Adam Smith (1723 – 1790) ist der Begründer der klassischen ökonomischen Theorie
und zählt bis heute zu den bedeutendsten Ökonomen der Geschichte.
Ordnungstheoretische Überlegungen bilden einen wesentlichen Bestandteil der Theorie
von Adam Smith: der Aufbau der Gesellschaftsordnung spielt sowohl in seinen ökonomischen
als auch in seinen moralphilosophischen Schriften eine zentrale Rolle.
Bemerkenswert ist, dass Smith seiner Ordnungstheorie ein wirklichkeitsnahes Menschenbild
zugrundelegt. Er entwirft keine Gesellschaftsordnung nach ideologischen
Vorstellungen, sondern leitet seine Ordnungstheorie aus tatsächlich beobachteten
Verhaltensweisen der Menschen ab.1
Das Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Theorie der Gesellschaftsordnung
von Adam Smith Elemente einer natürlichen, künstlichen und spontanen Ordnung
enthält.
Hierzu wird zunächst in Kapitel 2 kurz auf das Leben und die Werke von Adam Smith
sowie auf die philosophische Lehre des Utilitarismus, der seine Theorie zugeordnet
werden kann, eingegangen. Im Anschluss daran befasst sich das dritte Kapitel mit verschiedenen
Formen der gesellschaftlichen Ordnung. Es werden die Begriffe der natürlichen,
künstlichen und spontanen Ordnung erläutert und voneinander abgegrenzt. Die
folgenden Kapitel 4 bis 6 sind jeweils einer der oben genannten Formen der Gesellschaftsordnung
in der Theorie von Adam Smith gewidmet. Es wird gezeigt, dass Elemente
aller betrachteten Ordnungstypen im Ansatz von Smith enthalten sind, und dargestellt,
wie sie konkret zum Ausdruck kommen.
Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.
1 Vgl. Düppen, B., Utilitarismus, 1996, S. 78.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Historische Positionierung von Adam Smith
2.1 Leben und Schriften von Adam Smith
2.2 Der Utilitarismus
3 Formen der gesellschaftlichen Ordnung
4 Natürliche Ordnungselemente bei Adam Smith
4.1 Deismus und Naturrecht als Basis der Gesellschaftsordnung
4.2 Die Bedeutung der natürlichen Anlagen für das Wirtschaftsleben
4.2.1 Das Eigeninteresse
4.2.2 Die Sympathie
4.2.3 Der Mensch als Gemeinschaftswesen
4.2.4 Die natürliche Neigung zum Tausch
5 Spontane Ordnungselemente bei Adam Smith
5.1 Die Koordination der individuellen Handlungen durch die unsichtbare Hand
5.2 Die Arbeitsteilung
6 Künstliche Ordnungselemente bei Adam Smith
6.1 Das System der natürlichen Freiheit
6.2 Die Aufgaben des Staates
6.2.1 Die Schaffung und Durchsetzung von Rechtssicherheit
6.2.2 Die Wahrung der äußeren Sicherheit
6.2.3 Die Förderung der Interessen der Allgemeinheit
7 Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Theorie der Gesellschaftsordnung von Adam Smith zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit sie Elemente natürlicher, spontaner und künstlicher Ordnung integriert. Dabei wird untersucht, wie Smith ökonomische Handlungen und moralphilosophische Grundlagen miteinander verknüpft, um eine fundierte Ordnungstheorie zu entwickeln.
- Historische Einordnung und philosophische Grundlagen von Adam Smith (Utilitarismus).
- Analyse der natürlichen Ordnungselemente (Deismus, menschliche Anlagen, Eigeninteresse).
- Untersuchung der spontanen Ordnung (unsichtbare Hand, Arbeitsteilung).
- Erörterung der künstlichen Ordnungselemente und staatlicher Aufgaben innerhalb des Systems der natürlichen Freiheit.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Das Eigeninteresse
Nach Smith liegt die für das Wirtschaftsleben bedeutendste natürliche Veranlagung der Menschen darin, dass jedes Individuum vorrangig seine eigenen Interessen verfolgt und seinen persönlichen Nutzen maximiert. Die konsequente Verfolgung des Eigeninteresses ist die zentrale Eigenschaft in der Theorie von Smith, da sie die Motivation aller ökonomischen Aktivitäten darstellt. „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers oder Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, daß sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen- sondern an ihre Eigenliebe, und wir erwähnen nicht die eigenen Bedürfnisse, sondern sprechen von ihrem Vorteil.“
Zu den Interessen, die jedes Wirtschaftssubjekt vorrangig verfolgt, zählen nach Smith zunächst die Erhaltung der eigenen Existenz und der menschlichen Gattung. Zur Befriedigung dieser Bedürfnisse versuchen die Menschen, Wohlstand zu erreichen. Über die existenziellen Interessen hinaus unterstellt Smith den Menschen ein Streben nach gesellschaftlichem Ansehen, das einerseits durch Reichtum und Macht, andererseits aber auch durch ein tugendhaftes Leben erreicht werden kann.
Dadurch, dass jedes Individuum bei seinen Aktivitäten am Markt seinen eigenen Vorteil im Auge hat, sieht Smith gleichzeitig einen Interessenausgleich hergestellt: Markttransaktionen würden nicht zustande kommen, wenn ein Beteiligter seine Interessen nicht ausreichend vertreten sähe. Grundsätzlich ist es also nach der Auffassung von Smith möglich, dass es allein durch die Verfolgung des Eigeninteresses zu einer Harmonisierung der individuellen Interessen kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung von Adam Smith für die klassische Ökonomie und definiert das Ziel der Arbeit, seine Ordnungstheorie in natürliche, spontane und künstliche Elemente zu gliedern.
2 Historische Positionierung von Adam Smith: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg Smiths sowie den Einfluss des Utilitarismus auf sein philosophisches und ökonomisches Denken.
3 Formen der gesellschaftlichen Ordnung: Es erfolgt eine theoretische Abgrenzung der drei Ordnungstypen (natürlich, künstlich, spontan), die als analytischer Rahmen für die Arbeit dient.
4 Natürliche Ordnungselemente bei Adam Smith: Das Kapitel analysiert, wie Smith durch Deismus und Naturrecht menschliche Grundeigenschaften wie Eigeninteresse, Sympathie und Tauschneigung als Basis der Ordnung integriert.
5 Spontane Ordnungselemente bei Adam Smith: Hier wird untersucht, wie durch die Metapher der „unsichtbaren Hand“ und den Prozess der Arbeitsteilung gesellschaftliche Ordnung ohne explizite Planung entsteht.
6 Künstliche Ordnungselemente bei Adam Smith: Dieses Kapitel widmet sich dem staatlichen Rahmen, der notwendig ist, um die natürliche Freiheit zu wahren und öffentliche Güter bereitzustellen.
7 Schlussbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, dass Smiths Theorie eine Synthese aus natürlichen, spontanen und künstlichen Elementen darstellt und ihn als Vordenker von Ökonomie und Soziologie auszeichnet.
Schlüsselwörter
Adam Smith, Ordnungstheorie, natürliche Ordnung, spontane Ordnung, künstliche Ordnung, Eigeninteresse, unsichtbare Hand, Arbeitsteilung, Utilitarismus, Naturrecht, Gesellschaftsordnung, Wirtschaftspolitik, soziale Entwicklung, Rechtssicherheit, System der natürlichen Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ordnungstheoretischen Ansätze von Adam Smith und untersucht, wie er natürliche, spontane und künstliche Elemente in seiner Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie vereint.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild bei Smith, die Rolle des Eigeninteresses, die Entstehung gesellschaftlicher Ordnung durch evolutorische Prozesse sowie die Aufgaben eines Staates in einer freien Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, inwieweit die Theorie von Adam Smith eine Struktur besitzt, die sowohl die spontane Selbstorganisation des Marktes als auch den notwendigen institutionellen Rahmen staatlicher Ordnung berücksichtigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine strukturierte theoretische Analyse und Literaturarbeit, um Smiths Werke systematisch nach den drei genannten Ordnungstypen zu klassifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der natürlichen Anlagen, der spontanen Koordinationsmechanismen wie der unsichtbaren Hand und der künstlichen, staatlich verfassten Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie "unsichtbare Hand", "Eigeninteresse", "Arbeitsteilung" und "System der natürlichen Freiheit" geprägt.
Wie bewertet Smith die Rolle des Staates?
Smith sieht den Staat nicht als exogenen Störfaktor, sondern als notwendige Instanz zur Sicherung des Rechtssystems, der äußeren Sicherheit und zur Bereitstellung öffentlicher Güter, die privat nicht effizient angeboten werden können.
Inwiefern ist das Konzept der "unsichtbaren Hand" zentral?
Sie dient bei Smith als Metapher für den gesellschaftlichen Mechanismus, bei dem individuelles Vorteilsstreben unbewusst zur Wohlstandsmaximierung der gesamten Gesellschaft führt.
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- Martina Schmitt (Author), 2003, Natürliche, spontane und künstliche Ordnungselemente bei Adam Smith, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21884