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Verzerrungen im standardisierten Forschungsinterview - Interviewerzentrierte Ansätze

Title: Verzerrungen im standardisierten Forschungsinterview - Interviewerzentrierte Ansätze

Term Paper , 2003 , 16 Pages , Grade: 1-

Autor:in: Anja Wieben (Author)

Politics - Methods, Research
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Summary Excerpt Details

Die einfachste Definition des Interviews enthält lediglich zwei Faktoren: Zum einen besteht
es zum größten Teil aus Fragen und Antworten. Zum Zweiten sind die Rollen der
Teilnehmer klar definiert: Der Interviewer stellt die Fragen, der Befragte beantwortet sie.1
Ummantelt wird dieser Frage – Antwort – Prozess durch die soziale Situation des Interviews,
die bei der Untersuchung von Verzerrungen im Interview allgemein auch eine
wichtige Rolle spielt. Primäres Ziel des Forschungsinterviews ist es, „Verhalten und Bewußtsein
der untersuchten Subjekte ausschließlich in seinem gegebenen Zustandt [zu] erfassen
und verändernde Einflüsse im Untersuchungsprozess möglichst [auszuschalten].“2
Das standardisierte Forschungsinterview muss, um ein solches zu sein, weitere Kriterien
erfüllen: das Kriterium der wissenschaftlichen Zielsetzung, welches die Abgrenzung gegenüber
anderen Interviewarten erlaubt, das Kriterium der Planmäßigkeit des Vorgehens
und das Kriterium des implizierten Stimulus-Reaktions-Modells.
Die Planmäßigkeit des Vorgehens bedingt den Grad der Strukturierung des Informationsaustausches
und damit die Verhaltenseinschränkungen auf Seiten des Interviewers. Der
Grad der Strukturierung hängt von den Bedingungen des zu erforschenden Gebietes ab. So
sollen Vergleichbarkeit und intersubjektive Kontrolle sichergestellt werden.
Auf die Frage, den Stimulus, reagiert der Befragte indem er eine Antwort gibt. Um diese
Antworten zu zählen und anschließend Rückschlüsse aus ihnen ziehen zu können, muss
gewährleistet sein, dass die verschiedenen Befragten auf denselben Stimulus reagieren.
Auf Probleme, die dieses Kriterium mit sich bringt, werde ich später, unter der Rolle des
Interviewers, noch explizit eingehen.3
1 vgl. Fowler, Floyd J. Jr.; Mangione, Thomas W., 1990, S. 11
2 Berger, Hartwig, 1974, S. 32
3 vgl. Atteslander, Peter; Kneubühler, Hans-Ulrich, 1975, S. 17ff

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Das standardisierte Interview

1.1 Definition

1.2 Verzerrungen im Interview

2 Verzerrungen durch den Interviewer

2.1 Die Rolle des Interviewers

2.2 Der Interviewstil

2.3 Abweichendes Verhalten

2.3.1 Vorlesen der Fragen

2.3.2 Notieren der Antworten

2.3.3 „Nachhaken“ (Probing)

2.3.4 Einstellungen und Erwartungshaltungen

2.3.5 Neutrales Verhalten

2.4 Charakteristiken des Interviewers

3 Kritik an interviewerzentrierten Ansätzen und Alternativen dazu

3.1 Soziale Erwünschtheit

3.2 Normensyndrome

3.3 Interaktionszentrierte Ansätze

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Verzerrungen innerhalb standardisierter Forschungsinterviews mit einem spezifischen Fokus auf interviewerzentrierte Ansätze. Ziel ist es, die Ursachen für solche Verzerrungen zu identifizieren und die daraus resultierenden methodischen Herausforderungen für die empirische Sozialforschung kritisch zu beleuchten.

  • Grundlagen des standardisierten Interviews und dessen Kriterien
  • Einflussfaktoren und Verzerrungspotenziale durch den Interviewer
  • Die Rolle von Abweichungen vom Standard bei der Befragungsdurchführung
  • Theoretische Kritik an der Fokussierung auf den Interviewer
  • Alternative Erklärungsmodelle wie soziale Erwünschtheit und Normensyndrome

Auszug aus dem Buch

2.3.3 „Nachhaken“ (Probing)

Wenn ein Befragter eine Frage offensichtlich falsch versteht und sie nicht korrekt beantwortet, muss der Interviewer ihn zu einer adäquaten, validen Antwort bewegen, ohne dabei verzerrend auf das Ergebnis zu wirken. Dies gehört zu den schwierigsten Aufgaben, die der Interviewer zu bewältigen hat. Hat der Befragte lediglich akustisch nicht alles verstanden, muss der Interviewer die komplette Frage noch einmal vorlesen, bei geschlossenen Fragen inklusive aller Antwortmöglichkeiten. Dies ist nötig, um den Stimulus nicht zu verändern, d.h. die Standardisierung und damit die Vergleichbarkeit zu wahren. Aus demselben Grund darf der Interviewer bei Verständnisproblemen auch nicht mit Definitionen oder anderen Erklärungen aushelfen. Generell muss man hier bei den unterschiedlichen Fragetypen unterscheiden.

Bei geschlossenen Fragen ist es Aufgabe des Interviewers, den Befragten darauf hinzuweisen, dass er eine oder mehrere Antwortmöglichkeiten auswählen muss. Auf keinen Fall darf der Interviewer sich mit einer gegebenen Antwort, mit der der Befragte jedoch nicht explizit eine Antwortmöglichkeit ausgewählt hat, zufrieden geben und sie nach seinem Ermessen kategorisieren. Ebenfalls darf er nicht vergessen, wie oben schon erwähnt, alle Antwortmöglichkeiten zu wiederholen.

Bei Skalenfragen ist die größte Gefahr das „directive probing“, was bedeutet, dass eine oder mehrere Antwortmöglichkeiten wahrscheinlicher gewählt werden. Ein Nachfragen bei einer Skalenfrage, worauf der Befragte mit „Ja“ oder „Nein“ antworten kann, gehört z. B. dazu, da so meist nur eine Möglichkeit zur Beantwortung ausgewählt wird. Eine adäquate Möglichkeit bei Skalenfragen nachzuhaken ist das „zeroing in“: Ein Befragter antwortet beispielsweise auf die Frage, welche Note von 1 bis 6 er dem niedersächsischem Schulsystem geben würde, mit „recht gut“. Falsch wäre es zu fragen, ob er ihm damit eine 1 oder 2 meinte, da so die ursprüngliche Skala verfälscht wird. Stattdessen kann der Interviewer fragen, ob er dem Schulsystem eine Note unter 3, 3 oder über 3 geben wollte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Das standardisierte Interview: Einführung in die methodischen Anforderungen des standardisierten Forschungsinterviews unter besonderer Berücksichtigung des Stimulus-Reaktions-Modells.

2 Verzerrungen durch den Interviewer: Analyse der Rolle des Interviewers, des Interviewstils sowie spezifischer Fehlerquellen wie abweichendem Verhalten und individuellen Erwartungshaltungen.

3 Kritik an interviewerzentrierten Ansätzen und Alternativen dazu: Kritische Auseinandersetzung mit der alleinigen Fokussierung auf den Interviewer und Vorstellung ganzheitlicher Konzepte wie soziale Erwünschtheit und interaktionszentrierte Ansätze.

Schlüsselwörter

Standardisiertes Interview, Verzerrungen, Interviewer, Befragung, Reaktivität, Probing, Soziale Erwünschtheit, Normensyndrome, Kommunikationssituation, Forschungsmethode, empirische Sozialforschung, Interaktionsdynamik, Antwortverhalten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit thematisiert die Entstehung von Messfehlern und Verzerrungen in der empirischen Sozialforschung, speziell innerhalb des standardisierten Forschungsinterviews.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Rolle des Interviewers, dem Einfluss von Verhaltensregeln, der Problematik von Interpretationsspielräumen sowie alternativen Erklärungsansätzen für Verzerrungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Komplexität der Interviewer-Befragten-Interaktion aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass Verzerrungen nicht nur durch den Interviewer, sondern durch das soziale Gesamtsystem entstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die verschiedene methodologische Ansätze der empirischen Politikforschung analysiert und diskutiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Rolle und das Verhalten des Interviewers, Fehler beim Probing, die Bedeutung von Erwartungshaltungen sowie die Kritik an rein interviewerzentrierten Modellen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Standardisiertes Interview, Verzerrungen, Interviewer, Probing, soziale Erwünschtheit und Reaktivität.

Warum ist "directive probing" bei Skalenfragen problematisch?

Es gefährdet die Validität, da der Interviewer durch suggestives Nachfragen die Antwortmöglichkeiten des Befragten unzulässig einschränkt und so die ursprüngliche Skala verfälscht.

Welche Rolle spielen Normensyndrome bei der Verzerrung?

Normensyndrome zeigen, dass Befragte widersprüchliche Antworten geben können, weil sie zwischen verschiedenen gesellschaftlichen und gruppenspezifischen Erwartungen in der Interviewsituation abwägen müssen.

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Details

Title
Verzerrungen im standardisierten Forschungsinterview - Interviewerzentrierte Ansätze
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Methoden der empirischen Politikforschung
Grade
1-
Author
Anja Wieben (Author)
Publication Year
2003
Pages
16
Catalog Number
V22456
ISBN (eBook)
9783638257732
Language
German
Tags
Verzerrungen Forschungsinterview Interviewerzentrierte Ansätze Methoden Politikforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Wieben (Author), 2003, Verzerrungen im standardisierten Forschungsinterview - Interviewerzentrierte Ansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22456
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