Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen Überblick über die herrschenden Sportstrukturen der ehemaligen DDR und denen der BRD (bis zum Fall der Mauer 1990) zu geben.
Ausgehend von der Tatsache, dass sich die beiden deutschen Nationen in so vielen Punkten stark voneinander unterschieden, wird es auch Teil dieser Arbeit sein, Gemeinsamkeiten zwischen den Sportsystemen herauszustellen. Ich berücksichtige bei dieser Untersuchung sowohl die Beziehung zwischen Sport und Staat, deren Rechtsgrundlagen und die dazugehörende Umsetzung, als auch die Strukturen der Sport(selbst)verwaltung mit ihren Untergliederungen. Letztlich versuche ich, das Verhältnis zwischen Leistungs- und Breitensport beider Staaten zu diskutieren, und anschließend möchte ich die Leitsätze von NIESE als Abschlussdarstellung präsentieren.
An den Anfang meiner Ausführungen stelle ich eine Aussage über den Erfolg eines der beiden Sportsysteme, wobei Erfolg hier im Sinne von errungenen Medaillen beziehungsweise gewonnenen Wettkämpfen zu verstehen ist: Es hat „weltweit keinen Staat mit einem vergleichbar geringen Bevölkerungspotential [gegeben], der auch nur annähernd die Medaillenausbeute der DDR erzielt hätte. [...] Orientiert an dieser Meßlatte [erzielte Weiten, gelaufene Sekunden, geschossene Tore, erreichte Platzierungen, gewonnene Medaillen, usw.] hatte die DDR zumeist `die Nase vorn`, war erfolgreicher als die alte Bundesrepublik.“
Die angesprochenen Erfolge sind fast ausschließlich Errungenschaften des Leistungssports, da im Bereich des Breitensports andere Kriterien (und die auch nur in ihrer Summe) bestimmend für eine Untersuchung wären. Aufgrund der Vielzahl und der ungenauen Begrenzung dieser Maßstäbe für den Breitensport erwähnte ich nur die „zählbaren“ Ergebnisse des Leistungssports.
Im folgenden wird herauszustellen sein, welche Grundlagen, Strukturen und Realisierungen der jeweiligen Sportsysteme die Basis der oben angeführten Aussage bilden.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Sportstrukturen
2.1. Verhältnis Sport und Staat
2.2. Rechtsgrundlagen des Sports und Sportgerichte
3. Strukturen der Sportselbstverwaltung
3.1. DSB und DTSB
3.2. Leistungssport
3.3. Breitensport
4. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen systematischen Überblick über die unterschiedlichen Sportstrukturen in der DDR und der BRD bis zur Wiedervereinigung 1990, wobei Gemeinsamkeiten und Gegensätze in den Bereichen Staatsverhältnis, Rechtsgrundlagen und Selbstverwaltung aufgezeigt werden.
- Vergleich der staatlichen Einflussnahme auf den Sport in beiden deutschen Staaten.
- Analyse der rechtlichen Grundlagen und der Vereinigungsfreiheit im Sportsystem.
- Gegenüberstellung der Dachverbände DSB und DTSB hinsichtlich ihrer Organisationsform.
- Bewertung der unterschiedlichen Konzepte in Leistungs- und Breitensport.
- Untersuchung der Rolle staatlich gelenkter Dopingmaßnahmen und Anreizsysteme.
Auszug aus dem Buch
3.2. LEISTUNGSSPORT
Der Leistungssport der BRD ist in Bezug auf die Talentauswahl und –förderung im Nachwuchsbereich durch ein „unzureichendes und uneffektives Zusammenwirken von Elternhaus, Schule und Verein gekennzeichnet (ergänzt durch Kadermaßnahmen beziehungsweise die punktuelle Betreuung in Sportinternaten), `abgerundet` durch das Wettkampfsystem der Fachverbände und die schulischen Wettbewerbe.“13
Der Kerngedanke des DDR – Sportsystem hingegen war es, das gesamte Bevölkerungspotential leistungssportlich zu nutzen, deshalb war im Gegensatz zur BRD bereits der Schulsport leistungsorientiert ausgerichtet. Dies ging in die Sportgemeinschaften, in das Sichtungs- und Ausleseverfahren (ESA) mit dem Spartakiadesystem, in den Spiel- und Sportbetrieb der Verbände und in das mehrstufige Fördersystem, bestehend aus Trainingszentren (TZ), Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) und den Sportclubs (SC), über. Zudem bildete die Ausrichtung der schulischen und beruflichen Ausbildung auf sportliche Anforderungen als generelle Tendenz die optimale Voraussetzung, sportliche Talente zu erkennen, sportartenspezifisch zuzuordnen und zu entwickeln.
Verstärkt wurde dieser Übungs- und Trainingsbetrieb durch einen hauptamtlichen Mitarbeiterstab, der zum konkreten Training auch die wissenschaftliche und medizinische Betreuung beinhaltete und sich nach den sogenannten Jahressportplänen richtete. Der Mitarbeiterapparat der BRD war im Vergleich zahlenmäßig schwächer und längst nicht so gut koordiniert, und so kam es, dass die Erfolge eines Athleten für die Intensität seiner Betreuung verantwortlich waren. Je mehr Wettkämpfe ein Sportler gewann, desto höher war das Maß der Betreuung, die ihm zuteil wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, einen Vergleich der Sportsysteme von DDR und BRD bis 1990 zu ziehen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in Struktur und Erfolg zu erörtern.
2. Allgemeine Sportstrukturen: Dieses Kapitel erläutert das Verhältnis zwischen Sport und Staat sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen, wobei die Autonomie in der BRD der staatlichen Integration in der DDR gegenübergestellt wird.
3. Strukturen der Sportselbstverwaltung: Der Abschnitt analysiert die Organisationen DSB und DTSB, die unterschiedlichen Systeme der Talentförderung im Leistungssport sowie die Diskrepanzen im Bereich des Breitensports.
4. Resümee: Das Kapitel fasst mittels der Leitsätze von Niese die systemischen Unterschiede zwischen ost- und westdeutschem Sport zusammen.
Schlüsselwörter
Sportstrukturen, DDR, BRD, Sportverwaltung, Leistungssport, Breitensport, DSB, DTSB, Vereinigungsfreiheit, Sportpolitik, Doping, Systemvergleich, Staatsverhältnis, Sportselbstverwaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem systemvergleichenden Überblick der Sportstrukturen in der ehemaligen DDR und der BRD bis zum Jahr 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen das Verhältnis von Sport und Staat, die jeweiligen Rechtsgrundlagen, die Organisation der Sportselbstverwaltung sowie die Ausgestaltung von Leistungs- und Breitensport.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Sportsysteme herauszuarbeiten und die Faktoren zu identifizieren, die den Erfolg des DDR-Sportsystems beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine systemvergleichende Analyse, die auf Sekundärliteratur und rechtlichen Dokumenten der beiden Staaten basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung staatlicher Sportverwaltung, die Rolle der Verbände (DSB/DTSB) und die detaillierte Gegenüberstellung der Nachwuchsförderung sowie der Breitensportkonzepte.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte umfassen Sportstrukturen, Systemvergleich, Leistungsförderung, Staatskontrolle und Sportselbstverwaltung.
Wie unterschied sich die Vereinigungsfreiheit im Sport zwischen den beiden Staaten?
Während in der BRD das Grundgesetz die Autonomie der Sportvereine garantierte, unterlag die Vereinigungsfreiheit in der DDR einer strikten staatlichen Kontrolle und ideologischen Ausrichtung.
Welche Rolle spielte das "Gießkannenprinzip" im Vergleich zur DDR-Sportförderung?
In der BRD wurde das Gießkannenprinzip zur breiten Unterstützung vieler Sportarten genutzt, wohingegen die DDR ihre Ressourcen auf eine begrenzte Anzahl olympischer Sportarten mit positiver Kosten-Nutzen-Relation konzentrierte.
- Quote paper
- Ines Meier (Author), 2002, Vergleich der Sportstrukturen zwischen BRD und DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22103