Bekanntmachungen enthielt. Neben verschiedenen Titeländerungen erweiterte bzw. verschob sich auch der Inhalt der Anfang der 90er Jahren unter dem Titel ‚ Mainzer Intelligenzblatt ’ erschienenen Zeitung (siehe Kapitel 3.2). Politische und gesellschaftliche Nachrichten jedoch hatte sie in der vorrevolutionären Zeit nie zum Inhalt. Diese Themen wurden in der von Benjamin Wailand ab Dezember 1766 gedruckten ‚ Mayntzischen Privilegierten Zeitung ’ einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit einem Umfang von anfangs vier Seiten erschien sie viermal wöchentlich. Inhaltlich beschränkte sich das Blatt vorwiegend auf militärisch-politische Berichterstattung aus dem Ausland. Lokale Meldungen waren kaum zu finden, was sicherlich auf die Zeitungszensur zurückzuführen ist6.

Von der redaktionellen Aufbereitung her ist die damalige Presse nur schwer mit der Presse in der Mainzer Republik oder gar heutigen Erzeugnissen zu vergleichen. So gab es wie z.B. auch bei der ‚ Mainzer Privilegierten Zeitung ’ meistens keinen Redakteur, der die von den Korrespondenten gelieferten Berichte aufgearbeitet, d.h. gekürzt, verändert oder selbst als Quelle für eigene Artikel genutzt hätte. Die Nachrichtensammlung und -auswahl blieb häufig dem Drucker überlassen, die redaktionelle Arbeit verrichteten quasi die Korrespondenten.

Charakteristisch für die Berichterstattung der damaligen Zeit war, „daß der Leser nur ‚benachrichtigt’ und informiert“7 wurde, die Bildung einer Meinung aber ihm überlassen bleiben sollte. Man war um eine sachliche Berichterstattung bemüht, die zwar persönliche Sichtweisen nicht ausschloss, Kommentierungen und persönliche Meinungsäußerungen jedoch nicht erlaubte. Ein Idealtypus der damaligen Zeit stellt wohl der (im liberalen Hamburg erschienene) ‚ Hamburgische unpartheyische Correspondent ’ dar. „Er wollte wertfrei und umfassend den Ablauf der Ereignisse schildern und hatte den Ehrgeiz, den gesamten Inhalt mit Beiträgen eigener qualifizierter Korrespondenten zu bestreiten“8. Angemerkt sei an dieser Stelle jedoch, dass von einer ‚objektiven’ Berichterstattung trotz des weitgehenden Verzichtes auf Kommentare im Sinne eines heutigen Verständnisses bei der Mainzer Presse eher nicht gesprochen werden kann, da alleine schon die Zensur und die damit verbundene Nachrichtenauswahl die Objektivität, eine umfassende und wertneutrale Berichterstattung einschränkte. Vielmehr verkörperte sie wohl eher einen „obrigkeitlich gelenkten Journalismus des Absolutismus“9.

2.2 Der Wandel der Rahmenbedingungen im Zuge der franz ö sischen Besetzung

Mit dem Einmarsch der französischen Truppen sollte sich die Presselandschaft jedoch grundlegend ändern. Gab es am Vorabend der Mainzer Republik nur zwei Zeitungen, die in Mainz herausgegeben wurden, so stieg deren Zahl nach dem Einmarsch der französischen Truppen rapide an. Die wichtigsten Voraussetzungen hierfür sind vor allem in der Abschaffung der Zensur und der Herstellung der Pressefreiheit zu sehen; was ja zu den zentralen Forderungen der revolutionären Bewegung in Frankreich gehörte. So wurde in Frankreich die Pressefreiheit in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und in Artikel 11 der französischen Verfassung von 1791 verankert10. Im Zuge dieser Liberalisierung blühte die Presselandschaft in Frankreich auf, wirkte sich bis dahin jedoch kaum auf die deutschen Staaten aus, die ja noch fast ausschließlich unter absolutistischer Herrschaft standen und deren Presse dementsprechend zensiert wurde. Vor allem die Französische Revolution wirkte sich, nach einer Phase der Liberalisierung, auf die Zensur der deutschen Presselandschaft verschärfend aus, da so versucht wurde, revolutionäres Gedankengut schon im Ansatz zu unterbinden.

Mit den Französischen Truppen kam aber dann auch die Pressefreiheit nach Mainz, die offiziell am 21. November 1792 durch eine Verordnung erlassen wurde. Vor allem in intellektuellen Kreisen wurde die Pressefreiheit sehr begrüßt und nicht nur zur Grundlage eigener publizistischer Tätigkeiten genutzt, sondern auch theoretisch diskutiert. Damit änderte sich auch der Charakter der Zeitungen deutlich: Zum einen hielt der ‚schriftstellerische Journalismus’ nun Einzug in das Pressewesen. Zeitungen bestanden nun weniger aus Abdrucken von Korrespondenzberichten. Vielmehr wollte z.B. Georg Forster „in seiner ‚Neuen Mainzer Zeitung’ eine zusammenhängende wohlgewählte [!] und so viel als möglich vollständige Nachricht liefern“11, ‚alternative Nachrichten’ im heutigen Sinne, die auch für den Leser ‚unangenehme’ Themen nicht auslassen und somit das Bild verfälschen würden. Zum anderen wurden Kommentierungen und die deutliche Kundgabe der Meinung des Verfassers als neue Elemente etabliert. So entstand die erste revolutionäre Publizistik in Deutschland, die heute wohl teilweise eher als Propaganda bezeichnet werden würde. Man gebrauchte jetzt eine verständliche Sprache, um auch nicht-intellektuelle Schichten der Bevölkerung erreichen zu können, erklärte in einer einfachen Sprache die Grundgedanken der neuen Ordnung und griff mit Spott und Polemik die Politik der Fürsten an12. Dieses neue Verständnis von Presse basierte stark auf den Vorstellungen der Mainzer Jakobiner. Und so wie vor der französischen Besetzung die Presse zu Gunsten des Kurfürsten ausgerichtet war, ging sie nun zunehmend konform mit den Ideen und Vorstellungen der Mainzer Jakobiner. Daher sein an dieser Stelle kurz die wesentlichen Ziele dieser dargestellt:

Ziel der Mainzer Jakobiner war die Umsetzung der Ideale der Französischen Revolution auf deutschem Boden, d.h. die Schaffung einer bürgerlichen Demokratie nach dem Vorbild Frankreichs und ein anschließender Anschluss an Frankreich. Ihre Hauptforderung war, die angeborenen und unveränderlichen Menschenrechte zu erlangen, die für die Jakobiner nur in einer repräsentativen Demokratie zu verwirklichen war. Der Anschluss an Frankreich schien notwendig, da sie in Deutschland kein Vaterland sahen und die ideologischen Gemeinsamkeiten mit Frankreich näher lagen, als sprachliche oder historische Bindungen zu Deutschland. Mit der Schaffung einer bürgerlichen Demokratie sollten auch alte Feudalstrukturen abgeschafft und der Einfluss der Geistlichkeit stark zurückgedrängt werden. Die Mainzer Jakobiner wollten als vornehmlich radikale Aufklärer die Kirche dem Staat unterordnen, sie quasi in ihren Dienst stellen und ihre Funktion auf die der Nächstenliebe beschränken. Trotz dieser für damalige Verhältnisse radikalen Vorstellungen und modern klingenden Grundsätzen sind diese nicht ganz mit unserem heutigen Staatssystem zu vergleichen, da ein Recht auf Opposition, die Bildung von Parteien oder der Pluralismus nicht nach dem heutigen Verständnis gegeben war13.

Schnell zeigte sich dann auch, dass eine Pressefreiheit für alle herrschenden Meinungen und politischen Richtungen nicht galt. Im Verlauf der französischen Besetzung verschärfte sich schnell der Druck auf Presseerzeugnisse der Gegner des aktuellen politischen Systems, als man erkannte, dass „sich die Bevölkerung nicht im gewünschten Maße überzeugen ließ“14. In einer schon am 24. November 1792 verfassten Verordnung wurde der Verkauf ‚volksfeindlicher Schriften’ untersagt. Georg Wedekind formulierte dazu:

„Der Weg der Güte besteht darin, dass wir den Leuten die Augen öffnen und ihre Vorurteile durch Vernunftgründe zu beheben suchen. Mislingt dieser Weg, so bin ich den der Gewalt einzuschlagen befugt, da mir für die Erhaltung meiner unveräußerlichen Menschenrechte jedes nötige Mittel wider meinen Feinde zu Gebote steht“15

Und auch für Georg Forster wurde die Presse schon Anfang des Jahres 1793 mehr zu einem Instrument der Revolutionierung als einem Medium objektiver Berichterstattung: „ächter Republikanersinn, und redliches Streben nach dem allgemeinen Wohl [sind] die Grundlagen, von denen sich die Verfasser dieser neuen Zeitungen nie entfernen werden“16 um mit dem „Enthusiasmus für die Beförderung des Glückes, der Freiheit und der Gleichheit an Rechten“17 einzutreten.

[...]


1 Reinalter, Helmut: Der Jakobinismus in Mitteleuropa : eine Einführung / Helmut Reinalter. - Stuttgart : Kohlhammer, 1981. S. 51

2 Reinalter, S. 52

3 Dumont, Franz (1); Bundesarchiv Koblenz; Mainz: Deutsche Jakobiner : Mainzer Republik u. Cisrhenanen 1792 - 1798 ; Ausstellung d. Bundesarchivs u. d. Stadt Mainz im Foyer d. Mainzer Rathauses / [Träger der Ausstellung Bundesarchiv und Stadt Mainz. Ausw., Gliederung und erläuternde

4 Dumont, Franz (2): Die Mainzer Republik von 1792/93 : Studien zur Revolutionierung in Rheinhessen und der Pfalz / von Franz Dumont. - Alzey : Rheinhess. Druckwerkstätte, 1982. S. 138

5 Welke, Martin: Deutsche Publizistik zur Revolution. In: Dumont, Franz; Goethe-Institut: Deutschland und die Französische Revolution : 1789 - 1989 ; e. Ausstellung d. Goethe-Instituts zum Jubiläum d. welthistorischen Ereignisses / [Konzeption u. Erarb.: Franz Dumont ...]. - Stuttgart : Cantz, 1989. S. 35- 40.

6 Wilke, Jürgen; Förster, Frank: Journalismus zwischen Absolutismus und Republik. In: Reber, Horst; Mathy, Helmut; Goethe, Johann Wolfgang von; Landesmuseum Mainz: Goethe: "Die Belagerung von Mainz 1793" : Ursachen und Auswirkungen ; Landesmuseum Mainz, 28. März bis 30. Mai 1993. S. 171.

7 Welke, S. 38

8 Welke, S. 38

9 Wilke, S. 171

10 Wilke, S. 175

11 Wilke, S. 177

12 Dumont (1), S. 81

13 Dumont (1), S. 81

14 Wilke, S. 176

15 Georg Wedekind a.a.O.S.g. zitiert nach Wilke, S. 176

16 zitiert nach Wilke, S. 177

17 ebd.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Publizistik in der Mainzer Republik
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V214846
ISBN (eBook)
9783656443810
ISBN (Buch)
9783656444091
Dateigröße
3365 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
publizistik, mainzer, republik
Arbeit zitieren
Michael Schulz (Autor), 2002, Die Publizistik in der Mainzer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214846

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