Überlegungen zu Handkes Erstlingswerk "Die Hornissen"


Seminararbeit, 2004

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographisches

3. „Die Hornissen”
3.1. Sprachliche Beobachtungen
3.2. Inhaltliche Gestaltung

4. Der Roman als Erinnerung

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der 1966 herausgegebene Roman Die Hornissen [1] von Peter Handke, fand in der literarischen Öffentlichkeit zunächst eine eher mäßige Beachtung.

Innerhalb von drei Jahren wuchs Handkes Bekanntheitsgrad so schnell, dass Kritiker fragten „wie ein Schriftsteller in dieser vergleichsweise kurzen Zeit eine derartige Popularität erlangen konnten, wie sie Peter Handke Ende der sechziger Jahre besaß“.[2] Der Erfolg wurde dabei hauptsächlich seinem Aussehen und Auftreten zugeschrieben. Als zorniger junger „Literatur-Beatle“[3] ging er in die literarische Kritik ein. Sein zeitgemäßes Image und seine Person standen im Mittelpunkt.[4]

Wenn jedoch von Handke als jungen Schriftsteller gesprochen wird, so ist sein erster Roman von außerordentlicher Bedeutung. Handkes Idee lag in einer sprachkritischen Literatur, die auf den verzerrenden Charakter der Sprache hinweisen soll. Er wollte „die tückische Sprache selber durchschauen und, wenn man sie durchschaut hat zeigen, wie viele Dinge mit der Sprache gedreht werden können.“[5] Sein erster Roman ist ein gutes Beispiel für die Radikalität, mit der er diese Idee umsetzte.

2. Biographisches

Peter Handke wurde am 6.12.1942 in Altenmarkt, Griffen geboren. Der Vater war ein deutscher Soldat, im Zivilberuf Sparkassenangestellter. Peter Handkes Stiefvater, Bruno Handke, ein Berliner Straßenbahnfahrer, den die Mutter vor ihrer Entbindung geheiratet hat, war ebenfalls ein deutscher Soldat. Seine Kindheit verbrachte er vom Kriegsende bis 1948 im Ostsektor Berlins, nach einer Flucht ohne Ausweise, dann wieder in Griffen.[6]

Von seiner Schulzeit ist besonders der Besuch des katholischen Internates in Tanzenberg von 1954 bis 1959 zu erwähnen. In der Enge der katholischen Erziehung, denn er sollte wie alle Schüler seiner Schule Priester werden, wurde ihm die Literatur zum eigentlichen Erzieher.[7] 1957 begann sein Deutschlehrer ihn literarisch zu fördern, worauf er seine erste literarische Auszeichnung bei einem Schüler-Literaturwettbewerb in Klagenfurt erhielt.[8] Die erste Veröffentlichung eines Textes erfolgte in der Kärntner Tageszeitung, abgesehen von der Mitwirkung an der Schülerzeitschrift „Die Fackel“. Seine Matura machte er schließlich am Bundesgymnasium in Klagenfurt, weil er in Tanzenberg der Schule verwiesen wurde, nachdem er unbotmäßige Literatur gelesen hatte.

Auf den Rat seines ehemaligen Lehrers hin wählte er Jura als Studienfach, um viel Zeit zum schreiben und nachdenken zu haben. Das Studium brach er jedoch 1965 nach der Annahme seines ersten Romanmanuskripts Die Hornissen ab.

Doch erst mit seinem Auftritt in der Gruppe 47 in Princeton und seinen Sprechstücken fand er Aufmerksamkeit.[9] 1966 bezichtigte er die Autoren der „Gruppe 47“ während einer Tagung in Princeton der „Beschreibungsimpotenz“[10] und festigte so sein Eingangs beschriebenes Image.

In der Kritik wurde das Buch sehr ambivalent aufgenommen. Gerade Handke, der den Schreibstil der Gruppe 47 kritisiert, wird eine pedantische Beschreibung vorgeworfen.[11] Es wird von einer Literatur ohne Thema, von einer Sprache, die es fertig bringt, gleichzeitig wortreich und nichts sagend zu sein, gesprochen:

„So leblos wie die Dinge, so trocken und hölzern wie Handkes Menschen ist auch sein Text. Die Erzählung kommt nie in Schwung, es bleibt bei einer pedantisch aufdringlichen Beschreibung von Details, die schon an und für sich nicht sehr interessant sind“.[12] „Ein Stück Beschreibungsliteratur - das ödeste übrigens, das sich denken lässt.“[13]

[...]


[1] Erstausgabe: Peter Handke: Die Hornissen. Roman, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1966; Zitate ohne weitere Angaben aus: Peter Handke, Die Hornissen, 9. ungek. Ausgabe, Reinbek: Rowohlt Taschenbuch 1968 (rororo, Bd. 1098).

[2] Christel Terhorst, Peter Handke: Die Entstehung literarischen Ruhms. Die Bedeutung der literarischen Tageskritik für die Rezeption des frühen Handke, Frankfurt am Main: Peter Lang 1990, S. 1.

[3] Terhorst, Peter Handke, 1990, S. 2.

[4] Michael Buselmeier, Das Image des Peter Handke, in: Frankfurter Hefte, H. 4 (1970), S. 281-288.

[5] Peter Handke, Zur Tagung der Gruppe 47 in USA, in: Peter Handke (Hg.), Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1972, S. 29-34, (Suhrkamp Taschenbuch, Bd. 56), S. 30.

[6] Erstausgabe: Peter Handke, Wunschloses Unglück. Erzählung, Salzburg: Residenz 1972.

[7] „Erst die Literatur erzeugte mein Bewußtsein von diesem Selbstbewusstsein, sie klärte mich auf, indem sie zeigte, dass ich kein Einzelfall war, dass es anderen ähnlich erging. Das stupide System der Erziehung, das wie auf jeden von den Beauftragten der jeweiligen Obrigkeit auch auf mich angewendet wurde, konnte mir nicht mehr so viel anhaben. So bin ich eigentlich nie von den offiziellen Erziehern erzogen worden, sondern habe mich immer von der Literatur verändern lassen“. Peter Handke, Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms, in: Peter Handke (Hg.), Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1972, S. 19-28, (Suhrkamp Taschenbuch, Bd. 56), S. 19.

[8] Einige Preise, die folgten: Gerhart-Hauptmann-Preis (1967), Georg-Büchner-Preis (1973), Kafka-Preis (1979), Österreichischer Staatspreis (1987).

[9] Vgl. Adolf Haslinger, Peter Handke. Jugend eines Schriftstellers, Salzburg u. Wien: Residenz 1992.

[10] Handkes Kommentar zu dem Vorfall in: Handke: Zur Tagung der Gruppe 47 in USA, 1972.

[11] Eine Möglichkeit, sich diesem Paradox zu nähern ist die Betrachtung seiner Sichtweise der Sprachfunktion. Demnach dient Sprache nicht als Glas, um die Dinge genau zu betrachten, sondern verzerrt diese bereits. Damit steht eine Beschreibung, die den Kern der Sache erfassen will, einer Beschreibung gegenüber, die durch die Wahl des Wortkontextes auf die Verzerrung des Gegenstandes durch die Beschreibung hinweist. Vgl. Handke, Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms, 1972; Handke, Zur Tagung der Gruppe 47 in USA, 1972.

[12] Jakov Lind, Zarte Seelen, trockene Texte, in: DER SPIEGEL, Nr. 29, 11. VII. (1966), S. 79.

[13] Peter Hamm, Der neueste Fall von deutscher Innerlichkeit: Peter Handke, in: Michael Scharang (Hg.), Über Peter Handke, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1972, S. 304-314 (edition Suhrkamp, Bd. 518), S. 304.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Überlegungen zu Handkes Erstlingswerk "Die Hornissen"
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Österreichische Literatur nach ‘45
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
11
Katalognummer
V21886
ISBN (eBook)
9783638253888
ISBN (Buch)
9783638757638
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handkes, Erstlingswerk, Hornissen, Seminar, Literatur
Arbeit zitieren
Lilli Richert (Autor), 2004, Überlegungen zu Handkes Erstlingswerk "Die Hornissen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21886

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