Man kennt es von StudentInnen, die eine wachsende Angst vor der Klausur entwickeln. Meist wird im Nachhinein bemerkt, dass dieses Verhalten unbegründet gewesen ist.
Aber was ist mit SchülerInnen, die sich gar nicht erst trauen zur Schule zu gehen? Die somatischen Beschwerden entwicklen, wenn sie bloß an schulspezifische Termini, sprich Hausaufgaben, denken. Diese Kinder leiden. In drei von vier Fällen kann es schnell zu einer Besserung führen, wenn man die Alarmsignale rechtzeitig erkennt und dem mit einer ganzheitlichen Therapie begegnet wird. Die Statistik belegt, dass Schuleschwänzen in Deutschland immer mehr zunimmt und das vor allem in Großstädten (ca. 100.000-200.000 SchülerInnen). In Berlin fehlten 2005 (ca. 4 %) der SchülerInnen mind. 20 Tage. Am häufigsten ist dies bei männlichen Schülern (im Alter von 12-13 Jahre) der Fall, weniger bei Mädchen (im Alter von 15 Jahren) (vgl. Lehmkuhl/Rentschler 2007). Oft sind es auch hochbegabte bzw. unterforderte Jugendliche, die die Langweile in der Schule nicht mehr aushalten. Aber auch Lernschwächen oder ein (ständiger) Schulwechsel kann eine Ursache darstellen. Nicht nur, dass es sich im beruflichen Werdegang negativ bemerkbar macht, sondern es kann auch ein Auslöser für eine psychische Störung werden, wie die Psychologen Ulrike und Gerd Lehmkuhl 2004 anhand von Studien zeigen konnten, die 30 Jahre zurückreichen.
Diese Hausarbeit will in einem ersten Schritt die Angststörungen per se differenzieren, um dann die einzelnen Schulverweigerungen zu erläutern. Anschließend gehe ich auf die verschiedenen Behandlungsansätze in der Therapie von nicht dissozialen Schulverweigerungen ein und versuche, die generelle therapeutische Vorgehensweise deutlich zu machen. Diese Facharbeit schließt mit einem resümierenden Schlusswort.
Inhaltsverzeichnis
1. Definitionen: Angststörungen
1.1. Differenzierung der einzelnen Schulverweigerungen
2. Verlauf einer nicht dissozialen Schulverweigerung
2.1. Therapie
2.1.1. Differenzierte Behandlungsansätze
2.1.1.1. Die Verhaltenstherapie
2.1.1.2. Multimodale kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze
2.1.2. Vorschlag für eine erfolgreiche Therapie
2.1.2.1. Wahrnehmung der Angststörung: Schulangst oder Schulphobie?
2.1.2.2.. Die generelle Empfehlung zur Vorgehensweise in der Therapie
3. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Schulverweigerung, differenziert zwischen verschiedenen Angststörungsbildern und analysiert wirksame therapeutische Behandlungsansätze zur Wiedereingliederung betroffener Schüler in den Schulalltag.
- Abgrenzung von Angst, Furcht und Phobie im Kontext von Schulangst.
- Unterscheidung zwischen Schulangst, Schulphobie und Schuleschwänzen.
- Analyse verhaltenstherapeutischer Ansätze bei nicht dissozialer Schulverweigerung.
- Evaluierung multimodaler kognitiv-verhaltenstherapeutischer Behandlungsmethoden.
- Darstellung genereller therapeutischer Vorgehensweisen und Rückfallprävention.
Auszug aus dem Buch
Die Verhaltenstherapie
Die verhaltenstherapeutische Behandlungstechnik differenziert ihr Vorgehen in das klassische und das operante Konditionieren. Man unterscheidet bei den Behandlungsansätzen im Wesentlichen vier Elemente: Aufbau einer Beziehung, Klärung des Stimulus, Desensibilisierung des Stimulus, Konfrontation mit dem Stimulus.
Die klassische Konditionierung legt ihr Gewicht auf die Desensibilisierung, d. h. sie geht stufenweise vor und beginnt mit einer gering-angstauslösenden Situation im Alltag des Betroffenen. Es liegt auf der Hand, dass diese Methode zeitintensiv ist und eine hohe Psychotherapiekompetenz erfordert. Auf jeder Stufe werden beim Betroffenen entspannende Gedanken konditioniert.
Dagegen arbeitet die operante Konditionierung eher mit positiven Verstärkern wie z. B. das Sammeln von Punkten in einem Tagebuch bei erfolgreichem Schulbesuch. Hat man eine bestimmte Anzahl dieser Punkte, bekommt der Betroffene eine Belohnung. Dennoch birgt diese Art des kognitiven Lernens die Gefahr der Vermeidung des Schulbesuchs, d. h. dass der Betroffene immer noch die Möglichkeit hat, die Flucht nach Hause zu ergreifen. So ist diese Art der Behandlung eher für geringe Angstempfindungen geeignet, während die Desensibilisierung der klassischen Konditionierung bei starken Ängsten angewandt wird.
Kennedy fand heraus, dass eine Kombination der beiden Konditionierungen als besonders erfolgreich und nachhaltig war, denn alle betroffenen Kinder mit Schulphobie besuchten die Schule nach dreitägiger Intervention eines Therapeuten wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definitionen: Angststörungen: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Abgrenzung zwischen Angst, Furcht und Phobie und klassifiziert verschiedene Angststörungen wie die generalisierte Angststörung und Panikstörungen.
1.1. Differenzierung der einzelnen Schulverweigerungen: Hier werden die spezifischen Charakteristika von Schulangst, Schulphobie und Schuleschwänzen voneinander abgegrenzt.
2. Verlauf einer nicht dissozialen Schulverweigerung: Dieses Kapitel betrachtet das komplexe Wirkungsgefüge von Einflussfaktoren und führt in die therapeutische Analyse ein.
2.1. Therapie: Hier erfolgt eine detaillierte Diskussion verschiedener therapeutischer Interventionsmöglichkeiten.
2.1.1. Differenzierte Behandlungsansätze: Dieses Unterkapitel kategorisiert unterschiedliche methodische Zugänge zur Behandlung von Schulverweigerung.
2.1.1.1. Die Verhaltenstherapie: Fokus auf die Anwendung klassischer und operanter Konditionierung sowie deren Kombination in der Praxis.
2.1.1.2. Multimodale kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze: Vorstellung modularer Behandlungskonzepte, einschließlich familienbasierter und stationärer Programme.
2.1.2. Vorschlag für eine erfolgreiche Therapie: Zusammenfassung bewährter Diagnose- und Interventionsschritte.
2.1.2.1. Wahrnehmung der Angststörung: Schulangst oder Schulphobie?: Gegenüberstellung von Verhaltensmerkmalen zur diagnostischen Unterscheidung.
2.1.2.2.. Die generelle Empfehlung zur Vorgehensweise in der Therapie: Auflistung notwendiger Schritte für eine strukturierte therapeutische Intervention.
3. Schluss: Resümierende Betrachtung der Erkenntnisse und Betonung der Bedeutung ganzheitlicher, aktiver Unterstützungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Schulangst, Schulphobie, Schulverweigerung, Schuleschwänzen, Verhaltenstherapie, Konditionierung, Angststörung, Traumata, Diagnostik, Therapieansätze, Familienbasierte Therapie, Flooding, Interventionsmöglichkeiten, Rückfallprävention, Psychische Gesundheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Problem der Schulverweigerung, wobei der Fokus auf der klinischen Differenzierung zwischen Schulangst und Schulphobie sowie der Evaluation geeigneter therapeutischer Maßnahmen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Angststörungen, die Analyse der unterschiedlichen Ausprägungen von Schulverweigerung sowie die vergleichende Betrachtung therapeutischer Verfahren wie der Verhaltenstherapie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Ursachen der Schulverweigerung zu schaffen und eine generelle, erfolgreiche therapeutische Vorgehensweise abzuleiten, um betroffene Kinder und Jugendliche wieder erfolgreich in den Schulalltag zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender psychologischer Studien und klinischer Konzepte, um ein ganzheitliches Modell der Störungsbilder und deren Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Angststörungen, die Differenzierung der Schulverweigerungsformen sowie die detaillierte Diskussion verhaltenstherapeutischer und multimodaler Behandlungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schulangst, Schulphobie, Verhaltenstherapie, Konditionierung, ganzheitliche Therapie und Interventionsstrategien charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Schulangst und Schulphobie so wichtig?
Die Unterscheidung ist für die Wahl der Therapie entscheidend, da sie unterschiedliche Verhaltensmuster aufweist – etwa körperliche Beschwerden ohne physische Ursache bei der Schulphobie gegenüber der Angst vor spezifischen Situationen in der Schule bei der Schulangst.
Welche Rolle spielt die familienbasierte Therapie bei der Behandlung?
Sie gilt laut vorliegender Analyse als besonders erfolgreicher, ganzheitlicher Ansatz, der durch eine hohe Quote an erfolgreichen Wiedereingliederungen innerhalb eines kurzen Zeitraums besticht.
- Arbeit zitieren
- Marco José (Autor:in), 2013, Schulangst. Diagnostik und Förderung bei Störungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215310