Die Mainzer Republik war das erste auf Grundlage der Volkssouveränität aufgebaute Staatswesen auf deutschem Boden. Im Zuge der französischen Revolutionskriege von Frankreich besetzt, trat am 17. März 1793 der Rheinisch-deutsche Nationalkonvent mit ca. 130 Abgeordneten zusammen und rief die Republik für das Mainzer Gebiet aus. Rein staatsrechtlich hatte die Mainzer Republik nur vier Tage lang bestand, da am selben Tag noch der Anschluss an Frankreich beschlossen wurde, der drei Tage später stattfinden sollte. De facto kann man jedoch von einem längeren Bestehen sprechen, nämlich solange, wie die französische Besatzung stattfand: am 21. Oktober 1792 marschierten die französischen Revolutionstruppen in Mainz ein und am 23. Juli 1793 fiel die Stadt wieder in die Hände der rückerobernden preussischen Truppen.
Bereits unmittelbar nach der kampflosen Übergabe der Stadt wurde die ‚Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit’ gegründet. Ein Klub nach französischem Vorbild und hauptsächlich vom Bildungsbürgertum bestimmt, der schon bald ca. 450 Mitglieder zählte und deren führender Kopf der Völker- und Naturkundler und Mainzer Professor Georg Forster war. Obwohl der Klub zunächst nicht als exekutive Gewalt im Sinne einer heutigen Regierung anzusehen war, verfolgte er zwei wesentliche Ziele: zum einen die Verbreitung aufklärerischer Prinzipien unter den eigenen Mitgliedern und zum anderen die Aufklärung der Bevölkerung, die den teilweise gewaltsamen Veränderungen misstrauisch gegenüber stand.
Gemäß diesen Zielen hatte der Klub neben der Schulung der eigenen Mitglieder auch eine rege Propagandatätigkeit entfaltet, aus der verschiedene Agitationsformen entstanden sind. Es entwickelten sich sowohl populäre Literatur, Theater und Musik, aber auch verschiedene, auf die unterschiedlichen Schichten der Bevölkerung zugeschnittene Typen revolutionärer Publizistik. Von Dumont (2) als das „eigentliche Instrumentarium der Revolutionierung“ bezeichnet sollte die Publizistik einer umfassenden rational und emotional angelegten Meinungs- und politischen Willensbildung dienen. In diesem Fall als Instrument der Revolution benutzt, war die Publizistik gleichzeitig aber auch ein Ausdruck der Veränderung, da sich unter der neuen ‚Freiheit’ publizistische Formen entwickeln konnten, die vorher undenkbar gewesen waren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Überblick über den Wandel der Presselandschaft
2.1 Im Vorfeld der Revolution
2.2 Der Wandel der Rahmenbedingungen im Zuge der französischen Besetzung
2.3 Überblick über die Zeitungen und Zeitschriften während der französischen Besetzung
3 Die Zeitungen
3.1 ‚Mainzer National-Zeitung’
3.2 ‚Neue Mainzer Zeitung’
3.3 ‚Mainzer Intelligenzblatt’
4 Die Zeitschriften
4.1 ‚Der Bürgerfreund’
4.2 ‚Der Patriot’
4.3 ‚Der Fränkische Republikaner’
4.4 ‚Der kosmopolitische Beobachter’
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den fundamentalen Wandel der Presselandschaft in Mainz während der Zeit der französischen Besetzung zwischen 1792 und 1793. Dabei wird analysiert, wie sich das Zeitungswesen unter den neuen politischen Rahmenbedingungen zur revolutionären Publizistik entwickelte und welche Rolle diese Medien als Instrumente der politischen Willensbildung und Propaganda einnahmen.
- Evolution des Mainzer Pressewesens vom Absolutismus zur Republik
- Analyse der wichtigsten politischen Zeitungen und Zeitschriften der Besatzungszeit
- Untersuchung der Zielsetzungen und Agitationsformen der Mainzer Jakobiner
- Bewertung der Wirksamkeit der Presse als Mittel zur gesellschaftlichen Veränderung
Auszug aus dem Buch
3.1 ‚Mainzer National-Zeitung’
Die ‚Mainzer National-Zeitung’ wurde von Bömer schon am Tag nach der Kapitulation herausgegeben. Hervorgegangen ist sie aus der ‚Privilegierten Mainzer Zeitung’, der einzigen politischen Zeitung aus der Zeit vor der Mainzer Republik. Bömers Absicht war es, mit seiner Zeitung zum revolutionären Bewusstsein beizutragen, was er schon mit der Titeländerung ausdrücken wollte. Die Zeitung kam dreimal wöchentlich heraus und stellte ihr Erscheinen am 17. April 1793 ein.
Der wesentliche Inhalt dieser, wie aber auch anderer Zeitungen im 18. Jahrhundert, bestand aus politisch-militärischer und gesellschaftlicher Berichterstattung. Eine Untergliederung der Zeitung in einzelne Bereiche, wie sie heute üblich ist, gab es damals noch nicht. Die verschiedenen Berichte und Meldungen wurden unter Angabe von Datum und Herkunftsort schlicht aneinandergereiht. So waren während der französischen Besatzung über 80% des Inhalts der politisch-militärischen Berichterstattung gewidmet. Der Rest bestand aus Anzeigen, Gedichten und Prosa und auch Leserbriefen. Während der Anteil an politisch-militärischer Berichterstattung während der Besetzung nahezu gleich blieb, ging der Anteil der Anzeigen auf teilweise weniger als die Hälfte zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Bedeutung der Mainzer Republik als erstes Staatswesen auf Basis der Volkssouveränität auf deutschem Boden ein und erläutert die Rolle des Jakobinerklubs.
2 Überblick über den Wandel der Presselandschaft: Hier wird der Zustand des Pressewesens vor der Revolution und die durch die französische Besetzung eingeleitete Transformation der publizistischen Rahmenbedingungen analysiert.
3 Die Zeitungen: Das Kapitel bietet eine detaillierte Untersuchung der drei zentralen Zeitungen der Ära, darunter die ‚Mainzer National-Zeitung‘ und das ‚Mainzer Intelligenzblatt‘, hinsichtlich ihrer redaktionellen Ausrichtung.
4 Die Zeitschriften: Hier werden die verschiedenen publizistischen Periodika wie ‚Der Bürgerfreund‘ oder ‚Der Patriot‘ auf ihre Funktion als theoretische Organe und Diskussionsplattformen der Jakobiner geprüft.
5 Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert den Erfolg der Presse als Instrument der revolutionären Veränderung und beleuchtet die strukturellen Gründe für das Scheitern dieses publizistischen Aufbruchs.
Schlüsselwörter
Mainzer Republik, Französische Revolution, Publizistik, Pressefreiheit, Mainzer Jakobiner, Georg Forster, Zeitungsgeschichte, Politische Agitation, Besatzungszeit, Revolutionspropaganda, Volkssouveränität, Medienwandel, Zeitungen, Zeitschriften, Politische Bildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die publizistische Entwicklung in Mainz während der französischen Besatzung im späten 18. Jahrhundert und die Rolle, die Zeitungen und Zeitschriften bei der Etablierung revolutionärer Ideale spielten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen der Wandel des Pressewesens unter neuen politischen Vorzeichen, die Ziele der Mainzer Jakobiner sowie die inhaltliche und stilistische Ausrichtung der damals verbreiteten Periodika.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob die Presse erfolgreich als Instrument der Aufklärung und gesellschaftlichen Umgestaltung genutzt wurde und wie sie zur Verbreitung revolutionärer Ideen beitrug.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse, die Quellen und zeitgenössische Presseerzeugnisse systematisch auswertet und in den historischen Kontext der jakobinischen Bewegung einbettet.
Was genau behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Presselandschaft vor und während der Besatzung sowie in eine detaillierte Untersuchung einzelner Zeitungs- und Zeitschriftenprojekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Mainzer Republik, Publizistik, Pressefreiheit, Jakobiner und Revolutionspropaganda definieren.
Welche Rolle spielte der Jakobinerklub bei der Gestaltung der Presse?
Der Klub war der zentrale Motor für die neue revolutionäre Publizistik; die Herausgeber waren meist Mitglieder des Klubs, die durch ihre Publikationen die Bevölkerung von den neuen demokratischen Werten überzeugen wollten.
Warum wird das ‚Mainzer Intelligenzblatt‘ als Besonderheit hervorgehoben?
Es war das älteste Periodikum, das die Zeit der französischen Besatzung vollständig überstand, wobei es sich von einem rein amtlichen Blatt zunehmend zu einem Instrument der Verbreitung revolutionärer Inhalte wandelte.
Woran scheiterte der publizistische Aufbruch laut der Arbeit?
Das Scheitern lag primär am mangelnden Rückhalt in der Bevölkerung, der konservativen Haltung insbesondere der Zünfte und dem strukturellen Druck durch die nahende militärische Rückeroberung.
- Quote paper
- Michael Schulz (Author), 2002, Die Publizistik in der Mainzer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214846