Religiöse Toleranz unter Friedrich dem Großen in Preußen


Hausarbeit, 2013
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung/Vorwort

II Hauptteil
1 Brandenburg-Preußens religiöse Sonderstellung
2 Friedrichs Einstellung zur Religion
3 Toleranz als Bestandteil des Aufgeklärten Absolutismus
4 Friedrichs Toleranzpolitik in Preußen 4.1 Protestanten: Lutheraner und Reformierte
4.2 Katholiken
4.3 Juden

5 Ergänzungen

III Schluss/Nachwort

IV Literaturverzeichnis

I Einleitung/Vorwort

In meiner Hausarbeit habe ich mich mit der religiösen Toleranzpolitik in Brandenburg-Preußen unter Friedrich dem Großen beschäftigt. Angefangen habe ich allerdings schon im frühen 17. Jahrhundert, da sich die Anfänge der Toleranz auf Johann Sigismund zurückführen lassen. Dabei bin ich besonders auf die drei Hauptreligionen eingegangen, die Protestanten (inklusive den Reformierten), die Katholiken und die Juden. Ein Hauptthema ist Friedrichs persönliche Einstellung zur Religion. Außerdem habe ich mich mit der Frage beschäftigt, inwieweit sich die Behandlung der unterschiedlichen Religionen durch Friedrich aufzeigt, ob es zum Beispiel die Bevorzugung einer Religion gab bzw. im Gegenteil die Benachteiligung.

Bei der Arbeit habe ich mich auf viele Werke gestützt, da in kaum einem Werk ausführlich Berichte zur Religionsfrage vorhanden sind. Johannes Unger geht in seiner Biografie „Friedrich. Ein deutscher König.“ insbesondere auf die Juden und Hugenotten ein, daher ist es das mit am meisten benutzte Werk zu dieser Hausarbeit.

Wie bereits erwähnt, beginne ich mit der Zeit vor Friedrich dem Großen. Ich erläutere kurz den Anfang und die Umstände des Beginns der Toleranzpolitik in Brandenburg-Preußen. Im Anschluss beschreibe ich Friedrichs persönliche Einstellung zur Religion. Im nächsten Kapitel beschäftige ich mich mit dem Aufgeklärten Absolutismus und inwiefern religiöse Toleranz Bestandteil davon ist. Dann gehe ich auf seine Politik gegenüber den Religionen in seiner Regierungszeit ein und habe diesen Bereich in die einzelnen, bereits erwähnten Religionen unterteilt.

II Hauptteil

1 Brandenburg-Preußens religiöse Sonderstellung

Brandenburg-Preußen nahm schon lange vor Friedrich dem Großen eine religiöse Sonderrolle ein. 1613 wechselte Johann Sigismund, Markgraf von Brandenburg, bereits gemeinsam mit seinem Bruder zum reformierten Glauben. Ein weitgehend lutherisches Volk stand nun unter einer reformierten Herrschaft.[1] Im Westfälischen Frieden von 1648 wurden die Reichsstände aller drei Konfessionen (Katholiken, Lutheraner und Reformierte) gleichgestellt und jegliche Gewaltanwendung für immer untersagt. In der Theorie musste andersgläubigen Untertanen die Ausübung ihres Glaubens in privaten Räumen gestattet werden.[2] In der Praxis wurden Andersgläubige von den Landesherren jedoch häufiger unterdrückt oder vertrieben, um eine einheitlich religiöse Untertanenschaft zu schaffen. Anders jedoch in Brandenburg-Preußen. Nach dem dreißigjährigen Krieg war das Land verwüstet, verlassen und in einem erbärmlichen Zustand. Kurfürst Friedrich Wilhelm schloss einen Vertrag mit friesischen Bauern und holte sie ins Land, um den unfruchtbaren Boden wieder nutzbar zu machen und sicherte ihnen gleichzeitig eigene reformierte Kirchen und Prediger zu. Trotz Aufstand der Landbewohner und Stände hielt Friedrich Wilhelm daran fest, dass jeder, egal welcher Konfession angehörig, in seinem Haus privat seinen Gottesdienst abhalten dürfe, denn das Gewissen könne man nicht verbieten.[3] Als 1670 Juden aus Wien vertrieben wurden, nutzte Friedrich Wilhelm die Gelegenheit und holte etwa fünfzig jüdische Familien nach Brandenburg.[4] Auch den in Frankreich unterdrückten protestantischen Hugenotten bot er ein neues zu Hause. Rund 20.000 Flüchtlinge kamen bis Ende des Jahrhunderts nach Brandenburg-Preußen, um das Land wirtschaftlich auf Vordermann zu bringen. Denn die Hugenotten waren hervorragende Juristen, Ärzte, Militärs und auch Handwerker und man lockte sie mit freien Wohnungen, finanziellen Zuschüssen und freien Äckern.[5]

Friedrich Wilhelms Nachfolger, sein Sohn Friedrich I. und dessen Sohn Friedrich Wilhelm I., ebenfalls Anhänger des Calvinismus, führten die tolerante Politik ihres Vorgängers fort. Unter Friedrich Wilhelm I. wurde z.B. der Pietismus zum vorherrschenden Geist des preußischen Staatswesens und auch die lutherische Kirche hatte durch Predigt und Schule den neuen Geist zum Allgemeingut Preußens werden lassen.[6] 1731 nahm Friedrich Wilhelm I. außerdem aus Salzburg vertriebene und später auch böhmische Protestanten auf und siedelte sie in Ostpreußen an.[7]

2 Friedrichs Einstellung zur Religion

Die religiöse Erziehung spielte in der Kindheit und Jugend von Friedrich dem Großen eine große Rolle. Sein Vater, Friedrich Wilhelm I., hielt für den Jungen detaillierte Vorgaben für die Morgen- und Abendandachten bereit, er sollte Bibelstellen lesen und sie sich einprägen[8], Passagen abschreiben und sie mit eigenen Worten widergeben.[9] Friedrich erwarb außerdem gründliche Kenntnisse über die Bibel und die Kirchengeschichte sowie über die Dogmen des Calvinismus. Vorerst erreichte die religiöse Erziehung eine kindliche Frömmigkeit[10], später schien die Religionslehre Friedrich nur oberflächlich zu erreichen.[11] Als er in dieser Hinsicht keine Fortschritte zeigte, wurde sein Religionsunterricht auf Geheiß des Königs verdoppelt.[12]

Friedrich war schon länger der Ansicht, dass alles, was in der Welt geschieht, bereits von Gott festgelegt wurde. Er geriet deswegen oft in Konflikt mit seinem Vater, der die Prädestination ablehnte und versuchte, sie seinem Sohn ausreden zu lassen.[13] Friedrich glaubte allerdings weiterhin, dass er Teil einer vorherbestimmten, guten Welt ist, die von göttlicher Ordnung und göttlichem Willen durchdrungen sei.[14] Der Gedanke, dass Gott die Welt geschaffen hat und nur als Beobachter der Menschheit fungiert, widerstrebte ihm. An Voltaire schrieb er 1737: „Andernfalls müsse Gott ein müßiger Zuschauer der Natur sein, die Welt nach der Laune der Menschen regiert werden[…]. Da man also nur die Wahl hat, den Schöpfer oder die Schöpfung zum passiven Wesen zu machen, so entscheide ich mich unbedingt sogleich Zugunsten Gottes.“[15] An seine Schwester Wilhelmine schrieb er 1737 außerdem, dass er sich bei Predigten langweile und sie für überflüssig hielt, da er sowieso schon wüsste, was die Prediger ihm sagen wollten und dass er sie nicht bräuchte, um ein tugendhafter Mensch zu sein.[16] Gottesdienstbesuche, Heiligenfeste und kirchliche Feiertage spielten später im Leben des Königs auch keine Rolle mehr.[17]

Durch die Ablehnung der religiösen Zeremonien wurde Friedrich auch als Atheist bezeichnet. Diese Behauptung wies er zurück und schrieb 1732 an General von Grumbkow: „Wie ich erfahre, hat man dem König falsche Vorstellungen über mich beigebracht und mich als Atheisten hingestellt. Ich bin verzweifelt, das zu hören und bitte Sie, da es nichts Falscheres auf der Welt gibt, mir das Mittel anzugeben, das ich anwenden müßte, um ihn von diesem Irrtum zu bekehren und die Gerüchte zum Schweigen zu bringen.“[18] Schließlich kritisiert er die Leugnung Gottes[19] und bezeichnet den Atheismus als ein Dogma, dem nur ein Wahnwitziger folgen kann.[20]

Friedrichs Meinung zur Prädestination änderte sich jedoch in den Folgejahren. Seine Kriegserfahrungen stimmten ihn pessimistischer und er sah den Menschen nur noch als Gegenstand der Vorsehung. Der Einzelne und die Völker seien für Gott unbedeutend.[21]

Friedrich konnte mit dem Aberglauben nichts anfangen und er bevorzugte den Glauben, der am wenigsten damit behaftet ist. Er schrieb 1764 an Herzogin Luise Dorothea von Gotha: „Das ist zweifellos der Protestantismus, der sich außerdem noch dadurch auszeichnet, daß er nicht verfolgungswütig ist. Das sind die beiden Punkte, Frau Herzogin, auf Grund deren ich mich stets für den Glauben meiner Väter erkläre.“[22]

Trotz seiner recht negativen Einstellung zur Religion hielt er sie für nützlich, da sie dem niederen Volk wichtige moralische Werte vermittelte.[23]

[...]


[1] Schultze, 1974.

[2] Stollberg-Rilinger, 2009, S. 84.

[3] Beuys 2012, S. 124 f.

[4] Ebd., S. 279.

[5] Ebd., S.360 f.

[6] Oestreich, 1961.

[7] Burgdorf 2011, S. 18.

[8] Unger 2012, S.24.

[9] Kunisch 2005, S. 16.

[10] Unger 2012, S. 27.

[11] Kunisch 2005, S. 17.

[12] Ebd., S. 21.

[13] Unger 2012, S. 52.

[14] Ebd., S. 75.

[15] Neuwinger 1941, S.30.

[16] Neuwinger 1941, S. 25.

[17] Kunisch 2005, S. 454.

[18] Neuwinger 1941, S. 19 f.

[19] Unger 2012, S. 289

[20] Mittenzwei 1979, S. 33.

[21] Unger 2012, S.170.

[22] Neuwinger 1941, S 50 f.

[23] Unger 2012, S. 169.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Religiöse Toleranz unter Friedrich dem Großen in Preußen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V215911
ISBN (eBook)
9783656444817
ISBN (Buch)
9783656445760
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
religiöse, toleranz, friedrich, großen, preußen
Arbeit zitieren
Susanne Zehl (Autor), 2013, Religiöse Toleranz unter Friedrich dem Großen in Preußen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/215911

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