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Sprache im Faschismus

Titre: Sprache im Faschismus

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2001 , 24 Pages , Note: 2+

Autor:in: Andre Käswurm (Auteur)

Philologie Allemande - Linguistique
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Résumé Extrait Résumé des informations

Als wichtigste Grundlagen meiner Analyse möchte ich die Arbeiten von Polenz, Müller und Maas anführen. Es erschien mir ein sinnvoller Versuch, aus diesen drei Arbeiten eine Art Symbiose für die eigene Analyse zu extrahieren, auch wenn der Raum dafür recht begrenzt ist. Im nun folgenden, theoretischen Teil möchte typische Paradigmen des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs aufführen, die sich auch konkret für die Analyse politischer Rhetorik des Dritten Reiches verwerten lassen.

Doch möchte ich es nicht bei einer (rein) deskriptiven Analyse bewenden lassen. Maas geht es vorwiegend um eine intensionale Bestimmung der Texte, ein konkret anderer Ansatz als ihn Polenz oder Müller für sich definieren. Maas expliziert in seiner Diskursanalyse die sprachliche Inszenierung nationalsozialistischer Reden und Alltagstexte. Die Analyse sollte demnach „durchlässig sein für (die) gesellschaftliche(n) Widersprüche, die in der (Sprach)Praxis ausgetragen werden,...“ (Maas, S. 11). Dabei sollte als Stichwort die Polyphonie der Texte genannt werden.

Gemäß dem Umfang dieser Hausarbeit habe ich zwei kurze Redeausschnitte ausgewählt, die mir geeignet schienen, wesentliche Charakteristika der nationalsozialistischen Rhetorik darzustellen. Bei einer räumlich so begrenzten Analyse liegt es aber in der Natur der Sache, dass man einige „Wesensmerkmale“ der „LTI“ ausklammern muss bzw. nicht auffinden kann. Als ersten Text habe ich einen Ausschnitt der Proklamation Hitlers auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg des Jahres 1934 gewählt. Der zweite Text ist eine Rede Heinrich Himmlers vor SS - Führern in Posen aus dem Jahr 1943.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Zum Begriff „NS – Sprache“

2.2 Allgemeine Charakteristika / Emotionalisierung / Politische Persuasion

2.3.1 Positiv konnotierte Schlüsselwörter/ Nationalistisch - militaristischer Sprachgebrauch

2.3.2 Superlativismus

2.3.3 Nominalstil/ Abbreviaturen/ Schlagwörter/ Phraseologien

2.3.4 Simplifizierung

2.3.5 Neologismen

2.3.6 Euphemistisches Tarnvokabular

2.3.7 Komposita und Derivationen

2.3.8 Semantische Veränderung bereits bestehender Begriffe

2.3.9 Begriffliche Redundanz/ Adjektiv – Komposita/ Pleonasmen

2.3.10 Fremdwörter

2.4.1 Allgemeinere Stilmerkmale/ Metaphern

2.4.2 Die Anrede

2.4.3 Ganzheitsmythen

2.4.4 Apotheose

3.1 Analyse Hitler – Rede

3.2 Analyse Himmler –Rede

4. Bilanz

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die rhetorischen Charakteristika und propagandistischen Mechanismen nationalsozialistischer Reden, indem sie linguistische Analysemethoden auf exemplarische Textausschnitte von Adolf Hitler und Heinrich Himmler anwendet, um die manipulative Verwendung von Sprache im Kontext des Dritten Reiches offenzulegen.

  • Analyse der nationalsozialistischen Sprachmerkmale
  • Untersuchung von rhetorischen Strategien der Manipulation
  • Anwendung der Diskursanalyse auf politische Reden
  • Dekonstruktion von nationalsozialistischen Begriffskonstrukten
  • Vergleich der Redestile von Hitler und Himmler

Auszug aus dem Buch

2.3.9 Begriffliche Redundanz/ Adjektiv – Komposita/ Pleonasmen

Ein bezeichnendes Charakteristikum der politischen Rede im Nationalsozialismus ist nach Volmert die begriffliche Redundanz, die insbesondere den inflationären Gebrauch von Adjektiven zur Folge hat. Volmert konstatiert, dass sie als attributive Qualifikatoren ihren Wert verlieren. Proportional dazu findet auf der Seite des Rhetors eine Desensibilisierung gegenüber ihrem semantischen Wert statt. Die „Verheizung“ erfolgt ( ganz in militaristischer Manier ) durch den expansiven Gebrauch dieser Wortart. Vielleicht ist es kennzeichnend, dass selbst die Bezeichnung der Bewegung nicht ohne Adjektiv – Kompositum auskommt ( national – sozialistisch ). Volmert spricht sogar von der Möglichkeit eines lexikalischen Fusionsprozesses, den diese Komposita zur Folge haben könnten ( vgl. Volmert aus Ehlich, S. 143 ).

Meiner Ansicht nach handelt es sich bei diesen Komposita um zweckgerichtete, persuasive Begriffskonstrukte der nationalsozialistischen Propagandaindustrie. Das ließe sich z.B. an dem Adjektiv - Kompositum jüdisch – bolschewistisch belegen. Es braucht keiner abstrakten Betrachtungsweise, um zu erkennen, dass der Begriff jüdisch – bolschewistisch zwei völlig unterschiedliche und deshalb eigentlich unvereinbare Bereiche gesellschaftlichen Lebens fusioniert ( Religion vs. Politik ). Anhand dieser monumentalen Adjektivblöcke konnten die nationalsozialistischen Redner zumindest auf sprachlich – materialistischer Ebene ihre Diffamierungspolitik gegenüber den gesellschaftlichen Minoritäten ( Juden, Sinti/Roma, Marxisten ) in pseudohafter und destruktiver Art und Weise rechtfertigen. Sie erschufen Begriffe, die sich wie Projektile auf das Auditorium „feuern“ ließen, egal ob diese Komposita einen Sinn machten oder nicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Grundstein durch die Einbeziehung der Arbeiten von Polenz, Müller und Maas und erläutert die Auswahl der Redeausschnitte von Hitler und Himmler.

2.1 Zum Begriff „NS – Sprache“: Das Kapitel hinterfragt die wissenschaftliche Validität des Begriffs „NS-Sprache“ und diskutiert verschiedene Ansätze zur Einordnung des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs im historischen Kontext.

2.2 Allgemeine Charakteristika / Emotionalisierung / Politische Persuasion: Hier werden die Ausdrucks- und Appellfunktionen der politischen Sprache untersucht, wobei insbesondere auf die Emotionalisierung durch den Sprachgebrauch eingegangen wird.

2.3.1 Positiv konnotierte Schlüsselwörter/ Nationalistisch - militaristischer Sprachgebrauch: Das Kapitel analysiert den bewussten Einsatz von Begriffen aus dem militaristischen und nationalistischen Bereich zur ideologischen Festigung.

2.3.2 Superlativismus: Es wird die inflationäre Verwendung von Superlativen als Mittel der „Pseudomonumentalität“ in der nationalsozialistischen Rhetorik beschrieben.

2.3.3 Nominalstil/ Abbreviaturen/ Schlagwörter/ Phraseologien: Dieses Kapitel erläutert, wie durch einen stark nominal geprägten Stil und schlagwortartige Verkürzungen die manipulative Wirkung gesteigert werden sollte.

2.3.4 Simplifizierung: Untersucht wird die Reduzierung komplexer Sachverhalte auf stereotype Freund-Feind-Bilder zur Steigerung des Wir-Gefühls.

2.3.5 Neologismen: Die Analyse konzentriert sich auf die Entstehung von Neubildungen im Kontext der nationalsozialistischen Institutionsbildung.

2.3.6 Euphemistisches Tarnvokabular: Dieses Kapitel zeigt die Strategien der Sprachverschleierung auf, mit denen die NS-Führung ihre Verbrechen unter Begriffen wie „Schutzhaft“ verbarg.

2.3.7 Komposita und Derivationen: Es wird der besondere Gebrauch der deutschen Fähigkeit zur freien Begriffsbildung mittels spezifischer Präfixe und Suffixe zur Ideologiebildung analysiert.

2.3.8 Semantische Veränderung bereits bestehender Begriffe: Hier wird erläutert, wie bestehende Vokabeln semantisch umgedeutet und ideologisch neu besetzt wurden.

2.3.9 Begriffliche Redundanz/ Adjektiv – Komposita/ Pleonasmen: Das Kapitel befasst sich mit der inflationären Anhäufung von Adjektiven und Begriffen, die zur Desensibilisierung und persuasiven Diffamierung dienen.

2.3.10 Fremdwörter: Untersucht wird das ambivalente Verhältnis des Regimes zur Fremdwortbenutzung zwischen Sprachpurismus und propagandistischer Nutzbarmachung.

2.4.1 Allgemeinere Stilmerkmale/ Metaphern: Dieses Kapitel analysiert die Mischung heterogener Stilelemente und den Einsatz biologischer Metaphern.

2.4.2 Die Anrede: Es wird die pragmatische Funktionsdifferenzierung der Pronomina, insbesondere des Wir-Gebrauchs, zur Adressatensteuerung untersucht.

2.4.3 Ganzheitsmythen: Das Kapitel thematisiert die Konstruktion von Systemen, die Begriffe diametral in Gut und Böse einteilen.

2.4.4 Apotheose: Hier wird die sakrale Inszenierung politischer Reden als Religionsersatz und zur Legitimationssicherung beschrieben.

3.1 Analyse Hitler – Rede: Die Anwendung der erarbeiteten Kriterien auf einen Ausschnitt einer Hitler-Rede von 1934.

3.2 Analyse Himmler –Rede: Die Analyse einer Himmler-Rede von 1943 im Hinblick auf Motivationsstrategien und Blut-und-Boden-Ideologie.

4. Bilanz: Eine zusammenfassende Schlussfolgerung über die militaristische Grundstruktur und die manipulative Totalität der Sprache im Nationalsozialismus.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Politische Rede, Rhetorik, Manipulation, Propaganda, Sprachanalyse, Diskursanalyse, Totalitarismus, NS-Sprache, Blut und Boden, Emotionalisierung, Hitler, Himmler, Metaphorik, Pseudomonumentalität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das nationalsozialistische Regime Sprache als machtpolitisches Instrument einsetzte, um die Bevölkerung zu manipulieren, Gegner zu diffamieren und die eigene Ideologie zu festigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die rhetorischen Stilmittel des Nationalsozialismus, wie Superlativismus, Euphemismen, biologische Metaphorik sowie der gezielte Einsatz von Schlagwörtern und Adjektiven zur Meinungssteuerung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, anhand theoretischer Grundlagen und der Analyse konkreter Redeausschnitte von Hitler und Himmler die Mechanismen offenzulegen, durch die Sprache im Dritten Reich zur Inszenierung und Machtabsicherung genutzt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der Diskursanalyse sowie sprachwissenschaftliche Analysen von Wortschatz, Syntax und semantischen Strukturen, gestützt auf die Forschungsliteratur von Polenz, Müller und Maas.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt, der die spezifischen Merkmale der NS-Sprache definieren, und einen praktischen Analyseteil, in dem Reden von Hitler und Himmler auf diese Merkmale hin untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Propaganda, Rhetorik, Manipulationsstrategien, Totalitarismus, diskursive Machtausübung und die spezifische ideologische Sprachbesetzung charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Rhetorik von Himmler zu der von Hitler?

Himmler nutzt in seinen Reden stärker religiös aufgeladene Blut-und-Boden-Metaphern sowie ein noch chauvinistischeres Vokabular, während Hitlers Reden stärker auf der Inszenierung des Führerprinzips und einer pseudo-religiösen Apotheose basieren.

Welche Rolle spielt die „Blut und Boden“-Ideologie in den analysierten Reden?

Sie dient in den Texten als zentrales ideologisches Gerüst, um rassistische Diffamierungen und die Rechtfertigung von Gewalt zu legitimieren, wobei Begriffe wie „Blut“ und „Volk“ eine mystifizierte, sakrale Aura erhalten.

Fin de l'extrait de 24 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Sprache im Faschismus
Université
University of Potsdam  (Institut für Linguistik)
Cours
Greschichte der deutschen Sprache (PS)
Note
2+
Auteur
Andre Käswurm (Auteur)
Année de publication
2001
Pages
24
N° de catalogue
V21835
ISBN (ebook)
9783638253550
Langue
allemand
mots-clé
Sprache Faschismus Greschichte Sprache
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Andre Käswurm (Auteur), 2001, Sprache im Faschismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21835
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Extrait de  24  pages
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