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Das Dissidententum in der Sowjetunion nach der Stalin-Ära (1956-1985)

Title: Das Dissidententum in der Sowjetunion nach der Stalin-Ära (1956-1985)

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 29 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Olaf Kunde (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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ein Es ist Thema der jüngeren Zeitgeschichte, daß nur wenige Jahrzehnte zurückliegt und trotzdem relativ wenig gesicherte und sehr bruchstückhafte Informationen zu bieten hat. Das hat wohl einen Grund in der Tatsache des abgeschotteten, repressiven Systems der UdSSR mit dem allumfassenden Informationsmonopol der Partei. Interessant wäre in dieser Beziehung, wenn der Zugang zum Archiv des KGB oder der Dissidenten (Samisdat-Archive) möglich wäre. Den Dissens in der Sowjetunion habe ich zum Gegenstand meiner Untersuchung gewählt, da mich der Mut dieser Menschen fasziniert und bewegt hat, innerhalb eines Staates mit totalitären Zügen (Totalitarismus oder doch nicht – ein Thema, über das sich die Fachwelt wiedermal intensiv streitet) den Ausbruch aus der geschlossenen Gesellschaft zu wagen: Bewußt anders zu sein und dies auch so zu leben, entgegen dem repressiven Konformitätsdruck durch das System und der Mehrheit des Volkes. Am Anfang steht immer eine kleine Minderheit, die anders ist und denkt und dennoch eine neue Entwicklung einleitet! In der Sowjetunion nahmen Teile der Intelligenz die Positionen des Protests und der Veränderung ein. Es war eine Auseinandersetzung zwischen Macht und Geist. War dieses spezifische Milieu das Pendant eines funktionalen Äquivalents zum Bürgertum, daß in dem vormals agrarisch geprägten Land fast gar nicht existierte? Stellen sie das Parallelum zur westlichen Bourgeoisie dar - natürlich inbegriffen des fortgeschrittenen sozialen Wandels -, die in der Geschichte Europas der Ausgangspunkt für bedeutende kulturelle und soziale epochale Entwicklungen war, welche die Politik maßgeblich veränderten. War der Dissens eine Elite, die der passiven „trägen Masse“ geistig-moralische Häppchen zum Anreiz einer Veränderung zuwarf, um sie überhaupt zu „bewegen“? Legte sich das sowjetische System unbewußt selbst die Zündschnur, in dem es der Bildung einen so hohen Rang verlieh? Vergleiche lassen sich ziehen mit der Situation im vorrevolutionären Rußland, in der die Intelligenz eine ähnliche Rolle spielte. Der Begriff Intelligenz verband sich wieder mit den Merkmalen Gesinnungsethik und Zivilcourage, natürlich abgesehen von anderen Zielen und Inhalten als im 19. Jahrhundert. Aber das soll nicht Inhalt der Untersuchung werden! Mein Ausgangspunkt der Betrachtung setzt ein im Jahr 1956, das Jahr des XX. Parteitags der KPdSU und der berühmten Geheimrede Chruschtschows, den Beginn des sogenannten Tauwetters.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Motivationen und Hintergründe der Dissidentenkultur

3. Die Anfänge des Protests oder die Herausbildung eines Potentials

3.1. Der Sinjawski/Daniel - Prozess 1965 und seine Folgen

4. Der Samisdat

4.1. "Die Chronik der laufenden Ereignisse" und die Menschenrechtsbewegung

5. Der Dissens in den 70er und 80er Jahren

6. Das Entstehen der Helsinki - Gruppen

7. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit untersucht den Dissens in der Sowjetunion zwischen 1956 und 1985, um die Entstehung, die Organisationsformen sowie die ideologischen Grundlagen dieser Bewegung zu analysieren und deren Bedeutung für den gesellschaftlichen Wandel zu beleuchten.

  • Die historischen Bedingungen und Motivationen der sowjetischen Dissidentenkultur.
  • Die Rolle des Samisdat als zentrales Medium des geistigen Widerstands.
  • Die Entwicklung und Transformation der Menschenrechtsbewegung.
  • Die Entstehung und Bedeutung der Helsinki-Gruppen sowie weiterer oppositioneller Strömungen.

Auszug aus dem Buch

3. Die Anfänge des Protests oder die Herausbildung eines Potentials

Das Begräbnis Boris Pasternaks am 2.Juni 1960 wird als erste politische Demonstration im nachstalinschen Rußland angesehen. Nach Peredelkino, dem Literatendorf pilgerten Tausende von Bewunderern, dahin wo Pasternak gelebt hatte und auch begraben werden sollte. Das war schon eine Mutprobe in der damaligen Zeit. Unter den Sargträgern befanden sich die später berühmt gewordenen Andrej Sinjawski und Juli Daniel.

Pasternak war, unter anderem wegen der Veröffentlichung seines Romans „Doktor Schiwago“ im westlichen Ausland, in Ungnade gefallen. Das Buch enthielt Züge der Anklage gegenüber dem totalitären, freiheitsberaubenden und menschenverachtenden System. In der Folgezeit war es nur konsequent, daß die Bewertung des Romans als konterrevolutionär und antisowjetisch erfolgte. Bald folgte der Ausschluß aus dem Schriftstellerverband und andere Repressalien. Eine regelrechte Kampagne gegen ihn brach los. Er wurde in einer Art öffentlicher Hexenjagd als „Judas“, „Fremdkörper in der sowjetischen Literatur“ und in polemisch-proletarischer Zuspitzung als „Schwein, das unser Brot ißt“ beschimpft und erniedrigt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Untersuchung des sowjetischen Dissens als Auseinandersetzung zwischen Macht und Geist und definiert den Untersuchungszeitraum von 1956 bis 1985.

2. Motivationen und Hintergründe der Dissidentenkultur: Dieses Kapitel beleuchtet die wirtschaftliche Unzufriedenheit, den Einfluss des Chruschtschow-Tauwetters und die Rolle der Überausbildung bei der Entstehung eines geistigen Widerstands.

3. Die Anfänge des Protests oder die Herausbildung eines Potentials: Das Kapitel beschreibt den Übergang von ersten inoffiziellen Zirkeln hin zur bewussten Artikulation von Kritik, illustriert am Pasternak-Begräbnis.

3.1. Der Sinjawski/Daniel - Prozess 1965 und seine Folgen: Die Darstellung analysiert den Prozess gegen Sinjawski und Daniel als Wendepunkt, der erstmals eine breitere öffentliche Aufmerksamkeit erzeugte.

4. Der Samisdat: Der Samisdat wird als essentielles Medium für den Austausch verbotener Literatur und Ideen sowie als Akt der inneren Befreiung analysiert.

4.1. "Die Chronik der laufenden Ereignisse" und die Menschenrechtsbewegung: Dieses Unterkapitel widmet sich der „Chronik“ als Rückgrat der Menschenrechtsbewegung und deren Bedeutung für die Dokumentation staatlicher Rechtsverletzungen.

5. Der Dissens in den 70er und 80er Jahren: Hier wird der Prozess der Ausdifferenzierung innerhalb der Dissidentenszene und der schwierige Versuch politischer Organisation beschrieben.

6. Das Entstehen der Helsinki - Gruppen: Der Abschnitt behandelt die Gründung der Helsinki-Gruppen nach 1975 und die verstärkte internationale Vernetzung der Menschenrechtsbewegung.

7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert die historische Leistung der Dissidentenbewegung, die primär eine geistig-moralische Wirkung entfaltete und das Fundament für spätere Entwicklungen legte.

Schlüsselwörter

Sowjetunion, Dissens, Dissidentenbewegung, Samisdat, Menschenrechte, Intelligenz, Tauwetter, Chruschtschow, Sinjawski, Daniel, Helsinki-Gruppen, Zivilcourage, Reformpolitik, Repression, Totalitarismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, Entwicklung und den Organisationsstrukturen der sowjetischen Dissidentenbewegung zwischen 1956 und 1985.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der geistige Widerstand durch Literatur und Samisdat, die Menschenrechtsbewegung, der Einfluss von Schlüsselereignissen wie Schauprozessen und die Rolle der intellektuellen Schicht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der Dissidentenkultur, um zu verstehen, wie sich Widerstand gegen ein autoritäres System formierte und welche Wirkung er erzielte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-chronologische Analyse der Ereignisse und wertet Zeitzeugnisse sowie Sekundärliteratur aus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte des Dissens, die Bedeutung des Samisdat, den Einfluss politischer Prozesse sowie die Gründung spezifischer Menschenrechts- und Überwachungsgruppen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Samisdat, Dissens, Menschenrechte, Intelligenz, Repression und der soziokulturelle Wandel in der Sowjetunion.

Welche Bedeutung hatte der Samisdat für die Dissidenten?

Der Samisdat war nicht nur ein Medium zur Verbreitung verbotener Texte, sondern ein zentrales Werkzeug der inneren Befreiung, das die Einheit von Denken und Sprache gegen die staatliche "Neusprache" wiederherstellte.

Warum scheiterten die Versuche zur Bildung freier Gewerkschaften?

Die Versuche scheiterten am rigorosen Eingreifen des KGB, da die Staatsmacht die Ausweitung des Protests auf die Arbeiterklasse als existenzielle Bedrohung für ihr Machtmonopol betrachtete.

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Details

Title
Das Dissidententum in der Sowjetunion nach der Stalin-Ära (1956-1985)
College
Dresden Technical University  (Geschichte)
Course
Re-Interpretation der Sowjetgeschichte
Grade
2,0
Author
Olaf Kunde (Author)
Publication Year
2000
Pages
29
Catalog Number
V21570
ISBN (eBook)
9783638251532
ISBN (Book)
9783638731577
Language
German
Tags
Dissidententum Sowjetunion Stalin-Ära Re-Interpretation Sowjetgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Olaf Kunde (Author), 2000, Das Dissidententum in der Sowjetunion nach der Stalin-Ära (1956-1985), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21570
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