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Political Correctness - Die symbolische Austragung politischer Konflikte

Title: Political Correctness - Die symbolische Austragung politischer Konflikte

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 34 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Alexander Fröhlich (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Zu Beginn der 1990er Jahre war eine heftige Debatte in den USA entbrannt, die eine neue Entwicklung im politischen Wortstreit markiert. Der aus den Universitäten und akademischen Kreisen herrührende Streit um die so genannte Political Correctness ergriff
die amerikanische Gesellschaft. Dabei ging es um keine geringere Auseinandersetzung als um das Selbst- und Werteverständnis der USA. Ganz entgegen demokratisch legitimierten Prozessen hat sich die Gesellschaft vermittels politischer Sprache über die Zustimmungsbereitschaft zu Veränderungen qua Sprachregelung
verständigt.
Ähnliche Prozesse sind auch in Deutschland zu beobachten. Allerdings ist der exemplarische Nachweis einer sprachpolitischen Konsensfindung anhand der Debatte um Political Correctness weitaus schwieriger zu erbringen. Während in den USA der PC-Streit
fundamentale Verfassungsprinzipien wie Rede- und Meinungsfreiheit berührte, war der Begriff PC hierzulande schon negativ besetzt. In Deutschland stellte er sich weniger als ein semantischer Kampf um Teilhabe, sondern vielmehr als Sprachkritik und sprachliche Auseinandersetzung über das Selbstverständnis dar (HOFFMANN
1996: 57) – vom Zurückerobern politischer Begriffe durch die Konservativen in den 1960er/70er Jahre bis zum Antisemitismusstreit 1998. Die jüngste Diskussion um die Reformbedürftigkeit der Bundesrepublik zeigt, wie stark politische Sprache als symbolische
Politik tatsächliches Handeln ersetzt (vgl. SARCINELLI 1987, 1989). Auch hier geht es noch vor jeglicher Umsetzung von Politik um das Selbstverständnis als Sozialstaat, um Verteilungskämpfe, die zuerst sprachlich ausgetragen werden, bevor überhaupt etwas verteilt wird. Sprachregelungen und Sprachstreit indizieren dabei die Issues, welche sich als moralisch und kulturell aufgeladene Konfliktfelder darstellen –
für Deutschland sind dies Zuwanderung und Ausländerpolitik und damit das nationale historische Selbstverständnis sowie Sozialstaatlichkeit. Ziel dieser Arbeit ist es, anhand des Phänomens Political Correctness die Bedeutung politischer Sprache exemplarisch herauszuarbeiten und zugleich das Konzept einer Political korrectness für einen Analyse aus der Perspektive der politischen Kultur fruchtbar zu machen. Zwar wird der politischen Sprache inzwischen u.a. durch Luhmann die gesellschaftliche integrative und überzeugende Kraft bgesprochen und lediglich die Sicherung des selbstreferentiellen Systems „Politik“ als Aufgabe zugestanden (BARDMANN 1996). [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Political Correctness

2. Political Correctness in den USA

2.1. Grundlagen und Hintergründe – die Radikalisierung

2.1.1. Von der Bürgerrechtsbewegung zu identity politics

2.1.2. Von der Pluralisierung der 1960er zum konservativen backlash

2.2. PC in der Praxis

2.3. Die PC-Debatte

3. Political Correctness in Deutschland

3.1. Vorläufer der PC

3.2. Konformitätsdruck im Meinungsstreit

3.3. Politische Blockade oder Stabilisierungfunktion

4. Schluss

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen „Political Correctness“ (PC) als Ausdruck symbolischer Politik, um die Bedeutung politischer Sprache für die Legitimierung von Herrschaft und gesellschaftliche Auseinandersetzungen über Identität und Werte in den USA und Deutschland zu erörtern.

  • Analyse von Political Correctness als Instrument symbolischer Politik
  • Vergleich der ideengeschichtlichen Hintergründe in den USA und Deutschland
  • Untersuchung der Rolle von Sprache als Verständigungs- und Machtmedium
  • Identifikation zentraler Konfliktfelder wie Zuwanderung und nationales Selbstverständnis
  • Diskussion des Konzepts der „Schweigespirale“ und ihrer Auswirkungen auf den öffentlichen Meinungsstreit

Auszug aus dem Buch

2.1. Grundlagen und Hintergründe – die Radikalisierung

Die Auseinandersetzung, die schließlich in der PC-Debatte ihren Höhepunkt fand, wurde durch zwei verschiedene sich einander bedingende Prozesse bestimmt. Bei einer Analyse der PC-Debatte als einem Streit um gesellschaftliche Werte und Normen auf einem Links-Rechts-Schema müssen zum einen die politischen und sozial-kulturellen Bedingungen für die Herausbildung der PC-Bewegung, zum anderen die als Gegenbewegung zu den Liberalisierungsprozessen in den 1970er Jahren im Parteiensystem entstandene Neue Radikale Rechte betrachtet werden.

Sowohl die Neue Linke, als auch die Neue Rechte – welche die christliche Tradition als „Klebstoff der Republik“ gegen die zunehmende Pluralisierung und Fragmentierung der Gesellschaft verteidigen und vor allem das in den 1960er Jahren verschwundene Judeo-Christian America rekonstruieren wollte – können als Antipoden und damit zugleich als Ausdruck einer zutiefst verunsicherten Gesellschaft und als Radikalisierung des politischen Systems verstanden werden. Im Zentrum stehen dabei die bis heute nicht gelöste Minderheiten-Problematik und die Rassenfrage sowie die Frage nach dem Selbstverständnis der amerikanischen Gesellschaft.

Die Betrachtung fällt zugegeben nur überblicksartig und stark verallgemeinert aus. Sie korrespondiert jedoch mit den Ergebnissen Lebensstilforschung im Bereich politischer Kultur, die die PC-Bewegung als soziale Schließung politisch-kultureller Sphären gegen den Druck der dominanten Kultur versteht (MATJAN: 352 ff.).

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Hier wird der theoretische Rahmen gesteckt, der politische Sprache als zentrales Medium zur Herstellung von Sinn und Legitimität in einer komplexen Gesellschaft definiert.

1. Political Correctness: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Definitionen und die kontroverse, oft polarisierte wissenschaftliche Rezeption des Begriffs.

2. Political Correctness in den USA: Das Kapitel analysiert die Ursprünge der Bewegung in den 1960er Jahren, ihre ideologische Fundierung durch Identitätspolitik und die konservative Gegenbewegung.

3. Political Correctness in Deutschland: Hier wird die spezifische deutsche Debatte beleuchtet, die weniger semantisch, sondern als Sprachkritik im Kontext der Aufarbeitung der Geschichte verstanden wird.

4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass PC als symbolische Politik fungiert, die gesellschaftliche Spannungen zwar thematisiert, aber in der Praxis oft an der tatsächlichen Lösung zugrunde liegender Konflikte scheitert.

Schlüsselwörter

Political Correctness, symbolische Politik, politische Sprache, Identitätspolitik, Multikulturalismus, Schweigespirale, politische Kultur, USA, Deutschland, Sprachkritik, Meinungsstreit, gesellschaftliche Identität, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Phänomen „Political Correctness“ als ein Instrument der symbolischen Politik, das vor allem zur Austragung gesellschaftlicher Konflikte über Identität und Werte dient.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Die Untersuchung konzentriert sich auf das Wechselspiel zwischen Sprachgebrauch, gesellschaftlichem Selbstverständnis, Minderheitenrechten und politischen Machtansprüchen in den USA und Deutschland.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Bedeutung politischer Sprache exemplarisch herauszuarbeiten und PC als Phänomen der politischen Kultur zu interpretieren, das über rein sprachliche Korrekturen hinausgeht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine interdisziplinäre politikwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf die Theorie der symbolischen Politik und die Forschung zur politischen Kultur zurückgreift.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Entwicklungen der PC-Bewegung in den USA, deren Rezeption in Deutschland sowie die Rolle von Sprachregelungen und Diskursblockaden innerhalb dieser Debatten.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die Begriffe „symbolische Politik“, „PC-Debatte“, „Identitätspolitik“, „Sprachzensur“ und „Schweigespirale“ sind zentral für das Verständnis der Argumentationsführung.

Wie unterscheidet sich die Debatte in Deutschland von der in den USA?

Während in den USA ein semantischer Kampf um gesellschaftliche Teilhabe im Vordergrund stand, ist der deutsche Diskurs stark durch die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und Tabuisierungen im Umgang mit nationaler Identität geprägt.

Welche Bedeutung hat der „Schluss“ für die Gesamtaussage?

Der Schluss resümiert, dass PC eine symbolische Veränderung markiert, jedoch häufig an der tatsächlichen Lösung sozioökonomischer Probleme scheitert, da sie primär als Ventil für gesellschaftliche Spannungen fungiert.

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Details

Title
Political Correctness - Die symbolische Austragung politischer Konflikte
College
University of Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Potsdam)
Course
Hauptseminar Direkte Demokratie
Grade
1,3
Author
Alexander Fröhlich (Author)
Publication Year
2003
Pages
34
Catalog Number
V21548
ISBN (eBook)
9783638251358
ISBN (Book)
9783640788675
Language
German
Tags
Political Correctness Austragung Konflikte Hauptseminar Direkte Demokratie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Fröhlich (Author), 2003, Political Correctness - Die symbolische Austragung politischer Konflikte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21548
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