Deutsch und Polnisch kontrastiv. Die Pluralbildung im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
15 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung…

2. Mehrsprachigkeit…

3. Deutsch- polnischer Sprachvergleich
3.1 Allgemeine Sprachbeschreibung
3.1.1 Allgemeine Sprachbeschreibung des Deutschen
3.1.2 Allgemeine Sprachbeschreibung des Polnischen
3.2 Die Pluralbildung im Deutschen
3.3 Die Pluralbildung im Polnischen
3.4 Versuch einer Begründung der Schwierigkeiten beim deutschen Spracherwerb für Schülerinnen und Schüler mit Polnisch als Erstsprache

4. Arbeitsmaterialien

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als zukünftige Lehrerinnen und Lehrer haben wir die Aufgabe, unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich durch die Schulphase zu begleiten und sie auf den darauf folgenden Berufsalltag und das ganze Leben vorzubereiten. Dabei gibt es vielerlei Fähigkeiten, die wir als Lehrer besitzen müssen. Von fachlicher Kompetenz über Lehrerpersönlichkeit bis hin zu Methodenvielfalt. Die Liste ist lang. In den letzten Jahren hat sich jedoch ein Begriff deutlich hervorgehoben. Die Rede ist von Mehrsprachigkeit.

In Deutschland leben momentan rund 6.930.896 Ausländer, was einen Anteil von ca. 8,5% der gesamten Bevölkerung darstellt (vgl. Statistisches Bundesamt 2012, zit. nach Statista 2013). Die Zuwanderer kommen aus den verschiedensten Ländern, vor allem aber aus der Türkei, Italien und Polen (ebd.). So kommt es, dass wir in Deutschland nach und nach zu einer multikulturellen Gesellschaft geworden sind. Es ist klar, dass sich diese Multikulturalität auch auf die Schule auswirkt. Die Lehrerinnen und Lehrer sind mit der Aufgabe konfrontiert, den Umgang mit zunehmend heterogenen Klassen zu meistern. Das Augenmerk richtet sich hierbei besonders auf den Deutschunterricht, der für ausländische Schülerinnen und Schüler meist eine große Herausforderung bedeutet.

Das Land Polen steht in der oben bereits erwähnten Statistik der Anzahl der Ausländer in Deutschland nach Herkunftsland auf Platz drei. Daraus lässt sich schließen, dass der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Polnisch als Erstsprache recht hoch ist. Auch ich selbst gehöre dieser Gruppe an, da ich zweisprachig mit Deutsch und Polnisch aufgewachsen bin. Die folgende Arbeit befasst sich deshalb mit einem speziellen Aspekt der polnischen Sprache. Zu Beginn der Arbeit soll der Begriff der Mehrsprachigkeit kurz beleuchtet werden. Dabei werden sowohl die Begriffe Erst- und Zweitsprache als auch die Bedeutung der Förderung der Erstsprache in den Blick genommen. Anschließend widme ich mich dem Sprachvergleich der beiden Sprachen Deutsch und Polnisch. Zunächst folgt ein kurzer, allgemeiner Sprachvergleich, der einen ersten Überblick über die beiden Sprachen verschaffen soll. Anschließend steht die Pluralbildung des Polnischen und Deutschen im Fokus und wird kontrastiv betrachtet. Arbeitsmaterialien zum Thema Pluralbildung runden die Arbeit schließlich ab.

2. Mehrsprachigkeit

„Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht nicht immer.“

(Alfred Polgar,1873-1955)

Mehrsprachigkeit scheint heutzutage selbstverständlich zu sein. Die stets voranschreitende Globalisierung setzt voraus, dass Menschen aus aller Welt miteinander kommunizieren können. Doch was genau bedeutet der Begriff Mehrsprachigkeit? Laut Günther ist „ein Kind dann mehrsprachig, wenn es zwei oder mehr Sprachen täglich als Mittel der sprachlichen Kommunikation einsetzt“ ( Günther;Günther 2005, S. 35). Dieser Definition nach muss die Mehrsprachigkeit in Deutschland sehr verbreitet sein. Die meisten Zuwanderer kommunizieren unter sich in ihrer Muttersprache, müssen sich jedoch im Arbeits- oder Schulalltag der deutschen Sprache bedienen und sind somit mehrsprachig. Oft wird die Muttersprache (oder auch Erstsprache) auf einem besseren Niveau beherrscht als die Zweitsprache (vgl. Günther; Günther 2005, S.36). In der Schule ist dieses Problem allgegenwärtig. Lehrerinnen und Lehrer sind bemüht, auch Kindern mit Deutsch als Zweitsprache eine fundierte Ausbildung im Fach Deutsch zu ermöglichen. Dabei stellt sich die Frage, wie man den Zweitspracherwerb bei ausländischen Kindern bestmöglich fördern kann. Eine mögliche Antwort auf diese Frage könnten Untersuchungen zu der Thematik liefern. Diese ergeben, dass „die Erstsprache Ausgangspunkt und Basis für den Erwerb einer weiteren Sprache darstellt“ (Günther; Günther 2005, S.36). Daraus folgt, dass es ratsam ist, die Erstsprache der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Je besser sie ihre Erstsprache beherrschen, desto besser können sie sich die deutsche Sprache aneignen. Diese Information können sich Lehrende zunutze machen und sich über die Erstsprachen, die in ihren Klassenzimmern gesprochen werden, informieren. Möglicherweise kann man auf diese Art und Weise sogar potentielle Fehlerquellen der Schülerinnen und Schüler entdecken und an ihnen arbeiten. Aus diesem Grund widmet sich der nun folgende Abschnitt einem Teil der polnischen Grammatik und kann Lehrenden so einen Überblick über die Pluralbildung im Polnischen verschaffen. Dieses Wissen können sie im Deutschunterricht bei Schülerinnen und Schülern mit Polnisch als Erstsprache bei Bedarf nutzen.

3. Deutsch – polnischer Sprachvergleich

3.1 Allgemeine Sprachbeschreibung

3.1.1 Die Merkmale der deutschen Sprache

Das Deutsche ist eine germanische Sprache und gehört neben dem Englischen, dem Niederländischen sowie skandinavischen Sprachen zur indoeuropäischen Sprachfamilie (vgl. Steinig/Huneke 2010, S.66). Sie wird vor allem in Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien, Südtirol, im Elsass und Lothringen gesprochen (ebd.). Zu den typischen Merkmalen der germanistischen Sprachen gehören:

a) Drei markierte Kasus
b) Der Wortakzent auf der ersten Silbe
c) starke und schwache Verbflexion
d) starke und schwache Adjektivflexion

„Da sich das Deutsche in Teilbereichen vom synthetischen zum analytischen Sprachbau verändert hat, wird es heute als ein sprachtypologischer Mischtyp bezeichnet“ (Steinig/Huneke 2010, zit. nach Lang/Zifonun 1996, S.66).

3.1.2 Die Merkmale der polnischen Sprache

Polnisch ist eine slawische Sprache und gehört, ebenso wie das Deutsche, zu den indoeuropäischen Sprachen (vgl. Skiba 2010, S.165). Dieser slawische Sprachzweig unterteilt sich nochmals in ost-, west- und südslawische Sprachen auf, wobei das Polnische dem westslawischen Zweig angehört (ebd.). Außerhalb Polens ist die Sprache im Gegensatz zum Deutschen nicht weit verbreitet. Das Polnische verwendet das lateinische Alphabet.

Kurz gesagt hat das Polnische eine recht komplizierte Aussprache. Das liegt teilweise an den vorhandenen Halbvokalen und der Palatalisierung. „Dabei handelt es sich um einen Prozess, in dem das „i“ […] den vorausgehenden Konsonanten verändert, d.h. dessen Artikulierungsort zum Palatum hin verlagert“ (Skiba 2010, S.166). Das Polnische enthält viele Entlehnungen, die besonders der deutschen Sprache entnommen sind (vgl. Skiba 2010, S.166). Einige Beispiele hierfür sind: Grenze (dt.) – granica (pl.) oder Kinderstube (dt.) – kindersztuba (pl.).

3.2 Die Pluralbildung im Deutschen

Die Pluralbildung im Deutschen ist nicht chaotisch, aber komplex. Unabhängig davon, ob man für die Pluralbildung Regeln, Schemata oder die Wortstruktur als Erklärungsmodell benutzt, bleibt die Tatsache einer beachtlichen Zahl miteinander konkurrierender Formen zu erklären. (Wegener, 1999)

Dieses Zitat von Wegener macht deutlich, dass die Pluralbildung im Deutschen eine recht komplizierte Angelegenheit zu sein scheint und für Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache eventuelle Schwierigkeiten mit sich bringen könnte. Doch „es ist keine Willkür. Überblickt man die Flexionsschemata insgesamt, so fällt auf, dass die Pluralformen einheitlich gekennzeichnet sind“ (Eisenberg 2006, S.163). Die Pluralformen „haben stets ein formales Merkmal gemeinsam, sei es eine Endung, eine Endung + Umlaut, ein Umlaut allein oder die Endungslosigkeit“ (ebd.). Auch die Bildung der Stammformen ist laut Eisenberg schematisch. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Pluralbildung im Deutschen trotz ihrer Komplexität einheitlich gehalten ist.

Das Wort „Plural“ stammt vom lateinischen Wort plures ab und bedeutet übersetzt mehr (vgl. Hentschel 2010, S.244). Neben dem Singular ist er der zweite Numerus des Deutschen und „wird […] normalerweise markiert, wobei Pluralendungen an Nomina und Pronomina, Artikel, Adjektive, Partizipien und Verben treten können“ (Hentschel 2010, S.244). In der deutschen Sprache kongruieren aufeinander bezogene Phrasen oder einzelne Bestandteile innerhalb einer Phrase hinsichtlich des Numerus miteinander, wie dieser Beispielsatz zeigt:

Di e Kind er betreten das Klassenzimmer und richten ihren Blick auf die Lehrerin.

Der Plural des Deutschen wird demnach mehrmals angezeigt. „Am auffälligsten ist die Pluralmarkierung bei den Personalpronomina, bei denen der Plural mit einem anderen Wort gebildet wird als der Singular“ (Hentschel 2010, S.244). Ein Beispiel hierfür wäre das Personalpronomen ihren im vorrangegangenem Beispielsatz. Die Pluralmarkierung stellt ein mögliches Problem für Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache dar.

Insgesamt unterscheidet man im Deutschen zwischen fünf Pluralendungen für Substantive, drei davon können zusätzlich von einem Umlaut begleitet werden: -(e)n, -s, -e, -er, -Ø. (vgl. Hentschel 2010, S.244/245). Im Nachfolgenden werden diese fünf Pluralendungen anhand von Tabellen veranschaulicht. Falls möglich werden auch Beispiele für die Umlautbildung gegeben. Die Pluralbildung auf –e ist bei allen Genera häufig vertreten. Bei Feminina wird der Plural meist mit dem Umlaut gebildet, außer bei Ableitungen auf -nis und -sal (vgl. Hentschel 2010, S. 246).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Deutsch und Polnisch kontrastiv. Die Pluralbildung im Vergleich
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,6
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V215307
ISBN (eBook)
9783656431527
ISBN (Buch)
9783656434061
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsch, polnisch, plural, numerus, zweitsprache, mehrsprachigkeit
Arbeit zitieren
Helena Bu (Autor), 2013, Deutsch und Polnisch kontrastiv. Die Pluralbildung im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215307

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