Creative Governance - Das Fallbeispiel Ruhr 2010


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergund

3 Ausgangssituation im Ruhrgebiet

4 Ruhr 2010
4.1 Daten und Fakten
4.2 Timeline der Kulturhauptstadt
4.3 Bewerbung: Januar 2001 -April 2006
4.4 Vorbereitung und Planung: April 2006 - Ende 2009
4.5 Dritte Phase: Kulturhauptstadtjahr 2010

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Thema dieser Arbeit ist die theoretische Auseinandersetzung mit dem Modell der Creative Governance sowie deren praktische Anwendung in den Governanceprozessen des Fallbeispiels Kulturhauptstadt RUHR.2010.

Leitfrage dabei ist durch welche besonderen, unkonventionellen Planungsinstrumente die Kulturhauptstadt überhaupt erst ermöglicht wurde sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit eines solchen Projektes.

Das Kulturhauptstadt RUHR.2010 ist im wesentlichen ein Region Branding Prozess, initiiert von verschiedenen regionalen Vertretern, um der post-industriellen Region Ruhrgebiet ein neues, positiv besetztes Image zu geben, dass Investoren, Fachkräfte und Unternehmen in die Region locken soll. Aus diesem Grund wird an den notwendigen Stellen ein Bezug zu Branding Theorien hergestellt werden müssen, um die Intention von bestimmten Governance Prozessen deutlich zu machen.

Die Arbeit gliedert sich grob in fünf Kapitel. Nach der Einleitung wird der theoretische Hintergrund des Creative Governance Modells erläutert und in das Konzept in die aktuelle wissenschaftliche Debatte eingegliedert - der Wandel im Staats- und Steuerungsverständnis sowie der Wandel in der traditionellen Planungskultur. In diesem Theorieteil wird außerdem ein weiteres momentanes ,Trendthema‘ der Stadtplanung angesprochen, nämlich die Debatte um die Ansiedlung der Kreativen Klasse und deren Wichtigkeit für eine zukunftsorientierte, nachhaltige Stadtentwicklung. Die Attrahierung der kreativen Klasse stellt neben dem Branding Gedanken ein weiteres wichtiges Ziel der Kulturhauptstadt dar und muss aus diesem Grund bei der Analyse des Fallbeispiels immer im Hinterkopf behalten werden.

Nach der Klärung des theoretischen Hintergrunds wird in Kapitel drei die Ausgangssituation in der Region Ruhrgebiet beschrieben, die von großer Wichtigkeit für das Verständnis von Schwierigkeiten bei der Verwirklichung von kreativer, regionaler Governance ist. Hier werden die ökonomischen und gesellschaftlichen Hintergründe in der Region aufgezeigt und der besondere Problemdruck, der aus diesen Hintergründen resultiert. Ebenfalls werden bestehende regionale Kooperationen behandelt auf denen die Planer der Kulturhauptstadt aufbauen konnten und die im Ruhrgebiet, wie in keiner anderen Region Deutschlands, eine lange Tradition besitzen.

Das vierte Kapitel befasst sich mit einer Analyse der Governance Prozesse während der Bewerbung für die Kulturhauptstadt sowie deren Planung und Umsetzung. In diesem Kapitel wird der Planungsprozess in chronologischer Reihenfolge dargestellt und die verschiedenen Planungsschritte anhand des Creative Governance Modells von Kunzmann analysiert werden. RUHR.2010 war das erste Mal, dass sich eine ganze Region um den Titel

Europäische Kulturhauptstadt beworben hatte und stellt daher ein absolutes Novum in der Geschichte der Kulturhauptstadt dar.

Im fünften und letzten Kapitel wird ein Fazit gezogen, in dem die wichtigsten Punkte der Arbeit zusammengefasst werden. Teil des Fazits ist ebenfalls ein Ausblick über mögliche zukünftige regionale Kooperationen im Ruhrgebiet.

2 Theoretischer Hintergrund

Der Begriff der Creative Governance bezeichnet eine Modifikation des traditionellen Governance Begriffes, der in den letzten zehn Jahren weltweit stetig an Bedeutung gewonnen hat. (Jonas; While 2007: S. 72) Governance beschreibt hierbei jegliche Form von Steuerung wirtschaftlicher oder sozialer Aktivitäten in einer räumlich begrenzten Region, wobei Jonas und While vor allem die Koordination zwischen den verschiedenen Akteuren und somit den Netzwerkcharakter von Steuerungsmodellen hervorheben. Die verschiedenen Akteure können hierbei sowohl aus dem öffentlichen, als auch dem privaten und bürgerlichen Sektor kommen, was darauf hindeutet, dass es sich bei Governance Prozessen nicht um klassisch-hierarchische Top-Down handelt sondern viel mehr um die Kooperation zwischen teilberechtigten Partnern, die ein gleiches Ziel verfolgen. Dem Stadtplaner selbst kommt hier eher eine Rolle als Moderator und Koordinator des Planungsprozesses zu, im Gegensatz zum antiquierten stadtplanerischen Selbstverständnis des einsamen „Experten“, der lediglich politische Vorgaben umzusetzen hat. (Albers 1993: S.100)

Dieses Selbstverständnis drückt sich auch in neuen Studiengängen wie dem Fach „Stadt - und Regionalentwicklungsmanagement“ an der Ruhr-Universität Bochum aus. Der Planer ist Manager des Planungsprozesses, in den eine Vielzahl von Akteuren mit einbezogen werden; nicht der alleinig Beschließende und Umsetzende.

Diese Schlussfolgerung leitet sich vor allem aus der Erkenntnis ab, dass die hierarchische Steuerung von Planungsvorhaben klare Defizite aufweist, in deren Zuge in der wissenschaftlichen Debatte schon Thesen vom ,Niedergang‘ oder vom ,Rückzug‘ des Staates aus klassischen Planungsmodellen aufgestellt wurden. (Benz et al 2007: S.9; Jonas; While 2007: S. 72) Zwar haben sich diese, ähnlich den Prognosen zum Marktversagen im kapitalistischen Wirtschaftssystem, bisher nicht bewahrheitet, doch führten genau diese Defizite im klassischen Planungsverständnis zum Siegeszug des Governancebegriffs in dem theoretischen Planungsdiskurs. (Benz et al 2007: S.9)

Der Governancebegriff hat sich im Zuge der wissenschaftlichen Debatte in eine Vielzahl von Subtermini aufgefächert, die den sehr allgemeinen und unterschiedlich genutzten Begriff unterschiedlichen Fachrichtungen zuordnen um ein konkreteres und klarer abgestecktes Themenfeld zu behandeln. Dies liegt auch daran, dass eine wirklich allgemeingültige

Definition des Begriffs nur schwer möglich ist und für eine konkrete Behandlung eines Fallbeispiels - oder einer eventuellen Ableitung von Handlungsempfehlungen oder Richtlinien für einen modernen Umgang mit der Steuerung von Verwaltung und Organisation von Projekten - eine Spezifizierung sinnvoll erscheint. Der Unterbegriff ,Creative Governance‘ ist in dieser Arbeit eng mit verwandten Subtermini wie Regional Governance verknüpft. Da es sich bei dem zu behandelnden Fallbeispiel RUHR.2010 mit dem Ruhrgebiet um eine Region handelt in der eine außergewöhnlich große Anzahl von Kommunen auf engem Raum agieren, der zu einem großen Teil auch urbanen Charakter aufweist, könnte auch ein Bezug zum Urban Governance Modell hergestellt werden. Zwischen den verschiedenen Modellen gibt es große Schnittmengen, der Fokus in dieser Arbeit liegt jedoch auf dem Konzept der Creative Governance.

Mit dem Begriff der Creative Governance wird von Kunzmann ein Lösungsansatz vorgestellt, der es Regionen erleichtern soll eine zukunftsweisende Regionalentwicklung zu verfolgen, die letztendlich allen Kommunen der Region zu Gute kommen soll. Creative Governance kann also prinzipiell als Modifikation von Regional Governance verstanden werden und geht aus dem Regional Governance Modell hervor. (Kunzmann 2004: S. 5)

Zentraler Mangel einer nachhaltigen zukunftsorientierten Stadt- und Regionalentwicklung ist hierbei der Mangel an Kreativität in den Kommunalverwaltungen selber. Laut Kunzmann ist der Wille zu Veränderungen in etablierten Institutionen limitiert und so bieten diese nur bedingt Platz für neue Gedanken und Konzepte. Die institutionellen Erfahrungen der Mitarbeiter in den Verwaltungen lassen jene eher die Hindernisse von unkonventionellen, kreativen Konzepten als deren Möglichkeiten erkennen und behindern so eine zukunftsweisende Entwicklung der Region. (ebd.: S.9)

Die ,Kreativität‘ der Steuerung von Regionen bezieht sich hierbei vor allem auf die interkommunale Zusammenarbeit zwischen den Akteuren in den Verwaltungen der Kommunen, den (teilweise regional) tätigen Firmen sowie den Bürgern der Region die sich in vielen Formen manifestieren kann. Zwischen den Akteuren und deren Aktionen liegt das kreative Spannungsfeld des Governance Prozesses.

Ein wichtiger Faktor bei der Betrachtung des Fallbeispiels RUHR.2010 ist das neue Leibild im regionalen und kommunalen Standortmanagement des Ruhrgebiets - die Attrahierung von Kreativwirtschaft. Folgt die Bewerbung von RUHR.2010 doch dem Motto Kultur durch Wandel - Wandel durch Kultur (Pleitgen 2010: S.8) wobei die Kernbranchen der Kreativwirtschaft als „treibende Kräfte gesellschaftlicher, kultureller und sozialer Veränderungen“ (Fesel 2011: S. 55) bezeichnet werden.

Die Kreativwirtschaft beschäftigt die ,creative class‘ einer Region, die durch ihre Fähigkeit zu Innovation den bedeutendsten Teil zur wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit einer Region ausmacht. Laut der endogenen Wachstumstheorie von Paul Romer ist in der heutigen globalisierten Welt die Innovation der entscheidende Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum (Maier et al. 2006: S.93), das heißt, dass eine Region, die es nicht schaffen sollte, die kreative Klasse für sich zu gewinnen im globalen Wettbewerb der Städte zurück fallen wird. Ilse Helbrecht schrieb schon im Jahre 1994, dass sich das Städtesystem zunehmend in „Gewinner und Verliererregionen“ aufspaltet wobei die Bedeutung traditioneller harter Standortfaktoren abnimmt. Weiche Faktoren wie Lebensqualität, die sich auch in einem breiten kulturellen Angebot manifestieren, gewinnen so verstärkt an Bedeutung und müssen von einer Region offensiv vermarktet werden damit diese überhaupt erst auf dem ,Radar‘ von Unternehmen und kreativen Köpfen auftauchen kann. (Helbrecht 1994: S.79)

Das Konzept der Bedeutsamkeit der kreativen Klasse für post-industrielle Gesellschaften ist dabei weltweit weitgehend als schlüssig angenommen worden. Zwar gibt es auch eine Vielzahl von Kritikern, die vor allem die Wissenschaftlichkeit der Theorie in Frage stellen, jedoch hat das Konzept ein den vergangenen Jahren großen Einfluss auf das städtebauliche Paradigma in Regionen wie dem Ruhrgebiet gehabt, wie die Kulturhauptstadt 2010 beweist. Welche Branchen jedoch tatsächlich in diesen kreativen Bereich fallen, wird sehr heterogen definiert. So beinhaltet das ursprüngliche Konzept, das von Richard Florida erstmals in seinem Buch „The Rise of the Creative Class“ vorgestellt wurde, unter anderem auch Ärzte, Richter und Ingenieure, die er als „knowledge-based professionals“ unter die kreativen Berufe mit aufnimmt (Florida 2005: S.3) während sowohl auf Bundes- als auch auf Länder­und regionaler Ebene in Deutschland mit der ,kreativen Klasse‘ eher jene Branchen gemeint sein sind, die Florida als den Kern der Kreativen bezeichnet: Künstler, Musiker, Architekten, Galeristen etc. (ebd.)

Für eine Auseinandersetzung mit dem Fallbeispiel RUHR.2010 ist es sinnvoll die Definition der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr zu verwenden, die elf Branchen unter dem Banner der Kreativwirtschaft vereint. Die einzelnen Branchen sind wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Branchen der Kreativwirtschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr(Hg.) 2010: S.1

Im folgenden Kapitel wird die Ausgangssituation im Ruhrgebiet, sowohl in Bezug auf das Vorhandensein von kreativen Branchen als auch bisherige interkommunale Kooperationen vor der Kuturhauptstadt, dargestellt werden, die die Basis für die Analyse des Fallbeispiels bietet.

3 Ausgangssituation im Ruhrgebiet

Die Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet machte laut einer Erhebung der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr im Jahr 2007 rund 2% aller Umsätze im Einzugsgebiet aus, wobei 6% der Unternehmen im Ruhrgebiet zum Kreativwirtschaftlichen Sektor gezählt werden können, in dem 4% aller Erwerbstätigen arbeiten. (Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr(Hg.) 2010: S.4) Dies ist auf den ersten Blick ein eher geringer Anteil jedoch ist die Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet eine Wachstumsbranche (2001-2007: 10%), was in einer schrumpfenden Region ein bedeutender Faktor ist. (ebd.)

Das Ruhrgebiet war und ist ein höchst heterogener Siedlungsraum, der geografisch durch die Grenzen des Regionalverbands Ruhrgebiet definiert werden kann. (Beier 2010: S.34)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Creative Governance - Das Fallbeispiel Ruhr 2010
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V215148
ISBN (eBook)
9783656432050
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ruhr.2010, Ruhr2010
Arbeit zitieren
BA Moritz Bannert (Autor:in), 2012, Creative Governance - Das Fallbeispiel Ruhr 2010, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215148

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