“Mich interessiert nicht so sehr, wie sich Menschen bewegen, als was sie bewegt.“
Unter diesem Leitgedanken entwickelt Pina Bausch Mitte der 70er Jahre ihren unverwechselbaren und einzigartigen Stil, welcher bis heute die Tanztheater-Szene entscheidend geprägt und verändert hat. Bereits zu Beginn ihrer Choreographentätigkeit zählte Pina Bausch zu einem Ausnahmetalent, das zuvor ihr Studium an der Essener Folkwangschule absolviert und schließlich große Erfolge an der Dance Company in New York feiert. Zum Wirkungszentrum avanciert jedoch das Theater in Wuppertal, von wo aus Pina Bausch als Ballettdirektorin nach und nach ihren eigenen Stil und ihre vollkommen neuen Vorgehensweisen etabliert und das Tanzen in seinen Grundfesten revolutioniert). Es ist die Abkehr von festgelegten, starren Normen, die den Tanz als eine vorbestimmte Zeichnung aus festgelegten Linien bzw. Formen begreift, hin zu einem Theater, in dem sowohl Körper, als auch Geist befreit agieren und so die Möglichkeit geschaffen wird, elementare Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste der Menschen in den Horizont des Greifbaren zu rücken).
Der nach Pina Bauschs Tod fertiggestellte und am 13. Februar 2011 auf der Berlinale vorgestellte Film “Pina- Tanzt, Tanzt, sonst sind wir verloren“ vom Regisseur Wim Wenders thematisiert vier der bekanntesten Stücke der Choreographin.
Dieser Film brachte den Anstoß für eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen Pina Bausch in Form einer Hausarbeit: von ihrer Biografie, über ihre Arbeitsweise, die erfolgreichsten Werke und neuartigen Ansätze, die einen Gegenpol zum Ballett im klassischen Sinn bilden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Leben Pina Bausch
3. Vom klassischen Ballett zum Tanztheater
3.1 Historischer Abriss des klassischen Balletts
3.2 Historischer Abriss des Tanztheaters
4. Die Arbeit Pina Bauschs
4.1 Neuinterpretation klassischer Werke
4.2 Eigene Choreografien
4.3 Arbeitsweise
5. Größte Werke
5.1 Le sacre du printemps
5.2 Cafe Müller
5.3 Kontakthof
5.4 Vollmond
6. Rezeption, Schaffung des “Raumes“ Wuppertal
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Leben, der künstlerischen Arbeitsweise und den zentralen Werken der Choreografin Pina Bausch auseinander, um ihr Wirken und die Entwicklung des Tanztheaters in Wuppertal als Gegenpol zum klassischen Ballett zu beleuchten.
- Biografischer Werdegang von Pina Bausch
- Historische Einordnung und Abgrenzung zum klassischen Ballett
- Analyse der spezifischen Arbeitsweise und künstlerischen Ansätze
- Darstellung ausgewählter Hauptwerke
- Bedeutung von Wuppertal als kulturellem Zentrum des Tanztheaters
Auszug aus dem Buch
4.3 Arbeitsweise
Die Themen mit denen sich Pina Bausch beschäftig sind immer wiederkehrend. Sie stellt die Beziehungen der Menschen untereinander dar. „ Was ich tu: ich gucke. Vielleicht ist es das. Ich hab immer nur Menschen beguckt. Ich hab nur menschliche Beziehungen gesehen oder versucht zu sehen und darüber zu sprechen.“ (Bausch in Hoghe 1986, S. 8) In der Erarbeitungsphase der Choreografien werden alle Ideen und Ausdrucksweisen der Tänzer begutachtet. Wichtig ist der Inhalt der transportiert werden soll. Wenn es eine Möglichkeit gibt Gefühle so darzustellen, dass sie vom Betrachter als solche erkannt werden, dann werden sie mit in die Choreografie eingebaut. Die Szenen werden häufig Filmschnitt ähnlich zusammengestellt, sodass sie kurz aufeinander folgen, abbrechen oder sich wiederholen können.
Typisch für die Arbeitsweise von Pina Bausch ist die ständige Offenheit für neue Interpretation ihrer vorgegebenen Themen. So steht auch kurz vor der Premiere die Reihenfolge sowie die genaue Abfolge der Bewegungen meist nicht fest. Doch lässt sich in ihren Stücken immer ein klare Struktur und Form erkennen, die Abfolgen ihrer Szenen deuten auf „einen sicheren und präzisen Gestaltungswillen“ hin. Ein weiteres Strukturelement lässt sich durch die immer wiederkehrenden Themen erkennen. Hierbei werden die alltäglichen Liebes und Lebensgeschichten überzeichnet dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Leben und Wirken von Pina Bausch ein und erläutert die Motivation für diese Hausarbeit, angestoßen durch den Film von Wim Wenders.
2. Das Leben Pina Bausch: Dieses Kapitel zeichnet den biografischen Werdegang von der Kindheit bis hin zur Übernahme der Ballettdirektion in Wuppertal nach.
3. Vom klassischen Ballett zum Tanztheater: Hier wird der historische Kontext der Ballettkunst und die Entwicklung des Tanztheaters als emanzipierte und eigenständige Kunstform dargestellt.
4. Die Arbeit Pina Bauschs: Das Kapitel beleuchtet die inhaltliche Ausrichtung, die Neuinterpretation klassischer Stoffe und die spezifischen choreografischen Arbeitsweisen der Künstlerin.
5. Größte Werke: Anhand von vier beispielhaften Stücken wird verdeutlicht, wie Pina Bausch zentrale Themen wie zwischenmenschliche Konflikte und Emotionen auf die Bühne bringt.
6. Rezeption, Schaffung des “Raumes“ Wuppertal: Die Rezeption der Arbeit sowie die Etablierung Wuppertals als international bedeutendes Zentrum für Tanztheater stehen hier im Fokus.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Pina Bauschs Schaffen zusammen und unterstreicht ihre Rolle als Spiegel gesellschaftlicher Strömungen.
Schlüsselwörter
Pina Bausch, Tanztheater, Wuppertal, Choreografie, Ballett, Ausdruckstanz, Moderne, Tanz, Körper, Gesellschaft, Emotionen, Kommunikation, Bühne, Kunstform, Neoklassizismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Person Pina Bausch und ihrem maßgeblichen Einfluss auf das Tanztheater, von ihrer tänzerischen Ausbildung bis zu ihren bedeutendsten Werken in Wuppertal.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Emanzipation des Tanztheaters vom klassischen Ballett, die Entwicklung einer eigenständigen künstlerischen Ausdrucksform und die Analyse menschlicher Beziehungen.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über den Werdegang von Pina Bausch zu geben und zu analysieren, wie sie durch ihre neuartigen Ansätze den Tanz in seinen Grundfesten revolutioniert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um die Biografie, die künstlerische Entwicklung und die ästhetischen Prinzipien der Choreografin systematisch aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Herleitung des Tanztheaters, die spezifische Arbeitsweise der Choreografin und präsentiert die inhaltliche Tiefe von vier ihrer wichtigsten Stücke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Pina Bausch, Tanztheater, Wuppertal, Choreografie, Gesellschaft und emotionale Kommunikation beschreiben.
Wie unterscheidet sich Pina Bauschs Ansatz vom klassischen Ballett?
Pina Bausch bricht mit der starren Ästhetik und den vorgegebenen Bewegungskodizes des klassischen Balletts und integriert stattdessen Sprache, Gesang und alltägliche menschliche Gefühle in ihre Stücke.
Welche Rolle spielt das Ensemble in Wuppertal für die Arbeit?
Das Ensemble fungiert als wichtiger Mitgestalter, dessen ständiger Austausch mit Pina Bausch die Entwicklung der Stücke erst ermöglichte und ein vertrauensvolles Experimentierfeld bot.
- Arbeit zitieren
- Anna Uehlimann (Autor:in), 2011, Pina Bausch und das Tanztheater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215362