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Untersuchung der Frauen-Charaktere im "König Rother"

Title: Untersuchung der Frauen-Charaktere im "König Rother"

Seminar Paper , 2003 , 15 Pages , Grade: 2

Autor:in: Amely Braunger (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die Thematisierung der geschlechtsspezifischen Rollenverteilung ist so alt wie die Frauenbewegung an sich. Bei meiner Recherche zu dieser Arbeit habe ich erfahren, dass es Frauenbewegung im Sinne der Selbstbestimmung und des Kampfes um gesellschaftliche Anerkennung schon lange vor den vom Feminismus geprägten 60er und 70er Jahren gab; auch aus dem Mittelalter gibt es Dokumente, die von einem Aufbäumen einzelner Frauen gegen einengende und diskriminierende Normen berichten. Was mich an dem Bild der Frau im Mittelalter fasziniert – und zum Schreiben dieser Arbeit angeregt hat – ist die Doppelmoral, wie Frauen sich im gesellschaftlichen Alltag und in der Öffentlichkeit zu benehmen hatten (besonders den Männern gegenüber) und wie sie auf der anderen Seite von den Dichtern der Minnelyrik beschrieben wurden. Im realen Leben führte die Frau des 12. Jahrhunderts ein dem Mann untergeordnetes Leben, in dem sie, je nach sozialem Status, meist nur in sehr geringem Ausmaß politisches oder gesellschaftliches Mitspracherecht bekam.1 In der Phantasie der Minnedichter erhält die Frau jedoch Macht über den Mann – zumindest solange, wie sie von ihm umworben wird.2 Diesen Widerspruch zwischen dem „wahren“ und dem „geschriebenen“ Leben möchte ich anhand historisch nachweisbarer Zeugnissen des Mittelalters und am literarischen Beispiel des „König Rother“3 untersuchen und auf seinen Wahrheitsgehalt hin prüfen. Dabei strebe ich mit dieser Arbeit keine chronologische und lückenlose Darstellung der Frau im Wandel der Zeit an. Vielmehr stelle ich die Beschäftigung mit den Anfängen eines in der Literatur an Bedeutung gewinnenden Frauenbildes als statuierendes Exempel für ein sich langsam veränderndes Frauenverständnis ins Zentrum meiner Untersuchungen. In diesem Zusammenhang möchte ich des Weiteren folgende Fragen aufgreifen: Wie bedeutsam war die Rolle der Frau im Mittelalter? Wie wurde die Frau in der Literatur dargestellt und wie sah das Leben (besonders der adligen Frau) wirklich aus? [1 Duby, Georges/Perrot, Michelle: „Geschichte der Frauen.“ Frankfurt/Main, Campus Verlag, 1993, S. 285-287.; 2 ebenda, S. 265-267.; 3 Bennewitz, Ingrid: „König Rother“. Stuttgart, Philipp Reclam jun., 2000. ]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG: WARUM EINE ARBEIT ÜBER FRAUEN?

2. ZEUGNISSE AUS DEM MITTELALTER

2.1. Frauenalltag: Segen und Fluch

2.2 Literatur im Wandel der Zeit

3. LIEBE – MINNE – EHELEBEN

3.1 Was die Brautwerbung mit der Braut zu tun hat

3.2 Allgemeines Frauenverständnis im König Rother

4. FRAUENFIGUREN IM KÖNIG ROTHER

4.1 Herlint – Die listige Hofdame

4.2 Das heterogene Bild der Königstochter

4.3 Macht und Ohnmacht einer Königin

5. ZUSAMMENFASSUNG

5.1 Abschließende literarische Untersuchungen des Rother-Epos

5.2 Schlusswort

6. LITERATURHINWEIS

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Widerspruch zwischen dem historisch belegten, untergeordneten Leben der Frau im 12. Jahrhundert und ihrer literarischen Darstellung, insbesondere im Epos „König Rother“. Ziel ist es, das Frauenbild des Mittelalters anhand von Fachliteratur und dem spezifischen literarischen Beispiel zu analysieren und dabei die Ambivalenz zwischen gesellschaftlicher Fremdbestimmung und literarischer Aufwertung sowie die individuellen Handlungsspielräume der Frauenfiguren herauszuarbeiten.

  • Historische Realität der Frau im 12. Jahrhundert zwischen Ständen und Rollenbildern.
  • Der Wandel der literarischen Frauenauffassung im Kontext der höfischen Dichtung.
  • Analyse der zentralen weiblichen Charaktere (Herlint, Königstochter, Königin) im „König Rother“.
  • Untersuchung von Brautwerbung, Machtstrukturen und dem Einfluss weiblicher Akteure.
  • Gegenüberstellung von literarischem Idealbild und tatsächlichem sozialen Status.

Auszug aus dem Buch

4.2 Das heterogene Bild der Königstochter

Der Figur der Königstochter wird das facettenreichste Erscheinungsbild zugeschrieben. Wie ich bereits in 3.1 angedeutet habe, kommt die charakterliche Ungenauigkeit ihrer Person besonders deutlich in der Kemenatenszene zum Ausdruck. Um hier anzuknüpfen und um meine vorangegangenen These betreffend der Darstellung der Königstochter in der Kemenatenszene zu unterstreichen, werde ich auf weitere wichtige Kernpunkte ihres ambivalenten Wesens eingehen. Beginnen möchte ich mit der Beziehung zu ihren Eltern. Wie es für den einzigen weiblichen Nachkommen eines Herrscherhauses üblich ist, steht die Königstochter unter der Obhut ihres Vaters Konstantin, der sich weigert, sie zu vermählen.

Von ihrem Vater wird sie nur in wenigen Textstellen persönlich angesprochen; meistens wird nur über sie und nicht mit ihr geredet. Lob wird nur ausgesprochen, wenn sie im Sinne der königlichen Prestige handelt. Die Beziehung zur Mutter basiert auf einer Vertrauensgrundlage und einer gewissen Fürsorge – zumindest was die Versorgung der Königstochter durch einen guten Ehemann anbelangt. Es gibt aber in beiden Fällen keine Textstelle, die auf eine innigere und liebevolle Beziehung hindeutet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: WARUM EINE ARBEIT ÜBER FRAUEN?: Die Einleitung begründet das Forschungsinteresse am Spannungsfeld zwischen dem realen Leben der Frau im 12. Jahrhundert und deren Darstellung in der mittelalterlichen Literatur.

2. ZEUGNISSE AUS DEM MITTELALTER: Dieses Kapitel skizziert die sozialen Rahmenbedingungen des Frauenlebens im Mittelalter und beleuchtet den Wandel in der literarischen Darstellung vom religiösen zum weltlichen Frauenbild.

3. LIEBE – MINNE – EHELEBEN: Hier wird das Motiv der Brautwerbung im „König Rother“ analysiert, wobei die Beweggründe der Braut und ihr Frauenverständnis kritisch hinterfragt werden.

4. FRAUENFIGUREN IM KÖNIG ROTHER: Das Hauptkapitel untersucht detailliert die Rollen der Hofdame Herlint, der Königstochter und der Königin als handelnde Akteurinnen im Epos.

5. ZUSAMMENFASSUNG: Die Ergebnisse der literarischen Untersuchung werden gebündelt und das Fazit zur Widersprüchlichkeit des Frauenbildes im Epos gezogen.

6. LITERATURHINWEIS: Hier sind die für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen aufgeführt.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Frauenbild, König Rother, Minnelyrik, Brautwerbung, Geschlechterrollen, Literaturwissenschaft, Hofdame, Königstochter, Königin, Ständeunterschied, Handlungsspielraum, literarische Darstellung, Rollenverteilung, Frauengeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Frauenbild im 12. Jahrhundert, indem sie den Gegensatz zwischen der gesellschaftlichen Realität der Frau und ihrer literarischen Darstellung im Epos „König Rother“ aufzeigt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle der adligen Frau im Mittelalter, die Einflüsse der Minnedichtung, die Analyse der Brautwerbung sowie die Charakterisierung weiblicher Identität in höfischen Epen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Widersprüchlichkeit zwischen dem faktischen Mitspracherecht der Frau im realen Leben und der oft stärkeren, aber ambivalenten literarischen Position der Frau im „König Rother“ zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert historische Dokumentenanalyse zur Lebensweise von Frauen mit einer literaturwissenschaftlichen Interpretation spezifischer Textstellen des „König Rother“.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die drei zentralen Frauenfiguren – die Hofdame Herlint, die Königstochter und die Königin – und arbeitet deren individuellen Einfluss sowie ihre Abhängigkeiten im erzählerischen Kontext heraus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Frauenbild, König Rother, Geschlechterrollen, höfische Literatur, Brautwerbung und die Machtposition der Frau im Mittelalter.

Warum wird Herlint als Kupplerin bezeichnet?

Die Arbeit identifiziert Herlint als Kupplerin, da sie in der Kemenatenszene aktiv als Botin zwischen der Königstochter und dem als Dietrich getarnten Rother vermittelt und ihre Rolle zur Durchsetzung der Heiratspläne nutzt.

Wie verändert sich die Darstellung der Königin im Verlauf des Epos?

Die Königin wandelt sich von der anfangs kritischen Antagonistin zum König hin zu einer aktiven Mitgestalterin der Ereignisse, die ihre Handlungsfähigkeit stetig hinter den Kulissen steigert.

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Details

Title
Untersuchung der Frauen-Charaktere im "König Rother"
College
University of Constance  (Germanistik)
Course
Einführung Ältere Deutsche Sprache II
Grade
2
Author
Amely Braunger (Author)
Publication Year
2003
Pages
15
Catalog Number
V21588
ISBN (eBook)
9783638251686
ISBN (Book)
9783638842303
Language
German
Tags
Untersuchung Frauen-Charaktere König Rother Einführung Deutsche Sprache
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Amely Braunger (Author), 2003, Untersuchung der Frauen-Charaktere im "König Rother", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21588
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