« La culture ne doit pas plier devant le commerce » Diese Forderung stellte Jacques Chirac anlässlich der Deuxièmes Rencontres internationales des professionels de la culture, die im Februar 2003 unter dem Motto La culture n’est pas à vendre in Paris stattfanden. Im Laufe des Treffens von Kulturschaffenden aus verschiedenen Ländern wurde hauptsächlich die Frage über den künftigen Status von Kulturgütern in Zeiten der Globalisierung und der Öffnung der Märkte diskutiert. Dieses Thema kam zum ersten Mal anlässlich der Verhandlungen zu den GATT 2 und GATS 3 - Abkommen in den neunziger Jahren auf, als sich die Frage stellte, ob die Liberalisierung des Handels auch kulturelle Güter und Dienstleistungen einschließen solle. Frankreich widersetzte sich diesem Vorschlag und forderte eine Ausnahmeregelung für kulturelle Güter mit dem Schlagwort der exception culturelle. Die Kulturklausel wurde aber nur als vorläufiger Kompromiss in das GATS- Abkommenaufgenommen, da sich die USA dagegenstellten. Bis Januar 2005, wenn das Abkommen endgültig in Kraft treten soll, muss eine dauerhafte Regelung gefunden werden. Inzwischen spricht man immer weniger von der exception culturelle, da der Begriff für andere Staaten zu negativ und auf Frankreich beschränkt klang, sondern mehr von der diversité culturelle, womit noch stärker betont werden soll, dass es nicht um eine Herausstellung der französischen Kultur geht, sondern um den Schutz aller nationalen Kulturen. Aus der Sicht Frankreichs galt es zu verhindern, dass «pour des raisons économiques et qui n’ont rien de culturel, la culture européenne soit stérilisée ou effacée par la culture américaine». Um die Forderung durchzusetzen, will Frankreich erreichen, dass bis 2005 von den Vereinten Nationen ein Abkommen zur diversité culturelle unterzeichnet wird, das die Vielfalt der Kulturen als Weltkulturerbe anerkennt.
Inhaltsverzeichnis
1. Film zwischen Wirtschaft und Kultur – die « exception culturelle »
2. Die staatliche Umverteilung als Besonderheit des französischen Filmförderungssystems
3. L’aide à la production
3.1 Der Produktionssektor in Frankreich
3.2 Der Beitrag der Fernsehsender
3.3 Förderung auf nationaler Ebene
3.3.1 Le CNC- Centre National de la Cinématographie
3.3.2 Les SOFICA- Sociétés pour le Financement du Cinéma et de l’Audiovisuel
3.3.3 L’IFCIC-Institut pour le Financement du Cinéma et des Industries Culturelles
3.3.4 La Fondation GAN pour le Cinéma
3.4 Förderung auf regionaler Ebene am Beispiel des Finanzierungssystems der Region Rhône-Alpes
3.4.1 Die Koproduktionsgesellschaft Rhône-Alpes Cinéma
3.4.2 La Commission du Film Rhône-Alpes
3.5 Fallbeispiel: Budgetierung des Films « L’homme du train »
3.6 Aktuelle Situation der französischen Filmproduktion
4. L’aide à la distribution
4.1 Der Sektor Filmverleih in Frankreich
4.2 Verleihförderung auf nationaler und regionaler Ebene
4.2.1 Le CNC -Centre National de la Cinématographie
4.2.2 L’ACID- L'Agence du Cinéma Indépendant pour sa Diffusion
4.2.3 L’ADRC- L’Agence pour le Développement Régional du Cinéma
4.3 Exportförderung durch die Organisation Unifrance
4.4 Exportbilanz des französischen Films
5. L’aide à l’exploitation
5.1 Der Sektor « exploitation » in Frankreich
5.2 Zielsetzung staatlicher Förderung: «diversité des salles»
5.2.1 Die Regulierung der Multiplex-Kinos
5.2.2 Le CNC- Centre National de la Cinématographie
5.2.3 L’IFCIC-Institut pour le Financement du Cinéma et des Industries Culturelles
5.3 Die Association des Cinémas d’Art et Essai zur Sicherung des Programmkinos
5.4 Regionale Förderung am Beispiel der Region Rhône-Alpes
5.4.1 L’ADRC-L’Agence pour le Développement Régional du Cinéma
5.4.2 Le GRAC – Le Groupement Régional d’Actions Cinématographiques
5.5 Fallbeispiel: Der Kinobetrieb « Les Alizés » in Bron
5.6 Besucherzahlen und Marktanteil des französischen Kinos
6. Filmförderung im Vergleich mit Deutschland
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert das französische Filmförderungssystem, dessen Ziel es ist, den Schutz und den Aufbau der nationalen Filmwirtschaft zu sichern, um kulturelle Vielfalt inmitten des wirtschaftlichen Drucks zu erhalten. Dabei steht die Untersuchung der drei Sektoren Produktion, Verleih und Kinobetrieb im Fokus, wobei insbesondere die Rolle der Region Rhône-Alpes als Fallbeispiel dient.
- Strukturen der staatlichen Filmförderung in Frankreich
- Finanzierung der Filmproduktion durch den Staat, Fernsehen und private Investoren
- Mechanismen der Verleihförderung und der Erhalt des Programmkinos
- Regionale Förderstrukturen am Beispiel der Region Rhône-Alpes
- Vergleich der französischen Filmförderung mit dem deutschen System
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Produktionssektor in Frankreich
Das Dictionnaire du Film definiert den Bereich der Produktion als «la branche économique du cinéma rattachée à la réalisation d’un film». Der Produzent ist demnach «la personne responsable du financement et de l’administration d’un film, de l’état de projet jusqu’à sa sortie». Das heißt, er ist insbesondere für die Sicherung der Finanzierung des Films zuständig. Doch die Investitionen sind sehr hoch, denn die durchschnittliche Höhe von Filmbudgets liegt bei 4,36 Millionen Euro. Die Einnahmen sind hingegen ungewiss, da der Erfolg des Films beim Publikum nicht vorhersehbar ist, und dazu kommt, dass der Preis für die Eintrittskarten unabhängig von den Produktionskosten fixiert ist. Aufgrund des hohen Investitionsvolumens und des großen Risikos kann der Produzent die Mittel nicht alleine aufbringen und muss deshalb auf Fremdfinanzierung durch Koproduzenten oder in Form öffentlicher und privater Unterstützung, zurückgreifen. An dieser Stelle wird deutlich, dass monetäre Förderung nötig ist, um die Finanzierung einer Produktion überhaupt erst zu ermöglichen. Außerdem wird durch die Subventionen dem Produzenten die Möglichkeit eröffnet, künstlerische Ansprüche zu berücksichtigen, anstatt aus rein wirtschaftlichem Kalkül zu handeln. Die unterschiedlichen Maßnahmen zur Produktionsförderung in Frankreich werden im Folgenden eingehender behandelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Film zwischen Wirtschaft und Kultur – die « exception culturelle »: Dieses Kapitel erläutert die Ambivalenz zwischen Film als Kultur- und Wirtschaftsprodukt und die französische Forderung nach einer kulturellen Ausnahmebestimmung gegenüber dem globalen Markt.
2. Die staatliche Umverteilung als Besonderheit des französischen Filmförderungssystems: Hier wird das zentrale staatliche Instrumentarium, insbesondere das Centre National de la Cinématographie (CNC) und der „compte de soutien au cinéma“, als Mechanismus zur Autofinanzierung der Branche beschrieben.
3. L’aide à la production: Dieses Kapitel detailliert die verschiedenen Förderinstrumente für die Filmproduktion auf nationaler und regionaler Ebene, einschließlich privater Stiftungen und Fernsehsenderbeiträge.
4. L’aide à la distribution: Der Fokus liegt hier auf den Herausforderungen des Filmverleihs, der Exportförderung durch Unifrance sowie der Rolle von Organisationen wie ACID und ADRC bei der Unterstützung des Vertriebs.
5. L’aide à l’exploitation: Dieses Kapitel analysiert die Situation der Kinobetriebe, die Regulierung von Multiplex-Kinos und die gezielte Förderung von Filmkunsttheatern sowie regionaler Initiativen.
6. Filmförderung im Vergleich mit Deutschland: Abschließend werden die zentralistischen Strukturen Frankreichs den deutschen Gegebenheiten gegenübergestellt, wobei die institutionelle Trennung von Kultur- und Wirtschaftsförderung in Deutschland als zentraler Kritikpunkt identifiziert wird.
Schlüsselwörter
Filmförderung, Frankreich, Kino, Produktion, Filmverleih, exploitation, CNC, exception culturelle, Filmwirtschaft, Koproduktion, Kinobetrieb, Filmkunst, Rhône-Alpes, Subventionen, Diversität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Formen und Mechanismen staatlicher sowie regionaler Unterstützung für das französische Kinosystem, um kulturelle Vielfalt zu wahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Filmproduktion, dem Filmverleih und dem Kinobetrieb als den drei tragenden Säulen der Filmförderung in Frankreich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die komplexen Mittel der Förderung transparent zu machen und aufzuzeigen, wie Frankreich den Schutz seiner Filmkultur gegenüber ökonomischen Marktkräften organisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung aktueller Berichte von Fachinstitutionen wie dem CNC, statistische Daten und Interviews mit Branchenexperten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die staatlichen Subventionswege, den Einfluss der Fernsehsender, die Arbeit von Verleih- und Kinoverbänden sowie die Spezifika regionaler Förderung in Rhône-Alpes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Filmförderung, exception culturelle, Kinobetrieb, Produktion, Filmverleih und Filmwirtschaft.
Was ist das „compte de soutien au cinéma“?
Es handelt sich um einen speziellen Fonds des CNC, der durch Steuern auf die Vermarktung von Filmen gespeist wird und die Umverteilung von Mitteln innerhalb der Filmbranche ermöglicht.
Welche Rolle spielt die Region Rhône-Alpes?
Die Region dient als Fallbeispiel für dezentrale Förderbemühungen, in der Einrichtungen wie die Koproduktionsgesellschaft Rhône-Alpes Cinéma aktiv in den Finanzierungsprozess eingreifen.
- Quote paper
- Daniela Nuber (Author), 2003, Filmförderung in Frankreich. Formen der Unterstützung des französischen Kinos auf den Ebenen Produktion, Filmverleih und Kinobetrieb am Beispiel der Region Rhône-Alpes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21651