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Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Sprachphilosophien Humboldts und Chomskys

Title: Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Sprachphilosophien Humboldts und Chomskys

Seminar Paper , 2000 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Oliver Uschmann (Author)

German Studies - Linguistics
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Die Suche nach den universellen Regeln dessen, was Sprache hervorbringt ist für Linguisten so etwas wie für die Physiker die Suche nach der Weltformel. Zwei große Denker aus zwei Jahrhunderten, die für diese Suche unschätzbar wichtig waren, werden hier vorgestellt und miteinander verbunden: Wilhelm von Humboldt und Noam Chomsky.

Humboldts Aussage, dass die Sprache "unendlichen Gebrauch von endlichen Mitteln" machen kann, gilt bis heute als Anregung, eine klare Traditionslinie von Humboldts Sprachphilosophie zu Chomskys generativer Grammatik zu ziehen. Diese Arbeit untersucht, inwiefern tatsächlich Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in den Ansichten dieser beiden Denker zu finden sind. Gibt es sie? Muss man sie in Hinblick auf die verschiedenen historischen Epochen relativieren?

Die Arbeit wirft einen Blick auf beider Denker Ansichten vom Wesen der Sprache an sich, geht dann über zu der Differenzierung zwischen Humboldts Unterscheidung der verschiedenen Sprachen und Chomskys Suche nach einer universellen Grammatik und schließt mit einer Betrachtung ihrer politischen Einstellungen und ihren Vorstellungen von sinnvoller Sprachwissenschaft.

Sprachwissenschaft, das wird bei der Lektüre klar, ist vor allem auch: Philosophie. Und eine faszinierende noch dazu...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Wesen der Sprache

1.1 Sprache und Denken

1.2. Spracherwerb und angeborene Prinzipien

2. Sprache als Weltsicht und universale Grammatik

3. Sprachwissenschaft, Bildung und Politik

3.1. Bildung und Politik

3.2. Sprachwissenschaft und Forschung

4. Literatur

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Verbindungen sowie die Differenzen zwischen der Sprachphilosophie Wilhelm von Humboldts und der generativen Grammatik von Noam Chomsky, um die Gemeinsamkeiten ihrer rationalistischen Ansätze im historischen Kontext einzuordnen.

  • Vergleich der Konzepte von Sprache als Energeia und universeller Grammatik.
  • Analyse der menschlichen Fähigkeit zur Reflexion und Begriffsbildung.
  • Kontrastierung von Humboldts Sprachbetrachtung mit Chomskys Kompetenz-Performanz-Dichotomie.
  • Diskussion bildungspolitischer und soziopolitischer Implikationen beider Denker.
  • Evaluation des methodischen Ansatzes der Idealisierung in der modernen Sprachwissenschaft.

Auszug aus dem Buch

1.1 Sprache und Denken

Für Humboldt beginnt die Sprache bereits in der Reflexion. Der Mensch ist im Gegensatz zum Tier nicht von Instinkten getrieben, sondern dazu fähig, im Strom der äußeren Eindrücke „plötzlich stillzustehen, sich umzusehen und zu orientieren.“ Wenn die unsortierte Innenwelt des Menschen auf die Außenwelt trifft, beginnt dieser mit einer Symbiose der beiden Welten, indem er Begriffe formt. Er ist fähig, Eindrücke zu sortieren, in logische Zusammenhänge zu bringen, sie innerlich zu ordnen und sich selbst gegenüberzustellen. Diese Fähigkeit der Reflexion ist bereits der Beginn der Sprache.

„Die Sprache ist nichts anders, als das Komplement des Denkens, das Bestreben, die äußeren Eindrücke und die noch dunklen inneren Empfindungen zu deutlichen Begriffen zu erheben, und diese zur Erzeugung neuer Begriffe miteinander zu verbinden.“

In diesem Prozess der Reflexion werden immer wieder neue Begriffe gebildet. Die Sprache erneuert sich ständig und ist dauerhaft im Wandel. Humboldt bezeichnet die Sprache deshalb ausdrücklich als Tätigkeit und Prozess, nicht als statisches Gebilde.

„Sie selbst ist kein Werk (Ergon), sondern eine Tätigkeit (Energeia). Ihre wahre Definition kann daher nur eine genetische sein. Sie ist nämlich die sich ewig wiederholende Arbeit des Geistes, den artikulierten Laut zum Ausdruck des Gedanken fähig zu machen.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Es wird die Zielsetzung der Arbeit dargelegt, die Traditionslinie zwischen Humboldt und Chomsky in einem historischen Kontext zu hinterfragen.

1. Das Wesen der Sprache: Dieses Kapitel erörtert die grundlegenden Konzepte von Sprache als Reflexionsprozess und Tätigkeit sowie deren Bezug zum menschlichen Geist.

1.1 Sprache und Denken: Hier wird Humboldts Definition der Sprache als Energeia und ihre Abgrenzung zum statischen Stoff sowie die Verbindung zum Denken analysiert.

1.2. Spracherwerb und angeborene Prinzipien: Dieses Kapitel stellt die Gemeinsamkeiten im rationalistischen Menschenbild von Humboldt und Chomsky bezüglich angeborener Sprachdispositionen dar.

2. Sprache als Weltsicht und universale Grammatik: Hier werden Humboldts Begriff der Weltsicht und Chomskys Modell der universellen Grammatik gegenübergestellt.

3. Sprachwissenschaft, Bildung und Politik: Das Kapitel vergleicht die politischen Ansichten der beiden Denker und ihre Konzepte zur Emanzipation des Menschen.

3.1. Bildung und Politik: Es wird das humboldtsche Bildungsideal dem radikalen Gesellschaftskritizismus von Chomsky gegenübergestellt.

3.2. Sprachwissenschaft und Forschung: Dieses Kapitel analysiert die methodischen Differenzen bei der Erforschung von Sprache und die Begründung wissenschaftlicher Idealisierung.

4. Literatur: Verzeichnis der in der Hausarbeit verwendeten Quellen.

Schlüsselwörter

Wilhelm von Humboldt, Noam Chomsky, Sprachphilosophie, generative Grammatik, Energeia, universelle Grammatik, Sprachkompetenz, Performanz, Rationalismus, Spracherwerb, Reflexion, Sprachwissenschaft, Bildungsideal, Weltsicht, Idealisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die wissenschaftshistorische und philosophische Verbindung zwischen Wilhelm von Humboldts Sprachphilosophie und Noam Chomskys generativer Grammatik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das Wesen der Sprache, der Spracherwerb, die Rolle der angeborenen Prinzipien im menschlichen Geist sowie die soziopolitischen Ansichten beider Denker.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Ansätzen beider Denker aufzuzeigen und diese vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Epochen zu relativieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, welche die philosophischen Grundannahmen durch Zitate und Argumentationsketten beider Autoren einander gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Sprache als Tätigkeit, der Suche nach universellen Sprachstrukturen sowie der Frage nach der wissenschaftlichen Idealisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern gehören Rationalismus, Sprachkompetenz, Energeia, universelle Grammatik, Performanz und Spracherwerb.

Wie unterscheidet sich Humboldts Blick auf Sprachen von dem Chomskys?

Während Humboldt Sprachen als Ausdruck spezifischer Weltansichten wertet und vergleicht, strebt Chomsky nach einer abstrakten, für alle Menschen gleichen generativen Grammatik.

Inwiefern beeinflussten historische Umstände das Denken der beiden Autoren?

Humboldts Arbeit war stark durch seine Zeit und den Fokus auf den Sprachvergleich geprägt, während Chomsky unter dem Eindruck des 20. Jahrhunderts die Idealisierung und mathematische Logik in den Vordergrund rückte.

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Details

Title
Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Sprachphilosophien Humboldts und Chomskys
College
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Course
Humboldts Sprachphilosophie und die Folgen
Grade
1,3
Author
Oliver Uschmann (Author)
Publication Year
2000
Pages
17
Catalog Number
V21593
ISBN (eBook)
9783638251716
ISBN (Book)
9783638815956
Language
German
Tags
Gemeinsamkeiten Unterschiede Sprachphilosophien Humboldts Chomskys Humboldts Sprachphilosophie Folgen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Uschmann (Author), 2000, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Sprachphilosophien Humboldts und Chomskys, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21593
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