"Der Fortschritt der Neurowissenschaft und die sich dadurch ergebenen
Erkenntnisse für den Menschen und die Gesellschaft setzen die Rechtsprechung
mehr und mehr unter Druck.
Das allgemein vertretene Bild eines Gewaltverbrechers ist kulturell und
soziologisch in der Gesellschaft verankert.
Daher stellt sich die Frage nach der Verantwortung über die Erkenntnisse der
Neurowissenschaft und ob die Antwort für die Gesellschaft im Allgemein zu
vertreten ist."
Ist es der Mensch oder sind es die Umstände die ihn zum Mörder werden lassen? Kann er für seine Taten verantwortlich gemacht werden, wenn doch scheinbar die Anatomie seines Gehirns ihn lenken?
Eines der wichtigen sozialen Areale des Gehirns, ist jenes, das den Menschen Empathie empfinden lässt. Ist dieses gestört, durch beispielsweise einen Unfall, so schwindet die moralische Kompetenz des Betroffenen. Er kann zwischen Recht und Unrecht nicht mehr differenzieren.
Gian Franco Stevanin war ein normaler 16jähriger Junge.
Nach einem Motorradunfall und mehreren Wochen im Koma klagte er regelmäßig über Migräne, einer verminderten Konzentrationsfähigkeit sowie etlichen epileptischen Anfällen. Er erlitt später eine Hirnhautentzündung welche zur Atrophie an der Stelle seines präfrontalen Kortex führte.
So oder so ähnlich argumentierte sein Anwalt in den 90er Jahren um Stevanin als Opfer seiner selbst darzustellen. Als Opfer, das gar nicht anders konnte als die 5 Frauen grausam zu foltern und zu ermorden.
Inhaltsverzeichnis
1. Themenfindung und Fragestellung
2. Vorbetrachtungen
2.1 Begriffe
Ethik
Moral
Empathie
Mord
Unschuld
2.2. Die Funktion des Orbitofrontalen Kortex
3. Der Fall Stevanin
3.1. Seine Taten
3.2. Die Anklage
3.3. Die Frage nach seiner Schuldfähigkeit
3.4. Die Zweifel am Urteil
3.5. Die Problematik innerhalb Gesellschaft
4. Die Verantwortung der Neurowissenschaft
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische und juristische Debatte um die Schuldfähigkeit von Gewaltverbrechern bei nachgewiesenen Hirnschädigungen, exemplarisch dargestellt anhand des Falles von Gian Franco Stevanin. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit neurowissenschaftliche Erkenntnisse über Gehirnareale wie den präfrontalen Kortex das traditionelle Verständnis von freiem Willen und moralischer Verantwortung herausfordern.
- Grundlagenbegriffe der Ethik, Moral und Empathie.
- Neurowissenschaftliche Zusammenhänge zwischen Gehirnstruktur und Sozialverhalten.
- Kasuistik: Der Fall des verurteilten Mörders Gian Franco Stevanin.
- Juristische und gesellschaftliche Herausforderungen durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse.
- Verantwortung der Wissenschaft im Umgang mit diagnostischen Daten.
Auszug aus dem Buch
3.1. Seine Taten
Gian Franco Stevanin, beschrieb sich selbst als „elegant, raffiniert, immer von einem Hauch guten Geruchs umgeben und perfekt rasiert.“
Aber er verfolgte eine nicht vertretbare Leidenschaft. Frauen zu foltern und anschließend umzubringen.
Sein 'Spiel' begann scheinbar immer damit, das er sich der Frau näherte und ihr vorgab Fotograf zu sein, sie damit zu sich lockte und damit das Martyrium für die Frau begann. Denn Stevanin quälte sie mit Fessel- und Sexspielen, und dokumentierte alles in dem er Fotos davon machte. Funde der Polizei in seinem Haus brachten neben diversen Frauenaccessoires mehrere tausend Fotos, Pornovideos und -hefte zu Tage sowie einen Behälter von Schamhaaren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Themenfindung und Fragestellung: Einleitung in den Fall des Italieners Gian Franco Stevanin und die daraus resultierende wissenschaftsethische Fragestellung nach der Verantwortung bei organisch bedingten Persönlichkeitsveränderungen.
2. Vorbetrachtungen: Definition ethischer und juristischer Grundbegriffe sowie Erläuterung der neurobiologischen Funktionen des Orbitofrontalen Kortex für das Sozialverhalten.
3. Der Fall Stevanin: Detaillierte Betrachtung der Straftaten, des Gerichtsprozesses, der gutachterlichen Einschätzungen zur Schuldfähigkeit sowie der Zweifel am Urteil durch medizinische Diagnosen.
4. Die Verantwortung der Neurowissenschaft: Reflexion über den Einfluss neurowissenschaftlicher Fortschritte auf Diagnoseverfahren, Therapieoptionen und die Rechtsprechung.
Schlüsselwörter
Wissenschaftsethik, Gehirn, Gian Franco Stevanin, Neurowissenschaft, Schuldfähigkeit, präfrontaler Kortex, Moral, Ethik, Empathie, freier Wille, Determinismus, Hirnschädigung, Kriminalistik, Rechtsprechung, Sozialverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophische und ethische Fragestellung, wie die Gesellschaft und das Rechtssystem mit Gewaltverbrechern umgehen sollten, bei denen eine Hirnschädigung als potenzielle Ursache für ihr abweichendes Verhalten identifiziert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittmenge von Neurowissenschaft, Ethik und Strafrecht, insbesondere im Kontext von moralischer Kompetenz und deterministischen Einflüssen durch Hirnstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob die wissenschaftliche Diagnose einer Hirnschädigung die moralische Verantwortung des Täters aufhebt und welche Konsequenzen dies für das geltende Rechtsempfinden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Hausarbeit, die auf einer Literatur- und Quellenanalyse basiert und den Fall Stevanin als Fallbeispiel nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit Begriffsdefinitionen, der neurologischen Bedeutung des Frontalhirns, der detaillierten Aufarbeitung des Falles Stevanin sowie der Rolle der Neurowissenschaft bei der Beurteilung von Schuld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Neurowissenschaft, Ethik, Schuldfähigkeit, präfrontaler Kortex und Moral.
Warum spielt der präfrontale Kortex eine so zentrale Rolle in dieser Analyse?
Der präfrontale Kortex gilt als Zentrum für soziale und moralische Kompetenz; eine Schädigung in diesem Bereich kann die Fähigkeit zur Verhaltenskontrolle und zur Empathie massiv beeinträchtigen.
Wie bewertet die Autorin die Verantwortung der Neurowissenschaft?
Die Autorin sieht die Neurowissenschaft in der Pflicht, nicht nur Fortschritte in der Diagnostik zu erzielen, sondern auch zur Aufklärung der Gesellschaft beizutragen und den Dialog mit der Rechtsprechung zu suchen.
- Arbeit zitieren
- Taube Wild (Autor:in), 2012, Das Gehirn - der Mörder: Eine Auseinandersetzung mit dem Fall Gian Franco Stevanin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215590