Konzepte der Verkörperung. Der Konflikt zwischen der individuellen Entscheidungsfreiheit und gesellschaftlichen Schönheitsidealen

Am Beispiel von Schönheitsoperationen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
20 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Thematische Abgrenzung

2. Schönheitsideale im sozialen Kontext
2.1 Was ist das aktuelle Schönheitsideal bzw. wie kann Schönheit definiert werden?
2.2 Mögliche Motivationen für Schönheitsoperationen:
2.3 Schönheitsoperationen: Zahlen und Fakten – ein kurzer Abriss

3. Erklärungsansatz: Michel Foucault
3.1 Michel Foucault: „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“ –
Eine kurze Einführung
3.2 Das Panopticon – Eine kurze Beschreibung
3.3 Der Panoptismus (Foucault)
3.4 Der Bezug zu schönheitsoperativen Eingriffen
3.4.1 Praktisches Beispiel
3.5 Kurze Schlussfolgerung zum praktischen Beispiel:

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, inwieweit Frauen bei dem Entschluss für eine Schönheitsoperation aus dem eigenen freien Willen entscheiden, oder ob gängigen Schönheitsidealen, die von der Gesellschaft vorgeschrieben werden, unbewusst nachgestrebt wird und diese verkörpert werden.

Zu Beginn der Literaturrecherche, stellte sich die Schwierigkeit, welche Theorie für dieses Thema sinnvoll ist. Diese Entscheidung fiel zu Gunsten von Michel Foucault und dessen Ausführungen in „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“ aus. Hauptsächlich wird hier ein Bezug zum „Panopticon“ bzw. zum „Panoptismus“ hergestellt. Anhand des Konzepts des „Panopticon“ soll nun veranschaulicht werden, wie das Schönheitsideal verinnerlicht wird und warum es deshalb nicht mehr als fremdbestimmt empfunden wird, sondern als eine selbstbestimmte, individuelle Entscheidung oder ein selbstbestimmtes, individuelles Bestreben.

Diese Hausarbeit ist folgendermaßen aufgebaut:

Zu Beginn geht es um gängige Schönheitsideale im sozialen Kontext. Dann wird versucht herauszuarbeiten was die Norm der Schönheit überhaupt ist und woher diese allgemeinen Schönheitsideale kommen bzw. wie sie entstanden sein könnten. Im nächsten Teil der Hausarbeit wird erarbeitet warum Frauen sich Schönheitsoperationen unterziehen. Hier geht es um die Sicht der Frau und auf ihre Ausführungen und Begründungen für ihre Motivationen. Um die Relevanz der Thematik und das Ausmaß von Schönheitsoperationen darzustellen, folgt dann eine kurze Erläuterung anhand von Zahlen und Fakten rund um die Schönheitschirurgie.

Das Kernstück dieser Arbeit beginnt mit einer kurzen Einführung und Darstellung des „Panopticons“ und dessen Wirkungsweisen. Anschließend wird versucht anhand dieser Theorie auf Implikationen, Gründe und Motivationen für den Entschluss für Schönheitsoperationen zu stoßen. Nach diesem Teil folgt ein kleines praktisches Beispiel um zu erläutern, wie das Erarbeitete in der Realität praktisch wirkt und funktionieren könnte.

Anschließend folgen im Fazit ein Resümee und eine kritische Schlussfolgerung über die Thematik ausgeführt.

1.1 Thematische Abgrenzung

Vor dem Einstieg in die Thematik muss eine kleine thematische Abgrenzung vorgenommen werden. In dieser Arbeit werden nur Schönheitsoperationen behandelt, welche an gesunden Körpern durchgeführt werden. Plastische Chirurgie, die beispielsweise an Unfallpatienten oder Behinderten durchgeführt wird, wird hier nicht eingeschlossen, da sie für diese Thematik einen Sonderfall darstellt. Auch aufgrund des Umfangs dieser Hausarbeit kann darauf nicht eingegangen werden.

Abgegrenzt werden muss auch, dass es sich hier nur um Schönheitsideale und Schönheitsoperationen von Frauen handelt. Für Männer gibt es selbstverständlich auch verschiedene Schönheitsideale und Standards, diese werden in dieser Hausarbeit aber nicht thematisiert.

2. Schönheitsideale im sozialen Kontext

Bei dem Thema der Schönheitsideale und Normen handelt es sich keineswegs nur um Äußerlichkeiten, denn mit Schönheitsidealen können auch persönliche und soziale Positionierungen geäußert werden. Es geht also auch um die Findung der „eigenen Position zwischen Anpassung und Eigenständigkeit, zwischen Normalisierung und Extravaganz, zwischen Universalisierung und Individualisierung, zwischen Unterdrückung und Befreiung, zwischen Konsumorientierung und Authentizität.“[1]

Der Mensch ist ein soziales Wesen und handelt deshalb auch immer sozial. Die jeweiligen Handlungen können nicht vollkommen unabhängig sein, da sie auch immer in Verbindung mit dem sozialen Leben verstanden werden müssen.[2]

Schönheitsideale stehen demnach immer in einem engen Zusammenhang mit sozialen Positionierungen. Dies kann auch damit zusammengebracht werden, dass Menschen das äußere Erscheinungsbild auch als Symbol wahrnehmen und diese Symbole deuten. „Das Aussehen ist immer mit einer Zuschreibung von Bedeutungen verknüpft, ob gewollt oder ungewollt, ob bewusst oder unbewusst.“[3]

Beispiele für diese körperlichen Symbole können jegliche typische Zuschreibungen sein. Im Fall von übergewichtigen Menschen ist dieses deutlich zu erkennen. Diese werden oft diskriminiert, oft wird angenommen, dass sie faul seien, dass sie maßlos seien, dass die dumm seinen usw.[4]Für schlanke Menschen gilt genau das Gegenteil.

Da das Aussehen veränderbar ist, kann ein direkter Einfluss auf diese „Symbole“ genommen werden. Es ist möglich durch Kleidung, Haarschnitte oder auch durch schönheitsoperative Eingriffe Veränderungen am eigenen Körper durchzuführen. Diese Veränderungen können dann einen Einfluss auf die gewünschte soziale Positionierung haben. Außerdem kann es auch sein, dass ein bestimmter sozialer Status nur im Zusammenhang mit einer körperlichen Veränderung erreicht werden kann.

Es scheint also bestimmte körperliche Schönheitsnormen oder Ideale zu geben welche unter anderem auch einen direkten Einfluss auf das gesellschaftliche und soziale Leben haben. Im nächsten Teil wird der Frage nachgegangen wie diese Normen definiert werden.

2.1 Was ist das aktuelle Schönheitsideal bzw. wie kann Schönheit definiert werden?

Das Ideal der Schönheit steht immer in einem engen Zusammenhang zwischen der aktuellen Zeit, dem Ort und dem Raum. So ist es wichtig zu unterscheiden, dass es in verschiedenen Regionen der Welt auch unterschiedliche Schönheitsideale bzw. Normen gibt.[5]In der westlichen Welt und teilweise auch darüber hinaus orientieren sich diese Normen an der Optik des europäischen Standards. Irritierend ist an diesem Standard, dass er nicht neutral gegenüber den verschiedenen Ethnien ist.[6]Dennoch versuchen nicht nur Europäerinnen diesen Standards gerecht zu werden, sondern auch Frauen vieler anderer Ethnien. Diese versuchen dann also „europäischer“ auszusehen. Mather Saul beschreibt dieses Phänomen folgendermaßen: „schöner“ zu sein oder sich „schöner“ zu machen bedeutet eigentlich „weißer“ oder europäischer zu sein.[7]

Waltraut Posch bestimmt die vier momentanen Kriterien der Schönheit mit: „Schlankheit, Jugendlichkeit, Fitness und Authentizität“[8]. Das Gesicht spielt hier eine Sonderrolle. Die Jugendlichkeit ist einem Gesicht anzusehen. Darüber hinaus gibt es aber im Zusammenhang mit dem Gesicht noch weiterte explizite Ideale und Standards. Durch psychologische Attraktivitätsforschungen konnte festgestellt werden, dass die Mehrheit ein weibliches Gesicht mit einer hohen Stirn, großen Augen, einem zierlichen Kiefer, einer kleinen Nase, mit vollen Lippen und hervortretenden Wagenknochen als besonders attraktiv bzw. besonders schön empfindet.[9]

Aufgrund der Ergebnisse der Attraktivitätsforschung konnte ermittelt werden, dass ein relativ durchschnittliches Gesicht, als attraktiv gilt.[10]Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass jede Abweichung vom Durchschnitt ein negativer Faktor ist, der zu einer verminderten Attraktivität führt.

Der Körper der Frau ist momentan idealerweise mit einer großen Oberweite und schlanken Beinen ausgestattet. Dies sei nach Mather Saul in vielen Fällen bereits ein Widerspruch in sich. Vielen Frauen gelingt der Spagat zwischen Sport und Diät für schlanke Beine und einer großen, üppigen Oberweite nicht. Im Normalfall verliert die Brust an Umfang und Volumen sobald der Körperfettgehalt einer Frau abnimmt bzw. sehr gering ist.[11]Ein Weg dieses Dilemma zu lösen, könnte ein schönheitschirurgischer Eingriff sein.

Wie der Körper einer Frau heute im besten Fall sein sollte ist nicht schwer zu ermitteln. Überall werden in Werbung, TV und Printmedien Beispiele von schlanken, jugendlichen, gesunden und glücklichen Frauen präsentiert. In Frauenzeitschriften werden wöchentlich neue Tipps zur Verbesserung des Aussehens vergeben (Haare, Make-up, Kleidung, Diät-Tipps etc.). Durch Methoden wie dem BMI (Body-Mass-Index) kann jede Frau in wenigen Sekunden ermitteln wie es um ihre Körpermaße steht. TV Sendungen wie „Extrem Schön – Endlich ein neues Leben.“ (RTL II) zeigen, wie einfach es sein kann durch mehrere Schönheitsoperationen „glücklich“ zu werden.

Trotz vieler Schönheitsmerkmale und Vorschlägen zu dem was schön ist, ist es schwer den Begriff der Schönheit klar zu definieren. Jeder weiß was Schönheit ist, aber keiner kann es ganz genau und allgemeingültig beschreiben. Was allerdings klar definierbar ist, ist das Gegenteil von Schönheit, die Hässlichkeit. Diese beiden Begriffe haben einen Bezug zueinander obwohl sie beide nicht klar definierbar sind.[12]

Es gibt zwar keine Schwankungen in dem was jede einzelne Person als schön empfindet, trotzdem gibt es ein allgemeingültiges Schönheitsideal, was jedem bekannt ist.

[...]


[1]Posch 2009: 33.

[2]Vgl. Posch 2009: 33 f.

[3]Posch 2009: 42.

[4]Vgl Posch 2009 177.

[5]Vgl. Posch 2009: 21.

[6]Vgl. Mather Saul 2003: 149.

[7]Vgl. Mather Saul 2003: 151.

[8]Posch 2009: 86.

[9]Vgl. Posch 2009: 86.

[10]Ebd.

[11]Vgl. Mathers Saul 2003: 145.

[12]Vgl. Posch 2009: 21.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Konzepte der Verkörperung. Der Konflikt zwischen der individuellen Entscheidungsfreiheit und gesellschaftlichen Schönheitsidealen
Untertitel
Am Beispiel von Schönheitsoperationen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Embodiment - Konzepte der Verkörperung
Note
1.3
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V214884
ISBN (eBook)
9783656428619
ISBN (Buch)
9783656437123
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzepte, verkörperung, konflikt, entscheidungsfreiheit, schönheitsidealen, beispiel, schönheitsoperationen, schön, Michel Foucault, Foucault, Überwachen und Strafen, Panoptikum, beobachten
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Rebecca Jones (Autor), 2012, Konzepte der Verkörperung. Der Konflikt zwischen der individuellen Entscheidungsfreiheit und gesellschaftlichen Schönheitsidealen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214884

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