Die Wertpapiermärkte gewinnen im Zeitalter der Informationen und Technologien zunehmend an Bedeutung. Aus Sicht der Unternehmung ist der Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle interessant. Den Investoren wird über die Kapitalmärkte gleichzeitig die Möglichkeit der Investition, aber auch über den Sekundärmarkt der schnelle Kapitalabzug möglich. Die Prozesse der Geldanlage und des Geldabzuges werden durch Technologien wie das Internet unterstützt und beschleunigt. Grundlage für diese Bewegungen sind die Erwartungen der Akteure über die Kursentwicklung von Wertschriften. Bei diesen Kursentwicklungen kommt es unregelmäßig zu Anomalien, welche positive aber auch sehr negative Auswirkungen auf die Vermögenssituation der Finanzmarktteilnehmer und ganzer Volkswirtschaften haben können. Allgemein ist der Kurs einer Wertschrift durch seinen Fundamentalwert erklärt, also durch die abgezinsten zukünftig erwarteten Gewinne und Dividenden. Die auftretenden Anomalien, z.b. Börsenkrach, lassen sich jedoch nicht mit der Fundamentalanalyse erklären, da die Erwartungsbildung und ihre Bedeutung für die Wertschriftpreisentwicklung nicht ausreichend gewürdigt wird.
Nicht-fundamentale Modelle versuchen den Entscheidungsprozeß zu erklären. Damit ist gleichzeitig die Berücksichtigung der Erwartungsbildung gegeben. Die hierbei angewendeten Ansätze sind die technische Analyse, der wirtschaftspsychologische Ansatz, die institutionelle Analyse, die Bubbletheorie und der Ansatz des Noise Trading.
Inhaltlicher Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit bildet die Bubbletheorie. Unter Punkt zwei werden die Definition für eine Blase und Variablen, welche für die Entstehung einer Blase wesentlich sind, dargestellt. In Abschnitt drei wird auf die besonders bedeutsamen rationalen Blasen und Informationsblasen eingegangen. Anschließend wird das Konzept der spekulativen Blase nach Aschinger detailliert erläutert. Die Theorie spekulativer Blasen wird im Verlauf des Abschnitts vier auf die Realität projiziert. Im Anschluss wird die Bubbletheorie dem Beispiel Jarchows folgend, für den Devisenmarkt dargestellt. Abschließend erfolgt eine kurze Zusammenfassung und kritische Würdigung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bubbletheorie
2.1. Spekulation
2.2. Rationale Erwartungen
3. Spekulative Blasen (rationale Blasen)
3.1. Informationsblasen
4. Theorie spekulativer Blasen
4.1. Formen spekulativer Blasen
4.1.1. Deterministische Blase
4.1.2. Stochastische Blasen
4.1.2.1. Stochastische Blasen die vom Fundamentalwert unabhängig sind
4.1.2.2. Stochastische Blasen die vom Fundamentalwert abhängig sind
4.2. Empirie spekulativer Blasen
4.3. Erklärung des Börsenkrachs von 1987 mit Hilfe des Ansatzes von Aschinger
5. Spekulative Blasen am Devisenmarkt
5.1. Nicht platzende Blasen auf dem Devisenmarkt
5.2. Platzende Blasen auf dem Devisenmarkt
6. Zusammenfassung und kritische Würdigung
Zielsetzung und Themenbereiche
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen fundierten Einblick in die Theorie und Empirie spekulativer Preisblasen zu geben, wobei insbesondere die Rolle von Spekulation und rationalen Erwartungen bei der Entstehung von Marktanomalien untersucht wird. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Platzen von Blasen durch ökonomische Modelle, etwa am Beispiel des Börsenkrachs von 1987, theoretisch herleiten und erklären lässt.
- Grundlagen der Bubbletheorie und deren Definition
- Analyse spekulativer und rationaler Blasen
- Empirische Untersuchung von Börsenkrisen und spekulativem Verhalten
- Modellierung von Preisblasen auf Aktien- und Devisenmärkten
- Kritische Würdigung der Erklärungsansätze für Finanzmarkt-Anomalien
Auszug aus dem Buch
4.1.2. Stochastische Blasen
Aschinger unterteilt stochastische Blasen in Blasen, welche vom Fundamentalwert einer Wertschrift unabhängig oder abhängig sind. Für spekulative Blasen ist die Wahrscheinlichkeit des Platzens charakteristisch.
4.1.2.1. Stochastische Blasen die vom Fundamentalwert unabhängig sind
Eine stochastische Blase, die vom Fundamentalwert unabhängig ist, wird beschrieben durch: bt = (ac)bt-1 + et mit der Wahrscheinlichkeit c, 0 ≤ c ≤ 1 bzw. bt = et der Wahrscheinlichkeit (1 - c).
c determiniert die Wahrscheinlichkeit, dass die Bubble eine weitere Periode besteht. Wenn c = 1 erhalten wir eine deterministische Blase. (1- c) beschreibt die Wahrscheinlichkeit des Platzens einer Bubble, in Abhängigkeit der Zeit des Bestehens dieser Bubble bzw. der Differenz zwischen pt und pt*.
Die Zufallsvariable e hat den Erwartungswert µ und die Standardabweichung σ. Es gilt dabei: μ = E(et|Ωt-1) = 0 . Die Störterme et sind untereinander frei von Autokorrelation.
Nach Aschinger beträgt die durchschnittliche Lebensdauer einer Bubble 1/(1-c). Die Rendite einer Wertschrift ist während des Bestehens einer Blase höher als r, um die Marktteilnehmer mit einer Risikoprämie zu entlohnen. Neben der Möglichkeit, dass beim Platzen einer spekulativen Blase, der Preis einer Wertschrift unter dessen Fundamentwert fällt, kann auch bei einer bestehenden Blase bt < 0 sein. Dies hängt primär von σ des Störterms e ab. Die Variable et beeinflusst eine bestehende Bubble und ermöglicht nachdem Platzen einer alten Blase die Bildung einer neuen. Es wird so der Einfluss stochastischer exogener Ereignisse berücksichtigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Finanzmärkte und deren Anfälligkeit für Anomalien, die durch herkömmliche Fundamentalanalyse nicht hinreichend erklärbar sind.
2. Bubbletheorie: Definition des Begriffs der spekulativen Blase sowie Erläuterung der zugrunde liegenden Mechanismen der Spekulation und der Theorie rationaler Erwartungen.
3. Spekulative Blasen (rationale Blasen): Detaillierte Betrachtung rationaler Blasen als Konsequenz von Kurserwartungen sowie eine kurze Einordnung von Informationsblasen.
4. Theorie spekulativer Blasen: Mathematische Herleitung deterministischer und stochastischer Blasenmodelle nach Aschinger und deren Anwendung auf historische Marktdaten wie den Börsenkrach von 1987.
5. Spekulative Blasen am Devisenmarkt: Übertragung der Bubbletheorie auf Devisenmärkte unter Unterscheidung von platzenden und nicht platzenden Blasenvarianten.
6. Zusammenfassung und kritische Würdigung: Synthese der Ergebnisse und kritische Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der Modellierung von Marktpreisanomalien.
Schlüsselwörter
Finanzmärkte, Spekulation, Rationale Erwartungen, Preisblasen, Bubbletheorie, Fundamentalanalyse, Börsenkrach 1987, Devisenmarkt, Stochastische Blasen, Marktanomalien, Risikoprämie, Aschinger, Jarchow, Arbitragefreiheit, Marktinstabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen spekulativer Preisblasen an Finanzmärkten und analysiert, warum Marktpreise häufig von ihrem fundamentalen Wert abweichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Bubbletheorie, die Bedeutung von rationalen Erwartungen bei Investorenentscheidungen und die empirische Nachvollziehbarkeit von Kursanomalien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen fundierten Einstieg in die theoretische Herleitung von Preisblasen zu liefern und zu prüfen, inwieweit diese Modelle zur Erklärung historischer Börsenereignisse beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet primär theoretische Strukturmodelle der Finanzwirtschaft, ergänzt durch eine modellbasierte Simulation historischer Kursverläufe, insbesondere nach dem Ansatz von Aschinger.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch die Bubbletheorie, die mathematische Differenzierung zwischen deterministischen und stochastischen Blasen sowie deren Anwendung auf Aktien- und Devisenmärkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Spekulation, Rationale Erwartungen, Preisblasen, Stochastische Blasen sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Marktineffizienzen.
Wie wird der Börsenkrach von 1987 im Modell erklärt?
Anhand des Aschinger-Modells wird simuliert, wie bei gegebenen Annahmen zu Zinsen, Inflation und Erwartungshaltungen ein Blasenverlauf entsteht, der im Oktober 1987 zu einem drastischen Platzen führte.
Warum ist die Vorhersage des Platzens einer Blase so schwierig?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ein ex-ante Zeitpunkt für das Platzen einer Blase nicht bestimmbar ist, da die zugrunde liegenden Modelle auf Annahmen basieren, die erst im Nachhinein (ex post) durch empirische Daten verifiziert werden können.
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- Michael Schnabel (Author), 2000, Theorie und Empirie spekulativer Blasen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2192