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Gewalt im Fernsehen und ihre Auswirkungen auf den Rezipienten

Title: Gewalt im Fernsehen und ihre Auswirkungen auf den Rezipienten

Term Paper , 2000 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Sauermann (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Einleitung

Bildlich dargestellte Gewalt in den Massenmedien ist längst Teil unseres täglichen Lebens und der täglich konsumierten Eindrücke geworden. Der Anblick von physischen Schäden hervorgerufen durch direkte Gewalt bewirkt bei den meisten von uns nur in extremen Ausprägungen starke Emotionen, wie Erschrecken oder mehr als kurzzeitige Betroffenheit. Die Vorstellung, daß die Fülle von Gewaltdarstellungen somit Veränderungen bei den Rezipienten hervorruft, in welcher Form auch immer, liegt also nahe. Oftmals wird in diesem Zusammenhang von Verrohung oder Abstumpfung gesprochen. Laut dem Psychiater und Familientherapeut Horst-Eberhard Richter „ist unsere Gesellschaft emotional derart verroht, daß wir die eigene Brutalität nicht mehr erkennen“.
Gehen wir einen Schritt weiter, wäre zu erforschen, ob ein hohes Maß an Gewaltkonfrontation nicht nur die direkte Reaktion auf dargestellte Gewalt im Moment der Konfrontation beeinflußt, indem sie individuelle Reaktionen abschwächt oder sogar ganz aussetzt, sondern auch nachhaltigen Einfluß auf das Verhalten des Individuums außerhalb der „Konfrontationssituation“ nimmt. Mit anderen Worten würde das heißen, daß der Moment der Konfrontation einen Domino-Effekt auslöst, der andere Bereiche außerhalb des aktiven Medienkonsums, wie Entscheidungen, Entwicklungen und spontane Handlungen des betroffenen Individuums tangiert.
Weiterhin wäre herauszufinden, ob das Individuum jene Manipulation eigener Entscheidungen und Handlungsabläufe bewußt wahrnimmt, und diesen dann gegebenenfalls entgegenwirken kann oder ob es sich um eine weitestgehend versteckte Manipulation handelt, welche der individuellen Kontrolle entsagt.
1992 ereignete sich in Liverpool ein besonders grausamer Fall von Kinderkriminalität, welcher insbesondere von der Öffentlichkeit und einigen Politikern mit der Konsumierung von Mediengewalt begründet wurde.
Die elf-jährigen Jungen Robert Thompson und Jon Venables entführten den zwei-jährigen James Bulgar aus einem Supermarkt, folterten ihn, steinigten ihn und ließen ihn anschließend von einem Zug überfahren. Besonders auffällig erwies sich die Ähnlichkeit des Tatherganges mit dargestellten Gewaltszenen des Horrorvideos „Child´s Play 3“, welches die Kinder offenbar kurz vor ihrer Handlung konsumiert hatten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Gewalt? Wann liegt gewalttätige Handlung vor?

3. Die klassischen Ansätze zur Wirkung der Mediengewalt

3.1 Immitationsansatz – soziales Lernen

3.2 Katharsis-Hypothese

3.3 Frustrations-Aggressions-Ansatz

3.4 Inhibitionsebene

3.5 Theorie der „ängstlichen Weltbilder“

4. Ansätze zur Untersuchung medialer Gewalt und die Problematik einer plausiblen Interpretation der Ergebnisse

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Darstellung von Gewalt in den Massenmedien – insbesondere im Fernsehen – und deren potenziellen Auswirkungen auf das Verhalten sowie die Wahrnehmung des Rezipienten, um eine kritische Einschätzung zur aktuellen Forschungslage zu geben.

  • Analyse theoretischer Wirkungsmodelle (u.a. Imitationsansatz, Katharsis-Hypothese, Theorie der ängstlichen Weltbilder).
  • Kritische Beleuchtung der Operationalisierung von Gewalt in der empirischen Medienforschung.
  • Untersuchung der Bedeutung individueller Rezipientenmerkmale und Variablen.
  • Diskussion über die Validität von Kausalzusammenhängen zwischen Medienkonsum und realem Gewaltverhalten.

Auszug aus dem Buch

3. Die klassischen Ansätze zur Wirkung der Mediengewalt

Über die Wirkung von Gewaltdarstellungen in den (elektronischen) Medien auf den Rezipienten herrscht kein Konsens. Statt dessen existiert eine Fülle von Wirkungshypothesen, welche nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Öffentlichkeit differenzierten Abstufungen der Akzeptanz unterliegen. Nicht alle Ansätze lassen sich in der Praxis auf alle Rezipientengruppierungen gleichermaßen anwenden. Eine Vielzahl von Variablen bezüglich der diversen Rezipientengruppierungen liegen der Anwendbarkeit der einzelnen theoretischen Ansätze zugrunde. Dabei scheint es problematisch, klare Trennungen zwischen einzelnen Gruppierungen vorzunehmen und entsprechenden Wirkungsmodellen zuzuordnen. Vielmehr handelt es sich fast ausschließlich um Mischformen, die es zusätzlich erschweren, greifbare Wirkungshypothesen zu erarbeiten.

Diese Variablen sind interdisziplinärer Natur und setzen sich im Wesentlichen aus folgenden Komponenten zusammen:

- Alter

- Geschlecht

- Sozialstatus

- Soziale Integration

- Physische und Psychische Verfassung

- Kulturelle Einordnung und Ursprung

Zusätzlich ließe sich eine Reihe weiterer Komponenten integrieren, wie zum Beispiel „allgemeine Zufriedenheit“ und „Bildungsstand“ des einzelnen Rezipienten u.ä., welche aber im Wesentlichen auf den bereits genannten Variablen basieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit medialer Gewaltdarstellungen und stellt die kritische Frage, ob und wie diese das Verhalten der Rezipienten nachhaltig beeinflussen.

2. Was ist Gewalt? Wann liegt gewalttätige Handlung vor?: Dieses Kapitel diskutiert die definitorische Problematik des Gewaltbegriffs und zeigt auf, dass viele wissenschaftliche Studien diesen oft nicht hinreichend operationalisieren.

3. Die klassischen Ansätze zur Wirkung der Mediengewalt: Hier werden zentrale theoretische Modelle wie der Imitationsansatz, die Katharsis-Hypothese und die Theorie der „ängstlichen Weltbilder“ vorgestellt und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit geprüft.

4. Ansätze zur Untersuchung medialer Gewalt und die Problematik einer plausiblen Interpretation der Ergebnisse: Das Kapitel kritisiert methodische Schwächen in der empirischen Forschung, insbesondere die Fokussierung auf monokausale Erklärungsansätze und die Vernachlässigung individueller Rezipientenmerkmale.

5. Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass kein direkter, universeller Kausalzusammenhang zwischen Medienkonsum und Gewaltverhalten belegbar ist und fordert multidimensionale Forschungsansätze.

Schlüsselwörter

Mediengewalt, Fernsehkonsum, Rezipientenforschung, Imitationsansatz, Katharsis-Hypothese, Aggressionspotential, Wirkungsforschung, ängstliche Weltbilder, Medienwirkung, Sozialisation, Mediensoziologie, Desensibilisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Wirkung von Gewalt im Fernsehen auf den Zuschauer und untersucht, ob und inwiefern der Konsum solcher Darstellungen das reale Verhalten der Rezipienten beeinflussen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit thematisiert die Definition von Gewalt, stellt klassische medienpsychologische Wirkungsmodelle vor und setzt sich kritisch mit den Methoden und Interpretationsweisen empirischer Medienwirkungsstudien auseinander.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu geben und die Problematik einer zu simplifizierten Interpretation von Medieneinflüssen wissenschaftlich zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema, indem sie existierende wissenschaftliche Literatur, Theorien und empirische Studien analysiert und deren Aussagekraft kritisch bewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Klärung von Gewalt, die detaillierte Darstellung theoretischer Ansätze (wie soziales Lernen oder Habitualisierung) und eine methodische Reflexion zur Interpretation von Studienergebnissen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Mediengewalt, Rezipientenforschung, Wirkungsmodelle, Sozialisation, Aggression sowie die methodische Kritik an einer monokausalen Betrachtungsweise.

Warum ist die Unterscheidung zwischen „Macht“ und „Gewalt“ für die Autorin relevant?

Die Arbeit betont diese Unterscheidung, um aufzuzeigen, dass wissenschaftliche Definitionen von Gewalt oft unpräzise sind und die Komplexität menschlicher Handlungen in sozialen Kontexten zu kurz greifen.

Welche Rolle spielen „individuelle Variablen“ in der Argumentation?

Die Arbeit argumentiert, dass die Wirkung von Medien maßgeblich von persönlichen Merkmalen der Rezipienten wie Alter, Sozialstatus und psychischer Verfassung abhängt, weshalb pauschale Aussagen ohne Einbeziehung dieser Variablen oft irreführend sind.

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Details

Title
Gewalt im Fernsehen und ihre Auswirkungen auf den Rezipienten
College
Free University of Berlin  (Institut für Soziologie)
Course
Politik, Macht und Gewalt
Grade
1,0
Author
Thomas Sauermann (Author)
Publication Year
2000
Pages
14
Catalog Number
V2219
ISBN (eBook)
9783638113588
Language
German
Tags
Politik Macht Gewalt Medien Medienpolitik Mediensysteme Publizistik Journalismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Sauermann (Author), 2000, Gewalt im Fernsehen und ihre Auswirkungen auf den Rezipienten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2219
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