Häusliche Gewalt. Wie Kinder Gewalt zu Hause erleben

Gewaltpräventions- und Interventionsmaßnahmen


Facharbeit (Schule), 2013

12 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Häusliche Gewalt und ihre Erscheinungsformen

3. Vom Glücksballon in meinem Bauch - Wie Kinder Gewalt zu Hause er- leben?

4. Gewaltpräventions- und Interventionsmaßnahmen

5. Fazit

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Thema häusliche Gewalt auseinan- der. Zunächst wird der Begriff „häusliche Gewalt“ näher erklärt und die verschiede- nen Erscheinungsformen von Gewalt aufgezeigt. Auch Kinder können direkt oder indirekt von Gewalt betroffen sein. Um deutlich zu machen, was in ihnen vorgeht, wenn sie zu Hause Gewalt erleben, wird das Bilderbuch „Vom Glücksballon in meinem Bauch“[1] herangezogen und analysiert. Da in der Ehe oder Partnerschaft vorwiegend Männer Übergriffe auf Frauen ausüben, werden abschließend die Möglichkeiten und Wege zur Gewaltprävention- und Intervention diskutiert.

2. Häusliche Gewalt und ihre Erscheinungsformen

Gewalt in der Ehe und Partnerschaft existiert schon seit je her. Während es früher das Thema in der Gesellschaft tabuisiert wurde und sich weder der Staat noch die Polizei in die private Angelegenheiten der Familie einmischen wollte, rückte es mit der neuen Frauenbewegung der siebziger Jahre zunehmend in die Öffentlichkeit. Das Anliegen war, die vielfältigen Männerübergriffe auf Frauen auf- zudecken und die Gewaltproblematik aus der Tabuzone herauszuholen. Aus der feministischen Perspektive, sind die Gewalthandlungen gegen die Frauen und Mädchen primär auf die bestehenden patriarchischen Verhältnisse in der Ge- sellschaft und Unterdrückung der Frau zurückzuführen. Diese sind tief in den von Generation zur Generation tradierten, geschlechtertypischen Rollenbildern verankert. In der modernen soziologischen und kriminologischen Forschung sind unter-schiedliche Definitionen von häuslicher Gewalt verbreitet. So sieht die Soziologin Andrea Büchler diese als „jede Verletzung der körperlichen und seelischen Integri-tät einer Person, die unter Ausnutzung eines Machtverhältnisses durch die struktu-rell stärkere Person zugefügt wird.“[2]

Unter dem Begriff häuslicher Gewalt fallen nicht nur Gewalttaten unter den Ehe- leuten oder Partnern sondern auch die Gewalt von Eltern gegenüber den Kindern, von Kindern/Jugendlichen gegen ihre Eltern und die Gewalt unter den Geschwistern.

Die familiäre Gewalt spielt sich immer in der Privatsphäre, d.h. in der Ehe oder eheähnlicher Lebensgemeinschaft ab, also da wo man sich eigentlich Ruhe und Schutz nach den Strapazen des Tages erhoffen würde. Kennzeichnend für sie ist, dass die beteiligten Personen in einer emotionaler Nähe und sozialer Abhängigkeit zueinander stehen. Im Unterschied zu einem normalen Streit, welcher unvermeidlich in jeder Familie vorkommt, übt bei der häuslichen Gewalt eine Person systematisch über die andere Macht und Kontrolle aus, um sie in ihrer Bewegungs- und Handlungsfreiheit einzuschränken. Die Täter und Opferrollen sind klar verteilt. Familien, in denen Gewalt kontinuierlich eingesetzt wird, leben meist sozial isoliert, damit die Gewaltakte von Fremden nicht aufgedeckt werden.

In der soziologischen und sozialpsychologischen Forschung wird familiale Ge- walt in folgende Formen unterteilt: körperliche Gewalt (Schlagen, Stoßen, Schütteln, Würgen, Beißen, mit Gegenständen werfen, andere tätliche Angriffe usw.), sexuelle Gewalt (Vergewaltigung, Zwang zur Prostitution, sexuelle Nötigung usw.), psychi- sche Gewalt (Drohungen, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Beschimpfung, Bevormundung, Demütigung, Einschüchterung, emotionale Manipulation) und so- zial-interaktive Gewalt (Kontaktverbote, Isolation, Einsperren, Verbot oder Zwang zur Arbeit, kein Zugang zum gemeinsamen Konto, Beschlagnahme des Lohnes usw.).[3]

Laut einer repräsentativen Studie zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesund- heit von Frauen haben rund 25% in Deutschland lebenden Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren körperliche oder sexuelle Gewalt (oder beides) durch einen Bezie- hungspartner erlitten. 42% aller befragten Frauen gaben an, Opfer von psychischer Gewalt gewesen zu sein, die in der Form von Einschüchterung, aggressivem An- schreien, Drohungen und Demütigungen bis hin zum Psychoterror geschah.[4]

Mit dem am 1. Januar 2002 in Kraft getretenen Gewaltschutzgesetz (§1361), wurde in Deutschland der Umgang mit häuslicher Gewalt, Belästigung und Stalking eindeutig geregelt. Neu an dem Gesetz ist, dass es den Gewaltopfern einen umfas- senden Schutz bietet und dass, durch gerichtliche Maßnahmen weitere Eskalatio- nen in der Familie verhindert werden können. So muss die von Gewalt betroffene oder bedrohte Person nicht mehr die gemeinsame Wohnung verlassen und im Frauenhaus Zuflucht suchen, sondern sie kann durch eine Anordnung des Famili- engerichts die Wohnung zur alleinigen Nutzung überlassen bekommen. Dies gilt insbesondere, wenn das Wohl in der Wohnung lebende Kinder gefährdet ist (§2 GewSchG). Ferner kann das Gericht dem Täter Telefonterror oder andere Nach- stellungen untersagen und bei Zuwiderhandlung entsprechende Mittel ergreifen.

3. Vom Glücksballon in meinem Bauch - Wie Kinder Gewalt zu Hause erleben?

Auch Kinder, die im Kontext häuslicher Gewalt aufwachsen, können direkte o- der indirekte Opfer von Gewalt sein. Werden sie permanent Beobachter einer ge- waltförmigen Konfliktaustragung zwischen den Eltern, so bleibt dies nicht ohne Auswirkungen auf für ihre Psyche. Wie zahlreiche empirische Untersuchungen be- legen, werden Kinder häufig instrumentalisiert und durch das gewalttätige Elternteil ebenfalls misshandelt. Obwohl es schwer nachvollziehbar ist, üben auch Frauen, die Gewalt von ihren Männern erleiden, gegen ihre Kinder Gewalt aus.[5] Schätzungsweise fallen 10 bis 30 Prozent der Kinder und Jugendliche seinen ge- walttätigen Eltern zum Opfer. Dies führt dazu, dass sie in seiner Entwicklung be- einträchtigt werden und durch Verhaltensstörungen auffallen.[6] Eine fortwährend auf eigenem Leib erfahrene Gewalthandlung (besonders sexueller Art) hinterlässt fol- genschwere Schäden beim Kind, die es sein ganzes Leben lang zu spüren hat. Die auf dem Kind ausgeübte Gewaltübergriffe verletzen sein elementares Sicherheits- bedürfnis (das gesunde Urvertrauen zur seine Umwelt kann sich nicht entwickeln), wodurch das Kind im Erwachsenleben Probleme haben kann, vertrauensvolle Bin- dungen einzugehen.

[...]


[1] Fausch, Sandra, Mebes, Marion, Rothenfluh, Claudia, Wechlin, Andrea: Vom Glücksballon in meinem Bauch.

[2] Büchler, Andrea: Gewalt in Ehe in Partnerschaft -Polizei-, -straf,- und zivilrechtlichen Interventionen am Beispiel des Kantons Basel-Stad.

[3] Diese Einteilung wurde folgende Internetseite entnommen: de.wikipedia.org/wiki/Häusliche‗Gewalt

[4] Siehe dazu ausführlich auf: www.bmfsfj.de: Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine re- präsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, S.27ff . Die Studie bietet einen guten Überblick über den Ausmaß, Erscheinungsformen, Entstehungszusammenhänge und Folgen von Gewalt gegen die Frauen in Deutschland.

[5] Vgl. Kavemann/ Kreyssig (Hrsg.): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt, S. 203f. Obwohl viele misshandelte Frauen in Frauenhäusern Schutz suchen, wenden sie dort den anderen Frauen bzw. eigenen Kindern gegenüber Gewalt an. In dem o.g. Aufsatz wird am Fallbeispiel einer Frau gezeigt, die von ihren Mann geschlagen wurde, wie sie den familialen Gewaltzyklus zu durchbrechen versucht. Zunächst sucht sie mit ihren Kindern Zuflucht im Frauenhaus, kommt dann mit ihrem Mann zusammen bis sie wieder vor ihm fliehen muss. Während sie nach ihrer Flucht ins Frauenhaus ihren Mann als Ehemann und Vater aus seiner Versorgerpflicht entlässt, delegiert sie ein Teil von dieser Rolle an seinen Sohn, der sie wie sein Vater wieder enttäuscht. Weil er ihr nicht den „frischen, schönen“ Kuchen bringt, rastet sie aus und schlägt ihn mit dem Schrubber, mit dem er den auf den Boden geworfenen Kuchen aufräumen soll.

[6] Siehe dazu ausführlich: Deegener, Günther: Die Würde des Kindes. Plädoyer für eine Erziehung ohne Gewalt, S.105. Misshandelte Kinder leiden oft unter Störungen im somatischen Bereich (Gedeih- und Wachstumsstörungen), im psychosoma- tischen Bereich (Einnässen und Einkoten), im psychischen Bereich (depressive Störungen), im psychosozialen Bereich (Unsi- cherheit, Ängstlichkeit und Vertrauenslosigkeit), im Bereich des Verhaltens (Unruhe bis zur Hyperaktivität, Dissozialität, Aggressivität), im kognitiven Bereich (Entwicklungsrück- und stillstände, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten), im Selbst- wertbereich (Minderheitsgefühle, kein starkes Ich). Alle die genannten Symptome sind als Ausdruck der Überforderung der Kinder mit häuslicher Situation zu deuten.

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Details

Titel
Häusliche Gewalt. Wie Kinder Gewalt zu Hause erleben
Untertitel
Gewaltpräventions- und Interventionsmaßnahmen
Veranstaltung
Sozialpädagogische Arbeit in der Erziehungshilfe
Note
2
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V215780
ISBN (eBook)
9783656443476
ISBN (Buch)
9783656443650
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
häusliche, gewalt
Arbeit zitieren
M.A. Renata Paluch-Kompalla (Autor), 2013, Häusliche Gewalt. Wie Kinder Gewalt zu Hause erleben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215780

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