Kinder haben ein Verständnis von Emotionen. Nicht ganz eindeutig geklärt ist jedoch die Frage, wie sie dazu kommen. Wie schaffen es Kinder, sich mit der Begrifflichkeit und der Bedeutung von Emotionen
vertraut zu machen?
Welche Wege beschreiten sie auf diesem Weg? Nutzen sie so etwas wie eine abrufbereite Liste, auf der sie ihre Erfahrungen (Ereignis plus eingetretene Emotion) ,,notiert" haben oder steckt ein komplexerer Mechanismus dahinter?
In welchem Ausmaß besitzen Kinder das Wissen und die Fähigkeit, emotionale Begriffe zu nutzen und sie mit anderem emotionalen Wissen in Verbindung zu bringen? Mehrfach wurde geprüft, wie Kinder eine Sprache erlernen, aber nur selten, wie sie lernen Emotionen mit Namen zu versehen. Viel wurde darüber geschrieben, wie Kinder und Erwachsene über Emotionen sprechen, aber wenig ist bekannt darüber, wie sie die Fähigkeit zum Benennen der Emotionen erwerben.
Die folgende Arbeit will versuchen, der Frage nachzugehen, welche Strategie von Kindern auf dem Weg des Verstehens und Begreifens von Emotionen genutzt wird.
Relevanz erlangt dieses Thema für mich deshalb, weil ich es wichtig finde, das Muster zu kennen, das Kinder zu Hilfe nehmen, um sich in ihrer Umwelt zurecht zu finden. Beispielsweise in der Kindertherapie muss man die Wege kennen, die Kinder beschreiten, um pathologische Abweichungen feststellen zu können und helfend einzugreifen. Eine weiterer Punkt, der die Bedeutung dieses Themas hervorhebt, ist die pädagogische Arbeit mit Kindern. Ob Eltern oder Lehrer und Erzieher, für alle ist es gleichermaßen wichtig zu wissen, wie sich die Entwicklung im Bereich Emotionen gestaltet und welche Einflussmöglichkeiten man hat.
Inhaltsverzeichnis
1. VERSTÄNDNIS VON EMOTIONEN
1.1. BEGRIFFSKLÄRUNG - EMOTIONEN
1.1.1. Was versteht man unter einer Emotion?
1.2. EMOTIONALE ENTWICKLUNG
1.2.1. Ein Modell kindlichen Verstehens von Emotionen
1.2.2. Vorläufer emotionaler Entwicklung - Das 1. Lebensjahr
1.2.3. Überzeugungen, Wünsche und Emotionen
2. FORSCHUNGSERGEBNISSE
2.1. DAS LEXIKALISCHE WISSEN VON KINDERN
2.2. VERSTEHEN VON EMOTIONEN
2.3. SITUATIVES WISSEN ‡ ERKENNEN VON EMOTIONEN IM SITUATIVEN KONTEXT
3. DISKUSSION
3.1. INTERPRETATION DER ERGEBNISSE
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den kindlichen Entwicklungsprozess beim Verstehen und Benennen von Emotionen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche mentalen Mechanismen und Strategien Kinder nutzen, um Emotionen in ihrer Umwelt zu identifizieren und wie sich diese Fähigkeit im Vorschulalter entwickelt.
- Grundlagen und Definitionen von Emotionen
- Entwicklungsstufen der emotionalen Wahrnehmung
- Rolle von Phantasie und Ich-Bewusstsein beim Emotionsverständnis
- Empirische Analyse des lexikalischen und situativen Wissens bei Kindern
- Diskussion theoretischer Modelle zur emotionalen Entwicklung
Auszug aus dem Buch
Die unwillkürliche Natur emotionaler Erlebnisse
Die unwillkürliche Natur emotionaler Erlebnisse ist die dritte Dimension, die den Prozess des Verstehens charakterisiert. Das Erleben einer Emotion ist nicht planbar, wir können uns nur vorstellen, wie wir angesichts eines emotionalen Ereignisses reagieren würden. Emotionen ereignen sich unerwartet und unwillkürlich als Reaktion auf neue Ereignisse oder Situationen. Dabei ist die Existenz noch nie da gewesener Informationen eine kritische Komponente emotionaler Erlebnisse. Werden z.B. Kinder oder Erwachsene wiederholt mit dem gleichen Ereignis konfrontiert, erleben sie eine Emotion zum zweiten Mal nur dann, wenn sie ein neues Element in dieser Situation wahrnehmen, welches sie vorher nicht zur Kenntnis genommen haben. Erkennen sie jedoch keinen neuen Aspekt, erleben sie nicht die gleiche Intensität einer Emotion. Manchmal nehmen sie gar keine Emotion mehr wahr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VERSTÄNDNIS VON EMOTIONEN: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, definiert Emotionen als mehrdimensionale Phänomene und beleuchtet die frühen Phasen der emotionalen Entwicklung im ersten Lebensjahr.
1.1. BEGRIFFSKLÄRUNG - EMOTIONEN: Hier werden zentrale Definitionen von Emotionen diskutiert, wobei der Fokus auf der kognitiven Bewertung und der synchronisierten Reaktion des Organismus liegt.
1.1.1. Was versteht man unter einer Emotion?: Dieser Abschnitt vertieft die Definition von Emotionen durch verschiedene wissenschaftliche Ansätze und betont die Rolle kognitiver Prozesse.
1.2. EMOTIONALE ENTWICKLUNG: Dieses Kapitel untersucht die mentalen Prozesse, die zum Verständnis und zur Bewertung von Emotionen bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen führen.
1.2.1. Ein Modell kindlichen Verstehens von Emotionen: Vorstellung eines spezifischen Modells, das vier Dimensionen des emotionalen Erlebens und Verstehens bei Kindern ab dem zweiten Lebensjahr beschreibt.
1.2.2. Vorläufer emotionaler Entwicklung - Das 1. Lebensjahr: Analyse der präverbalen Grundlagen, wie die Entwicklung von Vorlieben und die Fähigkeit zur Gewöhnung, die zum emotionalen Verständnis hinführen.
1.2.3. Überzeugungen, Wünsche und Emotionen: Untersuchung der Bedeutung von Phantasie, Ich-Bewusstsein und der Fähigkeit zum "So-tun-als-ob" für das Verständnis emotionaler Zustände anderer.
2. FORSCHUNGSERGEBNISSE: Präsentation der empirischen Untersuchung von Michalson und Lewis zur Fähigkeit von Kindern, Emotionen zu benennen und situativ zu erkennen.
2.1. DAS LEXIKALISCHE WISSEN VON KINDERN: Darstellung der Ergebnisse zur Frage, inwiefern Kinder in der Lage sind, verschiedenen Gesichtsausdrücken korrekt die passenden Emotionsbegriffe zuzuordnen.
2.2. VERSTEHEN VON EMOTIONEN: Analyse der Ergebnisse zur Fähigkeit, Emotionen bei anderen durch Mimik zu identifizieren, unabhängig von der verbalen Benennung.
2.3. SITUATIVES WISSEN ‡ ERKENNEN VON EMOTIONEN IM SITUATIVEN KONTEXT: Untersuchung dazu, ob Kinder Emotionen basierend auf dem situativen Kontext korrekt vorhersagen können.
3. DISKUSSION: Synthese und Interpretation der Studienergebnisse vor dem Hintergrund bestehender Theorien.
3.1. INTERPRETATION DER ERGEBNISSE: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Diskussion der Limitierungen der untersuchten "Listentheorie" im Vergleich zu komplexeren emotionalen Entwicklungsprozessen.
Schlüsselwörter
Kindliche Entwicklung, Emotionen, Emotionsverständnis, Kognitive Bewertung, Phantasie, So-tun-als-ob, Basisemotionen, Lexikalisches Wissen, Situatives Wissen, Mentale Repräsentation, Selbstbewusstsein, Empirische Untersuchung, Entwicklungspsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, wie Kinder Emotionen verstehen, bewerten und benennen lernen sowie welche kognitiven Mechanismen dabei eine Rolle spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der emotionalen Entwicklung im Kindesalter, der Rolle der Phantasie beim Verständnis fremder Gefühlszustände und der empirischen Überprüfung lexikalischer sowie situativer Fähigkeiten bei Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Muster zu identifizieren, das Kinder nutzen, um sich in ihrer emotionalen Umwelt zurechtzufinden und pathologische Abweichungen besser verstehen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse theoretischer Ansätze und der Auswertung der empirischen Studie von Michalson und Lewis (1985).
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu den vier Dimensionen des emotionalen Verstehens, die Entwicklung der Phantasie und die detaillierte Darstellung und Diskussion der Ergebnisse aus der Studie zur Emotionsbenennung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die "Listentheorie", Basisemotionen, die Entwicklung des Ich-Bewusstseins und die Fähigkeit zur Differenzierung zwischen Realität und Phantasie.
Warum spielt die Fähigkeit des "So-tun-als-ob" eine so wichtige Rolle für das Kind?
Laut der Arbeit ist diese Fähigkeit der Schlüssel zur Phantasie, welche es Kindern erlaubt, sich in die Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen anderer Menschen hineinzuversetzen, ohne diese Gefühle selbst real erleben zu müssen.
Wie korreliert das Alter der Kinder mit ihrer Fähigkeit, Emotionen zu benennen?
Die Studie zeigt eine klare Alterskorrelation: Während jüngere Kinder (2-jährige) kaum Emotionsbegriffe kennen, steigt die Fähigkeit zur korrekten Benennung von Basisemotionen wie Glück, Trauer und Ärger kontinuierlich bis zum 5. Lebensjahr an.
Welche methodischen Schwierigkeiten treten bei der Untersuchung von Emotionen bei Kleinkindern auf?
Ein wesentliches Problem ist die Operationalisierung: Viele Situationen in der Studie waren für Kinder nicht in der Weise emotional aufgeladen, wie es die Forscher erwarteten, oder die Kinder konnten mangels eigener Erfahrung die korrekte Emotion nicht zuordnen.
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- Susanne Schulz (Author), 2001, Kindliches Verständnis von Emotionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2209