[...] Diese Arbeit vergleicht zunächst grundsätzlich traditionelle und virtuelle Teamarbeit
miteinander. Dabei wird auf alle relevanten Aspekte der Zusammenarbeit eingegangen, um
die Vor- und Nachteile der beiden Kooperationsformen fundiert beurteilen zu können. Der
Fokus der Betrachtung liegt dabei auf dem Unternehmenssektor, da die unterschiedlichen
Aspekte der Teamarbeit dort am deutlichsten zum Tragen kommen.
Auch aktuelle empirische Ergebnisse der Teamforschung werden zur Unterstützung
herangezogen. Insgesamt werden vier Studien dargestellt, die sich mit traditioneller und
virtueller Teamarbeit in Unternehmen, sowie mit computer supported cooperative learning
(CSCL) in Universitäten befassen. Im Anschluss wird eine eigenständige empirische Untersuchung vorgestellt, die im
Sommersemester 2003 an der Universität Paderborn durchgeführt wurde und virtuelle
Teamarbeit in studentischen Lerngruppen betrachtet. Ziel der Untersuchung, die
quantitative Daten aus einer Fragebogen-Erhebung mit qualitativen Aspekten aus
Einzelinterviews kombiniert, war es, die Beurteilung virtueller Gruppenarbeit in der
universitären Lehre durch die Studierenden zu erfassen. Dabei wurden sowohl
vergleichende Daten zu traditionellen und virtuellen Lern- und Arbeitsgruppen, als auch
konkrete Erfahrungen von Studierenden aus einem Experiment zu virtueller Kooperation
erhoben.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, virtuelle Teams grundsätzlich im Vergleich zu
traditionellen Teams zu beurteilen. Die durch die empirische Untersuchung gewonnenen
Daten sollen diese Beurteilung für den speziellen Fall der virtuellen Teamarbeit von
Studierenden empirisch unterstützen. Methodisch gliedert sich der Aufbau der Arbeit dabei
wie folgt: Kapitel 2 befasst sich mit traditioneller Teamarbeit. Nach der Erläuterung relevanter
Grundlagen und Definitionen wird detailliert auf den Prozess der Teambildung und
-entwicklung eingegangen. Die Rollen- und Kompetenzstruktur in Teams wird dazu
ebenfalls analysiert. Nachfolgend werden die Themenbereiche der Teamkommunikation
und Teamführung näher untersucht, bevor abschließend Vor- und Nachteile traditioneller
Teamarbeit diskutiert werden. Betrachtet werden dabei auch Erfolgsfaktoren und Grenzen
traditioneller Teamarbeit. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 TRADITIONELLE TEAMARBEIT
2.1 GRUNDLAGEN
2.1.1 Historische Entwicklung der Teamarbeit
2.1.2 Begriffsbestimmungen
2.1.3 Arten von Teams
2.2 TEAMBILDUNG UND ENTWICKLUNG
2.2.1 Teambildung als Prozess
2.2.2 Rollen und Kompetenzen im Team
2.3 TEAMKOMMUNIKATION
2.4 TEAMFÜHRUNG
2.4.1 Führungsstile und Führungserfolg
2.4.2 Besonderheiten der Führung von Teams
2.4.3 Rolle und Aufgaben des Teamleiters
2.4.4 Konfliktmanagement
2.5 VOR- UND NACHTEILE TRADITIONELLER TEAMARBEIT
2.5.1 Vorteile und Erfolgsfaktoren
2.5.2 Nachteile und Grenzen
3 VIRTUELLE TEAMARBEIT
3.1 GRUNDLAGEN
3.1.1 Begriffsbestimmungen
3.1.2 Arten virtueller Teams
3.2 ROLLEN UND KOMPETENZEN IN VIRTUELLEN TEAMS
3.2.1 Besonderheiten der Rollenverteilung
3.2.2 Spezielle Kompetenzen
3.3 KOMMUNIKATION IN VIRTUELLEN TEAMS
3.4 TECHNOLOGIEEINSATZ IN VIRTUELLEN TEAMS
3.4.1 Software
3.4.1.1 Kommunikationsunterstützung
3.4.1.2 Gemeinsame Informationsräume
3.4.1.3 Koordinations- und Kooperationsunterstützung
3.4.2 Hardware
3.4.3 Security
3.5 FÜHRUNG VIRTUELLER TEAMS
3.5.1 Besonderheiten der Führung virtueller Teams
3.5.2 Rolle und Aufgaben des Teamleiters
3.5.3 Konfliktmanagement
3.6 VOR- UND NACHTEILE VIRTUELLER TEAMARBEIT
3.6.1 Vorteile und Erfolgsfaktoren
3.6.2 Nachteile und Grenzen
4 AKTUELLE EMPIRISCHE ERGEBNISSE
4.1 „MYTHOS TEAM AUF DEM PRÜFSTAND“ (2002)
4.2 „STUDIE ZUR AKZEPTANZ VON DEZENTRALEN UND FLEXIBLEN TELEARBEITSKONZEPTEN“ (2001)
4.3 „COLLABORATIVE LEARNING IN AN ONLINE ENVIRONMENT“ (1999)
4.4 STUDIEN ZUM EINSATZ VON ICQ IN LEARNING COMMUNITIES (2000-2001)
5 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
5.1 BESCHREIBUNG DES EXPERIMENTS „VIRTUELLE KOMMUNIKATION IN GRUPPEN“
5.2 UNTERSUCHUNGSMETHODIK
5.2.1 Untersuchungsziel und Verwendungszweck
5.2.2 Fragebogen
5.2.3 Leitfaden-Interview
5.2.4 Verwendete statistische Methoden
5.3 AUSWERTUNG DER EVALUATION
5.3.1 Beschreibung der Stichprobe
5.3.2 Allgemeine Eindrücke der Studierenden zur Gruppenarbeit
5.3.3 Schwierigkeiten und Probleme bei der Gruppenarbeit
5.3.4 Vorteile virtueller Gruppenarbeit
5.3.5 Kommunikation in virtueller Gruppenarbeit
5.3.6 Produktivität und Zeitaufwand
5.3.7 Gruppendynamik
5.3.8 Einsetzbarkeit virtueller Gruppenarbeit in der universitären Lehre
5.3.9 Anregungen der Studierenden zur virtuellen Gruppenarbeit
5.4 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE
6 FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der vorliegenden Arbeit ist der grundlegende Vergleich zwischen traditioneller und virtueller Teamarbeit, um deren jeweilige Vor- und Nachteile sowie Erfolgsfaktoren fundiert zu beurteilen, ergänzt durch eine eigenständige empirische Untersuchung im universitären Bereich.
- Vergleich von traditioneller lokaler Zusammenarbeit und virtueller Teamarbeit
- Analyse von Teambildung, Kommunikation, Führung und Konfliktmanagement
- Empirische Evaluation von virtueller Gruppenarbeit in studentischen Lerngruppen
- Untersuchung von technologischen Unterstützungsaspekten (Groupware, Hardware, Security)
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen für den Einsatz virtueller Zusammenarbeit in der Lehre
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Begriffsbestimmungen
Im Zuge des Internetbooms der vergangenen Jahre hat sich der Begriff „virtuell“ immer mehr im Sprachgebrauch durchgesetzt. Seine Wurzeln hat er, ebenso wie der Begriff „Virtualität“ im lateinischen „virtus“ für „Tugend“ oder „Tapferkeit“. Virtualität bedeutet „Kraft“ oder „Möglichkeit“, virtuell demnach „der Kraft oder Möglichkeit nach vorhanden“ oder „scheinbar“ (vgl. [Wahrig 00, S. 991]). Übertragen auf virtuelle Teams scheint hier offensichtlich ein Übersetzungsproblem vorzuliegen – im angloamerikanischen Sprachgebrauch wird der Begriff „virtual“ hauptsächlich im Sinne von „fast wie“ oder „praktisch wie“ gebraucht [vgl. [Senst 01, S. 14]; vgl. auch [Lipnack/Stamps 00, S. 16]). Der Satz „They act virtually like a team“ kann im Englischen also „Sie agieren praktisch wie ein Team“ bedeuten, während eine deutsche Interpretation auch „Sie agieren scheinbar wie ein Team“ lauten könnte.
Im deutschen Sprachgebrauch ist somit mehr „Scheinbarkeit“ mit Virtualität verbunden als im angloamerikanischen (vgl. [Senst 01, S.14]). Dieses Verständnis ist bei der Beschäftigung mit virtueller Teamarbeit irreführend. Eine weitere, relativ neue Bedeutung des Begriffs „virtuell“ kann hier zu Klärung beitragen: „virtuell“ im Sinne einer elektronischen Repräsentation in einer mit Computern zugänglichen Form; etwas, das digitalen Charakter besitzt (vgl. [Senst 01, S. 14f]; vgl. auch [Konradt/Hertel 02, S. 13]). Virtuelle Teams sind hauptsächlich unter diesem Aspekt der Digitalität zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Relevanz der Teamarbeit sowie Definition der Forschungsziele und der methodischen Vorgehensweise.
2 TRADITIONELLE TEAMARBEIT: Theoretische Darstellung der Grundlagen, Teambildungsphasen, Führungsaspekte und Konfliktmanagement bei lokaler Zusammenarbeit.
3 VIRTUELLE TEAMARBEIT: Übertragung der Teamkonzepte auf räumlich verteilte Strukturen unter Berücksichtigung von Technologieeinsatz und speziellen Herausforderungen.
4 AKTUELLE EMPIRISCHE ERGEBNISSE: Zusammenfassung bestehender Studien zu traditioneller und virtueller Teamarbeit in Unternehmen und akademischen Umgebungen.
5 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Präsentation der eigenen Evaluation an der Universität Paderborn mit detaillierter Auswertung der Daten und Handlungsempfehlungen.
6 FAZIT: Gesamtschau der theoretischen und empirischen Ergebnisse sowie Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der virtuellen Zusammenarbeit.
Schlüsselwörter
Virtuelle Teams, Teamarbeit, Gruppenarbeit, Teambildung, Teamführung, Kommunikation, Erfolgsfaktoren, E-Learning, virtuelles Lernen, Lerngruppen, Distance Learning, CSCL, CSCW, CMC, Empirische Studie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht den theoretischen Vergleich zwischen traditioneller (lokaler) und virtueller Teamarbeit sowie die empirische Analyse von Kooperationsformen in studentischen Gruppen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die historischen Grundlagen der Teamarbeit, Teamentwicklungsprozesse, Teamführung, Teamkommunikation, den Einsatz moderner Informationstechnologien sowie Konfliktmanagement.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Einsetzbarkeit virtueller Gruppenarbeit in der universitären Lehre zu evaluieren, Schwachstellen zu identifizieren und Verbesserungsvorschläge für diesen Bereich abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine Multimethoden-Untersuchung durchgeführt, die eine quantitative Fragebogenerhebung mit qualitativen Einzelinterviews kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche theoretische Fundierung zu traditionellen und virtuellen Teams sowie eine detaillierte Darstellung und Auswertung einer eigenen experimentellen empirischen Untersuchung an der Universität Paderborn.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Begriffen wie Virtuelle Teams und Teamarbeit prägen Begriffe wie CSCL, E-Learning, empirische Studie und Konfliktmanagement das inhaltliche Profil.
Welche Rolle spielt der Teamleiter in virtuellen Teams laut dem Autor?
Laut dem Autor wandelt sich die Rolle des Teamleiters vom direkten Vorgesetzten hin zum Moderator, Coach und Unterstützer, wobei die Führung virtueller Teams deutlich komplexere Anforderungen an diese Person stellt.
Was war ein wesentliches Ergebnis bezüglich der Videotechnologie in der Untersuchung?
Überraschenderweise empfand der Großteil der Teilnehmer die Videoübertragung während der Gruppenarbeit als wenig hilfreich oder gar nutzlos, da die reine Tonqualität und der Chat als wesentlich relevanter für den Arbeitserfolg eingestuft wurden.
- Quote paper
- Oliver Isermann (Author), 2003, Traditionelle und virtuelle Kooperationsformen: Teamarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21539