Gestörte Idylle am Beispiel des Textes "Der zerbrochene Krug" von Salomon Geßner


Seminararbeit, 2002
11 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Idylle als Gattungsbegriff

Interpretation von „der zerbrochene Krug“
a) Das transportierte Ideal der Idylle
b) Der Krug
c) Die Geschichten auf dem Krug als Indikator für die pervertierte Idylle
d) Darstellung von Verlust der Idylle als idyllisch

Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Dichter Salomon Geßner ist weitgehend in Vergessenheit geraten, zu seinen Lebzeiten (1730-1788) und noch bis ins 19. Jahrhundert hinein konnte er jedoch in ganz Europa, vor allem in Frankreich, eine große Leserschaft vorweisen. Allgemein wird Geßner als der Erneuerer und Wendepunkt der deutschsprachigen Idylle gesehen, bzw. als Vorläufer für Idyllen von Goethe, Schiller, Jean Paul und Mörike, da er die Motive der Idylle in die Welt des Bürgertums transponierte. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde Geßner jedoch von der zeitgenössischen Kritik, zum Beispiel von Herder und Goethe, scharf kritisiert, sein Erfolg bei den Lesern war trotzdem ungebrochen.[1]

Anhand der Idylle "Der zerbrochene Krug" soll nun Geßners widersprüchliche Idyllendarstellung untersucht werden.

Im ersten Teil der Arbeit soll der Gattungsbegriff "Idylle" definiert werden.

Im folgenden Teil soll anhand formaler und inhaltlicher Gattungsmerkmale der idyllische Charakter von "Der zerbrochene Krug" herausgearbeitet werden, was mit einer Textanalyse einhergeht.

Idylle als Gattungsbegriff

Idylle: (bis 18.Jh.: Idyll, von griechisch eidyllion = Bildchen, kleines Gedicht),

episch- halbdramatische (dialogische) Dichtform zur Schilderung friedvoll-

bescheidenen, behaglich-gemütlichen Winkelglücks harmlos empfindender

Menschen in Geborgenheit und Selbstgenügsamkeit und natürlich

alltäglichen Land- und Volkslebens in schlichter Alltagssprache, Vers oder

Prosa, oft mit lyrischen Einlagen in geschlossenen Szenen, besonders als

Form der Hirtendichtung.[2]

Idylle ist demnach die Gattung meist epischer oder lyrischer Texte mit Schilderung einer heilen Welt und eines erfüllten, konfliktfreien glücklichen Lebens innerhalb überschaubarer, oftmals ländlicher Verhältnisse. Dieses Leben wird in vertrauter Umgebung im Einklang mit der Natur und den Menschen untereinander fernab von gesellschaftlichen Zwängen geführt.

Der Aufbau eines solchen Textes beschränkt sich auf ein längeres Gedicht oder einer kurzen Prosa Erzählung, die häufig in Hexametern abgefasst ist. Die Figur des poetischen Hirten wird oft als Protagonist verwendet, in den siebziger Jahren wird der gute Hirte dann durch den Pfarrer oder den Bauern ersetzt und der ländliche Schauplatz in eine Kleinstadt verlegt.

Idylle meint Wunschbild von einem in sich ruhenden, ungefährdeten Dasein, das sich von sozialen und politischen Verhältnissen fernhält und dabei herrschaftsfreie, harmonische Zustände bewahrt. Dadurch hat die Idylle eine gewisse Nähe zur Utopie. In beidem erträumen sich die Menschen glückliche Verhältnisse.

Im 18. Jahrhundert wurden die Begriffe "Idylle", "Schäferdichtung", "Bukolik", "Ekloge" und "Feld- und Landgedichte" weitgehend synonym verwendet und erst mit dem wachsenden Ruhm von Salomon Geßner und dem Erfolg der "Idyllen" setzte sich dieser Begriff auch für die Bezeichnung der Gattung durch.

Auch Salomon Geßner ist es nie gelungen, eine klare Gattungsabgrenzung vorzunehmen, da das Fehlen einer antiken Gattungspoetik die Definition von Idylle problematisch machte. Bei der antiken Gattungspoetik handelte es sich im wesentlichen um Rollendichtungen, oft jedoch fanden sich lange episch-erzählende Passagen und darüber hinaus auch Lieder in Reimform.

Der Begriff "Idylle" existiert jedoch nicht nur als Gattungsbegriff, oft wird er mit der Idee der Idylle, dem Idyllischen, vermengt.

[...]


[1] Aus: Bircher, Martin: Salomon Gessner. In: G. E. Grimm, F. R. Max (Hsg.) Deutsche Dichter. Bd.III: Aufklärung und Empfindsamkeit. Stuttgart: Reclam 1988. 233 - 246.

[2] Aus: Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. Siebte, verbesserte und erweiterte Auflage.

Stuttgart, Alfred Kröner Verlag 1989, S. 401-403

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gestörte Idylle am Beispiel des Textes "Der zerbrochene Krug" von Salomon Geßner
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Interpretation literarischer Texte: Kleine Prosa der Aufklärung
Note
3
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V21748
ISBN (eBook)
9783638252904
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gestörte, Idylle, Beispiel, Textes, Krug, Salomon, Geßner, Einführung, Interpretation, Texte, Kleine, Prosa, Aufklärung
Arbeit zitieren
Jennifer von Glahn (Autor), 2002, Gestörte Idylle am Beispiel des Textes "Der zerbrochene Krug" von Salomon Geßner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21748

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gestörte Idylle am Beispiel des Textes "Der zerbrochene Krug" von Salomon Geßner


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden