Entwicklungspolitische Dreieckskooperationen

Möglichkeiten und Grenzen entwicklungspolitischer Dreieckskooperationen zwischen Deutschland, Brasilien und einem Drittland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was sind Dreieckskooperationen? – Ziele, Zielkonflikte und Interessenkonstellationen

2. Deutsche Zielsetzungen bei entwicklungspolitischen Dreieckskooperationen

3. Brasilien als „Kooperationsland“
3.1 Möglichkeiten und Grenzen der Kooperation mit Brasilien als Geber

4. Drittland – Auswahlkriterien

5. Policy Empfehlungen

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

Das vorliegende Policy Paper soll dazu beitragen, die Zielsetzungen und Anforderungen zu klären, die von deutscher Seite an Dreieckskooperationen mit Brasilien als Kooperationsland verbunden werden, sowie anschließend gezielte Handlungsempfehlungen zur optimalen Nutzung der komplementären Stärken beider Länder aussprechen.

1. Was sind Dreieckskooperationen?–Ziele, Zielkonflikte und Interessenkonstellati- onen

Unter entwicklungspolitischen Dreieckskooperationen (DEK) verstehen wir gemeinsam geplante, finanzierte und implementierte Kooperationsprojekte zwischen einem etablierten Geber (Industrieland), einem sog. „Neuen Geber“ als Kooperationsland (Schwellenland) und einem Drittland als Empfänger (Entwicklungsland). Dreieckskooperationen eröffnen die Möglichkeit, die globale Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in der Praxis wirksamer zu gestalten.[1]Wesentliche Bestandteile einer DEK sind der den gemeinsamen Transfer an das Entwicklungsland begleitende Austausch von Lernerfahrungen und der Aufbau gegenseitigen Vertrauens zwischen den drei beteiligten Akteuren.“[2] Die Finanzierung wird vom klassischen Geber und dem Kooperationsland gemeinsam getragen.

Die Rahmenbedingungen der globalen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit und damit einhergehend auch die etablierten Kooperationsformen befinden sich in einer Umbruchphase. Viele Schwellenländer, die bis vor einigen Jahren noch selbst traditionelle Empfänger von Entwicklungshilfe waren, engagieren sich neuerdings als Geber. So unternehmen Länder wie z. B. China, Indien, Brasilien und Mexiko zunehmend „ eigene Anstrengungen zugunsten ärmerer Entwicklungsländer, wobei diese in einigen Fällen deutlich stärker als bei Gebern der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) von außenwirtschaftlichen und politischen Eigeninteressen überlagert (werden).“[3] Es handelt sich bei diesen Ländern um aufstrebende Länder, die einerseits über wesentliche Merkmale von Industrieländern verfügen und aufgrund ihrer Bevölkerungsgröße, ihres wachsenden wirtschaftlichen Gewichts und ihres zunehmenden politischen Einflusses eine immer wichtigerer Rolle bei der Lösung regionaler und globaler Aufgaben spielen. Auf der anderen Seite stehen diese Länder vor erheblichen eigenen Herausforderungen wie z. B. der Verringerung der Massenarmut und dem Schutz von natürlichen Ressourcen. Nur in Kooperation mit ihnen lassen sich Antworten auf zentrale entwicklungspolitische Fragen wie den globalen Umwelt- und Klimaschutz, die Friedenssicherung und die Beseitigung extremer Armut finden. Insofern ist es zu begrüßen, dass sich viele Neue Geber (darunter auch Brasilien) ihrer internationalen Verantwortung bewusst sind und neben eigenen bilateralen EZ-Projekten konkrete Anfragen an Deutschland (und andere OECD – Länder) gestellt haben, um gemeinsam mit diesen Entwicklungsprojekte in Drittländern durchzuführen. Dahinter steht natürlich auch der Wunsch nach finanzieller Entlastung bei der Durchführung von EZ- Projekten sowie das Bestreben, beim Aufbau eigener Geberinstitutionen von den etablierten Gebern zu lernen.[4] Allerdings sind Dreieckskooperationen nur sinnvoll durchführbar, wenn sie den Interessen aller drei Partner entsprechen. In vielen Fällen sind die Interessen an der Zusammenarbeit jedoch vielschichtig und keineswegs immer kongruent. Für das BMZ gilt es vor allem, die eigenen entwicklungspolitischen Ziele eindeutig zu definieren und im Dialog mit anderen deutschen Akteuren – hier ist in erster Linie das Auswärtige Amt zu nennen, da außenpolitische Interessen bei der Gestaltung von Dreieckskooperationen unbedingt berücksichtigt werden müssen – eine deutsche Dreieckskooperationsstrategie zu erarbeiten. Darüber hinaus ist es wichtig, die Interessen des Kooperationslandes sowie des Drittlandes zu erfassen, um mögliche Zielkonflikte rechtzeitig erkennen zu können.[5]

2. Deutsche Zielsetzungen bei entwicklungspolitischen Dreieckskooperationen

Eine Grundvoraussetzung, damit sich Deutschland an einer DEK beteiligt, ist die Identifizierung

gemeinsamer Projektinteressen der drei beteiligten Akteure. Denn nur wenn es gelingt sich auf gemeinsame Schwerpunkte, Durchführungsmodalitäten und Finanzierungsschlüssel zu einigen, können die Vorteile einer DEK die erhöhten Koordinierungskosten zwischen den drei Partnern überkompensieren.

Dreieckskooperationen können mehreren Zielen dienen. Zunächst gilt es zwischen Zielen, die sich auf das Kooperationsland, und anderen, die sich auf das begünstigte Drittland beziehen, zu unterscheiden. Gerade die Schwellen- und Ankerländer, die aufgrund wachsender eigener Leistungsfähigkeit weniger auf internationale EZ angewiesen sind und selbst zu Gebern werden, sollte das BMZ darin bestärken in Entwicklungsregionen Verantwortung zu übernehmen. In diesem Zusammenhang ist darauf zu achten, dass sich das Engagement der Neuen Geber „ ... am internationalen Geberkonsens, wie er insbesondere in der MDG-Agenda und der „Paris Declaration“ des Development Assistance Committees (DAC) der OECD niedergelegt ist, orientier(t).[6] In der Rolle eines etablierten Gebers kann Deutschland wesentlich auf die Ausgestaltung einer DEK Einfluss nehmen und darauf hinwirken, dass sich sämtliche Maßnahmen an demokratischen Grundprinzipien orientieren. Darüber hinaus eignen sich Dreieckskooperationen, um die Neuen Geber beim Auf – bzw. Ausbau leistungsfähiger EZ- Institutionen zu unterstützen. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als klassische Durchführungsorganisation von EZ hat den Institutionen der Neuen Geber jahrzehntelange Erfahrungen voraus. Dreieckskooperationen können den Neuen Gebern daher helfen, moderne entwicklungspolitische Ansätze zu übernehmen, ohne dabei die vielfältigen Lernphasen der klassischen Geberinstitutionen mit all ihren Paradigmenwechseln und einigen Fehlentwicklungen der Vergangenheit durchlaufen zu müssen.[7] In den meisten Fällen koordinieren die Kooperationsländer ihre Geberaktivitäten durch jene Institutionen, welche geschaffen worden waren, um die eingehenden EZ-Mittel zu steuern. Somit bestehen oftmals langjährige Verbindungen mit diesen Institutionen (so auch zwischen Deutschland und Brasilien). Des Weiteren ist es im deutschen Interesse, komparative Vorteile der Neuen Geber zu nutzen. „ In einigen Fällen erweisen sich Dreieckskooperationen als vorteilhaft, weil sich Kooperations- und Drittland kulturell nahe stehen und damit Kosten und Risiken entfallen, die aus kultureller Unterschiedlichkeit resultieren.“[8] (s. hierzu vor allem Kapitel 4) Eine Kofinanzierung durch das Kooperationsland bzw. äquivalente Personal- und Sachleistungen sollte von deutscher Seite aus vorausgesetzt werden. Eine vollständige Kostenübernahme Deutschlands würde nämlich (1.) den Anspruch „ Vorhaben auf gleicher Augenhöhe mit dem Kooperationsland durchzuführen[9] unterminimieren, außerdem ist (2.) die Bereitschaft, eigene Ressourcen bereitzustellen, ein wichtiger Indikator für das politische Engagement des Kooperationslandes.

In Bezug auf die sog. Drittländer möchte Deutschland diese (auch aus eigenem Interesse) bei der Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) unterstützen. Denn falls die MDGs verfehlt werden, droht ein nachhaltiger Legitimationsverlust für die internationale und deutsche EZ.

[...]


[1] Vgl. Tilman Altenburg, Jochen Weikert, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Entwicklungspolitische Dreieckskooperation mit „Neuen Gebern“, Analysen und Stellungnahmen 5/2007 Bonn http://www.die-gdi.de/CMS-Homepage/openwebcms3.nsf/(ynDK_contentByKey)/ADMR-7BMJA5/$FILE/5%202007%20DE.pdf Stand: 08.01.2012, S.2. (im Folgenden zitiert als: Altenburg und Weikert, Entwicklungspolitische Dreieckskooperation).

[2] Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Konzept der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Globalen Entwicklungspartnern, http://www.bmz.de/de/publikationen/reihen/strategiepapiere/Strategiepapier305_06_2011.pdf, Stand 08.01.2012, S. 20. (im Folgenden zitiert als: BMZ Konzept der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit).

[3] Altenburg und Weikert, Entwicklungspolitische Dreieckskooperation, a.a.O., S. 1.

[4] Vgl. Tilman Altenburg, Jochen Weikert; Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Möglichkeiten und Grenzen entwicklungs- politischer Dreieckskooperationen mit Ankerländern, Discussion Paper 15/2006, Bonn 2006, http://www.die-gdi.de/CMS-Homepage/openwebcms3.nsf/(ynDK_contentByKey)/ADMR-7BRL4V/$FILE/15-2006.pdf, Stand: 08.01.2012, S. 1. (im Folgenden zitiert als: Altenburg und Weikert, Möglichkeiten und Grenzen).

[5] Vgl. ebenda, S. 3 f.

[6] Ebenda S. 4.

[7] Ebenda S. 4.

[8] Altenburg und Weikert, Entwicklungspolitische Dreieckskooperation, a.a.O., S. 2.

[9] Altenburg und Weikert, Möglichkeiten und Grenzen, a.a.O., S. 14.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Entwicklungspolitische Dreieckskooperationen
Untertitel
Möglichkeiten und Grenzen entwicklungspolitischer Dreieckskooperationen zwischen Deutschland, Brasilien und einem Drittland
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Politikwissenschaft )
Veranstaltung
Schwellenländer und Dreieckskooperation in der Entwicklungszusammenarbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V215755
ISBN (eBook)
9783656443001
ISBN (Buch)
9783656442738
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dreieckskooperationen
Arbeit zitieren
Andreas Unger (Autor), 2012, Entwicklungspolitische Dreieckskooperationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215755

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