Animal Triste. Die Geschichte einer romantischen Liebe nach Niklas Luhmann?


Hausarbeit, 2013
16 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Niklas Luhmanns Konzept der romantischen Liebe

3. Die Anwendung des Konzepts auf Monika Marons Animal Triste
3.1. Die freie Partnerwahl
3.2. Sexualität innerhalb einer Affäre
3.3. Sonderwelt – Du & Ich
3.4. Individualität und Ehe in einer Dreiecksbeziehung
3.6. Unbedingtheit der Liebe und ihre Folgen

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

" 'Doch von zwei Dingen schnell beschloß ich eines / dich zu gewinnen oder umzukommen.' So hieß Penthesileas Satz."[1] Dieses Zitat drückt den Grundgedanken der Protagoistin in Animal Triste aus und zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Die Liebe steht über allem und ihre Unbedingtheit und die damit verbundene Utopie führt letztendlich zu einer Katastrophe. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Niklas Luhmanns Modell der romantischen Liebe und ob dieses sich in Monika Marons Animal Triste widerspiegelt. Zuerst erfolgt der theoretische Teil, in dem Informationen über die einzelnen Elemente von Luhmanns Konzept erläutert werden. Mithilfe dieser Faktoren wird anschließend die Beziehung der Protagonistin zu Franz analysiert. Wie lernt sich das Paar kennen? Wie verbringen sie ihre Zeit miteinander? Gibt es Störfaktoren und Probleme? Und vor allem: wie und warum endet ihre Beziehung? Diese Fragen werden im Laufe dieser Arbeit beantwortet und abschließend ein zusammenfassendes Bild der Beziehung angefertigt.

2. Niklas Luhmanns Konzept der romantischen Liebe

Der Soziologe Niklas Luhmann verfasste 1982 sein Werk Liebe als Passion. Darin formuliert er unter anderem ein Konzept über die romantische Liebe. Diesem Konzept nach ist die romantische Liebe eine Erscheinung der Moderne, beginnend um 1800, dem Zeitalter der Aufklärung.[2] Allerdings muss man beachten, dass Luhmann Liebe nicht als Emotion, sondern als symbolischen Code bzw. Kommunikationsmedium betrachtet.[3]

Die romantische Liebe beinhaltet verschiedene Elemente. Zum einen natürlich die freie Wahl des Partners, das heißt man ist nur mit einem Menschen zusammen, den man auch wirklich liebt: "[...] sondern die leidenschaftliche Liebe als Prinzip der Wahl des Ehepartners zu proklamieren, also Liebesheirat zu fordern."[4] Dies steht im Gegensatz zum alten und überholten Prinzip der Ehe, welches besagt, dass Liebe und Zärtlichkeit nach der Heirat schon irgendwann entstehen.[5] Das zweite Element ist die Ehe: "Ehe ist Liebe und Liebe ist Ehe."[6] Die Relevanz der Liebe, die in der Moderne entsteht, bringt auch eine Entwicklung der Ehe mit sich, durch die ein neues Familienmodell hervorgerufen wird. Die Ehe wird nicht mehr nur als als Reproduktion angesehen, sondern als Neugründung einer Familie.[7] Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt die Sexualität in der romantischen Liebe. Früher ein reiner Fortpflanzungsakt, dient Sex heute in einer modernen Ehe nicht nur der Reproduktion, sondern ist vielmehr ein Teil der Liebe. Außergewöhnliche erotische Praktiken sind längst keine Tabus, alle Leidenschaft ist auf auf das DU gerichtet.[8] Und somit sind auch Kinder ein Symbol der Liebe. Der vielleicht wichtigste Bestandteil der romantischen Liebe ist die Individualität. Werte wie Tugend, Schönheit, Reichtum, Religion und Jugend sind nicht mehr relevant und spielen keine Rolle mehr in einer Liebesbeziehung.[9] Walter Reese-Schäfer drückt dies so aus:

Im Zeitalter der Autonomie reichte zur Begründung dann die unerklärliche Tatsache, dass

man liebt. Als selbstreferentieller Kommunikationszusammenhang rechtfertigt die Liebe

sich selbst. Die Schönheit der Geliebten z.B. ist jetzt nicht mehr ein Grund, sondern für die

Liebenden selbst eine Folge der Liebe.[10]

Entscheidend sind nur noch das Du und das Ich, ein Bündnis zweier gleichberechtigter Individuen[11]: "Die romantische Liebe ist auf ein einzigartiges Individuum ausgerichtet, und durch die Verbindung zweier Individuen gewinnt die Beziehung ihre Einmaligkeit."[12] Infolge der starken Fixierung aufeinander entsteht für beide eine Art Sonderwelt, in der sie leben. In dieser Sonderwelt informiert sich die Liebe immer wieder neu, denn nur so hat die Ehe bestand und hält auf Dauer.[13] Das Paar bleibt also in dieser Welt und bezieht sie auf alles andere. Die Liebe wird sozusagen zu einer Art Ersatzreligion mit höchster Priorität. Vorfälle wie z.B. Entlieben oder gar eine Scheidung sind nicht vorgesehen, sie existieren in Luhmanns Konzept nicht. Man kann daher von einer "Liebesutopie" sprechen, denn negative Aspekte sind nicht vorhanden.

Dies sind die wichtigsten Faktoren, die laut Luhmanns Konzept die romantische Liebe ausmachen.

3. Die Anwendung des Konzepts auf Monika Marons Animal Triste

Im Folgenden wird anhand Luhmanns Konzept überprüft, inwieweit die Elemente der romantischen Liebe in Monika Marons Roman Animal Triste aufgegriffen und wiedergegeben werden. Ebenso werden Abweichungen aufgeführt und erläutert. Relevant ist dafür die Beziehung zwischen der Protagonistin und Franz, aber auch seine Ehefrau darf nicht außer Acht gelassen werden, da sie ebenfalls für den Ablauf der Geschichte von entscheidender Bedeutung ist.

3.1. Die freie Partnerwahl

Die Protagonistin mittleren Alters, deren Name unbekannt ist, arbeitet als Biologin im Naturkundemuseum Berlins. Sie ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Die Ehe mit ihrem Mann ist jedoch nicht besonders glücklich, von Liebe ist nicht die Rede. Wirklich bewusst wird der Protagonistin dies, als sie auf der Friedrichstraße in Berlin eine Art Anfall erlitt und in Ohnmacht fiel. Nach diesem Vorfall bekommt sie Angst, etwas wirklich elementares im Leben zu verpassen: "Man kann im Leben nichts versäumen als die Liebe. Das war die Antwort, und ich muß sie, lange bevor ich den Satz endlich aussprach, gekannt haben."[14] Tyrell hat dies auch sehr treffend formuliert:

[...]


[1] Monika Maron: Animal Triste. Frankfurt am Main 1997. S. 132.

[2] Vgl. Walter Reese- Schäfer: Niklas Luhmann zur Einführung. 3., vollst. überarb. Aufl. Hamburg 1999. S. 49.

[3] Vgl. ebd. S. 46f.

[4] Niklas Luhmann: Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Frankfurt am Main 1994. S. 163.

[5] Vgl. Walter Reese- Schäfer: Niklas Luhmann zur Einführung. S. 56.

[6] Niklas Luhmann: Liebe als Passion. S. 173.

[7] Vgl. ebd. S. 163.

[8] Vgl. ebd. S. 172f.

[9] Vgl. ebd. S. 174.

[10] Walter Reese- Schäfer: Niklas Luhmann zur Einführung. S. 49.

[11] Vgl. Luhmann: Liebe als Passion. S. 175.

[12] Karl Lenz: Romantische Liebe. Ende eines Beziehungsideals. In: Liebe am Ende des 20. Jahrhunderts. Studien zu Soziologie intimer Beziehungen. Hrsg. von Kornelia Hahn; Günter Burkart. Leverkusen 1998. S. 68.

[13] Vgl. Luhmann: Liebe als Passion. S. 178.

[14] Maron: Animal Triste. S. 23.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Animal Triste. Die Geschichte einer romantischen Liebe nach Niklas Luhmann?
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V215343
ISBN (eBook)
9783656441199
ISBN (Buch)
9783656441649
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
animal, triste, geschichte, liebe, niklas, luhmann
Arbeit zitieren
Jacqueline Peter (Autor), 2013, Animal Triste. Die Geschichte einer romantischen Liebe nach Niklas Luhmann?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215343

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