Mit dem Road-Movie Thelma & Louise ist Ridley Scott der Wurf des Jahres 1991 gelungen, der in den USA 35 Mio. Dollar einspielte. Susan Sarandon (Louise) und Geena Davis (Thelma) sind für den Oskar nominiert worden. Der Film hat trotz des Erfolgs auch für Kontroversen gesorgt. Namentlich die konservativen Stimmen warfen dem Drehbuch militante Männerfeindlichkeit, sogar Gewaltverherrlichung vor – und das nach dem bluttriefenden Action-Kino der 80er!). Begrüßt ob seiner frauenemanzipatorischen Message wegen wurde der Film aber nicht nur von den Liberalen, wie der Erfolg letztendlich zeigt.
Der Ausbruch der Protagonistinnen aus ihrem geordneten Leben sollte ursprünglich harmlos nach zwei Tagen mit der Rückkehr enden, endet aber tödlich, ein Schluß wie in vielen Road-Movies.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Analyse der Abschlußszenen
Grobeinteilung
Filmische Mittel
Bildaufbau – Mise en Scene
Kamera, Montage, Audio
Schlußbetrachtungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht filmwissenschaftlich den „Showdown“ im Road-Movie „Thelma & Louise“ (1991) und analysiert, wie Ridley Scott durch spezifische bildliche und auditive Gestaltungsmittel die ausweglose Situation der Protagonistinnen sowie deren Entwicklung darstellt.
- Analyse der dramaturgischen Struktur des Showdowns
- Untersuchung der Mise-en-Scène und der symbolischen Bedeutung von Requisiten
- Analyse der filmischen Mittel wie Kameraführung und Montage
- Bedeutung des Soundtracks und der Audiogestaltung für die emotionale Wirkung
- Vergleichende Einordnung in das Genre des Road-Movies
Auszug aus dem Buch
Bildaufbau – Mise en scène
Der Begriff „Road-Movie“ determiniert den Ort des Geschehens: Die Strasse und angrenzende Orte, die mit der Reise-Handlung in Zusammenhang gebracht werden können. Der Showdown findet also unter freiem Himmel statt, Bauten für künstliche Räume kommen nicht vor. Wichtig ist daher 1) der Ort des Geschehens selber und 2) die Requisiten um die Protagonistinnen Thelma und Louise.
Die Schlußhandlung findet abseits des Highways statt. Nachdem die Polizeiarmada den beiden auf die Spur gekommen ist, durchbricht der grüne ´66er Ford Thunderbird Convertible einen Zaun, um die letzte Strecke abseits der Straßen der Zivilisation zu fahren. Mit dieser Viertelsekunde erfährt das Gleichnis der Flucht eine neue Dimension: Einreißen der Zäune, endgültiges Verlassen der vertrauten zivilisierten Welt. Die Polizeiarmada ist trotz Übermacht zunächst nicht in der Lage, die Frauen zu stellen. Doch daß es keine Zukunft für die beiden gibt, zeigt der Topshot auf die Verfolgungsszene: Der Abgrund rückt näher, die Dreiecksformation (Symbol des Angriffs) der Polizeiwagen hinterher.
Der Topshot löst den Rezipienten aus seiner unmittelbaren, „geerdeten“, Beobachterrolle der Handlung heraus, läßt ihn das Geschehen in seiner Gesamtheit und metaphorisch überblicken sowie das düstere Ende vorausahnen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Film und seine Rezeption ein, erläutert den Plot und die Charakterentwicklung der beiden Protagonistinnen sowie deren Motivation für den Ausbruch.
Analyse der Abschlußszenen: Hier erfolgt eine detaillierte Untersuchung der Finalsequenz, unterteilt in die Grobeinteilung, den Bildaufbau, die Requisiten sowie die technischen filmischen Mittel.
Schlußbetrachtungen: Dieses Kapitel fasst die filmwissenschaftlichen Ergebnisse zusammen und setzt „Thelma & Louise“ in den historischen Kontext sowie in Bezug zum Genre-Vergleich mit „Easy Rider“.
Schlüsselwörter
Thelma & Louise, Ridley Scott, Filmanalyse, Road-Movie, Showdown, Mise-en-Scène, Kameraführung, Montage, Audiogestaltung, Grand Canyon, Frauenfilm, Genreanalyse, Filmische Mittel, Symbolik, Kinogeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser filmwissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die finale Sequenz (den Showdown) des Road-Movies „Thelma & Louise“ unter filmwissenschaftlichen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die visuelle Gestaltung des Finales, die symbolische Bedeutung von Ort und Requisiten sowie die auditive Untermalung und Montage in der Verfolgungsszene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ridley Scott durch seine filmischen Entscheidungen die inhaltliche Ausweglosigkeit der Charaktere in ihrer letzten Lebensphase verdichtet und visualisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine strukturelle Filmanalyse angewandt, die sich auf formale Aspekte wie Einstellungsgrößen, Kameraeinstellungen, Montage und Tongestaltung konzentriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die grobe Szeneneinteilung des Showdowns und eine tiefgehende Untersuchung der „Mise-en-Scène“, der Kameratechnik und der auditive Inszenierung der Schlussszene.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Filmtitel selbst sind Road-Movie-Genre, Mise-en-Scène, Kameraführung, Montage, Audiogestaltung und filmische Symbolik für die Arbeit maßgeblich.
Warum ist der grüne Ford Thunderbird für die Analyse so bedeutsam?
Der Wagen fungiert als zentrales Requisit, das nicht nur als Transportmittel dient, sondern die Einheit von Mensch, Maschine und Weg symbolisiert und im Kontrast zu den Fahrzeugen der „männlichen“ Welt steht.
Welche Rolle spielt die Musik in der Endsequenz?
Die Musik untermalt die emotionale Entwicklung der Protagonistinnen: Von aggressiven Synthesizer-Klängen während der Verfolgung bis hin zur hymnischen Erlösung durch Gospel-Einflüsse beim Abheben über den Canyon.
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- Karl Mittenzwei (Author), 2003, Thelma & Louise: Analyse des Showdown, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21776