In meinem Studienschwerpunkt Geographie habe ich die große Bedeutung der Umweltbildung im Rahmen des Geographieunterrichts beziehungsweise des Sachunterrichts der Primarstufe kennengelernt. Ebenso wurde besonders in der Geographie, aber auch in anderen Studienfächern immer wieder die veränderte Lebenswelt der Kinder, insbesondere der Kinder in der Stadt, thematisiert. Ihr kommt eine bedeutende Rolle für die kindliche Entwicklung zu. Das seit einigen Jahren verwirklichte Konzept der Waldkindergärten schien mir eine Möglichkeit darzustellen, einerseits bereits im Vorschulalter ökologische Bildung zu vermitteln, andererseits dem veränderten Lebensumfeld von Kindern Rechnung zu tragen und ihnen Raum für eine natürliche, naturnahe Entwicklung zu bieten. So ergab sich, durch mein Unterrichtsfach Geographie begründet, der Schwerpunkt dieser Arbeit, nämlich zu überprüfen, inwieweit der Waldkindergarten eine ökologische Bildungschance im Vorschulalter darstellt. Aus der ebenfalls im Studium vermittelten Sicht der Schulpädägogik trat allerdings noch eine andere Fragestellung in den Vordergrund: Ist es möglich, dass aus Kindern, die ihre gesamten Kindergartenzeit ausschließlich im Wald spielend verbracht haben, schulkompetente Erstklässler werden? Diese Frage und ihre Beantwortung mit Hilfe einer von mir durchgeführten Untersuchung rückt im zweiten Teil der Arbeit in den Mittelpunkt. Da ich im Rahmen dieser Arbeit auf die Kooperation vieler Menschen angewiesen war, möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Eltern, LehrerInnen, ErzieherInnen und vor allem bei den Kindern bedanken, die an der in dieser Arbeit vorgestellten Studie teilgenommen haben. Besonders zu erwähnen ist hier der Waldkindergarten „Waldstrolche am Forst e.V.“, in dem alle Fotos entstanden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Waldkindergarten. Eine Einführung hinsichtlich der Begriffsbestimmung, der Geschichte und des pädagogischen Ansatzes
2.1 Der klassische Waldkindergarten
2.2 Geschichte des Waldkindergartens.
2.3 Die pädagogische Konzeption des Waldkindergartens.
3. Theorien und Thesen zur ökologischen Bildung von Kindern unter spezieller Berücksichtigung des Vorschulalters
3.1 Was ist ökologische Bildung?
3.2 Warum ist heutzutage ökologische Bildung ein besonders aktuelles Bildungsziel?
3.3 Grundprinzipien des Lernens im Kindergartenalter als theoretische Grundlage für das Lernen auch ökologischer Inhalte im Waldkindergarten.
4. Einblicke in die praktische Arbeit des Waldkindergartens unter dem Aspekt ökologische Bildung/ Lernchancen.
5. Gibt es einen spezifischen Bildungsauftrag des Kindergartens hinsichtlich des Erreichens der Schulfähigkeit?
6. Was ist Schulfähigkeit und welche Erwartungen stellt die Regelschule an „schulfähige“ Schulneulinge?
7. Vorstellung des Fragebogens zum Kenntnis- und Entwicklungsstand der Waldkindergartenkinder in der ersten Klasse.
7.1 Sozialerziehung und Persönlichkeitsbildung.
7.2 Denkentwicklung.
7.3 Sprachentwicklung.
7.4 Ästhetische Elementarerziehung.
7.5 Sport in der Elementarerziehung.
7.6 Umwelt- und Sachbegegnung / Umwelt schützen.
7.7 Verkehrserziehung- Sicherheitserziehung.
8. Untersuchungsdurchführung und Ergebnishypothesen
8.1 Durchführung der Untersuchung.
8.2 Ergebnishypothese.
8.2.1 Schulrelevante Kompetenzen.
8.2.2 Kompetenzen im Bereich Ökologie.
9. Auswertung der Fragebögen
9.1 Auswertung hinsichtlich der schulischen Basiskompetenzen.
9.2 Auswertung hinsichtlich der ökologischen Bildung.
10. Ausblick: Ein Waldtag in der Grundschule. Können Teile des Waldkindergartenkonzepts in die Schule hinein weitergeführt werden?
11. Fazit.
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit der Waldkindergarten eine ökologische Bildungschance im Vorschulalter bietet und ob Kinder, die ihre Kindergartenzeit im Wald verbracht haben, die notwendigen Voraussetzungen für den Übergang in die Regelschule erfüllen.
- Analyse der pädagogischen Konzepte und der Geschichte des Waldkindergartens.
- Untersuchung der Bedeutung ökologischer Bildung für Kinder im Vorschulalter.
- Empirische Vergleichsstudie zwischen ehemaligen Waldkindergartenkindern und Kindern aus Regelkindergärten bezüglich ihrer Schulfähigkeit.
- Evaluation des Einflusses von Naturerfahrungen auf die kognitive, motorische und soziale Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
Die pädagogische Konzeption des Waldkindergartens
Aus dem Bedürfnis, den Kindern wieder einen selbstverständlicheren Bezug zur Natur zu ermöglichen, entstanden die Waldkindergärten. Dieser Bezug ist nur zu schaffen, indem die Begegnung mit der Natur nicht reglementiert wird und das Kind „sich dem Rhythmus der Natur anvertraut, um mit ihr vertraut zu werden“(Schede, H.-G. 2000, S.18). So ist es schwierig, einheitliche pädagogische Richtlinien zu benennen. Generell kann man aber eine Ausrichtung aller Waldkindergärten formulieren:
Sie dienen „der pädagogischen Absicht, es den Kindern zu ermöglichen, Natur und Umwelt bewußter zu erleben und als schützenswert zu erkennen.“ (Johannes, R. 1998, S.41.) Ebenfalls lassen sich folgende pädagogische Leitgedanken, nach denen alle Waldkindergärten arbeiten, auflisten:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsinteresses und der persönlichen Motivation zur Untersuchung des Waldkindergartens als Lernort.
2. Der Waldkindergarten. Eine Einführung hinsichtlich der Begriffsbestimmung, der Geschichte und des pädagogischen Ansatzes: Historischer Überblick und Definition des klassischen Waldkindergartens.
3. Theorien und Thesen zur ökologischen Bildung von Kindern unter spezieller Berücksichtigung des Vorschulalters: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der ökologischen Bildung und der Bedeutung des Spiels als Lernform.
4. Einblicke in die praktische Arbeit des Waldkindergartens unter dem Aspekt ökologische Bildung / Lernchancen.: Dokumentation von Praxistagen zur Untersuchung affektiver, kognitiver und pragmatischer Lerneffekte.
5. Gibt es einen spezifischen Bildungsauftrag des Kindergartens hinsichtlich des Erreichens der Schulfähigkeit?: Klärung des rechtlichen Bildungsauftrags und der Basiskompetenzen im Elementarbereich.
6. Was ist Schulfähigkeit und welche Erwartungen stellt die Regelschule an „schulfähige“ Schulneulinge?: Definition der Schulfähigkeit im pädagogischen Kontext und Analyse der Anforderungen der Regelschule.
7. Vorstellung des Fragebogens zum Kenntnis- und Entwicklungsstand der ehemaligen Waldkindergartenkinder in der ersten Klasse.: Detaillierte Darstellung der methodischen Vorgehensweise und der Testkategorien.
8. Untersuchungsdurchführung und Ergebnishypothesen: Beschreibung des Forschungsdesigns, der Stichprobenauswahl und Formulierung der Erwartungen.
9. Auswertung der Fragebögen: Detaillierte Analyse und Interpretation der erhobenen Daten in Bezug auf Basiskompetenzen und ökologische Bildung.
10. Ausblick: Ein Waldtag in der Grundschule. Können Teile des Waldkindergartenkonzepts in die Schule hinein weitergeführt werden?: Diskussion über die Transfermöglichkeiten des Waldkonzepts in den regulären Grundschulunterricht.
11. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und wissenschaftlicher Ausblick.
Schlüsselwörter
Waldkindergarten, ökologische Bildung, Umwelterziehung, Schulfähigkeit, Vorschulerziehung, Naturerfahrung, ganzheitliches Lernen, Sozialkompetenz, Motorik, kognitive Entwicklung, Handlungsorientierung, Primärerfahrung, Umweltbewusstsein, Elementarerziehung, Bildungschance.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Waldkindergarten als eine Form der ökologischen Bildung im Vorschulalter und deren Auswirkungen auf die allgemeine Entwicklung und Schulfähigkeit der Kinder.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Konzept des Waldkindergartens, die theoretischen Grundlagen ökologischer Bildung sowie die praktische Vergleichsstudie zwischen ehemaligen Waldkindergartenkindern und Regelkindergartenkindern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob der Aufenthalt im Waldkindergarten eine ökologische Bildungschance darstellt und ob dies die Schulfähigkeit im Vergleich zu Kindern aus Regaleinrichtungen beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine empirische Studie durch Fragebögen, die an Eltern, Lehrer und Kinder gerichtet wurden, ergänzt durch gezielte Beobachtungen der Kinder.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, einen praxisnahen Bericht aus Waldkindergärten, die Analyse des Begriffs der Schulfähigkeit sowie die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Waldkindergarten, ökologische Bildung, Schulfähigkeit, Naturerfahrung, ganzheitliches Lernen und Handlungsorientierung.
Welche Unterschiede zwischen Waldkindern und Regelkindern wurden bei den kognitiven Fähigkeiten festgestellt?
Waldkinder zeigen einen deutlichen Wissensvorsprung in Bezug auf Waldflora und -fauna und besitzen ein differenzierteres Ausdrucksvermögen bei der Wetterbeschreibung.
Wie schneiden Waldkinder bei der Schulfähigkeit ab?
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass Waldkinder ebenso gut auf die Schule vorbereitet sind wie Kinder aus Regelkindergärten; sie zeigen sich zudem oft konzentrationsstärker und ruhiger.
- Quote paper
- Sandra Wingen (Author), 2002, Waldkindergärten als ökologische Bildungschance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22111