Als angehende Historikerin und auch als Frau interessiere ich mich gerade im Rahmen der aktuell diskutierten Frauenquoten für die Frauen in der Geschichte, ihren Beitrag, ihre Würdigung beziehungsweise ihr Ansehen in der Gesellschaft. Ich habe mich in meiner Arbeit für eine Zeit entschieden, in der die Gesellschaft über die Maßen von Krisen erschüttert war und sich gerade die Frauen als Überlebensstrategen erwiesen haben. Sie haben alles getan, um sich und ihrer Familie den Lebensunterhalt und -erhalt zu ermöglichen. Ich spreche von den Trossfrauen und Marketenderinnen des Dreißigjährigen Krieges. Ihnen werde ich mein Hauptaugenmerk widmen, wenn es auch noch die Frauen in den Städten, die adligen Damen und natürlich die vielen auf den ländlichen Höfen verbliebenen Frauen gab, die ebenso um das Überleben in einer Zeit kämpften, die schlicht mit den drei Wörtern „Zerstörung, Plünderung und Flucht“ zusammengefasst werden könnte.
Es wäre natürlich zu einfach, den Dreißigjährigen Krieg auf diese drei Lexeme zu reduzieren. Der große Krieg der Frühen Neuzeit stellt sich viel komplexer dar. So wird er unter anderem von Georg Schmidt mit Phrasen wie: „“Konflikt zweier Machtblöcke“, [als] „Staatsbildungskrieg“ [sowie auch als] „Kampf um die ständisch-republikanische [im Sinne der Stände] oder eine absolutistisch-monarchische Herrschaft [im Sinne des Kaisers]“ [bezeichnet, oder schlicht von ihm als] „Konfessionskrieg““ betitelt.
Als Ursachen und Gründe für die lange Fortdauer des Krieges nimmt man neben den konfessionellen Streitigkeiten, die eben nicht mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 beigelegt wurden, den Kampf zwischen den Reichsständen und dem Kaiser sowie das Hegemoniestreben der Habsburger und der Bourbonen und ebenso das verfehlte Krisenmanagement in Bezug auf diese Staatsbildungsprozesse und die konfessionelle Polarität, an. Hinzukommen ökonomische und soziale Ursachen sowie durch die so genannte „kleine Eiszeit“ ausgelöste Ernteausfälle, die einhergehend mit dem Anstieg der Bevölkerung zu Wirtschaftskrisen führten3.
Die gängige Praxis der Datierung für den Dreißigjährigen Krieg ist, seinen Beginn mit dem Prager Fenstersturz 1618 und sein Ende mit dem Friedensschluss zu Münster und Osnabrück im Jahre 1648 einzuordnen. Ich will mich auf diese beiden Jahreszahlen für Beginn und Ende des Krieges festlegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. I. Herkunft der Trossfrauen
2. II. Motive und Gründe für das Leben im Tross
3. I. Aufbau des Trosses
3. II. Hierarchien
3. III. Alltag – Rechte und Pflichten der Frau im Tross
4. I. Chancen und Möglichkeiten einer Frau im Tross
4. II. 1. Risiken im Tross
4. II. 2. Krankheiten und Tod
5. Gesellschaftliche Wahrnehmung der zum Tross gehörenden Frauen
5. I. - unmittelbar vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges
5. II. - während des Dreißigjährigen Krieges
5. III. Möglicher Vergleich beider Betrachtungen
6. Beitrag der Trossfrauen am Wallenstein´schen Leitsatz: „Der Krieg ernährt der Krieg“
6. I. Wallenstein: „Der Krieg ernährt den Krieg“
6. II. Bedeutung der Trossfrauen und Marketenderinnen für den Dreißigjährigen Krieg
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, den Beitrag und das gesellschaftliche Ansehen von Trossfrauen und Marketenderinnen während des Dreißigjährigen Krieges. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern diese Frauen durch ihre Tätigkeit im Tross trotz prekärer Lebensbedingungen ein gewisses Maß an Handlungsspielraum und materieller Absicherung erlangen konnten und wie sie als unverzichtbares Glied zur Aufrechterhaltung des Kriegsgeschehens beitrugen.
- Soziale Herkunft und Motive für das Leben im Tross
- Aufbau, Hierarchien und Alltag im militärischen Gefolge
- Gesellschaftliche Wahrnehmung, Prostitution und Hexenwahn
- Die Frau im Spannungsfeld des Wallenstein´schen Leitsatzes "Der Krieg ernährt den Krieg"
- Risiken, Krankheiten und Überlebensstrategien in einer krisengeschüttelten Zeit
Auszug aus dem Buch
2. I. Herkunft der Trossfrauen
Um die Herkunft der Trossfrauen und Marketenderinnen zu klären, aus welchen sozialen Schichten sie entstammten und welche sozialen Kategorien vielleicht sogar im Tross aufeinanderprallten, muss zuvorderst das soziale Gefüge und seine Schichten in der Frühen Neuzeit nachvollzogen und verstanden werden.
Schließlich gilt es die These zu bestätigen oder zu widerlegen, ob „[d]ie Heere […] zu den Auffangbecken für die Entwurzelten und sozialen Unterschichten ganz Europas [wurden]“ 25. Die Trossfrauen und Marketenderinnen also tatsächlich fast ausschließlich aus den niederen sozialen Schichten stammten und sie sich durch das Einlassen mit den Soldaten und die Beteiligung an Plünderungen ein sicheres Auskommen versprachen und letztendlich auch sichern konnten.
In der Frühen Neuzeit kam es zur Manifestierung der, bereits im Mittelalter angelegten, „Ständegesellschaft, in der jeder einzelne durch Geburt oder Privileg Mitglied eines Standes war und aufgrund dieser Zugehörigkeit Anspruch auf die von einem Stand monopolisierten Lebenschancen besaß“26. Neben dem Klerus und dem Adel, von denen aufgrund der Themenwahl abgesehen werden soll, und die in der frühen Neuzeit die geistigen sowie die politischen Führungspositionen besetzt hatten27, gab es die beiden bevölkerungsreichen Stände der Bürger und Bauern. Erstere waren vor allem im Handel und Gewerbe tätig und letztere sorgten für die landwirtschaftliche Bestellung der Güter – zusammen gewährleisteten sie „die Versorgung der Gesellschaft“28 mit Lebensmitteln und den anderen Dingen des Alltags wie zum Beispiel Kleidung und Gebrauchsgegenständen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Relevanz der Frauen im Dreißigjährigen Krieg und methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. I. Herkunft der Trossfrauen: Analyse der sozialen Herkunft der Frauen innerhalb der ständisch geprägten Gesellschaft der Frühen Neuzeit.
2. II. Motive und Gründe für das Leben im Tross: Untersuchung der Beweggründe wie Hunger, Not und das Streben nach Existenzsicherung, die Frauen in das Leben im Tross führten.
3. I. Aufbau des Trosses: Definition des Trossbegriffs und Beschreibung der heterogenen Zusammensetzung des Heeresanhängsels.
3. II. Hierarchien: Erläuterung der internen Ordnungsstrukturen im Tross basierend auf Funktion und Stellung zum Militär.
3. III. Alltag – Rechte und Pflichten der Frau im Tross: Schilderung der täglichen Aufgaben der Frauen von der Nahrungsbeschaffung bis zur Krankenpflege.
4. I. Chancen und Möglichkeiten einer Frau im Tross: Erörterung der neuen, wenn auch begrenzten Handlungsspielräume durch Handel, Beutegemeinschaft und Prostitution.
4. II. 1. Risiken im Tross: Darstellung der Gefahren durch Gewalt, kriegerische Niederlagen und religiöse Verfolgung.
4. II. 2. Krankheiten und Tod: Analyse der Gesundheitsrisiken und der mangelnden medizinischen Versorgung im Feldlager.
5. Gesellschaftliche Wahrnehmung der zum Tross gehörenden Frauen: Diskussion des allgemeinen Frauenbildes im Kontext von Prostitution und Hexenverfolgung.
5. I. - unmittelbar vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges: Einordnung der Stellung der Frau unter dem Einfluss der frühneuzeitlichen Kirche und Theologie.
5. II. - während des Dreißigjährigen Krieges: Untersuchung der Wahrnehmung im Kriegskontext und der Stigmatisierung als "verkehrtes" Gesellschaftsbild.
5. III. Möglicher Vergleich beider Betrachtungen: Gegenüberstellung der Wahrnehmung vor und während des Krieges.
6. Beitrag der Trossfrauen am Wallenstein´schen Leitsatz: „Der Krieg ernährt der Krieg“: Prüfung des Beitrags der Frauen zur ökonomischen Aufrechterhaltung des Heeres.
6. I. Wallenstein: „Der Krieg ernährt den Krieg“: Analyse der finanziellen und logistischen Strategien des Feldherrn Wallenstein.
6. II. Bedeutung der Trossfrauen und Marketenderinnen für den Dreißigjährigen Krieg: Zusammenfassung der existenziellen Rolle der Frauen als "Lebensversicherung" der Söldner.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Ergebnisse und Vorschläge für weiterführende Forschungsperspektiven.
Schlüsselwörter
Dreißigjähriger Krieg, Trossfrauen, Marketenderinnen, Beutegemeinschaft, Frühe Neuzeit, Ständegesellschaft, Existenzsicherung, Wallenstein, Kriegswirtschaft, Soldatentum, Frauenrolle, Prostitution, Hexenverfolgung, soziale Schichten, Kriegsalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Lage und dem Wirken von Frauen im militärischen Gefolge – den sogenannten Trossfrauen und Marketenderinnen – während des Dreißigjährigen Krieges.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Herkunft, die ökonomischen Motive für das Leben im Tross, die alltäglichen Pflichten und Rechte der Frauen sowie ihre gesellschaftliche Stigmatisierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Beitrag dieser Frauen zum Kriegsverlauf aufzuzeigen und zu untersuchen, wie sie sich in einer von Männern dominierten und krisengeprägten Zeit eigene Überlebensstrategien aneigneten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Ansätze der Sozialgeschichte sowie der Diskursanalyse und stützt sich auf Primärquellen wie Söldnertagebücher sowie literarische Reflexionen der Zeit, etwa von Grimmelshausen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Aufbau des Trosses, die Hierarchien, die Chancen auf Selbstständigkeit durch Handel oder Prostitution sowie die ständigen Risiken durch Hunger, Krankheit und Gewalt analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Trossfrauen, Dreißigjähriger Krieg, Beutegemeinschaft, Existenzsicherung, Soldatentum und frühneuzeitliche Gesellschaftsordnung.
Welche Rolle spielt die literarische Figur der "Courasche"?
Die Courasche dient als Leitfigur, um die Stilisierung der Frau als "Dämonin der Welt" und die männlichen Ängste vor dem Zusammenbruch der traditionellen Geschlechterordnung zu verdeutlichen.
Wie bewertet die Arbeit Wallensteins Leitsatz?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Leitsatz "Der Krieg ernährt den Krieg" eng mit der Arbeit der Trossfrauen verknüpft war, die durch Plünderung, Handel und Versorgung des Heeres maßgeblich an dessen Fortbestand mitwirkten.
Wie veränderte sich die Wahrnehmung der Frau durch den Krieg?
Trotz der Erweiterung ihrer Kompetenzen blieb die Wahrnehmung der Frau als dem Manne untergeordnet. Der Krieg verstärkte jedoch die Stigmatisierung und den Frauenhass, was sich unter anderem in einer Welle von Hexenprozessen äußerte.
- Citation du texte
- Pia-Loreen Kramm (Auteur), 2012, Die Trossfrauen und Marketenderinnen des Dreißigjährigen Krieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215567