In der Standortwahl und Clusterung von Populärmusik-Tonträgerunternehmen herrscht seit einigen Jahren eine enorme Dynamik, die vor allem durch die neue Positionierung Berlins zustande gekommen ist. Hier entstehen ständig neue Unternehmen, andere wandern aus allen Orten Deutschlands in die Hauptstadt ab. Besonders Hamburg und Köln stemmen sich gegen diesen Trend. Was macht München? Und welche Bedeutung hat überhaupt der Standort München für Populärmusik-Tonträgerunternehmen?
Aufgabe und zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist es, die Bedeutung des Standortes München für Populärmusik-Tonträgerunternehmen zu beurteilen. Diese Aufgabe wird in drei Schritten gelöst: Quantitative Bestandsaufnahme, Extraktion von für diese Unternehmen allgemein relevanten Standortfaktoren, Bewertung dieser Faktoren für München.
Zunächst wird für die 15 größten deutschen Städte eine Bestandsaufnahme durchgeführt, wobei verschiedene Arten von Tonträgerunternehmen sowie deren Bestandsentwicklung berücksichtigt werden. Im zweiten Schritt der quantitativen Erhebung erfolgt ein spezifischer Vergleich der Tonträgerproduktion in München in Relation zu den Städten Hamburg und Berlin.
Zur qualitativen Beurteilung der quantitativen Ergebnisse wird auf Grundlage von Expertenaussagen ein Standortfaktorenkatalog erarbeitet. Besonderer Wert liegt darauf, Faktoren zu extrahieren, die nicht ubiquitär sind, sondern hinsichtlich derer sich auch und insbesondere die deutschen Großstädte unterscheiden. Des Weiteren wird hierbei nicht nur danach gefragt, welche Faktoren den Standort von bereits existierenden Unternehmen beeinflussen, sondern vor allem auch welche Faktoren eine Struktur begünstigen bzw. erschweren, aus der heraus neue Tonträgerunternehmen entstehen können. Berücksichtigung finden dabei insbesondere die Theorien der industriellen Clusterbildung. Letztendlich werden folgende Faktoren extrahiert: Image, Immobilienmarkt, Musikszene, Infrastruktur (Einrichtungen: Clubs, Plattenläden, Tonstudios), Kommunale Politik/Verwaltung, Medien sowie Netzwerke und Akteure.
Nach der allgemeinen Erläuterung der Wirkungsweise dieser Standortfaktoren und der Veränderung ihrer Bedeutung entlang historischer Entwicklungspfade von Unternehmen, werden diese Faktoren jeweils für die Stadt München bewertet. Die Beurteilung der Faktoren deckt Besonderheiten auf, die München zu einem außergewöhnlichen Standort für Populärmusik-Tonträgerunternehmen machen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufgabenstellung und Aufbau der Arbeit
3. Begriffsdefinitionen
3.1 Populärmusik
3.2 Musikszene
4. Das Tonträgerunternehmen
4.1 Das Tonträgerunternehmen im Prozess der Musikwirtschaft
4.2 Major- und Independent-Unternehmen
5. Methoden
5.1 Literaturrecherche, Quellenlage
5.2 Quantitative Bestandsaufnahme
5.3 Das Expertengespräch
5.4 Probleme bei der Durchführung
6. Quantitative Einordnung der Bedeutung des Standortes München in Relation zu anderen deutschen Standorten
7. Projektion der geographischen Standortlehre auf die Tonträgerindustrie und Entwicklung eines geeigneten Ansatzes
8. Die Bedeutung des Standortes für Tonträgerunternehmen
8.1 Standortfaktoren
8.1.1 Image
8.1.2 Immobilienmarkt
8.1.3 Musikszene
8.1.4 Infrastruktur (Einrichtungen: Clubs, Plattenläden, Studios)
8.1.4.1 Clubs/Live-Bühnen
8.1.4.2 Plattenläden
8.1.4.3 Tonstudios
8.1.5 Kommunale Politik und Verwaltung
8.1.6 Medien
8.1.6.1 TV
8.1.6.2 Radio
8.1.6.3 Print
8.1.7 Netzwerke und Akteure
8.2. Die Veränderung der Bedeutung des Standortes im Kontext der Entwicklung des Unternehmens
9. Bewertung Münchens als Standort für Populärmusik-Tonträgerunternehmen anhand der Standortfaktoren
9.1 Image
9.1.1 Nationale Außenwirkung
9.1.2 Innenwirkung
9.1.3 Internationale Außenwirkung
9.2 Immobilienmarkt
9.3 Infrastruktur (Einrichtungen: Clubs, Plattenläden, Studios)
9.3.1 Clubs
9.2.2 Tonstudios
9.3.3 Plattenläden
9.4 Kommunale Politik und Verwaltung
9.5 Medien
9.5.1 TV
9.5.2 Print
9.5.3 Radio
9.6 Musikszene – Netzwerke - Akteure
9.6.1 Die verschiedenen Szenen
9.6.2 Bewertung des Netzwerkes
10. Entwicklungsperspektiven und Handlungsempfehlungen
10.1 Image
10.2 Immobilienmarkt
10.3 Musikszene/Netzwerke
10.4 Clubs/Live-Bühnen
10.5 Medien
10.6 Politik
11. Anregungen zur weiteren Forschung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung Münchens als Standort für Tonträgerunternehmen der Populärmusik. Das Hauptziel besteht darin, die Standortqualität Münchens zu bewerten, Entwicklungsdynamiken im Bereich der Tonträgerunternehmen zu analysieren und Handlungsempfehlungen für Politik und Akteure der Musikwirtschaft abzuleiten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes im Vergleich zu anderen Musikmetropolen zu sichern.
- Analyse der Bedeutung Münchens als Standort für Populärmusik-Tonträgerunternehmen.
- Quantitative Bestandsaufnahme und Clusterung von Unternehmen in deutschen Großstädten.
- Qualitative Untersuchung der Standortfaktoren wie Image, Immobilienmarkt und Musikszene.
- Bewertung der Rolle von Medien und lokalen Netzwerken bei der Unternehmensentwicklung.
- Erstellung von Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Musikstandortes München.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Standortes für Tonträgerunternehmen
Spricht man von der Bedeutung eines Standortes für bestimmte Unternehmen, so hängt dies - wie schon in Kapitel 6 angemerkt - mit der Frage zusammen, aus welchen Gründen die zu untersuchenden Unternehmen gegründet werden. Aus den Expertengesprächen sowie der bestehenden Literatur geht hervor, dass die Gründung von Musiklabeln praktisch nie aus strategischen Standorterwägungen, die sich auf das Abwägen günstiger bzw. ungünstiger Standortfaktoren beziehen, heraus geschieht. Meist findet die Gründung dort statt, wo sich die jeweilige Person gerade befindet, d.h. ausschlaggebend ist die persönliche Bindung an den Raum. Um die Entstehung bzw. Clusterung von Musiklabeln an einem Standort zu erklären, sollte man also die Frage nicht nur nach den günstigen bzw. ungünstigen Standortfaktoren für Tonträgerunternehmen stellen, sondern vielmehr auch analysieren, welche Personengruppen diese Labels gründen und was sie vorher gemacht haben, um dann die Frage der Standortfaktoren eine Stufe weiter unten anzusetzen und zu fragen, welche Standortfaktoren begünstigen bzw. erschweren eine Struktur, aus der heraus Tonträgerunternehmen gegründet werden.
Bei kleinen Labels, die den Großteil der Tonträgerunternehmen ausmachen, geschieht die Gründung praktisch ausschließlich aus der „Szene“ heraus. Das heißt, spätere Labelinhaber waren vor der Labelgründung schon im Musikgeschäft in irgendeiner Weise tätig, sei es als Clubbetreiber, als Musiker, Musikjournalist, Booker, Promoter oder ähnliches. Ob die Gründung allerdings erfolgreich ist, ob das Unternehmen überleben kann, hängt dann damit zusammen, ob die Standortfaktoren bzw. Strukturen, in die hinein das Unternehmen gegründet wird günstig bzw. ungünstig sind. Wie zuvor jedoch erwähnt, erfolgt diese Abwägung nicht im Vorfeld, unter anderem auch deshalb, da der Labelgründer in der Regel im Unterschied zum homo oeconomicus keine vollständigen Informationen besitzt, widersprüchliche Ziele verfolgt und außerdem die Aktivitäten in einem Umfeld stattfinden, das ständigen Veränderungen unterworfen ist und somit nicht planbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die aktuelle Situation der deutschen Musikwirtschaft ein und stellt die Relevanz der Untersuchung des Standortes München im Kontext der Populärkultur dar.
2. Aufgabenstellung und Aufbau der Arbeit: Es werden die Forschungsfragen definiert und die methodische Vorgehensweise in vier Schritten skizziert.
3. Begriffsdefinitionen: Die Begriffe „Populärmusik“ und „Musikszene“ werden für den spezifischen Untersuchungsrahmen der Arbeit abgegrenzt.
4. Das Tonträgerunternehmen: Dieses Kapitel beschreibt die Wertschöpfungskette eines Tonträgers und unterscheidet zwischen verschiedenen Unternehmenstypen wie Majors und Indies.
5. Methoden: Hier werden die Quellen der Literaturrecherche, die quantitative Bestandsaufnahme und das Vorgehen bei den Expertengesprächen erläutert.
6. Quantitative Einordnung der Bedeutung des Standortes München in Relation zu anderen deutschen Standorten: Eine statistische Analyse vergleicht die Anzahl der Tonträgerunternehmen in den 15 größten deutschen Städten.
7. Projektion der geographischen Standortlehre auf die Tonträgerindustrie und Entwicklung eines geeigneten Ansatzes: Die Arbeit überträgt Konzepte der Standortforschung und Clustertheorien auf die Tonträgerindustrie.
8. Die Bedeutung des Standortes für Tonträgerunternehmen: Eine detaillierte theoretische und empirische Analyse der Standortfaktoren und deren zeitliche Entwicklung.
9. Bewertung Münchens als Standort für Populärmusik-Tonträgerunternehmen anhand der Standortfaktoren: Eine detaillierte Bewertung der verschiedenen Standortfaktoren (Image, Immobilien, Szene etc.) explizit für die Stadt München.
10. Entwicklungsperspektiven und Handlungsempfehlungen: Abschließend werden Zukunftsszenarien diskutiert und konkrete Handlungshinweise für politische Entscheidungsträger und Branchenakteure gegeben.
11. Anregungen zur weiteren Forschung: Es werden Forschungsfelder für zukünftige Arbeiten vorgeschlagen, insbesondere zur netzwerkorientierten Analyse.
Schlüsselwörter
München, Populärmusik, Tonträgerunternehmen, Musikwirtschaft, Standortfaktoren, Clusterbildung, Musikszene, Immobilienmarkt, Musiklabels, Standortpolitik, Netzwerk, Kulturwirtschaft, Major, Independent, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomische und kulturelle Bedeutung Münchens als Standort für Unternehmen der Populärmusik-Tonträgerbranche vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Medienlandschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rolle von Standortfaktoren (wie Immobilienmarkt und Image), die Bedeutung von Netzwerken und Akteuren sowie die Auswirkungen kommunaler Politik auf die Entwicklung von Musikunternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Standortqualität Münchens für Tonträgerunternehmen zu bewerten und herauszuarbeiten, warum sich bestimmte Strukturen bilden oder abwandern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einem explorativen Ansatz: einer quantitativen Bestandsaufnahme von Musikunternehmen in Deutschland sowie einer qualitativen Erhebung durch 21 Expertengespräche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie sich das Image, der Immobilienmarkt, die Clubszene und mediale Infrastrukturen konkret auf die unternehmerischen Rahmenbedingungen in München auswirken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
München, Standortfaktoren, Populärmusik, Musik-Cluster, Immobilienmarkt, Netzwerk-Analyse, Tonträgerunternehmen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „Kunstpark Ost“ in München?
Der Autor bewertet den „Kunstpark Ost“ kritisch; er wird als „Vergnügungsghetto“ mit kommerziellem Fokus gesehen, das wenig zur echten Vernetzung der lokalen Musikszene beigetragen hat.
Warum ist die „Weilheim-Szene“ für das Verständnis der Untersuchung wichtig?
Sie dient als exemplarisches Beispiel für ein Netzwerk, das sich organisch entwickelt hat und dessen Transfer von einem ländlichen Raum in die Großstadt München wichtige Rückschlüsse auf die Bedeutung informeller Netzwerke zulässt.
- Citation du texte
- Alexander Bock (Auteur), 2003, Die Bedeutung Münchens als Standort für Populärmusik-Tonträgerunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22452