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Das Modell der "helping hand"-Chinas Staat als positive Reformkraft?

Title: Das Modell der "helping hand"-Chinas Staat als positive Reformkraft?

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 22 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Oliver H. Berbig (Author)

Business economics - Economic Policy
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Das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft ist in Zeiten
stagnierender Weltkonjunktur beeindruckender denn je. So wuchs das
Bruttoinlandsprodukt der Volksrepublik China im ersten Quartal diesen
Jahres um 9,9% und erfährt damit die höchste Quartalsteigerung der
vergangenen sechs Jahre. Dieses immense Wachstum ist nicht zuletzt auf
das keynesianische Ausgabenprogramm der chinesischen Regierung u.a.
zur Deflationsbekämpfung zurückzuführen. Mittlerweile existieren jedoch Anzeichen für eine Stabilisierung und Loslösung der Binnennachfrage vom staatlichen Einfluss. So wird der erwartete Zuwachs beispielsweise des Einzelhandelabsatzes mit einer Wachstumssteigerung von 2,3% auf 10,1% im Vergleich zum 1.Quartal 2002 beziffert. Als Hauptursache dieser Steigerung wird vor allem der Automarkt gesehen, so stieg hier die Nachfrage um 56% auf 1,13 Millionen Einheiten. Durch den Beitritt zur World Trade Organisation (WTO) ist China gezwungen jährlich die
Importzölle für Pkw zu senken, worauf einheimische Fahrzeughersteller
ihrerseits mit Preissenkungen reagieren. Ausländische Direktinvestitionen
wuchsen ebenfalls im ersten Quartal diesen Jahres um 57% auf 13,1
Milliarden US-Dollar an, auch hier machten sich der WTO-Beitritt Chinas
und die daraus folgenden Marktliberalisierungen äußerst positiv
bemerkbar. Dieses hohe Investitionsniveau hat dazu beigetragen, dass
der Staatsausgabenanteil am Bruttoinlandprodukt stark abgenommen hat
und wohl weiter sinken wird.1 Da aber die chinesische Wirtschaftspolitik der letzten Dekaden dieses
Wachstum zu wesentlichen Teilen mitgetragen hat und die
Rahmenbedingungen für diesen Erfolg schuf, sind die Methoden und
Maßnahmen der Regierung auf dem Weg vom China Maos bis zur
heutigen, boomenden Wirtschaftsmacht hier von besonderem Interesse.
Auf sie soll im Rahmen dieser Hausarbeit eingegangen werden.
1 Vgl. Kynge, James: Chinas Wachstum gewinnt an Dynamik, in: Financial Times
Deutschland, 16.04.2003, S.14.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Modell der „helping Hand“ und seine Anwendung in China

2.1. Das Modell der „helping Hand“

2.2. Beginn des Wandels

2.3. Die Reform des Agrarsektors Ende der 70er Jahre

2.4. Die Reform des Industriesektors zu Beginn der 80er Jahren

2.5. Die Rolle der lokalen Regierung im Wandel

3. Die „helping Hand“ am Beispiel lokaler Wirtschaftspolitik

3.1. Gebrauch staatlicher Bürokratie für unternehmerische Interessen

3.2. Lokales Gesamtwachstum durch Administrative Macht

3.3. Von der Gleichbehandlung zur Selektiven Förderung

4. Probleme und Risiken der Volkswirtschaft Chinas

4.1. Korruption

4.2. Mangelnde Transparenz

4.3. Aufwertungsdruck

5. Schlusswort

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Modell der „helping hand“ als staatliche Reformkraft im Kontext des chinesischen Transitions- und Wirtschaftswachstumsprozesses. Sie analysiert, inwieweit die enge Verflechtung von politischer Macht und unternehmerischen Interessen in China die wirtschaftliche Transformation geprägt hat und welche systemischen Risiken damit verbunden sind.

  • Analyse des Modells der „helping hand“ im chinesischen Kontext
  • Transformation der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit 1978
  • Die Rolle der lokalen Regierungen als Akteure der Wirtschaftspolitik
  • Zusammenhang zwischen staatlicher Bürokratie und Korruption
  • Risiken der chinesischen Volkswirtschaft (Transparenz und Aufwertungsdruck)

Auszug aus dem Buch

3.1. Gebrauch staatlicher Bürokratie für unternehmerische Interessen

Auf lokaler Ebene wird durch Funktionäre die staatliche Bürokratie zur Weiterleitung von Informationen und besseren Nutzung von Ressourcen benutzt, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Kleinere Unternehmen im Kommunalbesitz sind nicht mit westlichen Untenehmen in Bezug auf begrenzte Ressourcen und breiten Zugang zu Informationen zu vergleichen. Durch den Gebrauch von nützlichen Informationen und Kontakten, zu denen sie durch ihre Tätigkeit als Beamte in offiziellen Angelegenheiten Zugang haben, ergibt sich die Möglichkeit diese Vorteile dann auch im Interesse eines begünstigten Betriebes zu verwenden.

Dies betrifft nicht nur die Beschaffung von Rohstoffen, sondern auch in zunehmendem Maße Informationen über neue Produkte, Technologien und den Absatzmarkt für Endprodukte. Der Grad, in welchem Beamte mittlerweile in Bereichen der Produktentwicklung, Marktforschung und Technologiebeschaffung involviert sind, geht über normale staatliche Wirtschaftsförderung weit hinaus. Die „Staatliche Kommission für Wissenschaft und Technologie“ oder das „Steuerungsbüro für ländliche Industrie“ verbringen viel Zeit mit der Vertretung kommunaler Industriebetriebe bei höheren Regierungsstellen um Technologie, Material und Zuschüsse für diese zu beschaffen.

Funktionäre dieser, auf Landkreisebene tätigen, staatlichen Institutionen begleiten häufig Unternehmensführer zu höheren Regierungsstellen, um den Zugang zu Vergünstigungen zu vereinfachen. Die Terminkalender von Parteiführern auf Kommunalebene sind gefüllt mit Reisen im Auftrag von Unternehmen zu höheren Regierungsstellen bis sogar nach Peking, um dort die Interessen ihrer lokalen Klientel zu vertreten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet das beeindruckende Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft vor dem Hintergrund globaler wirtschaftlicher Stagnation und führt in die Fragestellung zur Rolle staatlicher Reformmethoden ein.

2. Das Modell der „helping Hand“ und seine Anwendung in China: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Konzept der helfenden Hand und beschreibt den historischen Transitionsverlauf Chinas, ausgehend von den Reformen der späten 1970er Jahre.

3. Die „helping Hand“ am Beispiel lokaler Wirtschaftspolitik: Hier wird detailliert analysiert, wie lokale Verwaltungen ihre bürokratische Macht und Netzwerke nutzen, um Unternehmen zu fördern und wirtschaftliches Wachstum zu steuern.

4. Probleme und Risiken der Volkswirtschaft Chinas: Dieses Kapitel identifiziert kritische Herausforderungen wie Korruption, mangelnde Transparenz und den wachsenden Druck auf die Währungsbindung als Konsequenzen des bestehenden Systems.

5. Schlusswort: Das Fazit wägt die Zukunftsaussichten ab und stellt die Frage, ob das Modell der „helping hand“ nachhaltig fortbestehen kann oder durch interne Krisen gefährdet ist.

Schlüsselwörter

China, Helping Hand, Transition, Staatliche Bürokratie, Wirtschaftswachstum, Reformpolitik, Korruption, Lokalregierung, Marktliberalisierung, Industriepolitik, Volkswirtschaft, Transformation, Transparenz, Währungsdruck

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Modell der „helping hand“ als staatliche Interventionsform in der Volksrepublik China und deren Beitrag zum wirtschaftlichen Wandel.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Transformation von der Planwirtschaft zur marktorientierten Wirtschaft, die Rolle der Kommunalverwaltungen und die damit einhergehenden Risiken.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, wie der chinesische Staat durch gezielte Eingriffe das Wachstum fördert und welche Interessenkonflikte dabei entstehen.

Welche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch gestützte Analyse des chinesischen Transformationsprozesses unter Einbeziehung ökonomischer Literatur und aktueller Wirtschaftsdaten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die konkrete Verzahnung von bürokratischer Macht und betrieblicher Förderung sowie die damit verbundenen Probleme wie Korruption und mangelnde Transparenz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Helping Hand, chinesische Transition, Korruptionsanfälligkeit und administrative Steuerung definieren.

Wie unterscheidet sich Chinas Ansatz laut Arbeit von der Sowjetunion?

Im Gegensatz zur sowjetischen zentralistischen Struktur delegierte das maoistische China wirtschaftliche Macht an lokale Ebenen, was dort zu einem stärkeren Eigeninteresse an lokalem Wirtschaftserfolg führte.

Warum stellt das System laut Autor einen Nährboden für Korruption dar?

Die enge Verflechtung von privaten Wirtschaftsinteressen und staatlichen Entscheidungsbefugnissen auf lokaler Ebene entzieht sich mangels Transparenz der Kontrolle und begünstigt Vetternwirtschaft.

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Details

Title
Das Modell der "helping hand"-Chinas Staat als positive Reformkraft?
College
University of Tubingen  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik)
Course
Was ist "good governance"?
Grade
2,3
Author
Oliver H. Berbig (Author)
Publication Year
2003
Pages
22
Catalog Number
V21708
ISBN (eBook)
9783638252652
Language
German
Tags
Modell Staat Reformkraft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver H. Berbig (Author), 2003, Das Modell der "helping hand"-Chinas Staat als positive Reformkraft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21708
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