Der Partito Comunista Italiano (PCI) war seit Ende des Zweiten Weltkrieges, nach kurzer anfänglicher Regierungsbeteiligung, stärkste Oppositionspartei in Italien. Er wurde aufgrund des sich zuspitzenden Kalten Krieges vehement von der Regierung ausgeschlossen, gewann aber dennoch bis in die siebziger Jahre hinein kontinuierlich an Wählerstimmen. Grund für den Vormarsch der Kommunisten war das große Ansehen, das sie als führende Kraft im Widerstand gegen den Faschismus besaßen. Sie hatten ziemlich schnell und konsequent eine schlagkräftige Organisation aufgebaut, eroberten in den ersten Nachkriegsjahren die wichtigste Schlüsselposition in den Gewerkschaften und stellten die eigentliche Opposition gegen die Regierung in der Polarisierung des Kalten Krieges dar. Trotz einer kurzen Phase in den siebziger Jahren, in der sie die Mehrheit unterstützten, mußte die Partei bis 1996, fünf Jahre nach der Namensänderung in den Partito Democratico della Sinistra (PDS), warten, um zum ersten Mal als stärkste Partei die Verantwortung für das Land übernehmen zu können.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Sozialdemokratisierungsprozeß der italienischen Kommunisten, der sich über mehr als 70 Jahre erstreckte. Dabei sollen die einzelnen Phasen genau betrachtet und analysiert werden. Ziel ist es zu klären, warum sich der PCI diesen Veränderungen unterzog, wie er in den einzelnen Phasen versucht hat, sich von Moskau zu lösen und ob es ihm jeweils gelungen ist. In diesem Zusammenhang können sowohl internationale als auch nationale Ereignisse von Bedeutung sein, sofern sie direkten Einfluß auf die Entwicklung der Partei hatten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Überblick über die Geschichte des PCI
2. Der PCI in der Resistenza und in der Nachkriegszeit
3. Der Sozialdemokratisierungsprozeß des PCI
3.1 Die Anfänge des PCI
3.2 Der "italienische Weg zum Sozialismus"
3.3 Der Vormarsch des PCI in den siebziger Jahren
3.3.1 Enrico Berlinguer und der compromesso storico
3.3.2 Die Regierungen der "Nationalen Solidarität" und des "Nicht-Mißtrauens"
3.3.3 Der Eurokommunismus
3.4 Die Krise der Kommunisten in den 80er Jahren
3.5 Die schwierige Geburt des Partito Democratico della Sinistra
3.5.1 Der neue Kurs Achille Occhettos und der XVIII. Parteitag von 1989
3.5.2 Der XIX. Parteitag von 1990 und die negativen Konsequenzen des Jahres
3.5.3 Die ersten Jahre des PDS
3.6 Der Erfolg der neuen Linksdemokraten seit 1996
4. Schluß
5. Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den langwierigen Sozialdemokratisierungsprozess der italienischen Kommunistischen Partei (PCI) über einen Zeitraum von mehr als 70 Jahren mit dem Ziel zu analysieren, wie sich die Partei von Moskau emanzipierte und versuchte, sich in eine moderne sozialdemokratische Kraft zu transformieren.
- Historische Entwicklung des PCI von der Resistenza bis zur PDS
- Analyse der Distanzierungsstrategien gegenüber der KPdSU
- Untersuchung politischer Konzepte wie des "historischen Kompromisses" (compromesso storico)
- Die Auswirkungen der Transformation auf Mitgliederstruktur und Wählerschaft
- Die Rolle der Parteiführung bei der inhaltlichen Neuausrichtung
Auszug aus dem Buch
3.2 Der "italienische Weg zum Sozialismus"
Die Politik der Partei war von dem Zeitpunkt an, an dem Togliatti die Führung übernahm, von jener doppiezza gekennzeichnet, die auf der einen Seite den Traum der Revolution weiterverfolgte, sich finanziell von der KPdSU unterstützen ließ und immer wieder in Krisenzeiten Halt bei ihr suchte, auf der anderen Seite jedoch einen eigenständigen Weg des Sozialismus verfolgte und sich einem demokratischen Wandel unterzog. Togliatti wollte Italien auf eben diesen "neuen Wegen zum Sozialismus" führen, aber er schwenkte "trotz ernster Bedenken" immer wieder auf die Linie Moskaus ein. Die ersten Schritte einer Lösung von Moskau, schaffte der PCI dann schließlich vor allem nach 1956. Bis dahin hatten die italienischen Kommunisten, trotz angeblicher Distanzierung von Moskau, die Führung weiterhin der KPdSU zugesprochen und ihre Autorität nicht wirklich angezweifelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Überblick über die Geschichte des PCI: Die Einleitung umreißt die Rolle des PCI als stärkste Oppositionspartei in Italien nach 1945 und stellt den Fokus der Untersuchung auf den 70-jährigen Sozialdemokratisierungsprozess.
2. Der PCI in der Resistenza und in der Nachkriegszeit: Dieses Kapitel behandelt die Gründung der Partei, ihren Widerstand gegen den Faschismus und die politische Polarisierung während der frühen Jahre des Kalten Krieges.
3. Der Sozialdemokratisierungsprozeß des PCI: Dieses zentrale Kapitel analysiert die verschiedenen Phasen der Parteientwicklung, von den Anfängen und der Ära Togliatti bis hin zur Gründung der PDS unter Achille Occhetto.
4. Schluß: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Erfolge sowie die Schwierigkeiten der Partei bei der Emanzipation von Moskau und der Transformation zu einer sozialdemokratischen Kraft.
5. Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Literatur zur Parteigeschichte.
Schlüsselwörter
PCI, PDS, Sozialdemokratisierung, Italien, Kommunismus, Togliatti, Berlinguer, compromesso storico, Eurokommunismus, Occhetto, D'Alema, Linksdemokraten, KPdSU, politische Transformation, Parteigeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Transformation der italienischen kommunistischen Partei PCI hin zu einer sozialdemokratisch orientierten Partei, der PDS.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ideologische Distanzierung von der Sowjetunion, die interne Parteireform und die Suche nach einem eigenständigen "italienischen Weg zum Sozialismus".
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse der Gründe für den Wandel des PCI sowie die Untersuchung, ob und wie die Partei die Loslösung von Moskau vollziehen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Politikfeldanalyse, die politische Ereignisse, Parteiprogramme und die Ära prägender Parteichefs (Togliatti, Berlinguer, Occhetto, D'Alema) detailliert untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Parteiphase nach dem Zweiten Weltkrieg, die Konzepte des "historischen Kompromisses" und des "Eurokommunismus" sowie die Parteineugründung in den 1990er Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sozialdemokratisierung, PCI, PDS, compromesso storico und den Wandel der italienischen Parteienlandschaft geprägt.
Warum war der "historische Kompromiss" letztlich nicht dauerhaft erfolgreich?
Das Konzept scheiterte an den ideologischen Gegensätzen und der mangelnden Kooperationsbereitschaft zwischen den Massenparteien, was den PCI in eine Identitätskrise stürzte.
Was bedeutete die Regierungsbeteiligung unter D'Alema 1998 für die Partei?
Die Ernennung des Ex-Kommunisten Massimo D'Alema zum Ministerpräsidenten markierte das symbolische Ende des Kalten Krieges in Italien und bestätigte den Status der Partei als demokratische Regierungskraft.
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- Petra Buß (Author), 1999, Vom PCI zum PDS - Die Sozialdemokratisierung der italienischen kommunistischen Partei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21616