Seit der Veröffentlichung der ersten PISA Studie des Jahres 2000 wurde in Deutschland ein öffentlicher bildungspolitischer sowie pädagogischer Diskurs in Gang getreten. Ein Aufschrei ging durch das einstige Land der Dichter und Denker, weil mittlerweile 15 jährige deutsche Schüler/Innen im internationalen Vergleich zu schlecht abschnitten. Wie sollte die Bildungspolitik nun mit dieser Blamage umgehen? Kein anderes Land, das an der PISA Studie teilgenommen hatte, ließ sich von den Testergebnissen derart unter Druck setzen, wie es in Deutschland der Fall war. Öffentliche Debatten gingen durch die Presse, in Talkshows wurden sogenannte „Experten“ zu Rate gezogen und jeder Laie avancierte plötzlich zum Kritiker des Deutschen Bildungssystems. In dem PISA Test wurde allerdings nicht nach abrufbarem Wissen gefragt, sondern aufgrund der internationalen Vergleichbarkeit, sollten SuS aus bestimmten Texten heraus, unterschiedliche Fragen beantworten. Gelernte Inhalte verloren plötzlich an Relevanz. Vielmehr ging es darum, dass SuS nach Ende der Pflichtschulzeit bestimmte Kompetenzen vorweisen konnten. Juliane Hammermeister lehnt die Schlüsselkompetenzen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ab, da diese ihrer Meinung nach „Ausdruck neoliberaler Hegemonie“ sind (Hammermeister 2010: 94). Der sich vollzogene Paradigmenwechsel von der Input-Orientierung auf Lehrpläne hin zu einer Output-Orientierung auf sogenannte Bildungsstandards hin diene ausschließlich der zukünftigen Verwertbarkeit der SuS auf dem Arbeitsmarkt (vgl. ebenda: 92f.).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Bildung
2. Ökonomisierung von Bildung
a. Wandlung des Bildungsbegriffs
b. Gegenwärtige Situation
c. Humankapital
d. Employability
3. Ökonomisierung von Bildungsinhalten
4. Ökonomisierung von Bildungsdienstleistungen
5. Ökonomisierung von Bildungsinstitutionen und pädagogischen Beziehungen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der zunehmenden Ökonomisierung des Bildungssystems in Deutschland auseinander und untersucht, wie wirtschaftliche Interessen das Verständnis von Bildung als Selbstzweck zugunsten einer arbeitsmarktorientierten Verwertungslogik verschoben haben.
- Historische Wandlung des Bildungsbegriffs hin zu einer beruflichen Qualifizierung.
- Die Rolle des Humankapital-Konzepts im modernen Bildungssystem.
- Analyse des Employability-Begriffs und dessen Folgen für das Individuum.
- Auswirkungen der Ökonomisierung auf Lehrpläne, Bildungsinstitutionen und pädagogische Beziehungen.
- Kritik an der Output-Orientierung und Privatisierung im Bildungswesen.
Auszug aus dem Buch
d. Employability
Der Begriff „employability“ stammt aus Großbritannien und war zunächst eine kategoriale Bestimmung für eine Gruppe von Arbeitslosen (vgl. Becker 2012: 113). Gegenwärtig wird der Begriff wie folgt definiert:
„Employability ist die Fähigkeit, fachliche, soziale und methodische Kompetenzen unter sich wandelnden Rahmenbedingungen zielgerichtet und eigenverantwortlich anzupassen und einzusetzen, um eine Beschäftigung zu erlangen oder zu erhalten“ (Rump/Völker 2007: 6).
Bei der Definition fällt auf, dass sowohl Anpassungsfähigkeit sowie Flexibilität von Menschen abverlangt wird, die sich in Zeiten der Globalisierung eigenverantwortlich zu recht finden sollen. Menschen, die arbeitsmarkttauglich sein wollen, müssen eben nicht mehr nur fachliche Kompetenzen aufweisen, sondern neben diesen, auch über sogenannte Soft-Skills verfügen. Dies wird besonders deutlich, wenn man einen Blick auf Stellenanzeigen der größeren Unternehmen wirft. Gesucht werden Allroundtalente, die das Gesamtpaket besitzen, die über zahlreiche einschlägige Erfahrungen verfügen, jung und dynamisch sind, Kommunikationsfähigkeit und Empathie besitzen, darüber hinaus im Team arbeiten können und sozial eingestellt sind und selbstverständlich die besten Masterabschlüsse gemacht haben, darüber hinaus sollen sie flüssig Englisch sprechen und möglichst noch andere Fremdsprachenkenntnisse besitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung thematisiert den bildungspolitischen Diskurs in Deutschland seit der PISA-Studie und skizziert den Paradigmenwechsel von der Input- zur Output-Orientierung.
1. Bildung: Dieses Kapitel ergründet den klassischen Bildungsbegriff und kontrastiert diesen mit der heutigen Tendenz, Bildung primär als notwendige Vorbereitung für den Arbeitsmarkt zu begreifen.
2. Ökonomisierung von Bildung: Das Kapitel analysiert die historische Entwicklung der ökonomischen Einflussnahme auf Bildung und erläutert zentrale Konzepte wie Humankapital und Employability.
3. Ökonomisierung von Bildungsinhalten: Hier wird untersucht, wie Kooperationen mit Unternehmen und ein Fokus auf wirtschaftliche Verwertbarkeit die Inhalte schulischer Bildung neutralisieren und verengen.
4. Ökonomisierung von Bildungsdienstleistungen: Dieses Kapitel befasst sich mit der Privatisierung von Bildung und den negativen Folgen für die soziale Gerechtigkeit durch den Handel mit Bildungsprodukten.
5. Ökonomisierung von Bildungsinstitutionen und pädagogischen Beziehungen: Der Abschnitt fasst die systemischen Auswirkungen zusammen, insbesondere die Belastung der Lehrer-Schüler-Beziehung durch Effizienz- und Messbarkeitsvorgaben.
Fazit: Das Fazit resümiert die Kritik am Ökonomisierungsdiktat und unterstreicht die Notwendigkeit von Autonomie und kritischer Reflexionsfähigkeit in der Bildung.
Schlüsselwörter
Ökonomisierung, Bildung, Humankapital, Employability, PISA-Studie, Output-Orientierung, Neoliberalismus, Bildungsökonomie, Privatisierung, Chancengleichheit, Kompetenzmodelle, Pädagogik, Wirtschaftswachstum, Schulentwicklung, soziale Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch den Prozess der Ökonomisierung des deutschen Bildungssystems und wie wirtschaftliche Ideologien pädagogische Ziele überlagern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen das Humankapital-Konzept, das Employability-Ideal, die Privatisierung von Bildung sowie die Auswirkungen der Output-Orientierung auf den Bildungskanon.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Begriff „Ökonomisierung von Bildung“ zu definieren und aufzuzeigen, inwiefern dieser mit einer Entmenschlichung des Bildungsbegriffs einhergeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, diskurskritische Analyse, die auf erziehungswissenschaftlichen und bildungstheoretischen Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Wandels des Bildungsbegriffs sowie die Analyse von drei Dimensionen der Bildungsökonomie: Bildungsinhalte, Bildungsdienstleistungen und institutionelle Strukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Ökonomisierung, Humankapital, Employability, Neoliberalismus und die Kritik an der einseitigen Ausrichtung auf Arbeitsmarkterfordernisse.
Warum wird der Begriff „Humankapital“ in der Arbeit kritisiert?
Die Arbeit kritisiert den Begriff als menschenverachtend, da er das Individuum auf eine messbare Produktgröße reduziert und den Autonomiecharakter echter Bildung negiert.
Wie verändert die „Output-Orientierung“ den Schulalltag?
Sie führt dazu, dass Inhalte nicht mehr um ihrer selbst willen gelehrt werden, sondern nur noch, sofern sie direkt zur Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt beitragen, was zu einem Verlust an echter inhaltlicher Tiefe führt.
- Citar trabajo
- Andrea Tauber (Autor), 2013, Ökonomisierung von Bildung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215071